Plötzlich Frühling: Die Pollensaison bleibt intensiv
Autoren:
Dr. Markus Berger1–3
Lukas Dirr, MSc3–5
1 HNO-Abteilung, Klinik Landstraße,
Wiener Gesundheitsverbund
2 Allergiezentrum Wien West
3 Österreichischer Polleninformationsdienst
4 Institut für Botanik, Universität Innsbruck
5 Abteilung für Strukturelle und Funktionelle Botanik, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien
E-Mail: markus.berger@pollenresearch.com
Esche, Forsythien, Palmkätzchen und das Mastjahr bei den Birken: welche Pollenbelastungen aktuell zu erwarten sind und welche weiteren Faktoren die Symptome verschlimmern können.
Ein kurzer Rückblick: Die klirrende Kälte im Jänner1 und der erneute Wintereinbruch im Februar führten in diesem Jahr zu einem spannenden Saisonverlauf. Obwohl viele Haseln und Erlen bereits kurz vor der Blühbereitschaft waren oder sie sogar schon erreicht hatten, sorgten die Witterungsbedingungen für eine längere Phase der Entlastung. Mit dem plötzlichen Temperaturanstieg Ende Februar setzte der Pollenflug von Hasel und Erle zwar verspätet, dafür aber umso heftiger ein. Die hohe Konzentration an Hasel- und Erlenpollen innerhalb kurzer Zeit wurde von vielen Allergiker:innen als besonders belastend wahrgenommen.
Aktuelle Belastung durch Pollen der Ölbaumgewächse wie der Esche
Aktuell sorgen Hasel und Erle in den Niederungen nur mehr für geringe bis mäßige Beschwerden, der Belastungsschwerpunkt hat sich in die mittleren Lagen verschoben. Dafür erreichen in den Niederungen immer mehr Eschen die Blühbereitschaft und können dort bei Personen, die auf den Pollen der Ölbaumgewächse sensibilisiert sind, für mäßige oder lokal sogar schon hohe Belastungen sorgen.
Forsythien
Im urbanen Raum blühen außerdem die Forsythien. Sie zählen ebenso zu den Ölbaumgewächsen, stellen im Freien aber nur wenig Gefahr für Allergiker:innen dar, da sie insektenbestäubt sind und ihr Pollen daher nur selten in relevanten Mengen in der Umgebungsluft zu finden ist. Allergiebetroffene sollten es aber vermeiden, die gelben Frühlingsboten als Dekoration in den Wohnraum zu bringen, um diesen nicht mit Pollen zu kontaminieren.
Palmkätzchen als Nahrungsquelle für Insekten unbehelligt lassen
Das Gleiche gilt auch für die aktuell vielerorts blühenden Salweiden, besser bekannt als Palmkätzchen. Ihr Pollen ist zwar als weniger allergen eingestuft als der der Frühblüher, Allergiker:innen sollten aber dennoch darauf verzichten, diese vorösterlichen Frühlingsboten zur Zierde in den Wohnraum zu stellen.2 Zudem sind Weiden im frühen Frühling eine der ersten wertvollen Nahrungsquellen für Wild- und Honigbienen. Werden blühende Zweige abgeschnitten, fehlen Pollen und Nektar genau dann, wenn Bestäuber sie nach den Wintermonaten am dringendsten brauchen.
Blühbereitschaft bei Birken mit Ende März erwartet
Die Birke, deren Blütenstände sich bei Temperaturen über 10°C besonders rasch entwickeln können, werden in Anbetracht der aktuellen Wetterprognosen vermutlich Ende März/Anfang April die Blühbereitschaft erreichen. Vereinzelt kann es auch schon früher zu einer Pollenfreisetzung kommen, wie in etwa in Oberösterreich, wo bereits Anfang März vereinzelte Birkenpollenkörner in den Messstellen registriert wurden. Die Birkenblüte zeigt ein spannendes Phänomen, bei dem auf ein Jahr mit geringer Gesamtpollenmenge in der Regel eines mit höherer Gesamtpollenmenge folgt, das gerne als Mastjahr bezeichnet wird.3,4 Dieser Zwei-Jahres-Rhythmus lässt sich bei der Birke durch die Konkurrenz zwischen den vegetativen (Blätter) und reproduktiven Organen (männliche Kätzchen, weibliche Samenanlagen) erklären. In Jahren mit geringer Pollenproduktion fungieren die Blätter als Senke für Wachstumsstoffe und hemmen die Entwicklung männlicher Blütenstände.3
Da die Gesamtpollenmenge im Jahr 2025 deutlich unterdurchschnittlich war, ist in diesem Jahr allein basierend auf dem Zwei-Jahres-Rhythmus mit einer höheren Gesamtpollenmenge zu rechnen. Darauf deuten auch die Prognosemodelle hin, die auf Pollen- und Wetterdaten der vergangenen Jahre basieren. Zudem wird die Dichte des Kätzchenbesatzes im gesamten Land als überdurchschnittlich hoch eingeschätzt. Die regionalen Polleninformationsdienste der Bundesländer Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien bestätigen diesen Trend und erwarten ebenfalls eine hohe Birkenpollenmenge im Jahr 2026.
Was führt zu starken Symptomen?
Wichtig zu wissen: Eine hohe Pollenkonzentration in der Umgebungsluft führt nicht automatisch zu starken Symptomen. Ausschlaggebend ist, wie eine Saison beginnt und verläuft. Steigt die Belastung langsam an, kann sich der Körper besser anpassen. Ein schlagartiger Beginn verstärkt hingegen häufig die subjektiv empfundene Intensität.5 Auch die Luftqualität spielt eine Rolle: Schadstoffe wie Ozon können die Allergenität der in den Pollen enthaltenen Proteine erhöhen und die Symptome intensivieren.6 Zusätzlich werden von den Allergiker:innen starke Temperaturschwankungen während der Saison oft als besonders belastend empfunden.
Detaillierte aktuelle Informationen über die Pollen+-App
Für detailliertere Informationen zum Pollenflug in Österreich stehen die kostenlosen Services des Österreichischen Polleninformationsdienstes zur Verfügung: entweder über polleninformation.at oder die Pollen+-App (verfügbar Android und iOS).
Literatur:
1 GeoSphere Austria: Im Tiefland Österreichs kältester Jänner seit neun Jahren. https://www.geosphere.at/de/aktuelles/news/im-tiefland-oesterreichs-kaeltester-jaenner-seit-neun-jahren ; zuletzt aufgerufen am 16.3.2026 2 Costache A et al.: Respiratory allergies: Salicaceae sensitization. Exp Ther Med 2021; 21(6): 609 3 Dahl Å, Strandhede S O: Predicting the intensity of the birch pollen season. Aerobiologia 1996; 12(2): 97-106 4 Grewling Ł et al.: Variations and trends of birch pollen seasons during 15 years (1996-2010) in relation to weather conditions in Poznań (Western Poland). Grana 2012; 51(4): 280-92 5 Bastl K et al.: Development of a symptom load index: enabling temporal and regional pollen season comparisons and pointing out the need for personalized pollen information. Aerobiologia 2014; 30(3): 269-80 6 Berger M et al.: Impact of air pollution on symptom severity during the birch, grass and ragweed pollen period in Vienna, Austria: Importance of O3 in 2010–2018. Environmental Pollution 2020; 263: 114526
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