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Klinisch bedeutsame Studiendaten vom SABCS 2014
Jatros
Autor:
Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru
Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Universität Graz<br/> E-Mail: edgar.petru@medunigraz.at<br/> Quelle: SABCS-Kongress, 9.–13. Dezember 2014, San Antonio
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05.03.2015
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<p class="article-intro">Weder hinsichtlich der Entwicklung eines ipsilateralen Rezidivs oder eines kontralateralen Karzinoms noch in Bezug auf das Überleben konnten Vorteile der Durchführung einer präoperativen MRT-Untersuchung der Brüste nachgewiesen werden. Erstmalig wurden Studienergebnisse präsentiert, wonach die Supplementierung mit mehrfach ungesättigten n-3-Fettsäuren zu einer Reduktion von AI-induzierten Arthralgien führt. Aus einer weiteren Untersuchung geht hervor, dass Brustkrebspatientinnen zu einem hohen Prozentsatz Depressionen entwickeln.</p>
<hr />
<p class="article-content"><h2>Präoperatives MRT der Brüste und Entstehung eines ipsilateralen Rezidivs oder kontralateralen Karzinoms</h2> <p>Die Arbeitsgruppe um Dr. Amin an der Northwestern University von Chicago hat retrospektiv die elektronischen Krankengeschichten aus dem NMEDW (Northwestern Medicine Enterprise Data Warehouse) von 1.097 Patientinnen mit präinvasivem und invasivem Mammakarzinom, die zwischen 2004 und 2010 behandelt worden waren, ausgewertet. Lokalrezidive und kontralaterale Karzinome wurden als Brustkrebs-assoziierte Ereignisse klassifiziert. Bei 526 Patientinnen war präoperativ eine MRT-Untersuchung der Brüste durchgeführt worden, während dies bei 571 Frauen nicht der Fall war. Patientinnen mit einer präoperativen MRT-Befundung waren jünger (medianes Alter 59 vs. 66 Jahre; p<0,0001), häufiger prämenopausal (38 % vs. 27 % ; p=0,0004), wiesen häufiger palpable Tumoren auf (35 % vs. 27 % ; p=0,004), hatten häufiger invasiv-lobuläre Karzinome (16 % vs. 12 % ) und seltener DCIS-Läsionen (17 % vs. 29 % ; p=0,001). Die mittlere Tumorgröße war in beiden Gruppen vergleichbar (17,5 vs. 17,3mm). Die Lymphknoten waren jedoch in der MRT-Gruppe häufiger positiv (24 % vs. 19 % ; p=0,045). Tripelnegative (TN) Tumoren waren in der MRT-Gruppe häufiger (14 % vs. 8 % ; p=0,0003). Die mittlere Nachbeobachtungsdauer betrug 51,5 Monate in der MRT-Gruppe und 59 Monate in der Gruppe ohne MRT (p<0,0001). Die Anzahl von Ereignissen betrug 49 in der MRT-Gruppe und 68 in der Gruppe ohne MRT. Die Hazard-Ratio (HR) für alle Ereignisse war nach Adjustierung der Daten zu Nachbeobachtungsdauer, Patientinnenalter, Tumorgröße, Lymphknotenstatus und dem Vorliegen einer TN sowie der Durchführung einer systemischen und Radiotherapie vergleichbar (HR: 0,90; p=0,61). Die HR für ein ipsilaterales Rezidiv sowie für ein kontralaterales Karzinom war in beiden Gruppen äquivalent (HR: 0,93, p=0,76 bzw. HR: 1,22; p=0,61).<sup>1</sup><br /> <br /> <strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br /> Die Durchführung einer präoperativen MRT-Untersuchung war nach Adjustierung um wichtige prognostische Parameter nicht mit der Reduktion eines ipsilateralen Ereignisses oder kontralateralen Karzinoms assoziiert. Die Routineanwendung eines präoperativen MRT bei allen Brustkrebspatientinnen scheint nicht nützlich zu sein.