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Uroonkologie

News vom EAU 2017 aus London

<p class="article-intro">Bei der diesjährigen Jahresversammlung der European Association of Urology (EAU) wurde in London, während Grossbritannien den Brexit verkündete, mit etwa 13 000 Teilnehmern auf europäischer und internationaler Ebene über Erfolge und Herausforderungen in der Urologie diskutiert. Im Folgenden Ergebnisse einiger interessanter Studien, die bei diesem Kongress – dem grössten europäischen zur Urologie – präsentiert worden sind.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Die Entscheidung betreffend Antitumortherapie bei niedrigem Progressionsrisiko wurde bisher weitestgehend vom PSA-Wert und einer TRUS-Biopsie gesteuert. Um unn&ouml;tige Biopsien zu vermeiden, wird der Wert der multiparametrischen MRT (mpMRT) diskutiert.</p> <h2>MRT ist beim Prostatakarzinom sichere Alternative zur Biopsie</h2> <p>Giovanni Barchetti, Rom/Italien, und Kollegen fokussierten auf den negativen pr&auml;diktiven Wert der Bildgebung mit mpMRT.<sup>1</sup> Von den 1053 Patienten, die zwischen Januar 2010 und November 2014 im MRT als Prostatakarzinom-negativ begutachtet worden waren, erhielten 304 eine TRUS-Biopsie und 749 keine Biopsie. Nach einer Nachbeobachtungszeit von wenigstens 2 Jahren erwiesen sich 10 der biopsierten Patienten und 18 der nicht biopsierten Patienten als falsch negativ interpretiert. Der negative pr&auml;diktive Wert der mpMRT betrug somit 96,7 % bzw. 97,3 % . Die TRUS-Biopsie k&ouml;nne bei Patienten mit negativem MRT sicher weggelassen werden, argumentieren die Autoren, da die Wahrscheinlichkeit einer &uuml;bersehenen signifikanten Erkrankung bei nur 3 % liege und weitere Untersuchungen ein vernachl&auml;ssigbar kleines Risiko f&uuml;r eine Metastasierung gezeigt h&auml;tten.<br /> Zu &auml;hnlichen Ergebnissen kam die holl&auml;ndische Gruppe um Arnout Alberts, Rotterdam/ Niederlande.<sup>2</sup> Sie untersuchten 177 Patienten mittels TRUS-Biopsie mit 6 Stanzzylindern und 158 Patienten zuerst mittels MRT gefolgt von einer TRUS-Biopsie sie mit 12 Stanzzylindern. Wurden in der Bildgebung verd&auml;chtige Bereiche entdeckt, erfolgten MRT-gerichtete Biopsien. Es wurden mit 6 und mit 12 Stanzzylindern sowie mit der MRT-gerichteten Biopsie gleich viele Hochrisikotumoren entdeckt. Allerdings musste bei 70 % der mit der MRT untersuchten M&auml;nner gar keine Biopsie vorgenommen werden, da keine auff&auml;lligen Bereiche vorlagen. Zudem wurde die Anzahl &uuml;berdiagnostizierter M&auml;nner mit nicht aggressiven Tumoren um die H&auml;lfte reduziert. Demnach w&auml;re die MRT eine f&uuml;r den Patienten angenehmere und doch sichere Alternative zur standardm&auml;ssig durchgef&uuml;hrten Biopsie.</p> <h2>Kognitive Nebenwirkungen der Androgendeprivationstherapie</h2> <p>Mehr Augenmerk sollte auf bisher wenig beachtete Nebenwirkungen der Androgendeprivationstherapie (ADT), wie z.B. auf die kognitiven Funktionen, gelegt werden, so die Meinung von James Green und Kollegen, London/UK. Sie verglichen die kognitiven F&auml;higkeiten von 20 Prostatakarzinompatienten mit denen von 50 gesunden M&auml;nnern im gleichen Alter anhand eines virtuellen Computerspiels, bei dem die Probanden die Rolle von B&uuml;roassistenten mit bestimmten Aufgaben erf&uuml;llen mussten.