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Neuigkeiten zu zielgerichteten Therapien bei NSCLC vom ASCO Annual Meeting

<p class="article-intro"><em>LEADING OPINIONS Hämatologie & Onkologie</em> sprach mit Prof. Dr. med. Oliver Gautschi, Kantonsspital Luzern, über die individualisierte Behandlung des NSCLC sowie über rezente Daten zu zielgerichteten Therapien und Immuntherapie des Bronchuskarzinoms, die Thema am diesjährigen ASCO Annual Meeting in Chicago waren.</p> <hr /> <p class="article-content"><p><strong>Das nicht kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) wird entsprechend der Expression spezieller Rezeptoren und Mutationen in den Signalwegen zielgerichtet behandelt. Wie hoch ist der Anteil von Patienten, die auf diese Weise individuell behandelt werden k&ouml;nnen?</strong><br /> <br /> <strong>O. Gautschi:</strong> Der Anteil ist je nach Region unterschiedlich. In der Schweiz betr&auml;gt er gem&auml;ss einer Erhebung von Dr. Savic von mehr als 4000 F&auml;llen etwa 25 % . Darin enthalten sind EGFR, ALK, ROS1, BRAF und HER2. <em>KRAS</em>-Mutationen machen zus&auml;tzlich 30 % aus, aber diese k&ouml;nnen wir noch nicht zu den behandelbaren Mutationen z&auml;hlen. Daten zu MET und RET existieren f&uuml;r die Schweiz noch nicht.<br /> <br /><strong> Sie haben in einem Register nach F&auml;llen mit RET-Rearrange&shy;ment gesucht. Wie gross ist dieser Anteil der Patienten bei den NSCLC-Erkrankungen?</strong><br /><br /> <strong>O. Gautschi:</strong> Nur 1 % der pulmonalen Adenokarzinome, es handelt sich um eine seltene Treibermutation. Dies ist der Grund, weshalb unser Register global angelegt ist. Bisher wurden 132 Patienten registriert, 41 hatten eine Off-label-Therapie mit einem verf&uuml;gbaren Inhibitor mit bekannter Wirkung auf die RET-Rezeptorkinase.<sup>1</sup><br /> <br /><strong> Es gibt verschiedene RET-gerichtete TKI mit unterschiedlichen weiteren Angriffspunkten. Welche dieser TKI scheinen f&uuml;r die Therapie RET-modifizierter Tumorerkrankungen der Lunge besonders wirkungsvoll zu sein?</strong><br /> <br /> <strong>O. Gautschi:</strong> Wir konnten 35 F&auml;lle nach RECIST auswerten und haben partielle Remissionen dokumentiert mit Cabozantinib, Vandetanib und Sunitinib. Weil unser Register retrospektiv ist, sind wir vorsichtig mit Vergleichen. Inzwischen sind neue Patienten hinzugekommen und wir hoffen, die Resultate Ende des Jahres pr&auml;sentieren zu k&ouml;nnen.<br /> <br /> <strong>In einer Studie mit Vandetanib wurde die Zielstruktur RET noch einmal in Untereinheiten (CCDC6-RET und KIF5B-RET) unterteilt. Wie weit kann die Individualisierung der Therapie getrieben werden?</strong><br /> <br /> <strong>O. Gautschi:</strong> Die japanische LURET-Studie mit Vandetanib ergab eine Ansprechrate von 53 % bei 17 Patienten.<sup>2</sup> Die Ansprechrate in einer &auml;hnlich grossen s&uuml;dkoreanischen Studie sowie in unserem Register lag deutlich darunter, m&ouml;glicherweise bedingt durch die Testmethode oder das Fusionsgen.<sup>1, 3</sup> Diese Hypothese wird nun weiter untersucht.<br /> <br /><strong> Gab es in Bezug auf zielgerichtete Therapien beim NSCLC weitere Neuigkeiten beim ASCO Annual Meeting 2016?</strong><br /> <br /> <strong>O. Gautschi:</strong> Die J-ALEX-Studie zeigte, dass das Alectinib dem Crizotinib in der Erstlinientherapie &uuml;berlegen ist.<sup>4</sup> Wir warten nun auf die Resultate der ALEX-Studie. Daneben gab es interessante Daten zu Dabrafenib und Trametinib bei <em>BRAF<sup>V600E</sup></em>, zu Crizotinib bei MET-Exon-14-Mutation sowie zu Lorlatinib bei ROS1-Rearrangement. Leider gab es noch keine Daten zu den neuen <em>KRAS</em>-Inhibitoren. <br /> <br /><strong> Auch Immuntherapien werden bei NSCLC immer &ouml;fter angewendet. Welcher Therapiestrategie w&uuml;rden Sie bei bekannten Mutationen den Vorzug geben?</strong><br /> <br /> <strong>O. Gautschi:</strong> Bei EGFR-mutierten und ALK-positiven Tumoren scheinen PD-(L)1-Inhibitoren nicht besonders gut zu wirken. Deshalb empfehlen Experten, das wachsende Arsenal an gezielten Therapien auszusch&ouml;pfen und Chemotherapien einzusetzen, bevor in solchen F&auml;llen Immuntherapien verschrieben werden. F&uuml;r seltenere Mutationen ist die Datenlage noch unklar. Laufende Studien werden hoffentlich bald evidenzbasierte Empfehlungen erlauben.<br /> <br /><strong> Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!</strong><br /> <br /> Bemerkung: Der Interviewte hat keine Interessenkonflikte mit genannten Produkten oder Firmen.</p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Gautschi O et al: J Clin Oncol 34; 2016 (Suppl; Abstr 9014)<br /><strong>2</strong> Seto T et al: J Clin Oncol 34; 2016 (Suppl; Abstr 9012)<br /><strong>3</strong> Lee, S-H et al: J Clin Oncol 34; 2016 (Suppl; Abstr 9013)<br /><strong>4</strong> Nokihara H et al: J Clin Oncol 34; 2016 (Suppl; Abstr 9008)</p> </div> </p>
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