Saharastaub: Plage, Segen oder beides?
Autoren:
Dr. Markus Berger1–3
Lukas Dirr, MSc3,4
Dr. Johannes M. Bouchal3,4
1 HNO-Abteilung, Klinik Landstraße, Wiener Gesundheitsverbund
2 Allergiezentrum Wien West
3 Österreichischer Polleninformationsdienst
4 Abteilung für Strukturelle und Funktionelle Botanik, Fakultät für Lebenswissenschaften, Universität Wien
E-Mail: markus.berger@pollenresearch.com
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Getrübte Fernsicht, diesige Tage sowie intensiv gefärbte Sonnenauf- und Sonnenuntergänge. Für alle diese Phänomene können Saharastaub-Ereignisse verantwortlich sein, die ganzjährig auftreten. Doch wie gelangt Saharastaub nach Mitteleuropa? Treten diese Ereignisse öfter auf? Welchen Einfluss haben sie auf Pollenallergiker:innen oder Asthmatiker:innen? Gibt es auch positive Effekte?
Keypoints
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Saharastaub gelangt durch spezielle südliche bis südwestliche Luftströmungen aus Nordafrika bis nach Mitteleuropa.
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Für Teile Ostösterreichs wurde eine Zunahme der Zahl an Saharastaub-Ereignissen beobachtet, sie können zu jeder Jahreszeit auftreten.
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Für Allergiker:innen und Asthmatiker:innen kann Saharastaub die Beschwerden verstärken, besonders wenn gleichzeitig Pollen in der Luft sind. Sonnenbrille und FFP2-Maske können die Exposition reduzieren.
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Saharastaub hat auch positive ökologische Effekte: Er transportiert Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium und trägt damit zur Nährstoffversorgung weit entfernter Ökosysteme bei.
Wie es zu Saharastaub-Ereignissen kommt
Die Saharastaub-Ereignisse entstehen durch atmosphärischen Ferntransport mineralischer Staubpartikel aus der Sahara nach Europa. Hierfür müssen mehrere meteorologische Bedingungen zusammentreffen:
Aufwirbelung in der Sahara
Starke bodennahe Winde, häufig im Zusammenhang mit Tiefdruckgebieten und konvektiven Wetterereignissen über der Sahara, führen zur Erosion trockener Böden. Dabei werden mikroskopische Mineralpartikel in die Atmosphäre aufgewirbelt und können bis in mehrere Kilometer Höhe aufsteigen. Diese Partikel haben meist Durchmesser von weniger als 10μm, sie zählen somit zum Feinstaub. Sie können aber auch Korngrößen bis hin zu 30μm oder gelegentlich sogar darüber erreichen.1 Was Mitteleuropa betrifft, so liegt das Herkunftsgebiet des Saharastaubs häufig in der West- und Zentralsahara, seltener in der östlichen Sahara und auf der Arabischen Halbinsel.1
Transport durch die atmosphärische Zirkulation
Bestimmte Wetterlagen erzeugen eine südliche bis südwestliche Strömung, die Staubpartikel über das Mittelmeer nach Europa transportiert (Abb. 1,2). Besonders relevant sind großräumige Drucksysteme, bei denen Luftmassen aus Nordafrika nach Mitteleuropa geführt werden. Die feinen Partikel können aufgrund ihrer geringen Sinkgeschwindigkeit über mehrere Tage in der Atmosphäre verbleiben. Während des Transports können sie dabei mehrere Tausend Kilometer zurücklegen.
Eintrag nach Mitteleuropa
Erreicht diese staubhaltige Luft Mitteleuropa, kann der Saharastaub Luftqualität und Sichtweite beeinflussen und den Himmel gelblich oder milchig erscheinen lassen. Trifft die Staubfracht auf ein Niederschlagsgebiet, werden die Partikel durch Nassdeposition aus der Atmosphäre ausgewaschen. Dadurch kann sich beispielsweise auf Fahrzeugen, Fenstern oder Böden eine charakteristische rötlich-braune Staubschicht bilden. Ohne Niederschlag können sich die Partikel auch durch trockene Deposition auf Oberflächen ablagern.
Abb. 1: Dust RGB Image des Satelliten MTG: Hier ist der Wüstenstaub in kräftigen Pinktönen zu erkennen
Werden Saharastaub-Ereignisse häufiger?