<sup>3</sup> Im Ergebnis zeigten die Prostatakarzinompatienten unter ADT ein signifikant schlechteres Verm&ouml;gen f&uuml;r die aktionsbasierte, ereignisbasierte und zeitbasierte Erinnerung sowie f&uuml;r selektives Denken. Auch in allen anderen kognitiven Funktionen fiel das Ergebnis der ADTGruppe schlechter aus, allerdings nicht mit statistischer Signifikanz. Die kognitiven St&ouml;rungen unter ADT sollten weiter untersucht werden, um mit Gegenmassnahmen die Lebensqualit&auml;t der Patienten zu verbessern, so die Autoren.</p> <h2>Perioperative Therapie bei Patienten mit Harnblasenkarzinom</h2> <p>Obwohl die (neo)adjuvante Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Harnblasenkarzinom in verschiedenen Untersuchungen einen &Uuml;berlebensvorteil zeigen konnte, ist die Evidenz nicht unumstritten. Zudem gibt es strategische Wissensl&uuml;cken, z.B. ob eine neoadjuvante Therapie bei allen Patienten oder besser eine adjuvante Therapie entsprechend dem pathologischen Befund nach radikaler Zystektomie selektiv erfolgen sollte. Thomas Seisen und Kollegen, Boston/ USA, identifizierten in der National Cancer Database 10 056 Patienten, die sich in den Jahren 2003&ndash;2011 einer radikalen Zystektomie im Stadium cT2-T4N0M0 unterzogen hatten.<sup>4</sup> 83 % dieser Patienten hatten eine selektive adjuvante Therapie und 17 % eine allgemeine neoadjuvante Therapie erhalten. Im Ergebnis wurde mit der selektiven adjuvanten Therapie ein um fast 10 Monate verl&auml;ngertes medianes Gesamt&uuml;berleben verglichen mit der allgemeinen neoadjuvanten Therapie erreicht (42,02 vs. 33,71 Monate; p=0,001) (Abb. 1). Die 5-Jahres-&Uuml;berlebensrate betrug 42,98 % versus 37,45 % . Die Hypothese der Therapieoptimierung durch die selektive adjuvante Strategie sollte in randomisierten kontrollierten Studien gepr&uuml;ft werden, so die Autoren.<br /> Eine retrospektive Analyse von 8732 Patienten mit Harnblasenkarzinom in Stadium cT2N0M0-cT4aN0M0 und sehr gutem Allgemeinzustand, die zwischen 2004 und 2012 einer radikalen Zystektomie zugef&uuml;hrt worden waren, konnte den Vorteil einer neoadjuvanten Behandlung im realen Praxisalltag per se nicht best&auml;tigen.<sup>5</sup> 19 % der von Nawar Hanna und Kollegen, Boston/USA, in der National Cancer Database identifizierten Patienten hatten eine neoadjuvante Therapie erhalten. Verglichen mit der randomisierten Studie SWOG-8710, die den positiven Effekt einer neoadjuvanten Therapie beim Harnblasenkarzinom zeigte, waren in der National Cancer Database registrierte Patienten &auml;lter, h&auml;ufiger Frauen und h&auml;ufiger in einem h&ouml;heren klinischen Stadium. Es wurde &ndash; nach Adjustierung auf das Bias langzeit&uuml;berlebender Patienten &ndash; kein klarer &Uuml;berlebensvorteil bei Gabe von neoadjuvanter Therapie gesehen (HR: 0,97). Die erste Aussage der Studie sei, dass wichtige Unterschiede zwischen Patienten in klinischen Studien und der allgemeinen urologischen Praxis best&uuml;nden, sagte Hanna. Nach Adjustierung der Ergebnisse konnte kein &Uuml;berlebensvorteil durch eine neoadjuvante Therapie f&uuml;r alle Patienten klar gezeigt werden. Daher solle die Identifizierung von Patienten, die von einer neoadjuvanten Therapie profitieren, weiter vorangetrieben werden.