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Chirurgische Therapie des cholangiozellulären Karzinoms

<p class="article-intro">Für die kurative Behandlung des cholangiozellulären Karzinoms stellt die chirurgische Resektion derzeit die wesentliche Therapiekomponente dar. Während die adjuvante Therapie in den meisten Fällen zum Standard gehört, ist die Rolle einer neoadjuvanten Therapie noch Gegenstand aktueller Untersuchungen. Die bisher eher ernüchternden Langzeitprognosen sind der treibende Grund für zahlreiche Änderungen und Diskussionen des chirurgischen Therapieausmaßes.</p> <p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Keypoints</h2> <ul> <li>R0-Resektion ist das oberste Ziel der chirurgischen Resektion, wodurch ein deutlicher prognostischer Vorteil gegen&uuml;ber alternativer Therapie erreicht werden kann.</li> <li>Die regionale Lymphadenektomie geh&ouml;rt bei der Leberresektion der iCCA zum Standard.</li> <li>Die Prognose des CCA ist insgesamt schlecht und sollte durch die Kombination mit adjuvanten und/oder neoadjuvanten Therapien evaluiert und kombiniert werden.</li> </ul> </div> <p>Cholangiozellul&auml;re Adenokarzinome (CCA) sind b&ouml;sartige, epitheliale Tumoren, die sich aus Vorl&auml;uferl&auml;sionen in den Gallenwegen entwickeln. Entsprechend ihrer Lokalisation, die wesentlich das chirurische Vorgehen beeinflusst, werden sie in intrahepatische und extrahepatische CCA eingeteilt. Die zweite Gruppe wird noch einmal in perihil&auml;re und distale CCA unterteilt. Einen eindeutigen prognostischen Unterschied bedingt durch die Lokalisation scheint es derzeit nicht zu geben.<sup>1, 2</sup> Der wesentlichste, die Prognose beeinflussende Faktor ist die vollst&auml;ndige Entfernung des Tumors.</p> <h2>Intrahepatisches CCA</h2> <p>F&uuml;r das intrahepatische CCA (iCCA) sind neben der wegweisenden Bedeutung der vollst&auml;ndigen Entfernung des Tumors f&uuml;r die Prognose die allgemeinen Grunds&auml;tze der Leberchirurgie ma&szlig;gebend.<sup>3</sup> Wichtigste Punkte sind das Verbleiben von ausreichend funktionellem Lebergewebe, ein ad&auml;quater Blutzu- und -abfluss sowie die Drainage der Gallenfl&uuml;ssigkeit. Die Technik der Resektion, also ob der Tumor atypisch aus der Leber mit entsprechendem Sicherheitsabstand entfernt wird oder die Entfernung in dem bekannten Lebersegment erfolgt (anatomische Resektion), ist bisher nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rt. Wesentlicher Faktor scheint die Einhaltung eines Sicherheitsabstandes von 5mm zu sein. Bei zu erwartender erh&ouml;hter Morbidit&auml;t scheint es beim iCCA keinen Vorteil durch eine ausgedehnte Resektion (&bdquo;major liver resection&ldquo;) zu geben, wenn dies auch durch ein reduziertes Ausma&szlig; (&bdquo;minor liver resection&ldquo;) erreicht werden kann.<sup>4</sup> Im Falle einer Gef&auml;&szlig;infiltration, z.B. der inferioren Vena cava oder der Pfortader, ist deren Resektion zu empfehlen. Ein prognostischer Nachteil gegen&uuml;ber resezierten Tumoren ohne Gef&auml;&szlig;resektion findet sich nicht.<sup>5</sup><br /> Der Ma&szlig;stab wird an das funktionelle Restlebervolumen (auch als &bdquo;future liver remnant&ldquo;, FLR, bekannt) uneinheitlich angelegt. Dabei spielen Faktoren wie Verfettungsgrad der Leber, stattgehabte Chemotherapie, Alter des Patienten usw. eine relevante Rolle. In F&auml;llen, in denen eine Resektion des Tumors prinzipiell m&ouml;glich, das FLR jedoch zu gering ist, sind Techniken verf&uuml;gbar, um das verbleibende Lebergewebe in kurzer Zeit zu einem ausreichend gro&szlig;en Volumen zu konditionieren. F&uuml;r das iCCA ist dies haupts&auml;chlich die Pfortaderembolisation. Hierbei werden die Pfortader&auml;ste des sp&auml;ter zu resezierenden Lebergewebes verschlossen. Hoch selektiv kann dies interventionell erfolgen, und innerhalb von 4 bis 8 Wochen &ndash; je nach zu erreichendem FLR &ndash; ist der Volumenzuwachs meist ausreichend, um die geplante Resektion durchzuf&uuml;hren. Andere Techniken wie das ALPPS-Verfahren (&bdquo;associating liver partition and portal vein ligation for staged hepatectomy&ldquo;) sind bei CCA weniger zu empfehlen).