Vergleich von Abnehmmedikamenten: mehr als nur Gewichtsverlust
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Eine systematische Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse zeigt, wie gut verschiedene Abnehmmedikamente im Vergleich mit einer Lebensstiländerung wirken. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten.
Die im British Medical Journal publizierte Arbeit untersuchte 19 Medikamente, die von der Amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) zur Behandlung von Erwachsenen mit Adipositas zugelassen sind.1 Derzeit liegen nur begrenzt Daten zum direkten Vergleich der Therapeutika vor. Ziel war es, einen Vergleich zu Nutzen und Risiken der Medikamente zu erstellen und eine Grundlage zu schaffen, um die Therapiewahl zu erleichtern. Ausgewählt wurden randomisierte kontrollierte Studien mit einer Dauer von mindestens 12 Wochen, in denen ein oder mehrere Medikamente mit einer Lebensstiländerung, mit Placebo oder einem anderen Medikament verglichen wurden. Untersucht wurden 24 Endpunkte.
Gewicht, Nebenwirkungen, Herzschutz und Lebensqualität
Gewichtsverlust
Die Netzwerk-Metaanalyse umfasste 262 Studien (99791 Teilnehmer:innen, 63,3% Frauen), mit 19 Medikamenten und einer Nachbeobachtungszeit von 12 bis 172 Wochen (Median 26 Wochen). Das mediane Alter war 49 Jahre, der mediane Body-Mass-Index 34,7. Die folgenden Resultate sind im Vergleich zur Lebensstiländerung zu sehen.
Nach einem Jahr kam es zu einem mittleren Gewichtsverlust unter Tirzepatid von 14,9%, unter CagriSema von 14,8%, unter oralem Semaglutid von 10,9%, unter Orforglipron von 9,9%, unter subkutanem Semaglutid von 9,8% sowie unter Phentermin-Topiramat von 8,1%. Ecnoglutid, Mazdutid, Retatrutid könnten zu ähnlichen oder stärkeren Reduktionen führen (13,1–14,6%), zu diesen ist die vorliegende Datenlage jedoch noch nicht ausreichend. Metformin, Orlistat, Naltrexon-Bupropion, Natrium-Glukose-Cotransporter-2(SGLT-2)-Hemmer und ältere Glukagon-ähnliche Peptid-1(GLP-1)-Agonisten erzielten Gewichtsreduktionen von <5%.
Nebenwirkungen
Gastrointestinale Ereignisse waren mit Risikoverhältnissen (RR) von 3,1 bis 4,2 bei Naltrexon-Bupropion, oralem Semaglutid, Orforglipron und Tirzepatid am stärksten erhöht. Das Risiko für Müdigkeit über ein Jahr gesehen stieg bei Naltrexon-Bupropion (RR 8,9; absoluter Anstieg um 331 mehr pro 1000 Personen), Orforglipron (RR 3,4; 100 mehr pro 1000) und CagriSema (RR 3,2; 92 mehr pro 1000) am stärksten an. Tirzepatid reduzierte die Fettmasse um 25,7%, aber auch die Magermasse am stärksten um 8,3%. Das Risiko, die Therapie aufgrund unerwünschter Ereignisse abzusetzen, war bei Orforglipron, Naltrexon-Bupropion, Liraglutid, Phentermin-Topiramat, CagriSema und oralem Semaglutid am höchsten (RR 1,9 bis 4,2).
Risikoreduktion
Subkutan verabreichtes Semaglutid war das einzige Medikament, für das eine signifikante Verringerung der Gesamtmortalität (RR 0,81) und des Myokardinfarkts (RR 0,72) gefunden wurde. Subkutan verabreichtes Semaglutid (RR 0,43) und Tirzepatid (RR 0,49) senkten das Risiko für Herzinsuffizienz. Kein Medikament reduzierte das Risiko für Nierenversagen.
43 Studien mit 45663 Teilnehmer:innen untersuchten auch die Lebensqualität. Hier zeigten sich nur minimale, nicht signifikante Unterschiede im Vergleich zur Lebensstilintervention – alle mittleren Unterschiede betrugen <5 Punkte, eine signifikante minimale Verbesserung wäre erst ab 10 Punkten gegeben gewesen.
Ärztliche Beratung: Warum ist die Studie wichtig?
Medikamente gegen Adipositas bewirken unterschiedlichen Gewichtsverlust, wobei größere Vorteile in der Regel mit mehr Nebenwirkungen und mehr Therapieabbrüchen einhergehen. Tirzepatid schnitt bei der Gewichtsreduktion am besten ab, doch auch Semaglutid, Orforglipron und auch Phentermin-Topiramat führten zu einem erheblichen Gewichtsverlust. Die meisten Wirkstoffe verbessern die Lebensqualität nicht nennenswert und nur wenige zeigen kardiovaskuläre Vorteile.
Die Erkenntnisse sollten in der klinischen Praxis im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Dabei sollten der erwartete Nutzen, mögliche Nebenwirkungen, die Behandlungsbelastung, die Kosten, die Verfügbarkeit und die Präferenzen der Patient:innen abgewogen werden.
Für manche Patient:innen steht möglicherweise ein möglichst großer Gewichtsverlust im Vordergrund, während andere mehr Wert auf eine nachweisbare Senkung der Mortalität oder des kardiovaskulären Risikos legen. Individuell auftretende Nebenwirkungen, aber auch hohe Kosten können ebenfalls große Hindernisse darstellen. (red)
Literatur:
1 Nongr K at al.: Comparative effects of drugs for adults with overweight or obesity: systematic review and network meta-analysis. BMJ 2026; 394: e372161
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