Neue beeindruckende Studiendaten
Autor:
OA Dr. med. Maximilian J. Hochmair
Leiter der pneumo-onkologischen Ambulanz + Tagesklinik
Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie
Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und pneumologische Onkologie
Klinik Floridsdorf
Wien
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Aus der Fülle an Studien zum Lungenkarzinom, die am ASCO 2026 präsentiert wurden, habe ich meine persönlichen Highlights zusammengestellt und ich werde die wichtigsten im Folgenden zusammenfassen sowie deren klinische Relevanz einordnen.
LIBRETTO-432: beeindruckende EFS-Raten unter Selpercatinib
An dieser globalen Phase-III-Studie haben auch wir mit elf Patient:innen mitgewirkt und sind damit in die Plenary Session gekommen. Eingeschlossen wurden 151 Patient:innen mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) der Stadien IB–IIIA, bei denen histologisch eine RET-Fusion nachgewiesen worden war. Alle hatten bereits eine Therapie mit kurativer Intention (Operation oder Bestrahlung mit/ohne adjuvante Chemotherapie) erhalten. Sie wurden randomisiert und drei Jahre lang entweder mit dem hochselektiven RET-Inhibitor Selpercatinib oder mit Placebo behandelt. Primärer Endpunkt war das ereignisfreie Überleben (EFS) der Patient:innen in den Stadien II–IIIA; zu den sekundären Endpunkten gehörten unter anderem das EFS von Patient:innen in den Stadien IB–IIIA, das Gesamtüberleben (OS) und die Sicherheit.1
Bei den 109 Patient:innen mit Stadium-II–IIIA-Tumoren lag die 2-Jahres-EFS-Rate unter Selpercatinib bei 92% (vs. 61% unter Placebo; HR: 0,17; p<0,001). In der gesamten Kohorte betrug sie 94% versus 70% (HR: 0,17; p<0,001). Der EFS-Vorteil wurde über alle Subgruppen hinweg deutlich. Die Nebenwirkungen waren konsistent mit früheren Studien und in der Regel durch Dosisreduktionen zu managen.1
Aufgrund dieser Daten sollte Selpercatinib als neuer Standard der adjuvanten Therapie bei RET-positivem NSCLC im frühen Stadium erwogen werden. Zudem unterstreichen die Resultate, wie wichtig die genetische Testung über alle Tumorstadien hinweg ist, um eine optimale Therapieentscheidung treffen zu können.
ALCHEMIST: negativer Ausgang
Diese Studie untersuchte, ob die adjuvante Gabe von Nivolumab das krankheitsfreie Überleben (DFS) und das OS bei Patient:innen nach Resektion eines NSCLC mit PD-L1-Expression insgesamt und solchen mit PD-L1-Expression ≥50% verlängern kann. Dies war nicht der Fall: In der «Intention to treat»(ITT)-Population lag das DFS unter Nivolumab bei 71,3 Monaten (vs. 68,8 Monate unter aktiver Beobachtung; p=0,39). In der Subgruppe mit PD-L1-Expression ≥50% betrug das DFS unter Nivolumab 89,8 Monate (vs. 78,5 Monate; p=0,22). Auch beim OS konnte kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden.2
CROWN: bislang unerreichtes PFS