<sup>6</sup> In Hinblick auf die Lymphknoten (LK) zeigt sich eine deutliche Prognoseverschlechterung bei entsprechendem Befall. Besonders f&uuml;r LK-Metastasen jenseits des Ligamentum hepatoduodenale (pN2) ist die Sinnhaftigkeit einer Resektion sehr kritisch zu diskutieren. Die regionale Lymphadenektomie sollte aus Gr&uuml;nden des Stagings durchgef&uuml;hrt werden, auch wenn hierdurch derzeit keine Prognoseverbesserung erreicht werden kann.<sup>3, 7</sup></p> <p><strong>Hil&auml;res CCA</strong><br /> Das hil&auml;re CCA (hCCA) wird nach seinem Erstbeschreiber auch als Klatskin- Tumor bezeichnet und fasst alle Tumoren des Gallengangs oberhalb des Pankreas &uuml;ber die Gallengangsgabel und den Leberhilus bis zum Eintritt in die Leber zusammen. Ihre Einteilung erfolgt nach der Klassifikation von Bismuth und Corlette. Die wesentliche chirurgische Herausforderung an die Resektabilit&auml;t ist die anatomische N&auml;he von tumortragendem Gallengang zu Pfortader und Leberarterie &ndash; insbesondere der rechten Leberarterie. Wie bei allen Gallengangstumoren ist eine R0-Resektion als prognostisch g&uuml;nstig anzustreben. Oft von dieser Problematik ausgenommen sind hierbei die als Typ I und Typ II klassifizierten Tumoren, welche unterhalb der Hepatikusgabel liegen, bzw. diese infiltrieren. Die Aufzweigung bzw. der Ast des rechten und linken Hauptgallengangs (wie bei Typ IIIa bzw. IIIb) ist nicht betroffen. In diesen F&auml;llen ist die En-bloc-Resektion mit radikaler Lymphadenektomie indiziert. Eine zus&auml;tzliche Leberresektion wird zwischenzeitlich von zahlreichen Autoren empfohlen und bezieht sich in der Regel auf das Segment I.<sup>8&ndash;11</sup> F&uuml;r Tumoren mit Beteiligung des linken oder rechten Hauptgallengangs ist die Resektion der jeweils betroffenen Seite indiziert. Wie f&uuml;r alle CCA ist die Resektion von Gef&auml;&szlig;strukturen zum Erreichen einer R0-Situation indiziert und f&uuml;hrt zu vergleichbaren &Uuml;berlebensdaten. Inwieweit die prophylaktische Entfernung (au&szlig;er aus technischen Gr&uuml;nden) einen prognostischen Vorteil birgt, ist noch nicht abschlie&szlig;end gekl&auml;rt. Auch muss die noch ausgedehntere hil&auml;re En-bloc-Resektion von Neuhaus et al. an gr&ouml;&szlig;eren Kollektiven validiert werden.<sup>12</sup> Auch hinsichtlich der Typ-IV-Tumoren, die bisher meist als irresektabel eingestuft werden, scheint die chirurgische Resektion einen zunehmenden Stellenwert einzunehmen. In einer retrospektiven Arbeit aus Japan konnten Ebeta et al. deutlich den Prognosevorteil von resezierten gegen&uuml;ber nicht resezierten Patienten zeigen.<sup>13</sup> Dabei ist zu beachten, dass die Resektionsrate in dem untersuchten Kollektiv deutlich h&ouml;her lag als f&uuml;r westliche L&auml;nder &uuml;blich und das meist angewendete operative Verfahren die Trisegmentektomie links war. Eine Indikation zur Lebertransplantation stellt das CCC gegenw&auml;rtig nicht dar. Die Kombination einer neoadjuvanten Radiochemotherapie scheint eine vielversprechende Alternative zu sein, die es jedoch erst noch zu validieren gilt.<sup>14</sup></p> <h2>Distales CCA</h2> <p>Karzinome, die im intrapankreatischen Gallengang oder an der Papille entstehen, werden unter den distalen Gallengangskarzinomen (dCCA) zusammengefasst. Nicht selten werden diese Tumoren aus diagnostischer Unsch&auml;rfe unter den Pankreaskopfraumforderungen subsumiert. Entsprechend ist die chirurgische Therapie die Pankreaskopfresektion, welche mit oder ohne Pyloruserhalt durchgef&uuml;hrt werden kann. In seltenen F&auml;llen ist der Tumor im Hauptgallengang oberhalb des Pankreas und unterhalb des Zusammenflusses der Gallenwege lokalisiert &ndash; eine Untergruppe, die auch als &bdquo;mid-bile duct cancer&ldquo; bezeichnet wird. Unter der Vorstellung des onkologisch ad&auml;quaten Vorgehens wurde die Pankreaskopfresektion als Therapie der Wahl angesehen. Schreuder et al. konnten jedoch zeigen, dass im Falle einer R0-Resektion die lokale Resektion des Gallengangs prognostisch mit der Gallengangsresektion mit Pankreaskopfresektion vergleichbar ist und insbesondere bei &auml;lteren oder morbiden Patienten in Erw&auml;gung gezogen werden sollte.