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Oft übersehen und unterschätzt

Therapie von primären Kopfschmerzenim Kindes- und Jugendalter

Kopfschmerzen gehören im Kindes- und Jugendalter zu den häufigsten neurologischen Beschwerden und nehmen seit Jahren an Prävalenz zu. Bereits im Schulalter berichten viele Kinder über wiederkehrende Kopfschmerzen. In Metaanalysen liegt die Prävalenz der Migräne bei Kindern und Jugendlichen bei etwa 10–11%, die des Kopfschmerzes vom Spannungstyp deutlich höher.1 Mit zunehmendem Alter steigt die Kopfschmerzhäufigkeit weiter an – insbesondere in der Adoleszenz wird die Krankheitslast klinisch und sozial relevant. Kopfschmerzen führen nicht nur zu einer Einbuße an Lebensqualität, sondern auch zu Schulabsentismus, Konzentrationsstörungen und sozialem Rückzug. Aus diesem Grund sind die frühe diagnostische Einordnung und Therapie von besonderer Bedeutung.1–5

Die Diagnosestellung ist im Kindes- und Jugendalter erschwert. Sie basiert auf den Kriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-III).6 Primäre Kopfschmerzen präsentieren sich bei Kindern häufig nicht in der klassischen aus dem Erwachsenenalter bekannten Form. Die Migräne ist im Kindesalter oft bilateral frontotemporal lokalisiert, nicht obligat pulsierend in der Schmerzqualität und in ihrer Dauer meist kürzer als bei Erwachsenen, mit einer Attackendauer von <4 Stunden. Die Schmerzen werden als mittelstark bis stark beschrieben, bei körperlicher Aktivität verstärkt sowie begleitet von Photo-, Phono- oder Osmophobie, Übelkeit und Erbrechen. Jüngere Kinder können ihre Beschwerden häufig nicht präzise äußern, sondern zeigen eine Verhaltensänderung: Rückzug, Weinen, Reizbarkeit oder Schlafbedürfnis. Auch Aurasymptome werden gerade von jüngeren Kindern oft nur unzureichend beschrieben; hier kann es diagnostisch hilfreich sein, visuelle oder sensorische Phänomene aufmalen zu lassen. Die sorgfältige Eigen- und Fremdanamnese bleibt daher neben der klinischen Untersuchung die zentrale Grundlage der Diagnosestellung. Ergänzend sind ein Kopfschmerztagebuch sowie validierte Instrumente zur Einschätzung der kopfschmerzbedingten Alltagseinschränkung, wie der „Pediatric Migraine Disability Assessment Score“ (PedMIDAS), sinnvoll.6–8

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