<br /> Die Fragestellung zur (neo)adjuvanten Therapie beim fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom wird komplexer. Nicht nur die Immuntherapie wird in diesem Setting zu untersuchen sein. Die Einteilung des Harnblasenkarzinoms in vier molekulare Subtypen wirft bereits neue Fragen auf. Eine chinesische Untersuchung zeigte beispielsweise einen signifikanten &Uuml;berlebensvorteil durch eine Cisplatinhaltige neoadjuvante Chemotherapie f&uuml;r Patienten mit luminalen Tumoren (HR: 0,38; p=0,001), nicht aber f&uuml;r Patienten mit Tumoren vom basalen Typus (HR: 0,94; p=0,874).<sup>6</sup></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Leading Opinions_Onko_1703_Weblinks_lo_onko_1703_s25_abb1.jpg" alt="" width="1455" height="843" /></p> <h2>Neue Wege in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms</h2> <p>Die einzige kurative Therapie beim Nierenzellkarzinom ist die partielle oder radikale Nephrektomie. Patienten mit Nierenzellkarzinom, f&uuml;r die Nephrektomie oder ablative Verfahren nicht geeignet sind, ben&ouml;tigen neue Therapiestrategien. Peter Aslan, Sydney/Australien, stellte Ergebnisse der ersten Studie zur SIRT (&laquo;selective internal radiation therapy&raquo;) bei Nierenzellkarzinompatienten vor.<sup>7</sup> Bei der SIRT werden radioaktive K&uuml;gelchen, sogenannte Mikrosph&auml;ren, &uuml;ber eine Nierenarterie direkt in das gut durchblutete Tumorgewebe appliziert. Das in den Mikrosph&auml;ren enthaltene Yttrium-90 strahlt mit hoher lokaler Wirkung &uuml;ber mehrere Tage hinweg in das Tumorgewebe. In der RESIRT- Studie wurde die SIRT bei insgesamt 21 Patienten in verschiedenen Dosierungen gegeben. Nach der SIRT wurden die Patienten &uuml;ber 12 Monate in regelm&auml;ssigen Abst&auml;nden kontrolliert. Prim&auml;re Endpunkte der Studie waren die Sicherheit und die Toxizit&auml;t 30 Tage nach Applikation. Die sekund&auml;ren Studienendpunkte enthielten die Sicherheit und die Toxizit&auml;t zu anderen Zeitpunkten, die renale Funktion und das Tumoransprechen.<br /> Zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses waren die Patienten durchschnittlich 75 Jahre alt, nahezu ein Viertel war im CKDStadium 1, ein F&uuml;nftel im Stadium 2 und mehr als die H&auml;lfte der Patienten im Stadium 3. Die mediane Nachbeobachtungszeit bei Auswertung der pr&auml;sentierten Daten betrug 12,0 Monate. 14 Patienten hatten die 12 Monate Nachbeobachtungszeit komplettiert, 5 verstarben vor Studienende, ein Patient zog nach 9 Monaten Nachbeobachtungszeit seine Einwilligung zur&uuml;ck und ein weiterer war bei Auswertung noch in der Studie.<br /> W&auml;hrend der ersten 30 Tage nach der SIRT berichteten 85,7 % der Patienten von Nebenwirkungen. Nebenwirkungen, die der SIRT zugeordnet wurden, waren alle von Grad 1&ndash;2 und klinisch nicht relevant. W&auml;hrend der 12-monatigen Nachbeobachtungszeit wurde bei allen 21 Patienten von Nebenwirkungen berichtet, bei f&uuml;nf Patienten auch von wenigstens Grad 3 und bei ebenfalls f&uuml;nf Patienten von Grad 5. Keine der schweren Nebenwirkungen und keines der Grad-&ge;3-Ereignisse wurde mit der SIRT assoziiert. Auch in Bezug auf die renale Funktion erwies sich die SIRT als sicher, sogar bei Patienten mit grenzwertiger Nierenfunktion. Das beste renale Tumoransprechen waren eine partielle Remission bei 2/20 Patienten (10 % ) sowie eine stabile Erkrankung bei 17/20 Patienten (85 % ) und ein Pseudoprogress, der sich sp&auml;ter als stabile Erkrankung erwies.<br /> In dieser Pilotstudie habe sich die SIRT mit Y-90-Mikrosph&auml;ren in allen Dosierungen als machbare Therapieoption f&uuml;r Nierenzellkarzinompatienten gezeigt, die f&uuml;r eine konventionelle Therapie nicht geeignet sind, so das Fazit der Autoren.