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Vom ASH-Kongress bis zum Krankenbett – Zulassungsbehörden als Hemmschuh

<p class="article-intro">Neue am ASH-Kongress vorgestellte Studien finden nicht automatisch den schnellsten Weg ans Krankenbett. Christian Taverna, Münsterlingen, beklagt, dass einem oftmals die Hände gebunden sind, wenn neue Therapeutika eingesetzt werden sollen, weil die Zulassungen zu lange dauern oder auch die Krankenkassen bei der Kostenübernahme zögern. Bei einigen am ASH-Kongress vorgestellten Studien war auch die SAKK aktiv.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>&laquo;Vom diesj&auml;hrigen ASH-Kongress in San Diego gibt es wieder viele Neuigkeiten zum multiplen Myelom und von einigen subjektiv ausgew&auml;hlten m&ouml;chte ich gerne berichten&raquo;, sagt Dr. med. Christian Taverna, Leitender Arzt Onkologie, Kantonsspital M&uuml;nsterlingen, in einer Nachbetrachtung zum ASH-Kongress 2016.<br /> So wurde beispielsweise die EMN02/ HO95-MM-Studie in einigen Pr&auml;sentationen vorgestellt. Es handelt sich um eine Studie, an der sich auch die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft f&uuml;r Klinische Krebsforschung (SAKK) beteiligt hat. Es geht um die Erstlinienbehandlung bei j&uuml;ngeren Patienten mit Qualifikation zur Hochdosischemotherapie (HDCT) mit folgendem Behandlungsschema: Bortezomib, Melphalan, Prednison, kurz VPM, versus ein bis zwei Zyklen Melphalan &agrave; 200mg/m<sup>2</sup> gefolgt von einer einzelnen oder doppelten autologen Stammzelltransplantation. Prof. Michele Cavo, Bologna, hat, nachdem er bereits am ASCO-Kongress 2016 die ersten Daten vorgestellt hatte, nochmals dargelegt, dass die HDCT das progressionsfreie &Uuml;berleben (PFS) im Vergleich zur konventionellen Behandlung signifikant verbessert.<sup>1</sup> Eine zweite Aufgabe dieser Studie war die Frage nach dem Nutzen einer Konsolidation &ndash; 2 Zyklen Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason (VRD) &ndash; nach der HDCT versus keine Konsolidation. Anschliessend folgte die Erhaltungstherapie mit R in beiden Armen. Die Konsolidation wurde in dieser Studie erstmals im Rahmen eines randomisierten, prospektiven Studiendesigns untersucht. Auch hier zeigte sich mit der Konsolidation ein signifikanter Vorteil f&uuml;r das PFS.<sup>2</sup> &laquo;Dies sind sicher zwei wichtige Ergebnisse&raquo;, so Taverna.</p> <h2>Erstlinientherapie: LEN/DEX ist MTP bei &auml;lteren Patienten &uuml;berlegen</h2> <p>Bei den &auml;lteren Patienten gibt es laut Taverna nicht viele Neuigkeiten zu berichten. Immerhin wurden die &Uuml;berlebensdaten der FIRST-Studie von Prof. Thierry Facon aus Lille vorgestellt.<sup>3</sup> Hierbei geht es um die Erstlinienbehandlung &auml;lterer, nicht f&uuml;r eine Transplantation infrage kommender Patienten, die entweder randomisiert LEN/DEX bis zur Progredienz erhielten oder dieselbe Therapie f&uuml;r 18 Monate oder Melphalan, Thalidomid, Prednison (MTP). Patienten mit LEN/DEX schnitten sowohl beim PFS als auch beim OS signifikant besser ab als die Vergleichsgruppe ohne Lenalidomid. Die kontinuierliche Gabe von LEN/DEX war der auf 18 Monate beschr&auml;nkten Gabe in Bezug auf das PFS ebenfalls &uuml;berlegen. Die weiteren Ergebnisse sind in Tabelle 1 ersichtlich.<br /> Interessanterweise zeigt sich beim OS im Gegensatz zum PFS kein Unterschied zwischen den beiden LEN/DEX-Behandlungsschemata (kontinuierlich vs. 18 Monate). Dies f&uuml;hrte zur Frage des Sessionvorsitzenden Mark Adrian Cook aus Birmingham, welche Behandlung die Studiengruppe nun empfehlen w&uuml;rde. Thierry Facon antwortete laut Taverna sibyllinisch und ohne &uuml;berzeugende Begr&uuml;ndung: &laquo;Ich w&uuml;rde die Behandlung bis zur Progredienz empfehlen.&raquo; Gem&auml;ss Taverna bleibt abzuwarten, wie sich dazu die Zulassungsbeh&ouml;rden &auml;ussern werden, d.h., ob Lenalidomid &uuml;berall bis zur Progredienz zugelassen wird.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Leading Opinions_Onko_1701_Weblinks_s28_tab1.jpg" alt="" width="1419" height="798" /></p> <h2>Breites Behandlungsspektrum beim Rezidiv</h2> <p>&laquo;F&uuml;r die Rezidivbehandlung haben wir beim multiplen Myelom nun zahlreiche M&ouml;glichkeiten&raquo;, sagt Taverna, &laquo;es sind etwa sechs Phase-III-Studien, die infrage kommen: so beispielsweise die Kombination Carfilzomib plus LEN/DEX, die einen Vorteil dieser Therapie gegen&uuml;ber LEN/DEX alleine gezeigt hat. Als zweite M&ouml;glichkeit gilt Ixazomib plus LEN/DEX, das bez&uuml;glich des PFS einen signifikanten Vorteil gegen&uuml;ber LEN/DEX gebracht hat. Bei der dritten Studie wurde der Antik&ouml;rper Elotuzumab mit LEN/DEX kombiniert. Wiederum gibt es einen eindeutigen Vorteil f&uuml;r die Dreierkombination versus den Backbone LEN/DEX alleine. Bei der vierten Studie geht es um eine Drittlinienbehandlung, dieses Mal nicht mit Lenalidomid, sondern mit Panobinostat, Bortezomib (V) und Dexamethason f&uuml;r Patienten, die weiterhin auf Bortezomib ansprechen. Schliesslich gibt es noch zwei Studien, die bereits am ASCO-Kongress 2016 und am EHA-Kongress 2016 vorgestellt wurden &ndash; CASTOR (Daratumumab + V/DEX vs. V/ DEX) und POLLUX (Daratumumab + LEN/DEX vs. LEN/DEX), die am ASHKongress mit neuesten Daten aufwarteten.