COPD und Asthma: mehr Exazerbationen durch PPI?
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Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) mit Exazerbationen bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen in Verbindung stehen könnte. Mögliche Erklärungen sind Veränderungen des Darmmikrobioms und die Translokation potenziell pathogener Keime in die Lunge.
Protonenpumpenhemmer (PPI) gehören zu den meistverordneten Arzneimitteln, auch bei Patient:innen mit Asthma, COPD oder Asthma-COPD-Overlap. Gerade in dieser Population ist gastroösophagealer Reflux häufig, der respiratorische Symptome verstärken kann. Ob PPI bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen eher schützen oder schaden, war bislang unklar. Die vorliegende landesweite Kohortenstudie aus Belgien untersuchte diese Frage anhand von Versorgungsdaten.
Analyse der Daten von 932000 Patient:innen
In der Studie nutzten die Forscher:innen belgische Gesundheitsdaten aus den Jahren 2017–2022, um 932 135 Patient:innen mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen zu identifizieren, von denen 44,6% über den Zeitraum von fünf Jahren PPI-Rezepte erhielten.1 Patient:innen, die PPI einnahmen, wiesen mehr Begleiterkrankungen auf und hatten zuvor bereits Exazerbationen ihrer Lungenerkrankung erlebt; die Forscher:innen berücksichtigten diese und andere Kovariaten, um das mit der PPI-Einnahme verbundene Risiko für Exazerbationen zu untersuchen.
Exazerbationsrisiko um 18% erhöht
Das Ergebnis: Patient:innen, die PPI erhielten, wiesen ein um 18% höheres Risiko für Exazerbationen auf als diejenigen, die keine PPI erhielten (Rate pro 100 Personenjahre: 78 vs. 49; adjustierte Hazard-Ratio: 1,18; 95% CI: 1,17–1,19). Das Exazerbationsrisiko stieg progressiv mit zunehmender kumulativer PPI-Exposition an.
Die Assoziation war am stärksten bei:
-
Patient:innen <50 Jahren,
-
nicht frailen Personen,
-
Konstellationen mit theoretisch erhöhtem PPI-Plasmaspiegel.
In einer Sensitivitätsanalyse war die kurzfristige PPI-Einnahme (kumulative Einnahme ≤6 Monaten) bei Patient:innen mit gastroösophagealer Refluxkrankheit nicht signifikant mit einem erhöhten Exazerbationsrisiko assoziiert.
Mögliche Mechanismen
Biologisch diskutieren die Autor:innen mehrere plausible Mechanismen. PPI können die Magen- und Darmmikrobiota verändern und über die Darm-Lungen-Achse systemische sowie pulmonale Entzündungsprozesse beeinflussen. Zudem könnten sie den Krankheitsverlauf über Effekte auf lysosomale Protonenpumpen, endotheliale Funktion und oxidativen Stress beeinflussen. Bei Asthma wird außerdem eine veränderte Proteinverdauung durch PPI mit möglicher Förderung allergischer Sensibilisierung diskutiert. Auch ein Mikronährstoffmangel durch PPI könnte zum Exazerbationsrisiko beitragen. Diese Mechanismen bleiben jedoch hypothetisch.
Fazit
Die Studie ist stark durch ihre Größe, den landesweiten Versorgungsdatenansatz und die Berücksichtigung zahlreicher Confounder. Dennoch bleibt sie beobachtend: Kausalität lässt sich nicht beweisen. Angaben zu Lungenfunktion, Symptomlast, tatsächlicher Medikamenteneinnahme und vollständigem Rauchstatus fehlten oder waren nur indirekt verfügbar. Auch nicht erfasste OTC-PPI könnten die Exposition unterschätzt haben. Residuales Confounding ist daher möglich.
Für die Praxis liefert die Arbeit kein pauschales „PPI-Verbot“, aber ein klares Deprescribing-Signal: Bei Patient:innen mit Asthma, COPD oder Asthma-COPD-Overlap sollte die Indikation für PPI regelmäßig überprüft werden. Kurzzeittherapie bei gesicherter GERD bleibt vertretbar. Langfristige Anwendung ohne klare fortbestehende Indikation sollte dagegen kritisch hinterfragt werden – insbesondere bei hoher kumulativer Dosis oder Interaktionen, die den PPI-Spiegel erhöhen. (red)
Literatur:
1 Dehondt V et al.: Exacerbation risk by chronic proton pump inhibitor use in obstructive lung diseases. Chest 2026; 169(5): 1218
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