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Weitere klinisch bedeutsame Studiendaten vom SABCS 2018
Jatros
Autor:
Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru
Klinische Abteilung für Gynäkologie<br> Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe<br> Medizinische Universität Graz<br> E-Mail: edgar.petru@medunigraz.at
30
Min. Lesezeit
28.02.2019
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<p class="article-intro">Beim SABCS 2018 wurden Studiendaten präsentiert, die unseren klinischen Alltag durchaus beeinflussen können. Drei repräsentative Studien werden in diesem Artikel dargestellt.</p>
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<p class="article-content"><h2>Neoadjuvante endokrine Therapie beim ER-positiven DCIS >4cm im Durchmesser</h2> <p>Die Rolle einer endokrinen Therapie bei duktalem Carcinoma in situ (DCIS) ist unklar. Ziel wäre es, diese präinvasive Läsion in einem höheren Ausmaß als bisher einer brusterhaltenden Therapie anstelle einer Mastektomie zu unterziehen.<br /> Cartlidge et al.<sup>1</sup> haben prospektiv Daten zur neoadjuvanten endokrinen Therapie vor der Operation zwischen 2009 und 2015 bei 42 Patientinnen analysiert. Die Größe der DCIS-Läsionen wurde anhand der Mammografie bestimmt. Zum Vergleich wurde die von der Pathologie angegebene Größe der Läsion nach vollständiger Entfernung bei der definitiven Resektion herangezogen. Die Bewertung erfolgte nach RECIST-Kriterien. Das mittlere Alter der Patientinnen betrug 63 Jahre (Spannweite 37–94 Jahre). 7 von 42 Patientinnen waren prämenopausal und wurden mit Tamoxifen therapiert. 35 von 42 postmenopausalen Patientinnen erhielten den Aromatasehemmer Letrozol. Die Dauer der präoperativen Antihormontherapie betrug ca. 2,5 Monate (72 Tage, Spannweite 15–308 Tage). 86 % (36/42) der Frauen wurden operiert. Je 50 % dieser Patientinnen wurden einer Mastektomie bzw. einer brusterhaltenden Operation unterzogen. 3 von 18 Patientinnen mit brusterhaltender Operation benötigten eine Nachresektion aufgrund positiver Resektionsränder.<br /> Die finale Histologie ergab bei 12 von 42 Fällen zusätzlich einen invasiven Karzinomanteil. Eine pathologisch komplette Remission (pCR) trat bei 6 % (2/36) der Patientinnen auf, 40 % wiesen eine partielle Remission auf, 8 % eine Stabilisation. Bei weiteren 8 % der Fälle war die finale Läsion größer als die primär diagnostizierte, was typisch für „Low Grade“-Läsionen ist.<br /> 26 von 42 (62 % ) der Patientinnen wiesen ein DCIS >4cm auf (bis max. 24cm). Dennoch erhielten 9 von 26 dieser Patientinnen (35 % ) eine erfolgreiche brusterhaltende Therapie. Es zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen der Dauer einer Antihormontherapie und der Reduktion der Tumorgröße der Läsionen.</p> <p><strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br /> Ein DCIS kann mittels präoperativer Antihormontherapie erfolgreich behandelt werden. Dadurch wird die Nachresektionsrate (in Großbritannien 30 % ) und auch die Mastektomierate reduziert. In 6 % kann eine pCR erzielt werden.<br /> Diese Daten weisen auf die Rolle einer neoadjuvanten Antihormontherapie insbesondere bei DCIS hin, bei welchem infolge der Größe von >4cm primär meist eine Mastektomie indiziert wäre. Die endokrine Therapiedauer sollte wahrscheinlich ca. 6 Monate betragen.</p> <h2>Vinorelbin versus Paclitaxel in der Erstlinientherapie des hormonrezeptorpositiven Mammakarzinoms</h2> <p>Aapro et al.2 stellten die finalen Daten dieser randomisierten Phase-II-Studie vor, die in der ersten Therapielinie nach Versagen der antihormonellen Therapie die wöchentliche Gabe von Vinorelbin p.o. versus wöchentliches Paclitaxel verglich. Alle Patientinnen hatten HER2/neu-negative Tumoren und durften in der metastasierten Situation keine Chemotherapie erhalten haben. Ausgeschlossen waren auch Patientinnen mit viszeraler Krise. 131 Patientinnen wurden in die Studie eingeschlossen. Das mittlere Alter betrug 60 Jahre, die mediane Anzahl endokriner Vortherapien betrug 2. Im Vergleich der Vinorelbin-Gruppe p.o. (VNR; initial 60, danach 80mg/m<sup>2</sup>) zur Paclitaxel-Gruppe (80mg/m<sup>2</sup>) hatten 75 % bzw. 72 % eine (neo-)adjuvante Chemotherapie erhalten, 67 % bzw. 62 % vorausgegangene Anthrazykline, 41 % bzw. 42 % Taxane, in 42 % bzw. 48 % der Fälle gab es ≥3 Metastasenlokalisationen sowie viszerale Metastasen in je 79 % .