<sup>15</sup><br /> Ein ausgedehnteres Resektionsausma&szlig; kommt prim&auml;r nur dann infrage, wenn der Tumor nicht vollst&auml;ndig im Gesunden entfernt wurde. In diesen F&auml;llen kann die Hemihepatektomie mit Segment I und die Pankreaskopfresektion als Kombinationseingriff (Hepatopankreatektomie) erfolgen. Auch in diesen F&auml;llen ist die R0-Resektion von Vorteil, wobei Mortalit&auml;t und Morbidit&auml;t deutlich steigen.<sup>16</sup></p> <div id="fazit"> <h2>Fazit</h2> <p>Insgesamt ist f&uuml;r die chirurgische Therapie der Gallenwegstumoren anzumerken, dass deren Entfernung in der Regel ein komplexer Eingriff ist. Neben der n&ouml;tigen Expertise in Diagnostik und Staging ist in der Regel auch ein besseres Komplikationsmanagement m&ouml;glich. In Anbetracht der publizierten Daten f&uuml;r die Pankreaskopfresektion und die Leberchirurgie spiegeln die Zahlen der fl&auml;chendeckenden Versorgung in Deutschland deutlich h&ouml;here Komplikationsraten wider als in den einzelnen Publikationen angegeben. <sup>17, 18</sup> Die Versorgung an spezialisierten Zentren sollte daher f&uuml;r das CCA grunds&auml;tzlich erwogen werden, um den prognostischen Vorteil der chirurgischen Therapie zu erhalten.</p> </div></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Roos E et al.: Comparison of short- and long-term outcomes between anatomical subtypes of resected biliary tract cancer in a Western high-volume center. HPB (Oxford). 2019; pii: S1365-182X(19)30627-6 (doi: 10.1016/j. hpb.2019.07.011 [Epub ahead of print]) <strong>2</strong> Song BG et al.: Prognosis and prognostic factors in patients with advanced biliary tract cancer depending on its anatomical location. Scand J Gastroenterol 2019; 54: 740-5 <strong>3</strong> Sharon M et al.: Intrahepatic cholangiocarcinoma: expert consensus statement. HPB 2015; 17: 669-80<strong> 4</strong> Zhang XF et al.: Perioperative and long-term outcome for intrahepatic cholangiocarcinoma: impact of major versus minor hepatectomy. J Gastrointest Surg 2017; 21: 1841-50 <strong>5</strong> Reames BN et al.: Impact of major vascular resection on outcomes and survival in patients with intrahepatic cholangiocarcinoma: a multi-institutional analysis. J Surg Oncol 2017; 116: 133-9 <strong>6</strong> Vennarecci G et al.: ALPPS for primary and secondary liver tumors. Int J Surg 2016; 30: 38-44 <strong>7</strong> Lendoire JC et al.: Intrahepatic cholangiocarcinoma surgery: the impact of lymphadenectomy. Chin Clin Oncol 2018; 7: 53 <strong>8</strong> Xiong J et al.: Major hepatectomy in bismuth types I and II hilar cholangiocarcinoma. J Surg Res 2015; 194: 194-201 <strong>9</strong> Ikeyama T et al.: Surgical approach to bismuth type I and II hilar cholangiocarcinomas audit of 54 consecutive cases. Ann Surg 2007; 246: 1052-7 <strong>10</strong> Lim JH et al.: Liver Resection for Bismuth type I and type II hilar cholangiocarcinoma. World J Surg 2013; 37: 829-37 <strong>11</strong> Hoffmann K et al.: Impact of portal vein resection on oncologic long-term outcome in patients with hilar cholangiocarcinoma. Surgery 2015; 158: 1252-60 <strong>12</strong> Neuhaus P et al.: Oncological superiority of hilar en bloc resection for the treatment of hilar cholangiocarcinoma. Ann Surg Oncol 2012; 19: 1602-8 <strong>13</strong> Ebata T et al.: Surgical resection for Bismuth type IV perihilar cholangiocarcinoma. Br J Surg 2018; 105: 829-38 <strong>14</strong> Rea DJ et al.: Liver transplantation with neoadjuvant chemoradiation is more effective than resection for hilar cholangiocarcinoma. Ann Surg 2005; 242: 451-8 <strong>15</strong> Schreuder AM et al.: Treatment of mid-bile duct carcinoma: local resection or pancreatoduodenectomy? Eur J Surg Oncol 2019; 45: 2180-7 <strong>16</strong> Tran TB et al.: Hepato-pancreatectomy: how morbid? Results from the national surgical quality improvement project. HPB 2015; 17: 763-9 <strong>17</strong> Nimptsch U et al.: Nationwide in-hospital mortality following pancreatic surgery in germany is higher than anticipated. Ann Surg 2016; 264: 1082-90 <strong>18</strong> Filmann N et al.: Mortality after liver surgery in Germany. Br J Surg 2019; 106: 1523-9</p> </div> </p>
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