© Lui Shtein - stock.adobe.com

Aktuelle Studie

Mit Alkoholverzicht zur Rekompensation von fortgeschrittener Leberzirrhose

Konsequenter und dauerhafter Alkoholverzicht kann selbst bei fortgeschrittener alkoholbedingter Leberzirrhose zu einer Rückbildung bereits bestehender leberbedingter Komplikationen führen. Das zeigt eine internationale multizentrische Studie unter Leitung der MedUni Wien.

Bis zu einem Drittel der Patient:innen mit bereits dekompensierter alkoholbedingter Leberzirrhose konnte durch konsequenten Alkoholverzicht eine „Rekompensation“ erreichen – also die vollständige Rückbildung leberbedingter Komplikationen bei gleichzeitiger Erholung der Leberfunktion. Darüber hinaus identifiziert die Studie jene Faktoren, die für diese Erholung der Leberfunktion entscheidend sind.

Das Erkrankungsbild der Leberzirrhose beschreibt eine Vernarbung der Leber. In westlichen Ländern wird sie häufig durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht und führt bei vielen Betroffenen zu schweren Komplikationen wie Aszites, Enzephalopathie und Varizenblutungen. Traditionell galt das Auftreten solcher Komplikationen, sogenannter Dekompensationsereignisse, als Zeichen, dass das Krankheitsbild der Leberzirrhose unumkehrbar geworden ist. Die nun veröffentlichten Ergebnisse stellen dieses Dogma infrage.

Studie mit 633 Patient:innen

Die Studie des Forschungsteams um Dr. Benedikt Hofer und Univ.-Prof. Dr. Thomas Reiberger, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III von MedUni Wien und AKH Wien, schloss dabei 633 Patient:innen mit alkoholbedingter Leberzirrhose aus 17 spezialisierten Zentren in Europa und Asien ein.1 Alle Patient:innen hatten nach Auftreten von Dekompensationsereignissen die Alkoholabstinenz begonnen.

Reversibler Krankheitsverlauf

Innerhalb von fünf Jahren erreichte rund ein Drittel der Patient:innen eine vollständige Rückbildung sämtlicher leberbedingter Komplikationen bei gleichzeitiger Verbesserung der Leberfunktion – ein Zustand, der als „Rekompensation“ bezeichnet wird. „Unsere Daten zeigen klar: Selbst nach dem Auftreten schwerer Komplikationen ist der Krankheitsverlauf bei fortgeschrittener Leberzirrhose nicht zwangsläufig irreversibel“, erklärt Studien-Erstautor Hofer. Entscheidend für das Erreichen der Rekompensation war neben der Ausgangsschwere der Lebererkrankung vor allem das Erreichen einer vollständigen und frühzeitigen Alkoholabstinenz. Reiberger betont: „Alkoholverzicht kann das Fortschreiten der Lebererkrankung nicht nur stoppen, sondern bei vielen Patient:innen sogar zu einer Verbesserung der Leberzirrhose führen. Entscheidend ist jedoch, dass der Alkoholverzicht bestenfalls sofort nach dem Auftreten von Komplikationen eingehalten wird – hierdurch kann die Chance auf Rekompensation mehr als verdoppelt werden.“

Dramatischer Überlebensvorteil durch Rekompensation

Die klinischen Auswirkung der Rekompensation auf das Überleben der Patient:innen der Studie war beeindruckend: Keine der rekompensierten Personen mit anhaltender Alkoholabstinenz starb an leberbedingten Ursachen. Auch das Risiko für das Auftreten von Leberkrebs war in dieser Gruppe deutlich reduziert und die Gesamtsterblichkeit signifikant niedriger – klinisch relevante Ergebnisse, die zusätzlich als „Research Highlights“ des Fachjournals Nature Reviews Gastroenterology and Hepatology betont wurden. Reiberger führt weiter aus: „Rekompensation ist kein rein theoretisches Konzept mehr, sondern ein klinisch immer relevanter werdender Zustand, der die Prognose trotz fortgeschrittener Leberzirrhose fundamental verbessern kann.“

Alkoholverzicht im Mittelpunkt der Therapie

Die Studie unterstreicht die zentrale Rolle des vollständigen und dauerhaften Verzichts auf Alkohol als wirksamste therapeutische Intervention bei alkoholbedingter Lebererkrankung. Gleichzeitig heben die Ergebnisse auch gesundheitspolitische Aspekte hervor: Eine strukturierte Unterstützung zum Erzielen und Aufrechterhalten der Alkoholabstinenz ist entscheidend für die Prognose dieser Patient:innen – insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Budgetkürzungen im Bereich der Suchthilfe- und Abstinenzprogramme.

„Ein erneuter Rückfall zu regelmäßigem Alkoholkonsum verschlechtert die Prognose signifikant“, so Hofer. „Wenn also bei der Abstinenzbetreuung gespart wird, werden nicht nur vermeidbare Todesfälle, sondern auch hohe Kosten durch die medizinische Versorgung fortgeschrittener Lebererkrankungen und deren Komplikationen riskiert.“ (red)

Mitteilung der MedUni Wien vom 4. März 2026

1 Hofer BS et al: Incidence and implications of abstinence-induced recompensation in alcohol-related cirrhosis. doi: 10.1016/j.jhep.2026.01.007

Back to top