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Weitere klinisch bedeutsame Studiendaten vom SABCS 2018

<p class="article-intro">Beim SABCS 2018 wurden Studiendaten präsentiert, die unseren klinischen Alltag durchaus beeinflussen können. Drei repräsentative Studien werden in diesem Artikel dargestellt.</p> <hr /> <p class="article-content"><h2>Neoadjuvante endokrine Therapie beim ER-positiven DCIS &gt;4cm im Durchmesser</h2> <p>Die Rolle einer endokrinen Therapie bei duktalem Carcinoma in situ (DCIS) ist unklar. Ziel w&auml;re es, diese pr&auml;invasive L&auml;sion in einem h&ouml;heren Ausma&szlig; als bisher einer brusterhaltenden Therapie anstelle einer Mastektomie zu unterziehen.<br /> Cartlidge et al.<sup>1</sup> haben prospektiv Daten zur neoadjuvanten endokrinen Therapie vor der Operation zwischen 2009 und 2015 bei 42 Patientinnen analysiert. Die Gr&ouml;&szlig;e der DCIS-L&auml;sionen wurde anhand der Mammografie bestimmt. Zum Vergleich wurde die von der Pathologie angegebene Gr&ouml;&szlig;e der L&auml;sion nach vollst&auml;ndiger Entfernung bei der definitiven Resektion herangezogen. Die Bewertung erfolgte nach RECIST-Kriterien. Das mittlere Alter der Patientinnen betrug 63 Jahre (Spannweite 37&ndash;94 Jahre). 7 von 42 Patientinnen waren pr&auml;menopausal und wurden mit Tamoxifen therapiert. 35 von 42 postmenopausalen Patientinnen erhielten den Aromatasehemmer Letrozol. Die Dauer der pr&auml;operativen Antihormontherapie betrug ca. 2,5 Monate (72 Tage, Spannweite 15&ndash;308 Tage). 86 % (36/42) der Frauen wurden operiert. Je 50 % dieser Patientinnen wurden einer Mastektomie bzw. einer brusterhaltenden Operation unterzogen. 3 von 18 Patientinnen mit brusterhaltender Operation ben&ouml;tigten eine Nachresektion aufgrund positiver Resektionsr&auml;nder.<br /> Die finale Histologie ergab bei 12 von 42 F&auml;llen zus&auml;tzlich einen invasiven Karzinomanteil. Eine pathologisch komplette Remission (pCR) trat bei 6 % (2/36) der Patientinnen auf, 40 % wiesen eine partielle Remission auf, 8 % eine Stabilisation. Bei weiteren 8 % der F&auml;lle war die finale L&auml;sion gr&ouml;&szlig;er als die prim&auml;r diagnostizierte, was typisch f&uuml;r &bdquo;Low Grade&ldquo;-L&auml;sionen ist.<br /> 26 von 42 (62 % ) der Patientinnen wiesen ein DCIS &gt;4cm auf (bis max. 24cm). Dennoch erhielten 9 von 26 dieser Patientinnen (35 % ) eine erfolgreiche brusterhaltende Therapie. Es zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen der Dauer einer Antihormontherapie und der Reduktion der Tumorgr&ouml;&szlig;e der L&auml;sionen.</p> <p><strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br /> Ein DCIS kann mittels pr&auml;operativer Antihormontherapie erfolgreich behandelt werden. Dadurch wird die Nachresektionsrate (in Gro&szlig;britannien 30 % ) und auch die Mastektomierate reduziert. In 6 % kann eine pCR erzielt werden.<br /> Diese Daten weisen auf die Rolle einer neoadjuvanten Antihormontherapie insbesondere bei DCIS hin, bei welchem infolge der Gr&ouml;&szlig;e von &gt;4cm prim&auml;r meist eine Mastektomie indiziert w&auml;re. Die endokrine Therapiedauer sollte wahrscheinlich ca. 6 Monate betragen.</p> <h2>Vinorelbin versus Paclitaxel in der Erstlinientherapie des hormonrezeptorpositiven Mammakarzinoms</h2> <p>Aapro et al.2 stellten die finalen Daten dieser randomisierten Phase-II-Studie vor, die in der ersten Therapielinie nach Versagen der antihormonellen Therapie die w&ouml;chentliche Gabe von Vinorelbin p.o. versus w&ouml;chentliches Paclitaxel verglich. Alle Patientinnen hatten HER2/neu-negative Tumoren und durften in der metastasierten Situation keine Chemotherapie erhalten haben. Ausgeschlossen waren auch Patientinnen mit viszeraler Krise. 131 Patientinnen wurden in die Studie eingeschlossen. Das mittlere Alter betrug 60 Jahre, die mediane Anzahl endokriner Vortherapien betrug 2. Im Vergleich der Vinorelbin-Gruppe p.o. (VNR; initial 60, danach 80mg/m<sup>2</sup>) zur Paclitaxel-Gruppe (80mg/m<sup>2</sup>) hatten 75 % bzw. 72 % eine (neo-)adjuvante Chemotherapie erhalten, 67 % bzw. 62 % vorausgegangene Anthrazykline, 41 % bzw. 42 % Taxane, in 42 % bzw. 48 % der F&auml;lle gab es &ge;3 Metastasenlokalisationen sowie viszerale Metastasen in je 79 % .