Prädiabetes: Blutzucker normalisieren, Herzinfarktrisiko halbieren
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Erstmals belegt eine internationale Analyse: Wenn Patienten mit Prädiabetes ihren Blutglukosewert durch Lebensstiländerung wieder in den Normalbereich bringen, halbiert sich ihr Risiko für Herzinfarkt, Herzschwäche und frühen Tod.
Viele Menschen leben mit erhöhten Blutglukosewerten, ohne es zu wissen. Sie gelten damit als „prädiabetisch“ – und befinden sich in einem Frühstadium, das bislang ohne klar definiertes Therapieziel blieb. Personen mit Prädiabetes erhalten in der Regel die Empfehlung, Gewicht zu verlieren, sich mehr zu bewegen und sich gesünder zu ernähren. Diese Lebensstiländerungen sind sinnvoll: Sie verbessern Fitness, Wohlbefinden und verschiedene Risikofaktoren. Doch eine entscheidende Frage blieb bislang offen: Schützen sie das Herz auch langfristig? Bisher konnte kein Lebensstilprogramm für Menschen mit Prädiabetes überzeugend zeigen, dass es Herzinfarkte, Herzschwäche oder kardiovaskuläre Todesfälle über Jahrzehnte hinweg nachhaltig reduziert. Eine wichtige Frage auch im Hinblick auf die derzeit für diese Patientengruppe nicht erstatteten GPL1-Therapien.
Halbiertes Risiko für Herz und Gefäße
Eine gemeinsame Auswertung zweier der weltweit größten Diabetespräventionsstudien – aus den USA und China – bringt nun Klarheit. Entscheidend ist offenbar nicht die Lebensstiländerung an sich, sondern ob es Menschen mit Prädiabetes gelingt, dadurch ihre Blutglukosewerte wieder in den Normalbereich zu bringen – mit anderen Worten, ob sie eine Remission des Prädiabetes erreichen.
Die Langzeitdaten von mehr als 2400 Personen mit Prädiabetes belegen: Wenn es gelingt, den Blutglukosewert zu normalisieren, haben sie ein deutlich geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben oder wegen Herzproblemen hospitalisiert zu werden, als diejenigen, deren Glukosewerte erhöht bleiben – selbst dann, wenn beide Gruppen in ähnlichem Ausmaß an Gewicht verlieren.
In beiden Studien war für die Teilnehmenden das Risiko kardiovaskulärer Todesfälle um rund 50% geringer, auch die Sterblichkeit insgesamt sank signifikant. Die amerikanische Studie beobachtete ihre Probanden über einen Zeitraum von 20 Jahren, ihr chinesisches Pendant sogar über 30 Jahre. Unter Führung eines Tübinger Teams wurden diese Datensätze harmonisiert und erneut ausgewertet, um Raten von kardiovaskulärem Tod und Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz bei Personen mit und ohne Prädiabetes-Remission zu vergleichen.1
Ein neues, messbares Ziel für die Medizin
Bisher stützte sich die Herz-Kreislauf-Prävention auf drei Säulen: Blutdruckkontrolle, Senkung des LDL-Cholesterins und Rauchstopp. Mit den neuen Erkenntnissen könnte ein vierter Pfeiler hinzukommen: die nachhaltige Normalisierung der Blutglukose bei Prädiabetes. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Remission des Prädiabetes nicht nur – wie bereits bekannt – den Ausbruch eines Typ-2-Diabetes verzögert oder verhindert, sondern Menschen auch langfristig vor schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt – und zwar über Jahrzehnte hinweg“, so Prof. Dr. Andreas Birkenfeld, Medizinische Klinik IV am Universitätsklinikum Tübingen. Ein Nüchternblutglukosewertvon ≤97mg/dl erwies sich als einfacher Marker für ein dauerhaft geringeres Herzrisiko – unabhängig von Alter, Gewicht oder ethnischer Herkunft. Diese Schwelle könnte weltweit in Hausarztpraxen Anwendung finden und so die Prävention greifbarer machen. „Die Daten sprechen dafür, Remission ausdrücklich als primäres Therapieziel in Leitlinien zur Prävention von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verankern“, so Birkenfeld. (red)
Quelle:
Pressemeldung des Universitätsklinikums Tübingen vom 13.12.2025
Literatur:
1 Vazquez Arreola E et al.: Prediabetes remission and cardiovascular morbidity and mortality: a post-hoc analysis from DPPOS and DaQingDPOS. Lancet Diabetes Endocrinol 2025; https://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(25)00295-5/fulltext ; zuletzt aufgerufen am 18.12.2025
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