</p> <h2>Präoperatives MRT der Brüste hat keinen Einfluss auf das Überleben</h2> <p>Ryu et al<sup>2</sup> haben die Krankengeschichten von 873 Patientinnen mit invasivem Mammakarzinom im Stadium pT1 und pT2 ausgewertet, die einer brusterhaltenden Therapie unterzogen worden waren. Bei 77 % dieser Patientinnen war präoperativ eine MRT-Untersuchung der Brüste durchgeführt worden, während bei den übrigen 23 % keine erfolgt war. In beiden Gruppen bestanden keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich T-Stadium, Lymphknotenbefall, histologischen Typs, histologischen Gradings, Progesteron-Rezeptor-Status, Alter, adjuvanter Chemotherapie, Radiatio und Antihormontherapie. Bei Patientinnen ≤50 Jahren war häufiger eine MRT-Befundung erfolgt als bei jenen >50 Jahre (52 % vs. 43 % ; p=0,02). Der Östrogenrezeptor(ER)-Status war bei Patientinnen mit präoperativem MRT häufiger positiv (75 % vs. 67 % ; p=0,03), eine HER2-Überexpression lag seltener vor (8 % vs. 15 % ; p<0,001). Weder die univariate noch die multivariate Analyse ergab für die Gruppe mit präoperativem MRT der Brüste einen Vorteil hinsichtlich des rezidivfreien oder Gesamtüberlebens (p>0,05). Auch Alter und HER2-neu-Überexpression waren nicht mit dem Überleben assoziiert. Nur die ER-Überexpression stellte einen unabhängigen Faktor für das rezidivfreie und Gesamtüberleben dar (p>0,01).<br /> <br /> <strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br /> Der routinemäßige Einsatz der präoperativen MRT-Untersuchung der Brüste zeigt bei Patientinnen mit brusterhaltender Therapie im Stadium I und II keinen Einfluss auf das Überleben.</p> <h2>Prävention von Aromataseinhibitor(AI)-induzierten Gelenksschmerzen durch Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren</h2> <p>AI-induzierte Gelenksschmerzen beeinflussen u.a. die Therapieadhärenz und die Lebensqualität negativ. Mehrfach ungesättigte n-3-Fettsäuren (n-3-UFS) weisen antiinflammatorische Effekte auf. Es besteht die Hypothese, dass AI-assoziierte Arthralgien teilweise durch inflammatorische Reaktionen bedingt sind. Somit bestand der Studienansatz darin, dass die antiinflammatorische Wirkung von n-3-UFS AI-induzierte Arthralgien günstig beeinflussen kann.<br /> In der von Lustberg et al<sup>3</sup> durchgeführten US-amerikanischen, randomisierten, placebokontrollierten Pilotstudie wurde die Gabe von n-3-UFS in Form von Supplementen (2,58g Eicosapentaensäure plus 1,74g Docosahexaensäure pro Tag) versus Placebo bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen untersucht, die einen AI als adjuvante Therapie erhielten. Das mediane Alter betrug 59,5 Jahre. 34 % hatten vor dem AI ein Taxan erhalten. Erstes Studienziel war die Machbarkeit, sekundär wurden mittels standardisierter Fragebögen (Schmerz: BPI-SF, FACTB-ES, HAQ) Symptome erhoben, die vor Einnahme des AI und 12 bzw. 24 Wochen nach einer AI-Therapie aufgetreten sind. 44 Patientinnen wurden in die Studie aufgenommen. 