Reduktion HPV-assoziierter Karzinome: 9-valenter Impfstoff auch bei männlichen Jugendlichen
Autor:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat
Universitätsklinik für Urologie
Medizinische Universität Wien
Sie sind bereits registriert?
Loggen Sie sich mit Ihrem Universimed-Benutzerkonto ein:
Sie sind noch nicht registriert?
Registrieren Sie sich jetzt kostenlos auf universimed.com und erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln, bewerten Sie Inhalte und speichern Sie interessante Beiträge in Ihrem persönlichen Bereich
zum späteren Lesen. Ihre Registrierung ist für alle Unversimed-Portale gültig. (inkl. allgemeineplus.at & med-Diplom.at)
Eine aktuelle Kohortenstudie liefert erstmals belastbare Evidenz für die Schutzwirkung des 9-valenten HPV-Impfstoffes (9v-HPV) bei adoleszenten und jungen erwachsenen Männern.
Während die Wirksamkeit der HPV-Impfung bei Frauen gut dokumentiert ist, fehlten bislang groß angelegte Studien, die die geimpften und ungeimpften männlichen Kohorten direkt vergleichen. Kitano und Yoshida haben nun im April 2026 Daten aus der globalen TriNetX-Datenbank ausgewertet und sind auf klinisch relevante Ergebnisse gekommen.
Studiendesign
In dieser multizentrischen retrospektiven Kohortenstudie wurden 615155 geimpfte und 2290623 ungeimpfte männliche Teilnehmer im Alter von 9 bis 26 Jahren aus den USA eingeschlossen (Indexzeitraum: Januar 2016 bis Dezember 2024). Nach Propensity Score Matching (PSM) umfasste jede Gruppe 510260 Personen, mit guter Balancierung der Kovariaten (standardisierte Mittelwertdifferenz: <0,1). Als primärer kombinierter Endpunkt galten HPV-assoziierte Karzinome: Kopf-Hals-, Ösophagus-, Anal- und Peniskarzinome (ICD-10-codiert). Das Follow-up des Outcomes begann 180 Tage nach dem Indexdatum.
Ergebnisse
Geimpfte Männer wiesen eine signifikant niedrigere Inzidenz des primären kombinierten Endpunkts auf (HR: 0,54; 95%CI: 0,37–0,81; p=0,002). Die Risikoreduktion blieb in beiden Alterssubgruppen stabil:
-
9–14Jahre – HR: 0,58 (95% CI: 0,34–0,97; p=0,04)
-
15–26 Jahre – HR: 0,50 (95% CI: 0,27–0,93; p=0,03)
Sensitivitätsanalysen mit modifizierten Follow-up-Zeiträumen von 1 bzw. 2 Jahren bestätigten die Signifikanz. Auch für den 2- bzw. 4-valenten Impfstoff zeigte sich eine vergleichbare Schutzwirkung (HR: 0,57; 95%CI: 0,35–0,94).
Einschränkungen
Die Diagnosen basieren ausschließlich auf der ICD-10-Codierung, ohne histologische Sicherung. Angaben zur Dosisanzahl sowie zum HPV-Infektionsstatus lagen nicht vor. Aufgrund geringer Fallzahlen außerhalb der USA ist die externe Validität eingeschränkt.
Relevanz für Österreich
In Österreich ist die HPV-Impfung seit 2014 für Mädchen und seit 2016 auch für Buben im Schulimpfprogramm kostenlos verfügbar – ein im europäischen Vergleich früh etabliertes, geschlechtsneutrales Angebot. Dennoch bleibt die Durchimpfungsrate, insbesondere bei Buben, weiterhin ausbaufähig. Darüber hinaus besteht für junge Erwachsene außerhalb des Schulalters (bis 30 Jahre) die Möglichkeit einer kostengünstigen Nachholimpfung im Rahmen des kostenfreien Impfprogramms.
Die vorliegende Studie liefert nun die bislang stärkste Evidenz dafür, dass diese Investition auch bei männlichen Jugendlichen onkologisch wirksam ist. Für die tägliche Praxis – ob in der Pädiatrie, Allgemeinmedizin oder Urologie – bedeutet das: Die aktive Empfehlung der HPV-Impfung für männliche Patienten ist nicht nur leitlinienkonform, sondern auch durch Outcomedaten aus einer mehr als 600000 Personen umfassenden Kohorte belegt.
Literatur:
● Kitano T, Yoshida S: Nine-valent human papillomavirus vaccination and related cancers in males. JAMA Oncol 2026. doi: 10.1001/jamaoncol.2026.0496
Das könnte Sie auch interessieren:
Highlights aus der Uroonkologie vom ASCO 2026
Am diesjährigen ASCO-Kongress wurden zahlreiche spannende Daten zu urologischen Tumoren präsentiert. Wir besprechen in diesem Artikel zwei davon, weitere können Sie in anderen Artikeln ...
Austrian School of Urology 2026: Weiterbildung, Austausch und Zukunftsgestaltung in Kals am Großglockner
Vom 11. bis 14. Juni 2026 wurde Kals am Großglockner erneut zum Treffpunkt des urologischen Nachwuchses in Österreich. Im Rahmen der Austrian School of Urology (ASU) kamen insgesamt 122 ...
Fokus Lebensqualität: patientenzentrierte robotische Chirurgie bei Prostatakrebs
Ein neuer chirurgischer Ansatz bei Prostatakrebs stellt an der MedUni Wien und am AKH Wien nicht mehr automatisch die Entfernung der Prostata in den Mittelpunkt, sondern die präzise ...