</p> <h2>HPV-Impfung von M&auml;dchen sch&uuml;tzt auch Buben &ndash; aber nicht alle</h2> <p>Es gibt mehr als 100 verschiedene Typen des humanen Papillomavirus (HPV). Die genitale HPV-Infektion ist eine h&auml;ufige sexuell &uuml;bertragene Erkrankung, die weltweit f&uuml;r etwa eine halbe Million Krebsf&auml;lle und eine Viertelmillion Krebstodesf&auml;lle verantwortlich ist. Dies betreffe aber nicht nur das Zervixkarzinom. Auch 50 % der Peniskarzinome, 80&ndash;85 % der analen und 36 % der oropharyngealen Karzinome w&uuml;rden durch HPV induziert, erkl&auml;rte Nuria Martinez-Alier, London, den erweiterten Nutzen einer HPV-Impfung auch bei Buben.<sup>8</sup> Die Vakzinierung der weiblichen Bev&ouml;lkerung k&ouml;nne &uuml;ber die Herdenimmunit&auml;t auch heterosexuelle Buben und M&auml;nner sch&uuml;tzen, nicht aber homo- oder bisexuelle M&auml;nner. Daher sollte die HPV-Impfung auch auf Buben ausgeweitet werden. Wenn auch die meisten Karzinome durch die HPV-Typen 16 und 18 induziert w&uuml;rden, so k&ouml;nnten mit dem 9-valenten Impfstoff zus&auml;tzlich ca. 14 % der HPV-assoziierten Karzinome und 15 % der Zervixkarzinome bei Frauen sowie 4 % der Karzinome bei M&auml;nnern verhindert werden (Abb. 2). Die ACIP (Advisory Committee on Immunization Practices) empfiehlt daher die Impfung mit dem 9-valenten Impfstoff bei beiden Geschlechtern: mit zwei Dosen bei unter 15-J&auml;hrigen, mit drei Dosen bei &uuml;ber 15-J&auml;hrigen.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Leading Opinions_Onko_1703_Weblinks_lo_onko_1703_s26_abb2.jpg" alt="" width="1466" height="800" /></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Barchetti G et al: Evaluation of negative predictive value of multiparametric MRI for prostate cancer: retrospective analysis after 5 years of clinical experience. EAU 2017, Poster und Abstract #495 <strong>2</strong> Alberts A et al: Value of magnetic resonance imaging in population-based prostate cancer screening: comparison of 3 biopsy strategies in the 5th screening round on the ERSPC Rotterdam. EAU, Poster und Abstract #501 <strong>3</strong> G reen J e t a l: W hy h as h e changed so much? Exploring cognitive impairments in prostate cancer survivors on ADT using virtual reality testing. EAU 2017, Poster #945 <strong>4</strong> Seisen T et al: Comparative effectiveness of selective adjuvant versus systematic neoadjuvant chemotherapy-based strategy for muscle-invasive urothelial carcinoma of the bladder. EAU 2017, Poster und Abstract #173 <strong>5</strong> Hanna N et al: Is neoadjuvant chemotherapy beneficial before radical cystectomy? Examining the external validity of the SWOG-8710 trial. EAU 2017, Poster und Abstract #175 <strong>6</strong> Zhang R et al: The pathological and clinical response of the luminal and basal subtypes of muscel-invasive bladder cancer to neoadjuvant cisplatin-based chemotherapy and radical cystectomy depend on the immunohistochemical classification system. EAU 2017, Poster und Abstract #178 <strong>7</strong> Aslan P et al: Renal function after selective internal radiation therapy (SIRT) with yttrium-90 (Y-90) resin microspheres in patients with primary renal cell carcinoma (RCC): the RESIRT study. EAU 2017, Poster und Abstract #360 <strong>8</strong> Martinez- Alier N: What about boys? HPV vaccines. Vortrag im Rahmen des EAU 2017</p> </div> </p>
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