42 davon erhielten eine Therapie über mindestens 4 Wochen. Bei 36 Frauen war noch mindestens eine weitere Evaluierung nach 12 bzw. 24 Wochen durchgeführt worden. Insgesamt nahmen 93 % bzw. 88 % der Patientinnen >80 % der Placebo- bzw. n-3-UFS-Studienmedikation ein. Die meisten n-3-UFS-assoziierten Toxizitäten waren niedriggradig (Grad 1). Nur 1 Patientin (2,5 % ) wies eine Grad-3-Toxizität in Form von Diarrhö auf. Im n-3-UFS-Studienarm traten weniger Schmerzsymptome nach 12 Wochen auf (p=0,08). Spazieren, Aktivitäten und Arbeiten waren im Verumarm nach 12 Wochen häufiger möglich (p=0,05). Es wurde durch n-3-UFS-Supplementierung auch eine größere Schmerzfreiheit nach Schmerztherapie erzielt (p<0,044). Im n-3-UFS-Arm wurde ein nicht signifikanter Trend zu verringerten Entzündungszeichen der Handgelenke gemäß der MRT-Untersuchung beobachtet.<br /> <br /> <strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br /> Es handelt sich um die erste randomisierte (Pilot-)Studie, bei der Supplementierung mit n-3-UFS zu einer Reduktion von AI-induzierten Arthralgien geführt hat.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_data_Zeitungen_2015_Jatros_Onko_1501_Weblinks_Seite95.jpg" alt="" width="652" height="314" /></p> <h2>Chronische Begleiterkrankungen von Frauen nach Brustkrebs mit besonderer Berücksichtigung der Depression</h2> <p>Bei Frauen <65 Jahren, die ihre Brustkrebserkrankung mindestens 2 Jahre überlebt hatten, wurde anhand der Daten des MDR (Military Health System Data Repository) eine Kohorte von 2.851 Personen identifiziert und gemäß dem ICD-9-Diagnose-Code ausgewertet.<sup>4</sup><br /> Bei ca. 16 % der Brustkrebspatientinnen wurde im Jahr vor der Diagnose, zum Diagnosezeitpunkt oder in der 2-jährigen Nachbeobachtungsphase eine Depression diagnostiziert. Patientinnen mit Depression hatten eine signifikant höhere Anzahl an Hospitalisierungen (0,33 vs. 0,11 Tage). Auch die Anzahl stationärer Krankenhaustage (1,9 vs. 0,6 Tage), die Anzahl ambulanter Untersuchungen (34,3 vs. 20,4) und jene der Verschreibung von Medikamenten war in diesem Patientinnenkollektiv signifikant höher (45,5 vs. 27,6 Medikamente). Im Rahmen der 2-jährigen Beobachtungszeit nach der Diagnose von Brustkrebs mussten für Patientinnen mit Depression jährlich im Mittel 7.174 US-Dollar mehr für Medikamente aufgewendet werden als für Patientinnen ohne Depression (15.471 vs. 8.297 US-Dollar). Chronische Begleiterkrankungen werden bei bis zu 50 % der Brustkrebspatientinnen diagnostiziert (Tab. 1).<br /> <br /> <strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong> Eine therapiebedürftige Depression wird innerhalb von 2 Jahren nach Diagnosestellung bei 38 % der Brustkrebspatientinnen diagnostiziert. Patientinnen mit einer Depression belasten das Gesundheitssystem finanziell stärker als Patientinnen ohne Depression. In der Betreuung von „Breast Cancer Survivors“ sollte insbesondere auf eine mögliche Depression geachtet und dieser frühzeitig mit entsprechenden Maßnahmen begegnet werden.</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Medizinische Universität Graz<br/>
E-Mail: edgar.petru@medunigraz.at<br/>
Quelle: SABCS-Kongress,
9.–13. Dezember 2014, San Antonio
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<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
<div class="collapse" id="collapseLiteratur">
<p><strong>1</strong> Amin A et al: SABCS 2014; P1-01-05<br /><strong>2</strong> Ryu J et al: SABCS 2014; P1-01-12 <br /><strong>3</strong> Lustberg M et al: SABCS 2014; P1-09-03<br /><strong>4</strong> Jefferey D et al: SABCS 2014; PD 4-4</p>
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