<br /> Die mediane Anzahl der Zyklen in der aktuellen Erstlinientherapie mit VNR bzw. Paclitaxel betrug 6 (1&ndash;55) bzw. 7 (1&ndash;44). Die Dosis von VNR wurde bei fehlender G3&ndash;4-Toxizit&auml;t im ersten Zyklus bei 75 % eskaliert. Die h&auml;ufigsten nicht h&auml;matologischen G3&ndash;4-Toxizit&auml;ten betrugen 8 % versus 2 % , periphere Neuropathie 0 versus 5 % , &Uuml;belkeit 3 % versus 0, Diarrh&ouml; 3 % versus 2 % , Erbrechen 3 % versus 2 % , Obstipation 3 % versus 2 % , febrile Neutropenie 2 % versus 0. Ein relevanter Unterschied ergab sich hinsichtlich der Alopezie Grad 2 mit 2 % versus 34 % . In beiden Therapiearmen starb keine Patientin an den Folgen der Toxizit&auml;t.<br /> Die Kontrollrate der Erkrankung betrug 76 % versus 75 % . Das Ansprechen in den beiden Therapiearmen betrug 20 % bzw. 40 % , das mediane progressionsfreie &Uuml;berleben (PFS) 5,5 versus 6,4 Monate und das Gesamt&uuml;berleben (OS) 27,6 versus 22,3 Monate.</p> <p><strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br />Beide Monotherapien erreichten mit 75 % vergleichbare Kontrollraten der Tumorerkrankung. Beide Schemata weisen spezifische Toxizit&auml;tsprofile auf. So ergab sich f&uuml;r VNR eine niedrigere Rate an Alopezie und Neuropathie. Orales VNR und w&ouml;chentliches Paclitaxel stellen valide Optionen f&uuml;r das hormonrezeptorpositive und HER2/neu-negative metastasierte Mammakarzinom dar.</p> <h2>Brustrekonstruktion bei Patientinnen &gt;70 Jahre &ndash; ist sie sicher?</h2> <p>Weniger als 14 % der &auml;lteren Patientinnen unterziehen sich nach einer Mastektomie einer Brustrekonstruktion. Ein Grund daf&uuml;r ist auch die Sorge vor vermehrten Komplikationen in Form von Wundheilungsst&ouml;rungen und Infektionen. Die Datenbank des nationalen chirurgischen Qualit&auml;tsverbesserungsprogramms (NSQIP) untersuchte die Komplikationsraten von Patientinnen nach Brustrekonstruktion in Abh&auml;ngigkeit vom Alter.<sup>3</sup> Zwei Gruppen, n&auml;mlich Frauen &gt;70 Jahre und Frauen zwischen 18 und 69 Jahren wurden ausgewertet. Alle wiesen ein Carcinoma in situ oder ein invasives Karzinom der Brust auf und wurden zwischen 2005 und 2016 einer sofortigen oder verz&ouml;gerten Brustrekonstruktion unterzogen. Prim&auml;res Studienziel waren die postoperativen Komplikationen innerhalb von 30 Tagen. Von 42 929 Patientinnen waren 2615 (6 % ) &uuml;ber 70 Jahre alt. Letztere wiesen mehr Komorbidit&auml;ten und eine h&ouml;here ASA (American Society of Anaesthesiologists)- Klassifikation auf. &Auml;ltere Patientinnen wiesen h&auml;ufiger eine Sofortrekonstruktion (92 % versus 88 % ) auf als j&uuml;ngere (p&lt;0,0001). Die meisten aller Patientinnen erhielten Implantatrekonstruktionen. Autologe Transplantationen waren bei &auml;lteren Patientinnen deutlich seltener (20 % versus 25 % ; p&lt;0,0001).<br /> &Auml;ltere Patientinnen wiesen eine h&ouml;here Rate an oberfl&auml;chlichen Infektionen (3 % versus 2 % ; p=0,002) und mehr Harnwegsinfektionen (0,6 % versus 0,3 % ; p=0,005) auf. Alle anderen Komplikationen wie ausgedehnte Wundinfektionen, kardiale Ereignisse, Pneumonien, Sepsis, Thromboembolien oder Niereninsuffizienz waren bei beiden Gruppen vergleichbar. &Auml;ltere Patientinnen wiesen geringere Raten an Nachblutungen auf (1 % versus 2 % ; p=0,002). Dies galt auch f&uuml;r Lappenverluste (0,4 % versus 2,1 % ; p=0,006). Todesf&auml;lle nach 30 Tagen traten bei 0,1 % der &auml;lteren und 0,02 % der j&uuml;ngeren Kohorte auf (p=0,05).</p> <p><strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br />Die postoperative 30-Tage-Komplikationsrate nach Brustrekonstruktion bei Frauen &gt;70 Jahre war sehr niedrig. Die oberfl&auml;chliche Wundinfektionsrate war in dieser Altersgruppe gering erh&ouml;ht. Zusammenfassend l&auml;sst sich sagen, dass ein Alter &gt;70 Jahre per se kein Hindernis f&uuml;r die Beratung und Durchf&uuml;hrung einer Brustrekonstruktion darstellen sollte.</p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Cartlidge CW et al.: Neoadjuvant endocrine therapy for ER+ DCIS can lead to disease regression and allows BCS in up to a third of patients with disease &gt; 40 mm at diagnosis. SABCS 2018, Abstr. #P4 <strong>2</strong> Aapro MS et al.: Final results of NorBreast 231, a randomized phase II study evaluating weekly oral vinorelbine versus weekly paclitaxel as first line chemotherapy in patients with advanced breast cancer. SABCS 2018, Abstr. #P1 <strong>3</strong> Angarita FA et al.: Is breast reconstruction safe in women over 70? An analysis of the National Surgical Quality Improvement Program (NSQIP) Database. SABCS 2018, Abstr. #P5</p> </div> </p>
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