Die Antwort hierauf lautet für Österreich „Ja“ und auch „Nein“. Im Alpenraum ist die Datenlage nicht eindeutig. Für das Pannonische Tiefland, zu dem Teile des Ostens Österreichs zählen, gibt es eine Studie aus dem Jahr 2020. In dieser wurde im Untersuchungszeitraum von 1979 bis 2018 ein signifikanter Anstieg der Zahl der Saharastaub-Ereignisse innerhalb der letzten zehn Jahre nachgewiesen. Dabei zeigte sich, dass diese Ereignisse grundsätzlich zu jeder Jahreszeit auftreten können. In dieser Region waren sie im Herbst am häufigsten und im Sommer am seltensten; im Winter und Frühling wurden ebenfalls zahlreiche Ereignisse verzeichnet, jedoch seltener als im Herbst.1
Hat Saharastaub Einfluss auf Pollenallergie und Asthma?
Saharastaubpartikel sind mikroskopisch klein und zählen zum Feinstaub. Im Gegensatz zu Feinstaub aus anderen Quellen, wie etwa Hausbrand oder Abgase der Industrie bzw. des Verkehrs, sind Saha- rastaubpartikel mineralischen Ursprungs. Für die Schleimhäute der Augen, der Nase und der Atemwege stellen diese Partikel dennoch eine Belastung dar. Bei Kontakt verursachen die Partikel eine mechanische Reizung der Schleimhäute. Dadurch werden Symptome einer Rhinokonjunktivitis hervorgerufen, welche sich nach zusätzlicher Exposition mit Allergenen noch weiter verstärken können. Verschiedene Studien zeigen, dass sich bei Allergiker:innen die gesundheitliche Belastung erhöht, wenn Pollen und Saharastaub gleichzeitig in der Luft vorhanden sind.2–4
Daher ist eine verstärkte Allergenvermeidung während eines Saharastaub-Ereignisses für Allergiker:innen besonders wichtig. Das Tragen einer Sonnenbrille kann als mechanische Barriere gegen Kleinstpartikel und Pollen dienen und dadurch die Belastung für Augen reduzieren. Zum Schutz der Nasenschleimhäute und Atemwege kann das Tragen einer FFP2-Atemschutzmaske dazu beitragen, die Menge der eingeatmeten Staubpartikel und Pollen zu reduzieren.
Abb. 2: Saharastaub über dem westlichen Mittelmeer (Satellit Copernicus Sentinel-3)
Positive Effekte des Saharastaubs
Saharastaub hat allerdings auch verschiedene positive Auswirkungen auf die Umwelt, von denen insbesondere der Nährstofftransport hervorzuheben ist. Dieser feine Staub enthält wichtige Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium, die für das Wachstum von Pflanzen unerlässlich sind. Wenn der Staub durch den Wind über große Entfernungen, einschließlich Ozeane, transportiert wird, gelangt er in verschiedene Ökosysteme, wie zum Beispiel den Amazonas-Regenwald. Diese befruchtenden Eigenschaften tragen nicht nur zur Stabilität des Klimas bei, sondern unterstützen auch die Artenvielfalt in diesen sensiblen Ökosystemen. Darüber hinaus spielt der Staub eine Rolle bei der Regulierung des regionalen Klimas, indem er die Wolkenbildung und den Niederschlag beeinflusst. Insgesamt zeigt sich, dass Saharastaub eine wichtige ökologische Funktion hat und die Gesundheit und Produktivität der betroffenen Ökosysteme positiv beeinflusst.
Wer informiert über Saharastaub-Ereignisse?
Auf der Website von Geo Sphere Austria, einem Kooperationspartner des Österreichischen Polleninformationsdienstes, gibt es eine eigene Wüstenstaubprognosekarte, die die aktuelle Situation der kommenden drei Tage grafisch darstellt.5 Weitere Informationen in kompakter Form zu dem Thema Wüstenstaub bietet auch eine Episode des Geo Sphere-Austria-Podcasts „Mehr als Wind und Wetter“.6
Literatur:
1 Varga G: Changing nature of Saharan dust deposition in the Carpathian Basin (Central Europe): 40 years of identified North African dust events (1979–2018). Environ Int 2020; 139: 105712 2 Qian Y et al.: Allergic sensitization worsens respiratory health in children with asthma during dust and pollen periods. Pediatr Pulmonol 2025; 60(12): e71428 3 Rojo J et al.: Causes of increased pollen exposure during Saharan-Sahel dust intrusions. Environ Pollut 2021; 284: 117441 4 Boğan M et al.: Effect of desert dust storms and meteorological factors on respiratory diseases. Allergy 2022; 77(7): 2243 5 Geo Sphere Austria: Wüstenstaubprognose. https://portale.geosphere.at/hpEUgw/ ; zuletzt aufgerufen am 28.9.2026 6 https://www.geosphere.at/de/aktuelles/podcast/wissensflash-staubige-gruesse-aus-der-sahara ; zuletzt aufgerufen am 28.9.2026
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