Ein Querschnitt neuer Forschungsdaten
Bericht:
Dr. med. Norbert Hasenöhrl
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In einer Highlight-Session am Kongress der European Academy of Neurology in Budapest wurden neue, spannende Aspekte zu Diagnostik und Therapie zerebrovaskulärer Erkrankungen präsentiert. Hier einige Ausschnitte.
Prof. Dr. med. Roland Wiest, Universitätsspital Bern, Schweiz, erklärte eingangs: «Ich möchte Sie auf eine Reise durch die interessantesten Präsentationen zu zerebrovaskulären Erkrankungen führen, die hier am Kongress gegeben wurden.»
Das erste Thema war die Neuropathologie des Schlaganfalls. «Prof. László Csiba aus Debrecen, Ungarn, konnte zeigen, dass in Autopsien ca. 9 bis 10% unerkannte Diagnosen, die das Outcome bzw. die Behandlung beeinflussten, aufgedeckt werden konnten», so Wiest. So wurden in 1,5% maligne systemische Tumoren gefunden, die zu Lebzeiten unentdeckt geblieben waren, in 15% hämorrhagische Transformationen und in 18% Embolien. «Dies verändert unser Wissen um die tatsächliche Inzidenz von Schlaganfall-bezogenen thromboembolischen Ereignissen und Blutungen», kommentierte Wiest.
Genomanalyse zum Schlaganfallrisiko
«Prof. Stéphanie Debette, Universität Bordeaux, Frankreich, konnte in einer Genom-weiten Assoziationsstudie1 mehr als sieben Millionen Single-Nucleotide-Polymorphismen analysieren, wobei insgesamt 60 Varianten, die mit Schlaganfall assoziiert wurden, nachgewiesen werden konnten – und zwar primär in einer Population von 110182 Schlaganfallpatienten», so Wiest. In einer zweiten Population von 89084 Patienten konnten 87% der primären und 60% der sekundären Gen-Loci reproduziert werden. Die Populationen umfassten Menschen mit unterschiedlichen Vorfahren aus Europa, Ostasien, Afrika, Südasien und Südamerika. «Einige der neu entdeckten Loci könnten auch Ziele für neue therapeutische Ansätze identifizieren», so der Schweizer Mediziner.
Lyse plus Thrombektomie besser als Thrombektomie allein
Eine Random-Effekt-Metaanalyse von sechs Studien untersuchte die Frage, ob vor einer mechanischen Thrombektomie (MT) bei Okklusion eines grossen Gefässes im anterioren Hirnkreislauf eine intravenöse Thrombolyse (IVT) erfolgen sollte oder nicht. Daraus resultierten Empfehlungen der European Stroke Organisation (ESO) zusammen mit der European Society of Minimally Invasive Neurological Therapy (ESMINT).2
Sie lauten, dass eine Kombination von IVT und MT einer alleinigen MT vorzuziehen ist, sofern dies in einem Zentrum innerhalb von 4,5Stunden nach Symptombeginn erfolgen kann. Andernfalls sollte nach Beginn der IVT so schnell wie möglich ein Transfer in ein solches Zentrum erfolgen.
Prof. Urs Fischer, Universitätsspital Basel, analysierte Studien zur Reperfusionstherapie im vorderen Stromgebiet3–5 und fasste die aktuelle Studienlage bei einem ASPECTS Score von 3–5 zusammen. Die Thrombektomie verbessert die Outcomes bis zu 24 Stunden nach dem Ereignis, selbst dann, wenn ein grosser Infarkt vorliegt. Trotz relativer Verbesserungen zeigen allerdings viele Patienten relevante Behinderungen.
Künstliche Intelligenz –ja oder nein?
Künstliche Intelligenz (AI) wird in vielen Zentren bereits verwendet, nicht zuletzt zur automatisierten Analyse bildgebender Verfahren zum Nachweis eines proximalen Gefässverschlusses oder für die Prädiktion des Outcomes nach einem Schlaganfall. «Das Problem besteht allerdings darin, dass wir derzeit keine publizierten RCTs – und auch sonst kaum prospektive Studien – haben, die etwas über die Wirksamkeit der AI in diesem Einsatzgebiet aussagen», schränkte Wiest ein. «Im Augenblick laufen allerdings mehrere prospektive interventionelle Studien zu diesem Thema», so der Experte.
Quelle:
Highlights: «Cerebrovascular Diseases», Vortrag von Prof. Dr. med. Roland Wiest, 9. Kongress der European Academy of Neurology (EAN), 4. Juli 2023, Budapest
Literatur:
1 Mishra A et al.: Nature 2022; 611(7934): 115-23 2 Turc G et al.: J Neurointerv Surg 2022; 14(3): 209 3 Yoshimura S et al.: N Engl J Med 2022; 386: 1303-13 4 Huo X et al.: N Engl J Med 2023; 388(14): 1272-83 5 Sarraj A et al.: N Engl J Med 2023; 388(14): 1259-71
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