©
Getty Images/iStockphoto
Kontrolle diverser Schmerzen bei Brustkrebspatientinnen
Jatros
30
Min. Lesezeit
14.07.2016
Weiterempfehlen
<p class="article-intro">Die Schmerztherapie bei Brustkrebspatientinnen ist ein komplexes Thema, welches häufig nicht in seinem kompletten Ausmaß erfasst wird. Wir sprachen mit Dr. Matti S. Aapro, Executive Board Member der European School of Oncology (ESO) und der International Society of Geriatric Oncology (SIOG), über die Eckpfeiler der Schmerztherapie.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p><strong>Im Rahmen der EBCC 2016 in Amsterdam wurde eine komplette Sitzung dem Schmerz gewidmet. Welche Arten von Schmerz treten bei Brustkrebspatientinnen auf?</strong><br /> <br /> <strong>M. S. Aapro:</strong> In der Sitzung besprachen wir verschiedene Formen des Schmerzes, z.B. den neuropathischen Schmerz, Schmerz mit Einbezug des Knochens und Schmerz aufgrund der onkologischen Behandlung. Es ist wichtig zu realisieren, dass viele der Eingriffe, die durch die Erkrankung oder während der Versorgung der Patientinnen notwendig sind, mit (schweren) Schmerzen einhergehen können. Dazu gehört z.B. auch der einfache Nadeleinstich beim Blutabnehmen. Wir sollten auch vermehrt auf Schmerzen durch die Operation achten. Dabei hängen die Schmerzen stark von der Form der Operation ab und sind wenig beschrieben. Und schließlich gibt es Schmerz auch als Therapienebenwirkung, z.B. infusionsbedingte Schmerzen, die dann wiederum die Therapie beeinflussen können.<br /> <br /><strong> Muss zwischen Tumorschmerzen, Therapie-assoziierten Schmerzen und vorbestehender Schmerzproblematik unterschieden werden?</strong><br /> <br /> <strong>M. S. Aapro:</strong> Die verschiedenen Ursachen von Schmerzen führen auch zu einer spezifischen Behandlung. Wir wissen, dass neuropathische Schmerzen sehr schwer anzugehen sind. Es wurde kürzlich diskutiert, ob Pregabalin zur Vermeidung von Neuropathien standardisiert angewendet werden soll. Aber auch andere Medikamente sind noch in der Prüfung. Des Weiteren verwenden wir verschiedene Therapien für verschiedenes Schmerzauftreten. Zum Beispiel kann man die Art der Morphinapplikation vorsichtig anpassen, um auf kontinuierliche Schmerzen oder akute Durchbruchschmerzen zu reagieren. Durchbruchschmerzen werden besser durch eine zusätzliche schnell wirksame Formulierung zu einer lang anhaltenden Basisschmerzmedikation kontrolliert.<br /> <br /><strong> Macht die Schmerzlokalisation einen Unterschied?</strong><br /> <br /> <strong>M. S. Aapro:</strong> Es ist natürlich sinnvoll, nach den Ursachen der Schmerzen zu schauen, wenn dies möglich ist. Bestehen beispielsweise Knochenschmerzen, weil in Zusammenhang mit Knochenmetastasen ein Bruch aufgetreten ist, so sollte mit lokaler Strahlentherapie, Zementoplastie oder in den Knochenstoffwechsel eingreifenden Substanzen behandelt werden. Häufig können wir die Ursachen nicht erkennen oder beeinflussen. Wir können dann als generelle Substanz NSAR einsetzen, wenn Paracetamol nicht ausreichend ist. Sehr wichtig ist bei jeder Schmerzbehandlung, diese der Patientin zu erklären, damit die Medikation regelmäßig eingenommen wird und nicht nur bei Bedarf. Die Lebensqualität der Patientinnen wird erhöht, wenn sie erst gar keine Schmerzen aufkommen lässt. Die Patientinnen sollten z.B. die Dauer der Wirksamkeit der Medikamente kennen.<br /> <br /><strong> Welche Hilfsmittel gibt es für den Arzt, um die Schmerzen seiner Patientinnen einordnen zu können?</strong><br /> <br /><strong> M. S. Aapro:</strong> Was wir vorschlagen, ist der Gebrauch von standardisierten Fragebogen mit visuellen Analogskalen bzw. von Schmerztagebüchern. Man muss allerdings auch wirklich darauf achten, dass die Patientin versteht, was unter nicht tolerierbarem Schmerz und kein Schmerz und dem dazwischen zu verstehen ist. Die Patientin muss den Fragebogen regelmäßig, am besten täglich, ausfüllen. Nur so kann der Arzt den Einfluss der Schmerztherapie feststellen. Moderne Technologien, wie tragbare Geräte, vereinfachen es den Patientinnen, die Tagebücher zu führen. Die Daten werden zum Teil automatisch zu den Zentren transferiert, wo dann gesehen werden kann, ob die Schmerzsymptomatik der Patientin sich z.B. plötzlich verschlechtert.<br /> <br /><strong> Kann ein Onkologe oder Gynäkologe die Schmerztherapie alleine meistern oder sollte in jedem Fall ein Schmerztherapeut hinzugezogen werden?</strong><br /> <br /> <strong>M. S. Aapro:</strong> Ich glaube, dass jeder Onkologe eine Grundausbildung in der Schmerztherapie haben sollte, aber es gibt Patienten, bei denen die Schmerzen komplexer sind, sodass ein Schmerztherapeut eingeschaltet werden muss. Es gibt auch spezielle Techniken für die Schmerzkontrolle, die nur von Experten ausgeübt werden sollten, z.B. die Epiduralanästhesie als palliative Behandlung. Leider wird in der heutigen Zeit aufgrund von Unwissenheit ein furchtbar, restriktiver Einfluss auf die Verfügbarkeit von effektiven Schmerzmedikationen ausgeübt – auch in Europa. Wir sollten daher unsere Kraft bündeln, um die Patienten mit adäquaten Mitteln behandeln zu können.<br /> <br /><strong> Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p></p>
Das könnte Sie auch interessieren:
Adjuvantes Osimertinib reduziert ZNS-Rezidive bei EGFR-mutierter Erkrankung
Etwa 30% der Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) präsentieren sich mit resezierbarer Erkrankung und werden einer kurativen Operation unterzogen. Viele Patienten ...
Highlights zu Lymphomen
Assoc.Prof. Dr. Thomas Melchardt, PhD zu diesjährigen Highlights des ASCO und EHA im Bereich der Lymphome, darunter die Ergebnisse der Studien SHINE und ECHELON-1
Aktualisierte Ergebnisse für Blinatumomab bei neu diagnostizierten Patienten
Die Ergebnisse der D-ALBA-Studie bestätigen die Chemotherapie-freie Induktions- und Konsolidierungsstrategie bei erwachsenen Patienten mit Ph+ ALL. Mit einer 3-jährigen ...