<sup>4, 5</sup> In beiden Studien f&uuml;hrte die Gabe des Anti-CD38-Antik&ouml;rpers Daratumumab zu einem entscheidenden Vorteil bez&uuml;glich des PFS.&raquo; Die Hazard-Ratios sind f&uuml;r Taverna beeindruckend und liegen in beiden Studien f&uuml;r die Daratumumab enthaltende Kombination unter 0,4, &laquo;also ein ganz eindr&uuml;ckliches Resultat. Somit hat sich auch bei der Rezidivbehandlung sehr viel bewegt&raquo;, so Taverna.<br /> Eine weitere viel beachtete Studie zur Rezidivbehandlung ist f&uuml;r ihn die SAKK-39/13-Studie, die von Prof. Christoph Driessen aus St. Gallen vorgestellt wurde und in der die Wirksamkeit des HIV-Proteasehemmers Nelfinavir bei Bortezomib- refrakt&auml;ren Patienten untersucht wurde.<sup>6</sup> Die Behandlung bestand aus einer Kombination von Nelfinavir plus V/DEX. Der Proteasehemmer vermochte die Sensitivit&auml;t der Patienten f&uuml;r Bortezomib wiederherzustellen. Die objektive Ansprechrate bei dieser sehr stark vorbehandelten, meist dual refrakt&auml;ren Patientengruppe lag bei 65 % . Die Ergebnisse sprechen gem&auml;ss den Studienautoren f&uuml;r eine Weiterentwicklung von Nelfinavir als sensitivierende Substanz bei Behandlungen mit einem Proteasomenhemmer und somit auch als neues Therapeutikum bei multiplem Myelom.</p> <h2>Zulassungsbeh&ouml;rden und Krankenkassen als Hindernis</h2> <p>Insgesamt bewegt sich gem&auml;ss Taverna enorm viel beim multiplen Myelom. &laquo;Was allerdings vielen zu schaffen macht, ist die Diskrepanz zwischen dem, was bekannt ist und im Rahmen von Studien eingesetzt wird, und dem, was wir im Alltag bei uns zu Hause tats&auml;chlich umsetzen k&ouml;nnen, weil die Zulassungen so lange hinterherhinken und auch die Kosten&uuml;bernahme f&uuml;r die Krankenkassen nicht immer gegeben ist&raquo;, so Taverna und weiter: &laquo;Insgesamt ist es eine spannende Zeit f&uuml;r Patienten mit multiplem Myelom, weil sich viele neue Behandlungsoptionen ergeben, und ich hoffe, dass wir bald diese vielen M&ouml;glichkeiten auch bei uns einsetzen k&ouml;nnen.&raquo;</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: 58<sup>th</sup> ASH Annual Meeting; Interview mit Dr. med. Christian Taverna, Leitender Arzt Onkologie, Kantonsspital Münsterlingen, sowie Abstracts; 3.–6. Dezember 2016, San Diego, USA </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Cavo M et al: Intensification therapy with bortezomibmelphalan- prednisone versus autologous stem cell transplantation for newly diagnosed multiple myeloma: an intergroup, multicenter, phase III study of the European Myeloma Network (EMN02/HO95 MM Trial). ASH 2016, Oral Abstract 6739 <strong>2</strong> Sonneveld P et al: Consolidation followed by maintenance therapy versus maintenance alone in newly diagnosed, transplant eligible patients with multiple myeloma (MM): a randomized phase 3 study of the European Myeloma Network (EMN02/HO95 MM Trial). ASH 2016, Oral Abstract 242 <strong>3</strong> Facon T et al: Final analysis of overall survival from the First Trial. ASH 2016, Oral Abstract 241 <strong>4</strong> Chanan-Khan AA et al: Daratumumab, bortezomib and dexamethasone versus bortezomib and dexamethasone alone for relapsed or refractory multiple myeloma based on prior treatment exposure: updated efficacy analysis of Castor. ASH 2016, Poster Abstract 3313 <strong>5</strong> Moreau P et al: Efficacy of daratumumab, lenalidomide and dexamethasone versus lenalidomide and dexamethasone alone for relapsed or refractory multiple myeloma among patients with 1 to 3 prior lines of therapy based on previous treatment exposure: updated analysis of Pollux. ASH 2016, Oral Abstract 489 <strong>6</strong> Driessen C et al: The HIV protease inhibitor nelfinavir in combination with bortezomib and dexamethasone (NVd) has excellent activity in patients with advanced, proteasome inhibitor-refractory multiple myeloma: a multicenter phase II trial (SAKK 39/13). ASH 2016, Oral Abstract 487</p> </div> </p>
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