In diesem Jahr wurden die 7-Jahres-PFS-Daten der CROWN-Studie gezeigt, welche die 5-Jahres-Daten beeindruckend bestätigten. Zur Erinnerung: In die Studie wurden 296 therapienaive Patient:innen mit fortgeschrittenem, ALK-positivem NSCLC eingeschlossen und erhielten entweder Lorlatinib oder Crizotinib. Primärer Endpunkt war das PFS, Haupt-Sekundärendpunkt das OS. Bei einem Follow-up von rund sieben Jahren war das mediane PFS in der Lorlatinib-Gruppe noch nicht erreicht (NR) und betrug in der Crizotinib-Gruppe 9,1 Monate. Die 7-Jahres-PFS-Raten lagen bei 55% versus 3% (Abb.1). Dabei hatten Patient:innen, die nach 24 Monaten noch keinen Progress erlebt hatten, eine 79%ige Wahrscheinlichkeit, auch in Jahr 7 keine Progression zu erleiden. Es zeigte sich zudem, dass in Proben von Patient:innen mit frühem Progress unter Lorlatinib mehr genetische Alterationen in der zirkulierenden Tumor-DNA (ctDNA) nachgewiesen werden konnten als bei jenen mit langem PFS.3
Das Sicherheitsprofil war konsistent mit den 5-Jahres-Daten. Selbst wenn eine Dosisreduktion aufgrund von Nebenwirkungen notwendig wurde, so hatte dies keinen negativen Effekt auf das PFS.3
WU-KONG28: leider nicht gegen derzeitigen Goldstandard getestet
Der EGFR-Inhibitor Sunvozertinib wurde in den USA und China bereits zugelassen für die Therapie des fortgeschrittenen NSCLC mit EGFR-Exon-20-Insertion (EGFR exon20ins) nach Versagen einer platinhaltigen Chemotherapie. Die Phase-III-Studie WU-KONG28 untersuchte nun Sunvozertinib versus Chemotherapie (Carboplatin/Pemetrexed) in der Erstlinie bei fortgeschrittenem NSCLC mit EGFR exon20ins. Primärer Endpunkt war das PFS, zu den sekundären Endpunkten gehörten unter anderem das OS, die objektive Responserate (ORR), Ansprechdauer (DOR) und die Veränderung der Tumorgrösse.4
Bedauerlich ist, dass nicht mit Amivantamab plus Chemotherapie verglichen wurde. Amivantamab war zum Zeitpunkt der Planung der Studie noch kein Therapiestandard, was es jedoch inzwischen ist. Eine Erweiterung des ursprünglichen Designs wäre daher interessant gewesen.
Sunvozertinib erzielte ein signifikant längeres PFS als die Chemotherapie (10,3 vs. 7,5 Monate; p<0,001), wobei man mit Amivantamab hinsichtlich des PFS mehr erreichen kann. Zu Monat 12 lag die PFS-Rate in der Sunvozertinib-Gruppe bei 46,1%, in der Chemotherapie-Gruppe bei 26,7%. Die OS-Daten waren zum Zeitpunkt der Präsentation noch unreif. Die ORR betrug unter Sunvozertinib 58,9% (vs. 31,1%), die mediane DOR 11,2 versus 7,1 Monate.4 In diesem Setting ist allerdings meiner Meinung nach Amivantamab weiterhin der Goldstandard.
HARMONi-6: signifikant verlängertes OS
Diese Studie mit ausschliesslich asiatischen Teilnehmer:innen verglich die Kombination von Ivonescimab plus Chemotherapie mit Tislelizumab plus Chemotherapie bei unbehandeltem, fortgeschrittenem Plattenepithel-NSCLC (sq-NSCLC). Ivonescimab ist der erste bispezifische Antikörper mit PD-L1/VEGF-Target und seit 2024 in China zugelassen. Eine Interimsanalyse hatte bereits zuvor einen signifikanten PFS-Vorteil von Ivonescimab gegenüber Tislelizumab gezeigt. In diesem Jahr wurden die OS-Daten präsentiert. Bei einem Follow-up von 21 Monaten verlängerte die Ivonescimab-Kombination das OS im Vergleich zur Tislelizumab-Kombination signifikant (27,9 vs. 23,7 Mo.; p=0,0017). Dabei zeigte sich der Vorteil über alle Subgruppen hinweg, auch bei PD-L1-negativen Patient:innen (<1%).5
In der Diskussion wurde kritisch angemerkt, dass unbedingt eine globale Studie initiiert werden müsse, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse zu überprüfen. Zudem sei ein Follow-up von 21 Monaten noch zu kurz, um eine abschliessende Beurteilung abzugeben.
