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Phagenmatch, Monitoring, Register

Neue Leitlinie standardisiert personalisierte Phagentherapie

Wenn Antibiotika versagen, können Bakteriophagen eine individualisierte Therapieoption sein. Eine internationale Leitlinie definiert nun erstmals praxisnahe Standards für Phagenmatch, Anwendung, Monitoring und Dokumentation – betont aber zugleich die noch begrenzte klinische Evidenz.

Bakteriophagen könnten künftig eine wichtige Ergänzung bei schwer behandelbaren bakteriellen Infektionen darstellen, insbesondere bei multiresistenten Erregern und ausgeschöpften antibiotischen Therapieoptionen, vor allem bei:

  • chronischen Atemwegsinfektionen,

  • schweren systemischen Infektionen,

  • Infektion von Knochen, Gelenken, Haut oder im HNO-Bereich.

In Ländern wie Belgien und den USA wird die Phagentherapie bereits erfolgreich eingesetzt, in Westeuropa überwiegend außerhalb der Regelversorgung.

Inhalte der neuen Leitlinie

Eine internationale Arbeitsgruppe unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) hat nun eine Leitlinie zur personalisierten Phagentherapie mit mehr als 60 Empfehlungen zu Phagenauswahl, Herstellung, Anwendung, Monitoring und Dokumentation vorgelegt.1

Eine Phagentherapie soll demnach insbesondere dann erwogen werden, wenn etablierte Therapien nicht wirksam, nicht verfügbar oder nicht geeignet sind. Da Phagen hochspezifisch gegen bestimmte bakterielle Wirte wirken, ist vor Therapiebeginn ein aktuelles „Phagenmatch“ erforderlich: Die Aktivität des vorgesehenen Phagen muss gegen den bei den Patient:innen isolierten Bakterienstamm getestet werden. Bei polymikrobiellen Infektionen sollen alle klinisch relevanten Erreger berücksichtigt werden. Empfohlen wird eine interdisziplinäre Fallbewertung durch behandelnde Ärzt:innen, klinische Mikrobiologie und Phagenexpert:innen.

Resistenzproblematik weitet sich aus

Das zunehmende Interesse an der Phagentherapie ist eng mit der Resistenzproblematik verknüpft. „Wir brauchen Ergänzungen zu den Antibiotikastrategien. Antibiotika kommen aber aktuell nicht in der Menge neu auf den Markt, wie wir sie brauchen, um gegen diese Resistenzen anzugehen“, erklärt Dr. Annika Yanina Claßen, Fachärztin für innere Medizin und Infektiologie und Leiterin der Arbeitsgruppe Bakteriophagen an der Universitätsklinik Köln. Potenziell vorteilhaft ist die hohe Wirtsspezifität: Im Gegensatz zu weniger selektiv wirkenden Antibiotika könnte die physiologische Bakterienflora stärker geschont werden.

Bisherige Erfahrungen

Klinische Erfahrungen liegen bislang vor allem aus individuellen Heilversuchen und Fallserien vor. Am Universitätsklinikum Frankfurt wurden zehn Patient:innen mit Phagen behandelt. „Alle Patientinnen und Patienten haben davon profitiert“, berichtet PD Dr. Silvia Würstle, betont jedoch zugleich: „Phagen sind keine Wunderwaffe“. In einer belgischen Fallserie mit 100 Patient:innen wurde bei 77% eine klinische Besserung und bei 61% eine Eradikation der behandelten Bakterien beschrieben. Solche Daten können kontrollierte klinische Studien jedoch nicht ersetzen.

Auch das Monitoring ist relevant: Eine rasche bakterielle Lyse kann mit Fieber einhergehen und eine Dosisanpassung erforderlich machen. Zudem kann die Phagenkonzentration bei längerer Lagerung abnehmen und sollte vor Anwendung kontrolliert werden. Direkte Empfehlungen für definierte Phagen bei bestimmten Krankheitsbildern enthält die Leitlinie aufgrund der derzeit begrenzten Evidenz noch nicht. Die Autoren setzen daher auf Registerdaten und weitere klinische Studien, um künftig konkrete Therapiealgorithmen ableiten zu können. (red)

Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) vom 21.9.2026

1 Würstle S et al.: A consensus-based guideline for personalized bacteriophage therapy. Nat Med 2026; doi: org/10.1038/s41591-026-04654-6

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