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Befragung durch die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE)

Nahrungsergänzung: Boom bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Eine aktuelle Befragung ergab, dass rund zwei Drittel der jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren zu Vitaminen, Proteinpräparaten und anderen Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Am häufigsten werden Molkeprotein, Vitamin- und Mineralstoff-Einzelpräparate, Omega-3-Produkte und Multipräparate eingenommen.

Im Auftrag der Arbeiterkammer Wien untersuchte die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) das Konsumverhalten von 569 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 25 Jahren.1 Bei der Onlinebefragung im Frühjahr 2026 gaben 64,5% an, innerhalb der vergangenen drei Monate Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verwendet zu haben. Während dies auf die Hälfte der 14- bis 17-Jährigen zutraf, waren es bei den 18- bis 25-Jährigen bereits 71,3%. Die Anwender nannten durchschnittlich vier unterschiedliche Supplementkategorien, in Einzelfällen sogar bis zu 14.

Whey-Protein ist am beliebtesten

Am häufigsten werden Whey(Molke)-Protein (46%), Vitamin- und Mineralstoff-Einzelpräparate (45,5%), Omega-3-Produkte (42,5%) und Multipräparate (39,8%) eingenommen. Auch Kreatin (34%) und Koffein (29%) sind weitverbreitet. Als wichtigste Einnahmemotive nannten die Befragten die Stärkung des Immunsystems (47,7%), den Muskelaufbau (45%) und die Vorbeugung von Nährstoffmängeln (36,8%).

Dabei zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer bzw. männliche Jugendliche greifen häufiger zu Produkten wie Kreatin, Whey-Protein und „Pre-Workout-Boostern“, EAA und Aminosäure-Komplexen, so die Autorinnen der Studie, während Frauen und Mädchen Präparate wie Probiotika, pflanzliche Proteine sowie Einzel- und Multipräparate bevorzugen. „Die Ergebnisse weisen damit auf unterschiedliche Nutzungskontexte hin: Bei den männlichen Studienteilnehmenden stand die Einnahme häufiger im Zusammenhang mit sportlichen und leistungsbezogenen Zielsetzungen, während bei Frauen und Mädchen gesundheitsorientierte Aspekte stärker hervortraten“, so die Autorinnen. Die grundsätzliche Einnahmehäufigkeit unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern jedoch nicht signifikant.

Mehrfachsupplementierung als potenzielles Gesundheitsrisiko

Aus medizinischer Sicht sei insbesondere die Verwendung mehrerer Präparate relevant. Inhaltsstoffe wie Vitamin D, Zink, Magnesium oder Koffein können sowohl in Einzel- als auch in Kombinationsprodukten enthalten sein. Werden zusätzlich angereicherte Lebensmittel oder Energydrinks konsumiert, steigt das Risiko einer überhöhten Gesamtzufuhr. Mögliche Folgen sind unter anderem gastrointestinale Beschwerden bei hoher Magnesiumzufuhr oder unerwünschte Wirkungen durch stimulierende Substanzen. Auch Wechselwirkungen mit Arzneimitteln seien zu berücksichtigen.

Minderjährige: Booster und Koffein

Besondere Aufmerksamkeit gilt Minderjährigen, die laut Befragung häufiger Koffeinpräparate und Pre-Workout-Booster verwendeten als ältere Teilnehmende. Zudem ist die Datenlage zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit zahlreicher leistungsorientierter Supplemente im Jugendalter begrenzt. Für Kreatin sind leistungsbezogene Effekte unter definierten Bedingungen nachgewiesen, eine generelle Einnahmeempfehlung lasse sich daraus jedoch nicht ableiten. Proteinpräparate sind bei ausreichender Proteinzufuhr über die Ernährung ebenfalls nicht erforderlich.

Social Media prägen das Einnahmeverhalten

Eine zentrale Rolle spielen digitale Informationsquellen. Rund 38% der NEM-Anwendenden nannten Internet und soziale Medien als Empfehlungsquellen, weitere 14 % Influencer:innen und Online-Coaches. Nur 9,1 % aller Befragten nutzten überwiegend professionelle Informationsquellen. Damit beeinflussen häufig kommerziell geprägte oder wissenschaftlich nicht ausreichend abgesicherte Inhalte die Produktwahl.

Wichtig in der Praxis: gezielte Anamnese

Für die ärztliche Praxis unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer gezielten Supplementanamnese. Neben dem Einnahmegrund sollten sämtliche verwendeten Präparate, deren Zusammensetzung, Dosierung und Einnahmedauer sowie mögliche zusätzliche Nährstoffquellen erfasst werden. Eine Supplementierung kann bei nachgewiesenen Mängeln oder besonderen Bedarfssituationen sinnvoll beziehungsweise notwendig sein, etwa die Vitamin-B12-Zufuhr bei veganer Ernährung. Bei gesunden Menschen mit ausgewogener Ernährung besteht hingegen in der Regel kein zusätzlicher Bedarf.

Die Arbeiterkammer fordert daher strengere Kontrollen, verbindliche Höchstmengen für Inhaltsstoffe, eine Meldepflicht für NEM sowie eine bessere Regulierung der Onlinewerbung. Gleichzeitig soll der Zugang zu unabhängiger Ernährungsberatung verbessert werden. (red)

Pressemitteilung der AK Wien am 21. Oktober 2026

1 Hofer A, Kuttner EL: Optimierung im Trend. Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Verlag Arbeiterkammer Wien, Oktober 2026

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