<br /> Die mediane Anzahl der Zyklen in der aktuellen Erstlinientherapie mit VNR bzw. Paclitaxel betrug 6 (1–55) bzw. 7 (1–44). Die Dosis von VNR wurde bei fehlender G3–4-Toxizität im ersten Zyklus bei 75 % eskaliert. Die häufigsten nicht hämatologischen G3–4-Toxizitäten betrugen 8 % versus 2 % , periphere Neuropathie 0 versus 5 % , Übelkeit 3 % versus 0, Diarrhö 3 % versus 2 % , Erbrechen 3 % versus 2 % , Obstipation 3 % versus 2 % , febrile Neutropenie 2 % versus 0. Ein relevanter Unterschied ergab sich hinsichtlich der Alopezie Grad 2 mit 2 % versus 34 % . In beiden Therapiearmen starb keine Patientin an den Folgen der Toxizität.<br /> Die Kontrollrate der Erkrankung betrug 76 % versus 75 % . Das Ansprechen in den beiden Therapiearmen betrug 20 % bzw. 40 % , das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) 5,5 versus 6,4 Monate und das Gesamtüberleben (OS) 27,6 versus 22,3 Monate.</p> <p><strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br />Beide Monotherapien erreichten mit 75 % vergleichbare Kontrollraten der Tumorerkrankung. Beide Schemata weisen spezifische Toxizitätsprofile auf. So ergab sich für VNR eine niedrigere Rate an Alopezie und Neuropathie. Orales VNR und wöchentliches Paclitaxel stellen valide Optionen für das hormonrezeptorpositive und HER2/neu-negative metastasierte Mammakarzinom dar.</p> <h2>Brustrekonstruktion bei Patientinnen >70 Jahre – ist sie sicher?</h2> <p>Weniger als 14 % der älteren Patientinnen unterziehen sich nach einer Mastektomie einer Brustrekonstruktion. Ein Grund dafür ist auch die Sorge vor vermehrten Komplikationen in Form von Wundheilungsstörungen und Infektionen. Die Datenbank des nationalen chirurgischen Qualitätsverbesserungsprogramms (NSQIP) untersuchte die Komplikationsraten von Patientinnen nach Brustrekonstruktion in Abhängigkeit vom Alter.<sup>3</sup> Zwei Gruppen, nämlich Frauen >70 Jahre und Frauen zwischen 18 und 69 Jahren wurden ausgewertet. Alle wiesen ein Carcinoma in situ oder ein invasives Karzinom der Brust auf und wurden zwischen 2005 und 2016 einer sofortigen oder verzögerten Brustrekonstruktion unterzogen. Primäres Studienziel waren die postoperativen Komplikationen innerhalb von 30 Tagen. Von 42 929 Patientinnen waren 2615 (6 % ) über 70 Jahre alt. Letztere wiesen mehr Komorbiditäten und eine höhere ASA (American Society of Anaesthesiologists)- Klassifikation auf. Ältere Patientinnen wiesen häufiger eine Sofortrekonstruktion (92 % versus 88 % ) auf als jüngere (p<0,0001). Die meisten aller Patientinnen erhielten Implantatrekonstruktionen. Autologe Transplantationen waren bei älteren Patientinnen deutlich seltener (20 % versus 25 % ; p<0,0001).<br /> Ältere Patientinnen wiesen eine höhere Rate an oberflächlichen Infektionen (3 % versus 2 % ; p=0,002) und mehr Harnwegsinfektionen (0,6 % versus 0,3 % ; p=0,005) auf. Alle anderen Komplikationen wie ausgedehnte Wundinfektionen, kardiale Ereignisse, Pneumonien, Sepsis, Thromboembolien oder Niereninsuffizienz waren bei beiden Gruppen vergleichbar. Ältere Patientinnen wiesen geringere Raten an Nachblutungen auf (1 % versus 2 % ; p=0,002). Dies galt auch für Lappenverluste (0,4 % versus 2,1 % ; p=0,006). Todesfälle nach 30 Tagen traten bei 0,1 % der älteren und 0,02 % der jüngeren Kohorte auf (p=0,05).</p> <p><strong>Klinische Interpretation und Konsequenzen:</strong><br />Die postoperative 30-Tage-Komplikationsrate nach Brustrekonstruktion bei Frauen >70 Jahre war sehr niedrig. Die oberflächliche Wundinfektionsrate war in dieser Altersgruppe gering erhöht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Alter >70 Jahre per se kein Hindernis für die Beratung und Durchführung einer Brustrekonstruktion darstellen sollte.</p></p>
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<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
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<p><strong>1</strong> Cartlidge CW et al.: Neoadjuvant endocrine therapy for ER+ DCIS can lead to disease regression and allows BCS in up to a third of patients with disease > 40 mm at diagnosis. SABCS 2018, Abstr. #P4 <strong>2</strong> Aapro MS et al.: Final results of NorBreast 231, a randomized phase II study evaluating weekly oral vinorelbine versus weekly paclitaxel as first line chemotherapy in patients with advanced breast cancer. SABCS 2018, Abstr. #P1 <strong>3</strong> Angarita FA et al.: Is breast reconstruction safe in women over 70? An analysis of the National Surgical Quality Improvement Program (NSQIP) Database. SABCS 2018, Abstr. #P5</p>
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