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Lokalisiertes Prostatakarzinom

Schritt für Schritt zur besseren Diagnostik und Therapie

<p class="article-intro">Nicht nur im Bereich des metastasierten Prostatakarzinoms wurden in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte erzielt, auch in Diagnostik und Behandlung des lokalisierten Prostatakarzinoms werden viele Studien durchgeführt und einige interessante Ergebnisse wurden am diesjährigen ASCO Annual Meeting in Chicago vorgestellt. Im Vordergrund stehen dabei die Primärdiagnostik mit multiparametrischem MRI sowie die Optimierung der perkutanen Radiotherapie mittels Hypofraktionierung.</p> <p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Key Points</h2> <ul> <li>Die Durchf&uuml;hrung eines multiparametrischen MRI (mpMRI) kann in der Prim&auml;rdiagnostik des Prostatakarzinoms die Rate an unn&ouml;tigen Prostatabiopsien senken und zus&auml;tzlich Angaben zur optimalen Biopsie liefern.</li> <li>Das mpMRI muss mit einem geeigneten Ger&auml;t korrekt durchgef&uuml;hrt und von geschulten Radiologen interpretiert werden. In ge&uuml;bten H&auml;nden sollte das mpMRI die Erstuntersuchung beim Mann mit erh&ouml;htem PSA (&gt;3ng/ml) und Verdacht auf Prostatakarzinom sein.</li> <li>Beim lokalisierten Prostatakarzinom mit &laquo;low&raquo; und &laquo;intermediate risk&raquo;, das mittels Radiotherapie behandelt wird, soll gem&auml;ss den aktuellen Studiendaten diese Behandlung mittels Hypofraktionierung vorgenommen werden. Dies verringert die Bestrahlungsdauer deutlich (von 8 Wochen auf 4 Wochen) bei gleicher Wirksamkeit und Toxizit&auml;t.</li> </ul> </div> <h2>Multiparametrisches MRI: Einsatz vor der Prostatabiopsie</h2> <p>Bei Nachweis eines erh&ouml;hten PSA (&gt;3ng/ml) sollte gem&auml;ss aktuellen Richtlinien eine weitere Abkl&auml;rung zum Nachweis oder Ausschluss eines Prostatakarzinoms erfolgen. Seit vielen Jahren besteht die standardm&auml;ssige Abkl&auml;rung dabei prim&auml;r aus einer ambulanten, transrektalen, Ultraschall-gesteuerten (TRUS) Prostatabiopsie in lokaler An&auml;sthesie. Dabei werden aus beiden Seiten der Prostata je 6 Stanzen gem&auml;ss einer systematischen Anordnung (nicht gezielt bildgesteuert) entnommen. Laut grossen Untersuchungen findet sich trotz Karzinomverdacht nur in etwa 20 % aller TRUS-Biopsien auch ein Prostatakarzinom und ein Grossteil davon ist klinisch indolent (Gleason-Score 3 + 3 = 6, nur wenige Stanzen mit &lt;50 % betroffen). Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass relevante Karzinome &uuml;bersehen werden k&ouml;nnen (Abb. 1).</p> <p><img src="/custom/img/files/files_data_Zeitungen_2016_Leading Opinions_Onko_1604_Weblinks_Seite68_1.jpg" alt="" width="469" height="540" /></p> <p>M&ouml;gliche Risiken der TRUS-Biopsie sind Blutungen und Infekte bis hin zur Sepsis. Eine bessere Diagnostik erscheint also vordringlich, um unn&ouml;tige Biopsien zu vermeiden sowie die Zahl der Detektionen von indolenten (nicht behandlungsw&uuml;rdigen) Karzinomen zu senken und die Zahl der Diagnosen von relevanten Karzinomen zu erh&ouml;hen. In den letzten Jahren hat die Bildgebung der Prostata mit multiparametrischem MRI (mpMRI) grosse Fortschritte gemacht und diese Untersuchung wird mittlerweile an vielen Zentren in der Diagnostik eingesetzt, um den Therapieentscheid bei bekanntem lokalisiertem Prostatakarzinom zu unterst&uuml;tzen. Es hat sich auch eine standardisierte Beurteilung des mpMRI (PIRADS) durchgesetzt, welche Hinweise auf das Vorliegen von klinisch relevanten Karzinomen liefert (siehe Beispiel Abb.&nbsp;2).