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Neues zur Therapie von myelodysplastischen Syndromen

<p class="article-intro">Wie alljährlich zeigten die Präsentationen beim ASH in San Diego die zukünftigen Entwicklungen in der Behandlung myelodysplastischer Syndrome (MDS) auf. Obwohl mit Ausnahme der Etablierung einer neuen, verträglicheren Formulierung des bereits bisher verwendeten Chelators Deferasirox keine „Practice changing“-Studie vorgestellt wurde, zeigen viele meist frühe Studien die Trends der nächsten Jahre auf, insbesondere welche prinzipiell neuen Behandlungskonzepte in zukünftige Therapien eingehen werden. Unklar bleibt derzeit noch, welche der Einzelsubstanzen auf dem Weg in die klinische Praxis das Ziel tatsächlich erreichen werden.</p> <hr /> <p class="article-content"><h2>MDS &ndash; bew&auml;hrte Targets</h2> <p>Eisenchelation mit Deferasirox bei Eisen&uuml;berladung ist Standard bei der Behandlung von Niedrigrisiko(LR)-MDSPatienten. Ein Problem war die mangelnde Compliance, vor allem bedingt durch die gastrointestinale Toxizit&auml;t der Substanz &ndash; welche bisher nur in Form einer l&ouml;sbaren Tablette verf&uuml;gbar war. Eine mittlerweile auch zugelassene neue Formulierung als Filmtablette steht jetzt zur Verf&uuml;gung. Beim ASH wurden die Daten der ECLIPSEStudie, deren Endpunkt die Vertr&auml;glichkeit im Vergleich der neuen gegen&uuml;ber der alten Formulierung war, pr&auml;sentiert: Es findet sich eine verringerte gastrointestinale Toxizit&auml;t bei sonst unver&auml;ndertem Risikoprofil, was sich auch in den &bdquo;patientreported outcomes&ldquo; mit einer deutlichen Pr&auml;ferenz f&uuml;r die neue Formulierung widerspiegelte. Insbesondere konnte eine verbesserte Adh&auml;renz erzielt werden (Abb. 1), was bei einer Dauertherapie von gro&szlig;er Wichtigkeit ist. Ob h&ouml;here Dosierungen mit mehr Effizienz sowohl bezogen auf die Eisenexkretion als auch auf m&ouml;gliche positive Effekte auf die H&auml;matopoese m&ouml;glich sein werden, muss derzeit noch offenbleiben, es ist denkbar, dass dann andere Toxizit&auml;ten (z.B. Niere) limitierend sein k&ouml;nnten. Da positive Effekte nur mit Dauertherapie erzielbar sind, auch belegt durch Daten der franz&ouml;sischen GFM-Gruppe am ASH, w&auml;re eine bessere Compliance auf jeden Fall zu begr&uuml;&szlig;en.<br /> Bereits am EHA 2016 wurden randomisierte Daten zur Verwendung von Erythropoetinen bei LR-MDS pr&auml;sentiert (Epoetin alfa bzw. Darbepoetin alfa). F&uuml;r die Studie mit letzterer Substanz wurde beim ASH ein Update pr&auml;sentiert. Die seit Langem fehlende Zulassung in dieser Indikation ist zu erwarten.<br /> Da eporefrakt&auml;re Patienten mit Ausnahme von denjenigen mit 5q-minus-Syndrom (Indikation f&uuml;r Lenalidomid) zum Gro&szlig;teil weiterhin mit chronischer Transfusion behandelt werden, besteht hier gro&szlig;er Bedarf an Innovation. Die Responserate und -dauer f&uuml;r Lenalidomid ist bei Non-del5q-Patienten gering, eine Zulassung wird nicht angestrebt. Da Lenalidomid jedoch eine verlorene Epo-Sensitivit&auml;t wiederherstellen kann, wurden zwei Studien zur Kombination beider Substanzen durchgef&uuml;hrt und beim ASH pr&auml;sentiert: In der E2905 Intergroup Study (randomisiert Lenalidomid +/&ndash; Epo) wurde ein Vorteil f&uuml;r die Kombination verzeichnet, der sich in der zweiten Studie (HOVON89) mit langsam-sequenzieller Gabe nicht best&auml;tigen l&auml;sst. Der m&ouml;gliche Vorteil f&uuml;r das Ansprechen ist gering, auch die Toxizit&auml;t der Kombination muss ins Kalk&uuml;l gezogen werden; in Anbetracht dessen zeigt die Kombination aus Lenalidomid und Erythropoetin keinen relevanten Zusatznutzen.<br /> Als v&ouml;llig neue Wirkstoffklasse mit dem ersten Vertreter Luspatercept zeichnen sich Substanzen, die das TGF-beta-Rezeptor- mediierte &bdquo;Smad2/3 signalling&ldquo; hemmen, langfristig am Horizont als Option f&uuml;r die Behandlung eporefrakt&auml;rer An&auml;miepatienten ab. Deutlich positive Signale sind aus der Phase I/II zu berichten, der Abschluss der laufenden Phase-III-Studie bleibt jedoch abzuwarten.