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ESC Congress 2026: Gefäßalterung beginnt schon früh

Subklinische Atherosklerose ist bereits bei jungen Erwachsenen häufig

Atherosklerose kann sich über Jahrzehnte entwickeln, bevor sie klinisch durch Myokardinfarkt, Schlaganfall oder plötzlichen Herztod manifest wird. In der REACT-Studie wurde untersucht, wie häufig eine solche subklinische Gefäßalterung bereits bei vermeintlich gesunden Erwachsenen ab 18 Jahren vorkommt.

Subklinische Atherosklerose ist bereits im frühen Erwachsenenalter lange vor dem Auftreten klinischer Manifestationen nachweisbar und nimmt mit zunehmendem Alter deutlich zu. Dies geht aus aktuellen Daten einer europäischen Querschnittsstudie mit 16808 Erwachsenen hervor, die im Rahmen des ESC Congress 2026 im August vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine publiziert wurden.1

In der REACT-Studie war etwa jeder 13. der 18- bis 29-Jährigen betroffen, bei den 60- bis 70-Jährigen waren es 9 von 10. Die Daten zeigen zudem deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede und werfen die Frage auf, ob bildgebende Verfahren künftig eine größere Rolle in der Primärprävention spielen könnten.

REACT-Studie: mehr als die Hälfte mit Atherosklerose

In die Querschnittsanalyse wurden 16808 Erwachsene aus Dänemark und Spanien im Alter von 18 bis 70 Jahren eingeschlossen. Bei keinem der Teilnehmenden war zuvor eine atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung bekannt. Das Durchschnittsalter betrug 45 Jahre, Frauen und Männer waren in den einzelnen Altersgruppen jeweils zu gleichen Anteilen vertreten. Zur Detektion atherosklerotischer Veränderungen kamen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz. Karotis- und Femoralarterien wurden mittels dreidimensionalen Gefäßultraschalls untersucht, die Koronararterien mittels CT-Angiografie und Bestimmung der koronaren Kalzifizierung.

Bei insgesamt 57,1% der untersuchten Personen ließ sich eine subklinische Atherosklerose nachweisen. Dabei zeigten sich bereits bei jungen Erwachsenen Gefäßveränderungen: Unter den 18- bis 29-Jährigen war etwa jeder 13. betroffen. Mit zunehmendem Alter stieg die Prävalenz deutlich an und erreichte bei den 60- bis 70-Jährigen rund 90%. Neben der Häufigkeit nahm mit dem Alter auch die Ausdehnung der Erkrankung zu. Das atherosklerotische Plaquevolumen stieg exponentiell an.

Männer sind fünf bis zehn Jahre „voraus“

Die Analyse zeigte zudem deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Bei Männern nahm die Prävalenz der Atherosklerose bereits in jüngeren Jahren zu. Bei Frauen setzte der Anstieg später ein, verlief in der Lebensmitte – etwa im typischen Alter der Menopause – jedoch besonders steil. Nach Angaben der Studienautoren entspricht die atherosklerotische Entwicklung bei Männern damit einem zeitlichen Vorsprung von etwa fünf bis zehn Jahren gegenüber Frauen.

Die Befunde aus verschiedenen Gefäßregionen unterstreichen zudem den systemischen Charakter der Erkrankung: Die meisten Personen mit subklinischer koronarer Atherosklerose wiesen auch Veränderungen an den Karotis- und/oder Femoralarterien auf.

SCORE2 übersieht viele Betroffene

Besonders relevant für die Primärprävention war der Vergleich mit der konventionellen Risikostratifizierung. Diese basiert bislang im Wesentlichen auf Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Blutdruck und Cholesterinwerten. Ob bereits atherosklerotische Plaques vorhanden sind, wird dabei nicht direkt berücksichtigt. In REACT stufte der etablierte Risikoscore SCORE2 nur einen kleinen Teil der Personen mit bildgebend nachgewiesener Atherosklerose als Hochrisikopatienten ein. Besonders ausgeprägt war diese Diskrepanz bei jüngeren Teilnehmern.

Damit kann insbesondere bei jüngeren Menschen trotz eines niedrigen berechneten kurzfristigen kardiovaskulären Risikos bereits eine relevante atherosklerotische Gefäßerkrankung vorliegen.

Stellenwert der Bildgebung noch offen

Ob sich aus dem frühen Nachweis subklinischer Atherosklerose tatsächlich ein klinischer Nutzen ableiten lässt, ist mit den vorliegenden Daten noch nicht beantwortet. Die Ergebnisse stammen aus einer Beobachtungsstudie und belegen nicht, dass ein generelles bildgebendes Screening oder eine darauf basierende Therapie kardiovaskuläre Ereignisse reduziert.

Genau diese Frage soll nun prospektiv untersucht werden. Die Studienautoren wollen prüfen, ob eine bildgebungsgesteuerte Präventionsstrategie bei Personen mit frühen atherosklerotischen Veränderungen den bisherigen risikofaktorbasierten Ansatz verbessern kann. Als mögliche niedrigschwellige Methode kommt dabei auch der Einsatz handgehaltener Ultraschallgeräte infrage. Im Rahmen der zweiten Phase der REACT-Initiative ist dazu eine große randomisierte Studie geplant. (red)

ESC-Pressemeldung vom 29. August 2026

1 Bundgaard H et al.: Prevalence of silent atherosclerosis across adult life. N Engl J Med 2026; doi: 10.1056/NEJMoa26090

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