</p> <p><img src="/custom/img/files/files_data_Zeitungen_2016_Leading Opinions_Onko_1604_Weblinks_Seite68_2.jpg" alt="" width="" height="" /></p> <p>Bislang fehlten eindeutige Hinweise darauf, ob das mpMRI der TRUS-Biopsie in der Diagnostik des Prostatakarzinoms &uuml;berlegen ist. Eine englische Studiengruppe vom MRC hat bei 576 M&auml;nnern mit erh&ouml;htem PSA diese Frage nun beantwortet (Ahmed et al, Abstract 5000): Bei all diesen M&auml;nnern wurde prim&auml;r ein mpMRI durchgef&uuml;hrt, anschliessend erfolgten in Generalan&auml;sthesie die standardisierte TRUS-Biopsie sowie gleichzeitig als Referenztest eine perineale Mapping-Biopsie (mit Biopsien der Prostata alle 5mm). Diese diente als Goldstandard, um die diagnostische Genauigkeit von mpMRI und TRUS-Biospie zu vergleichen. Das MRI wurde mit einem Ger&auml;t von mindestens 1,5 Tesla vorgenommen und gem&auml;ss dem Likert-Score beurteilt (Score von 1&ndash;5, bei Werten &ge;3 Verdacht auf signifikantes Karzinom). Als signifikant definiert wurde ein Prostatakarzinom, falls ein Gleason-Score von &ge;4 + 3 = 7 oder eine Stanzl&auml;nge von &ge;6mm vorlag. Insgesamt wurden mit der Mapping-Biopsie bei den 576 M&auml;nnern in 230 F&auml;llen signifikante Karzinome gefunden. Dabei zeigte die TRUS-Biospie eine Sensitivit&auml;t von 48 % und eine negativ pr&auml;diktive Vorhersagekraft (NPV) von 74 % . Demgegen&uuml;ber konnte mit dem mpMRI eine Sensitivit&auml;t von 93 % und eine NPV von 89 % erzielt werden. Die Spezifit&auml;t des mpMRI war jedoch mit nur 41 % niedrig. Dies bedeutet, dass im Falle des Verdachts auf ein Karzinom im MRI zur Best&auml;tigung eine Biopsie notwendig ist (je nach Lokalisation TRUS- oder MRI-gesteuert). Mittels TRUS-Biopsie w&auml;ren 119 signifikante Karzinome &uuml;bersehen worden, mittels mpMRI nur 17. Basierend auf diesen Zahlen berechneten die Autoren den Einfluss eines initialen mpMRI auf die prim&auml;re Diagnostik des Prostatakarzinoms: Es k&ouml;nnte bei 27 % der M&auml;nner auf TRUS-Biopsien verzichtet werden, die Rate an klinisch insignifikanten Karzinomen w&uuml;rde um 30 % gesenkt und die Rate an entdeckten signifikanten Karzinomen w&uuml;rde verdoppelt werden. Ein weiterer Vorteil des mpMRI ist, dass je nach Lokalisierung entschieden werden kann, ob eine &uuml;bliche TRUS-Biopsie vorgenommen wird oder ob eine MRI-gesteuerte Biopsie erfolgversprechender ist. Somit stellt das mpMRI, durchgef&uuml;hrt vor einer &laquo;blinden&raquo; TRUS-Biopsie, eine sinnvolle Untersuchung dar, sowohl um eine Triage bez&uuml;glich der Notwendigkeit zur Biopsie vorzunehmen, als auch um die Modalit&auml;t der Biopsie festzulegen. Entscheidend ist jedoch, dass die Untersuchung mit einem gen&uuml;gend leistungsstarken MRI und korrekt durchgef&uuml;hrt wird und dass der beurteilende Radiologe Erfahrung mit der PIRADS-Klassifikation hat. Zudem sollten Befunde nach M&ouml;glichkeit in einem interdisziplin&auml;ren Tumorboard besprochen werden, um das weitere Prozedere festzulegen.</p> <h2>Die hypofraktionierte Radiotherapie: neuer Standard beim lokalisierten PC mit intermedi&auml;rem Risiko</h2> <p>Am diesj&auml;hrigen ASCO Meeting wurde die dritte grosse innerhalb von wenigen Monaten durchgef&uuml;hrte Phase-III-Studie vorgestellt, welche die hypofraktionierte Radiotherapie beim lokalisierten Prostatakarzinom untersucht hat. Hypofraktionierung bedeutet die Anwendung einer h&ouml;heren Einzeldosis bei insgesamt weniger Therapieeinheiten. Strahlenbiologisch wird so gem&auml;ss Theorie der gleiche Benefit mit einer absolut niedrigeren Dosis erzielt. Der Vorteil f&uuml;r die Patienten liegt in einer deutlich verk&uuml;rzten Behandlungsdauer (4 Wochen gegen&uuml;ber 8 Wochen). Bereits die RTOG-0415-Studie (Lee et al, JCO 2016) und die CHHiP-Studie (Dearnaley et al, ECC 2015) hatten die Nichtunterlegenheit (&laquo;non-inferiority&raquo;) der k&uuml;rzeren Radiotherapie mit h&ouml;heren Einzeldosen gezeigt. Auch die am ASCO vorgestellte kanadische PROFIT-Studie (Catton et al, Abstract 5003) zeigte eine &laquo;non-inferiority&raquo; f&uuml;r die Hypofraktionierung: Sowohl das biochemische rezidivfreie &Uuml;berleben als auch das Gesamt&uuml;berleben waren identisch. Zudem fand sich kein signifikanter Unterschied in Bezug auf die akute Toxizit&auml;t oder die Langzeittoxizit&auml;t. Dieser Punkt ist besonders wichtig, da die meisten M&auml;nner durch die Behandlung geheilt werden und ein langes Gesamt&uuml;berleben beobachtet wird. Es bestanden Bef&uuml;rchtungen, dass durch die gr&ouml;sseren Einzeldosen eine erh&ouml;hte Toxizit&auml;t in Kauf genommen werden m&uuml;sste. Diese Bef&uuml;rchtungen konnten sowohl in der aktuellen Studie als auch in den beiden anderen Studien ausger&auml;umt werden. Insgesamt sind schwere Toxizit&auml;ten sowohl urogenital als auch gastrointestinal selten (&ge;Grad 3 nur in 1&ndash;3 % sowohl f&uuml;r akute Toxizit&auml;t als auch Langzeittoxizit&auml;t). Tabelle 1 zeigt eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die drei Studien.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_data_Zeitungen_2016_Leading Opinions_Onko_1604_Weblinks_Seite69.jpg" alt="" width="" height="" /></p> <h2>Adjuvante Chemotherapie mit Docetaxel nach Prostatektomie: eine negative Studie</h2> <p>Ein interessantes Resultat fand sich in der skandinavischen Phase-III-Studie SPCG-12 (Abstract 5001). Dabei wurde die adjuvante Gabe von Docetaxel nach radikaler Prostatektomie bei Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakarzinom gepr&uuml;ft. In den ersten 24 Monaten wurde eine verminderte Anzahl an PSA-Rezidiven bei den Patienten im Docetaxel-Arm gefunden, danach jedoch zeigten die Patienten in der Kontrollgruppe die besseren Resultate. Vor allem bei Patienten mit niedrigem Gleason f&uuml;hrte Docetaxel zu einem schlechteren Outcome. Die Gr&uuml;nde f&uuml;r dieses Resultat sind bislang ungekl&auml;rt, interessanterweise zeigte eine &auml;hnlich angelegte amerikanische Studie kontr&auml;re Resultate (AUA 2016).</p> <h2>Kombination von Abirateron und Enzalutamid: kein Vorteil in der neoadjuvanten Therapie</h2> <p>Die Forschungsgruppe von Eleni Efstathiou hat in den letzten Jahren anhand von neoadjuvanten Studien versucht, den Mechanismus der neuartigen Antihormontherapien Abirateron und Enzalutamid besser zu verstehen. Dabei wurde die Hypothese postuliert, dass Abirateron in Kombination mit Enzalutamid einen synergistischen Effekt mit verbesserter Zytoreduktion haben k&ouml;nnte. In der aktuellen neoadjuvanten Studie wurde die Androgendeprivation mit einem LHRH-Agonisten (ADT) kombiniert mit Abirateron gegen&uuml;ber der Tripelkombination von ADT, Abirateron und Enzalutamid verglichen (Efstathiou et al, Abstract 5002). Mit beiden Behandlungen konnte bei praktisch allen Patienten eine vollst&auml;ndige Depletion des PSA gefunden werden. Trotzdem wurde so gut wie keine pathologische komplette Remission gefunden. Des Weiteren zeigte sich unter der Tripeltherapie entgegen der urspr&uuml;nglichen Hypothese kein verbessertes Downstaging. Die zus&auml;tzliche Gabe von Enzalutamid f&uuml;hrte zudem zu einer erh&ouml;hten Rate an Expression der Androgenrezeptor-Splice-Variante AR-V7, die mit Resistenz gegen&uuml;ber den neuen Medikamenten assoziiert ist. Vor dem Einsatz einer Kombination von Abirateron und Enzalutamid auch beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom m&uuml;ssen somit auf jeden Fall die aktuell laufenden Studien abgewartet werden.</p></p>
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