OptiTROP-Lung05: potenziell grosser Einfluss auf die Praxis
Die ebenfalls rein asiatische Phase-II-Studie verglich Sacituzumab-Tirumotecan (sac-TMT) plus Pembrolizumab (P) mit Pembrolizumab in der Erstlinie bei therapienaivem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem PD-L1-positivem NSCLC ohne EGFR-/ALK-Alterationen. Sac-TMT ist ein TROP2-gerichtetes ADC mit einem PD-L1-Inhibitor. Die Patient:innen wurden stratifiziert nach PD-L1-Expression (TPS 1–49% vs. TPS ≥50%), Histologie (Plattenepithel- vs. Nicht-Plattenepithel-NSCLC) und ECOG (0 vs. 1). Präsentiert wurde die Interimsanalyse des PFS. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 10,5 Monaten war das PFS unter sac-TMT/P signifikant länger als in der Vergleichsgruppe (NR vs. 5,7 Mo.; p<0,0001). Auch die ORR war in der sac-TMT/P-Gruppe höher als in der P-Gruppe (70,2% vs. 42%).6
In Österreich wird die Substanz derzeit in der Erhaltungstherapie und adjuvant beim Plattenepithelkarzinom eingesetzt. Unsere Erfahrungen damit sind sehr gut.
ABBV-706: hohe Ansprechraten beiguter Verträglichkeit
Zum Abschluss noch eine Studie zum kleinzelligen Lungenkarzinom (SCLC). Vorgestellt wurden aktualisierte Daten der Phase-I-Studie ABBV-706 mit dem gleichnamigen ADC (NCT05599984). ABBV-706 ist ein SEZ6-gerichtetes ADC mit Topoisomerase-1-Inhibitor-Payload. Der Marker SEZ6 («seizure-related homolog 6») wird im SCLC und in neuroendokrinen Tumoren exprimiert. In die Studie waren 124 Patient:innen mit rezidiviertem/refraktärem (r/r) SCLC eingeschlossen, die entweder mit einer ABBV-706-Monotherapie oder in Kombination mit dem Anti-PD-1-Inhibitor Budigalimab behandelt wurden. Gezeigt wurden die Daten der Monotherapiegruppe. Bei einem medianen Follow-up von 16,2 Monaten betrug das mOS insgesamt 11,3 Monate und 14,3 Monate bei Patient:innen, die die Substanz in der Zweitlinie erhalten hatten (n=17). Die ORR lag insgesamt bei 52%, in der Zweitlinien-Subgruppe sogar bei 82%.7
Die Substanz ist ein Hoffnungsschimmer für stark vorbehandelte SCLC-Patient:innen und wird nun weiter untersucht. Derzeit rekrutiert die Phase-II-Studie SEZanne (NCT07155174), allerdings nehmen keine Zentren in Österreich (und in der Schweiz, Anm. d. Red.) daran teil. Geplant ist die Phase-III-Studie SEZanne-02 (NCT07365241), die aber noch nicht rekrutiert.
Quelle:
ASCO Annual Meeting, 29. Mai bis 2. Juni 2026, Chicago
Literatur:
1 Goldman JW et al.: J Clin Oncol 2026; 44(Suppl 17): Abstr. # LBA3 + N Engl J Med 2026; https://doi.org/10.1056/nejmoa2602628 2 Chaft JE et al.: J Clin Oncol 2026; 44(Suppl 16): Abstr. # 8000 + JAMA 2026; e268992 3 Mok TSK et al.: J Clin Oncol 2026; 44(Suppl 16): Abstr. # 8502 + Ann Oncol 2026; https://doi.org/10.1016/j.annonc.2026.05.692 4 Heymach JV et al.: JClin Oncol 2026; 44(Suppl 17): Abstr. # LBA8500 + N Engl J Med 2026; https://doi.org/10.1056/NEJMoa2604461 5 Zhiwei C et al.: J Clin Oncol 2026; 44(Suppl 17): Abstr. # LBA4 + Lancet 2026; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00966-9 6 Zhou C et al.: J Clin Oncol 2026; 44(Suppl 16): Abstr. #8506 + Lancet 2026; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)00968-2 7 Byers LA et al.: JClin Oncol 2026; 44(Suppl 16): Abstr. # 8008 + Nat Med 2026; https://doi.org/10.1038/s41591-026-04452-0
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