<br /> Ob hypomethylierende Substanzen auch bei Niedrigrisiko-MDS einsetzbar sind, wurde in einer randomisierten Phase- II-Studie untersucht (niedrig dosiertes Decitabin vs. niedrig dosiertes Azacytidin). Beide Substanzen wurden in der Standardtagesdosis, jedoch jeweils nur an drei Tagen eines 28-Tage-Zyklus verabreicht &ndash; d.h. Decitabin in 3/5, Azacytidin in 3/7 der f&uuml;r Hochrisikopatienten etablierten Dosis. Die Therapie war vertr&auml;glich und erbrachte gutes Ansprechen, wobei f&uuml;r Decitabin ein Vorteil bez&uuml;glich Response vor allem bei Patienten mit h&ouml;herem Knochenmarksblastzellanteil gesehen wurde, der sich jedoch nicht im OS oder EFS widerspiegelte. F&uuml;r Azacytidin ist vermutlich in dieser Indikation ein 5-Tage- Schema die effektivere Variante.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Onko_1701_Weblinks_s16_abb1.jpg" alt="" width="1457" height="825" /></p> <h2>MDS &ndash; neue Substanzen</h2> <p>Nicht nur bei AML (f&uuml;r die bereits mehr Daten verf&uuml;gbar sind), sondern auch bei MDS gibt es mit IDH1 und IDH2 interessante neue Targets, bei ca. 5 % der MDSPatienten sind entsprechende Mutationen zu erwarten. &Uuml;ber die beiden Substanzen AG-120 und AG-221 (Enasidenib) wurde beim ASH berichtet. Die Fallzahlen der behandelten Patienten sind noch zu gering, um definitive Aussagen treffen zu k&ouml;nnen; einzelne Patienten scheinen auf Dauer zu profitieren (ORR an die 60 % ). Interessante wissenschaftliche Begleitprogramme zeigen eine Clearance des mutierten Klons unter Therapie (AG-120) sowie die Rolle von Komutationen auf das Ansprechen (AG-221).<br /> Eine weitere Therapieoption, die sich in den vergangenen Jahren zun&auml;chst bei den soliden Tumoren etabliert hat, ist die Immuncheckpoint-Blockade. Ziel dieser Behandlungen ist es, T-Zell-hemmende Signalwege zu blockieren und damit die k&ouml;rpereigene Immunantwort gegen den Tumor zu st&auml;rken. Bisher wurden mit mehreren teilweise bereits zugelassenen Substanzen zwei Checkpoints als Target erreicht: CTLA-4 (&bdquo;cytotoxic T-lymphocyte- associated antigen-4&ldquo;) und PD-L1 (&bdquo;programmed cell death ligand-1&ldquo;). Da insbesondere eine Resistenzentwicklung von hypomethylierenden Substanzen durch &Uuml;berexpression dieser Checkpoint- Molek&uuml;le beschrieben wird, ist ihr klinischer Einsatz auch bei MDS von gro&szlig;em Interesse. Untersuchte Substanzen, &uuml;ber die unter anderem beim ASH berichtet worden ist, sind der CTLA-4-Antik&ouml;rper Ipilimumab sowie die PD-1-Antik&ouml;rper Nivolumab und Pembrolizumab.<br /> Eine laufende Studie aus dem MD Anderson Cancer Center (aktuell 54 Patienten) untersucht bei &bdquo;Higher-Risk&ldquo;- MDS-Patienten Ipilimumab und Nivolumab prim&auml;r oder nach Versagen hypomethylierender Substanzen (HMA) in 6 verschiedenen Kohorten als Mono- oder Kombinationstherapie beider Inhibitoren alleine oder in Kombination mit Azacytidin. Ipilimumab als Einzelsubstanz d&uuml;rfte nach HMA-Versagen wirksam sein, die Kohorte mit Nivolumab als Einzelsubstanz wurde mangels Response bereits abgebrochen, dagegen stellt sich die Kombination mit Azacytidin als Erstlinientherapie am vielversprechendsten dar: ORR 80 % , CR + Knochenmark-CR 70 % (Tab. 1). Die Vertr&auml;glichkeit wurde als gut, mit wenig Grad-4-Toxizit&auml;t beschrieben. Da in manche Kohorten erst wenige Patienten eingebracht wurden, ist eine abschlie&szlig;ende Wertung der Resultate noch nicht m&ouml;glich. Lediglich ein weiterer Schritt ist aus den bisherigen Daten ableitbar: Ein randomisierter Vergleich der Standard-Azacytidin- Behandlung +/&ndash; Nivolumab w&auml;re eine sinnvolle Studie.<br /> Eine weitere fr&uuml;he Studie untersuchte Pembrolizumab nach dem Versagen einer vorherigen Therapie mit hypomethylierenden Substanzen. 28 Patienten wurden bisher behandelt. Die Vertr&auml;glichkeit in der Monotherapie war erneut ausgezeichnet, insbesondere traten keine immunvermittelten Nebenwirkungen auf. Die Responserate war zwar gering, jedoch bei hohem Anteil an SD betrug das mediane &Uuml;berleben f&uuml;r dieses mit schlechter Prognose verbundene Patientenkollektiv nach 24 Wochen noch beachtliche 49 % .<br /> Die bisherigen Daten zu den Checkpoint- Inhibitoren zeigen zusammengefasst Aktivit&auml;t bei MDS, es l&auml;sst sich vermuten, dass Kombinationstherapien f&uuml;r einen klinischen Erfolg notwendig sein werden. Abschlie&szlig;ende Daten der laufenden Studien und von Folgestudien werden erforderlich sein, um den endg&uuml;ltigen Nutzen f&uuml;r die Patienten bewerten zu k&ouml;nnen.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Onko_1701_Weblinks_s16_tab1.jpg" alt="" width="2151" height="430" /></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p>beim Verfasser</p> </div> </p>
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