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Kontrolle diverser Schmerzen bei Brustkrebspatientinnen

<p class="article-intro">Die Schmerztherapie bei Brustkrebspatientinnen ist ein komplexes Thema, welches häufig nicht in seinem kompletten Ausmaß erfasst wird. Wir sprachen mit Dr. Matti S. Aapro, Executive Board Member der European School of Oncology (ESO) und der International Society of Geriatric Oncology (SIOG), über die Eckpfeiler der Schmerztherapie.</p> <hr /> <p class="article-content"><p><strong>Im Rahmen der EBCC 2016 in Amsterdam wurde eine komplette Sitzung dem Schmerz gewidmet. Welche Arten von Schmerz treten bei Brustkrebspatientinnen auf?</strong><br /> <br /> <strong>M. S. Aapro:</strong> In der Sitzung besprachen wir verschiedene Formen des Schmerzes, z.B. den neuropathischen Schmerz, Schmerz mit Einbezug des Knochens und Schmerz aufgrund der onkologischen Behandlung. Es ist wichtig zu realisieren, dass viele der Eingriffe, die durch die Erkrankung oder w&auml;hrend der Versorgung der Patientinnen notwendig sind, mit (schweren) Schmerzen einhergehen k&ouml;nnen. Dazu geh&ouml;rt z.B. auch der einfache Nadeleinstich beim Blutabnehmen. Wir sollten auch vermehrt auf Schmerzen durch die Operation achten. Dabei h&auml;ngen die Schmerzen stark von der Form der Operation ab und sind wenig beschrieben. Und schlie&szlig;lich gibt es Schmerz auch als Therapienebenwirkung, z.B. infusionsbedingte Schmerzen, die dann wiederum die Therapie beeinflussen k&ouml;nnen.<br /> <br /><strong> Muss zwischen Tumorschmerzen, Therapie-assoziierten Schmerzen und vorbestehender Schmerzproblematik unterschieden werden?</strong><br /> <br /> <strong>M. S. Aapro:</strong> Die verschiedenen Ursachen von Schmerzen f&uuml;hren auch zu einer spezifischen Behandlung. Wir wissen, dass neuropathische Schmerzen sehr schwer anzugehen sind. Es wurde k&uuml;rzlich diskutiert, ob Pregabalin zur Vermeidung von Neuropathien standardisiert angewendet werden soll. Aber auch andere Medikamente sind noch in der Pr&uuml;fung. Des Weiteren verwenden wir verschiedene Therapien f&uuml;r verschiedenes Schmerzauftreten. Zum Beispiel kann man die Art der Morphinapplikation vorsichtig anpassen, um auf kontinuierliche Schmerzen oder akute Durchbruchschmerzen zu reagieren. Durchbruchschmerzen werden besser durch eine zus&auml;tzliche schnell wirksame Formulierung zu einer lang anhaltenden Basisschmerzmedikation kontrolliert.<br /> <br /><strong> Macht die Schmerzlokalisation einen Unterschied?</strong><br /> <br /> <strong>M. S. Aapro:</strong> Es ist nat&uuml;rlich sinnvoll, nach den Ursachen der Schmerzen zu schauen, wenn dies m&ouml;glich ist. Bestehen beispielsweise Knochenschmerzen, weil in Zusammenhang mit Knochenmetastasen ein Bruch aufgetreten ist, so sollte mit lokaler Strahlentherapie, Zementoplastie oder in den Knochenstoffwechsel eingreifenden Substanzen behandelt werden. H&auml;ufig k&ouml;nnen wir die Ursachen nicht erkennen oder beeinflussen. Wir k&ouml;nnen dann als generelle Substanz NSAR einsetzen, wenn Paracetamol nicht ausreichend ist. Sehr wichtig ist bei jeder Schmerzbehandlung, diese der Patientin zu erkl&auml;ren, damit die Medikation regelm&auml;&szlig;ig eingenommen wird und nicht nur bei Bedarf. Die Lebensqualit&auml;t der Patientinnen wird erh&ouml;ht, wenn sie erst gar keine Schmerzen aufkommen l&auml;sst. Die Patientinnen sollten z.B. die Dauer der Wirksamkeit der Medikamente kennen.<br /> <br /><strong> Welche Hilfsmittel gibt es f&uuml;r den Arzt, um die Schmerzen seiner Patientinnen einordnen zu k&ouml;nnen?</strong><br /> <br /><strong> M. S. Aapro:</strong> Was wir vorschlagen, ist der Gebrauch von standardisierten Fragebogen mit visuellen Analogskalen bzw. von Schmerztageb&uuml;chern. Man muss allerdings auch wirklich darauf achten, dass die Patientin versteht, was unter nicht tolerierbarem Schmerz und kein Schmerz und dem dazwischen zu verstehen ist. Die Patientin muss den Fragebogen regelm&auml;&szlig;ig, am besten t&auml;glich, ausf&uuml;llen. Nur so kann der Arzt den Einfluss der Schmerztherapie feststellen. Moderne Technologien, wie tragbare Ger&auml;te, vereinfachen es den Patientinnen, die Tageb&uuml;cher zu f&uuml;hren. Die Daten werden zum Teil automatisch zu den Zentren transferiert, wo dann gesehen werden kann, ob die Schmerzsymptomatik der Patientin sich z.B. pl&ouml;tzlich verschlechtert.<br /> <br /><strong> Kann ein Onkologe oder Gyn&auml;kologe die Schmerztherapie alleine meistern oder sollte in jedem Fall ein Schmerztherapeut hinzugezogen werden?</strong><br /> <br /> <strong>M. S. Aapro:</strong> Ich glaube, dass jeder Onkologe eine Grundausbildung in der Schmerztherapie haben sollte, aber es gibt Patienten, bei denen die Schmerzen komplexer sind, sodass ein Schmerztherapeut eingeschaltet werden muss. Es gibt auch spezielle Techniken f&uuml;r die Schmerzkontrolle, die nur von Experten ausge&uuml;bt werden sollten, z.B. die Epiduralan&auml;sthesie als palliative Behandlung. Leider wird in der heutigen Zeit aufgrund von Unwissenheit ein furchtbar, restriktiver Einfluss auf die Verf&uuml;gbarkeit von effektiven Schmerzmedikationen ausge&uuml;bt &ndash; auch in Europa. Wir sollten daher unsere Kraft b&uuml;ndeln, um die Patienten mit ad&auml;quaten Mitteln behandeln zu k&ouml;nnen.<br /> <br /><strong> Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!</strong></p></p>
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