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EASL: International Liver Congress (ILC) 2021

Ungünstige Kombination: Alkohol, Leberschaden und Covid-19

Hepatologie

Als wichtigste Risikofaktoren für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung werden meist Alter, Hypertonie, Adipositas und Diabetes kommuniziert. Im Rahmen des virtuellen ILC 2021 präsentierte Daten zeigen jedoch: Auch Lebererkrankungen und Alkoholabusus erhöhen das Risiko für einen ungünstigen Covid-19-Verlauf beträchtlich.

Wir beginnen zu verstehen, wie sehr Covid-19 Menschen mit Lebererkrankungen betrifft, und die Studien, die auf dem ILC vorgestellt werden, haben das Potenzial, auch die Antworten der Politik auf die Pandemie zu beeinflussen“, sagte EASL-Generalsekretär Prof. Dr. Philip Newsome von der University of Birmingham anlässlich der Eröffnung des Kongresses.

Erhöhtes Risiko bei chronisch Leberkranken

Wie sehr Lebererkrankungen die Mortalität im Falle einer Covid-19-Erkrankung erhöhen, zeigt beispielsweise eine französische Register-Studie, die die Daten von 187283 Personen, die im Jahr 2020 nach einer Covid-19-Erkrankung aus einem französischen Krankenhaus entlassen wurden oder an Covid-19 verstarben, mit früheren Entlassungsdiagnosen abglich. Die Studie ergab, dass 16338 Patienten mit chronischen Lebererkrankungen während des Jahres 2020 wegen Covid-19 hospitalisiert wurden und 3943 (24,1%) aus dieser Gruppe verstarben, wobei in 2518 Fällen (63,9%) eine hepatologische Komplikation die Todesursache war. Damit war das Risiko, an Covid-19 zu versterben, bei Patienten mit Lebererkrankungen um rund 80% erhöht (HR: 1,23 (95% CI: 1,10–1,38; p<0,001). Auch eine Anamnese von Alkoholabusus ohne Hospitalisierung wegen Lebererkrankung erhöhte – wenn auch in geringerem Maß – das Risiko, an Covid-19 zu versterben. Dr. Vincent Mallet vom Cochin-Universitätsspital hielt dazu fest, dass Lebererkrankungen und Alkoholismus einer invasiven Beatmung im Wege stehen können und diese Kontraindikationen zur erhöhten Mortalität beigetragen haben könnten.

Alkohol und Covid-19

Auch retrospektive Daten aus Großbritannien legen nahe, dass Personen mit problematischem Trinkverhalten ein erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Covid-19-Verlauf haben. In einer Kohorte in Nottingham waren hospitalisierte Covid-19-Patienten mit Alkoholproblem jünger als andere Covid-19-Patienten, mussten länger im Krankenhaus bleiben und hatten ein höheres Risiko zu versterben.

Unterschiedliche HBV-Therapien beeinflussen Covid-19-Risiko

Wenn es sich bei der bestehenden Lebererkrankung um eine Hepatitis B handelt, so zeigt eine spanische Studie, dass die Wahl der Therapie Einfluss auf das Outcome haben dürfte. Die Arbeit verglich Patienten, deren HBV-Infektion an 28 Zentren mit Tenofovir oder Entecavir behandelt wurde.Von den insgesamt 4736 Hepatitispatienten erkrankten 117 an Covid-19, von denen 67 Tenofovir und 50 Entecavir einnahmen. Von den 117 Patienten wurden 41 (35%) hospitalisiert, 5 (4,3%) kamen auf die ICU und 6 (5,1%) verstarben. Dabei war die Einnahme von Tenofovir mit einem reduzierten Risiko für ungünstige Outcomes assoziiert, wobei Patienten unter Entecavir allerdings häufiger unter Übergewicht, Hypertonie, Diabetes und Kardiomyopathie litten. In einer multivariaten und hinsichtlich Alter und Komorbiditäten adjustierten Analyse ergab sich jedoch für Patienten unter Tenofovir im Vergleich zu Entecavir eine signifikante Risikoreduktion von rund 80%.

Alkohol, Leber, Lockdown

Daten aus Kanada zeigen, dass bei Patienten mit Alkoholproblemen nicht nur das Virus, sondern auch der Lockdown zum Problem wurde. Die populationsbasierte Studie aus der Provinz Alberta identifizierte 2916 Hospitalisierungen wegen nichtalkoholischer Leberzirrhose, 2318 Hospitalisierungen wegen alkoholischer Leberzirrhose und 1408 Hospitalisierungen wegen alkoholischer Hepatitis in den Jahren 2018 bis 2020. Während die Hospitalisierungsraten wegen alkoholischer oder nichtalkoholischer Zirrhose in diesem Zeitraum konstant blieben, kam es in der Zeit des Lockdowns zu einem deutlichen Anstieg der Hospitalisierungen wegen alkoholischer Hepatitis. Dieser führte dazu, dass sich der Anteil dieser Indikation an der Gesamtzahl der Krankenhausaufnahmen verdoppelte.

Abdel-Aziz S et al.: The alarming impact of COVID-19 pandemic on alcohol-related liver disease: a population-based Canadian study. ILC 2021; Abstract No. PO-1099Mallet V et al.: Chronic liver disease and the risk of mortality after Covid-19: a national, retrospective, cohort study for 2020. ILC 2021; Abstract No. GS-1587Mateos Muñoz B et al.: Tenofovir reduces the severity of COVID-19 infection in chronic hepatitis B patients. ILC 2021; Abstract No. O-1449Subhani M et al.: Effect of COVID-19 on alcohol use disorder among hospitalised patients: a retrospective cohort control study. ILC 2021; Abstract NO. OA-1381

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