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EANO 2016: Forschung trifft auf Praxis

Weiterbildung und Networking im Bereich der Neuroonkologie

<p class="article-intro">Die Themen des im Abstand von zwei Jahren stattfindenden Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Neuroonkologie (EANO) waren in diesem Jahr breit gefächert: Aktuelle Daten zu Biomarkern, pädiatrische Hirntumoren und die neue WHO-Klassifikation von Gliomen wurden diskutiert, abgerundet durch den Educational Day zu Beginn des Kongresses sowie die Sessions mit den EANO-Highlights bzw. neuesten Studien. Knapp 800 Teilnehmer versammelten sich bei der 12. Jahrestagung der EANO in Mannheim.</p> <hr /> <p class="article-content"><h2>Molekulare Neuropathologie von Meningeomen</h2> <p>Eine Mutation im Erbgut der Meningeome beeinflusst den weiteren Verlauf der Erkrankung entscheidend: Das Gen TERT (&bdquo;telomerase reverse transcriptase&ldquo;) enth&auml;lt den Bauplan f&uuml;r ein Protein, das die Lebensdauer von Krebszellen stark verl&auml;ngert, wenn es &uuml;beraktiviert ist. Bereits innerhalb eines Jahres kann es bei Patienten mit einer solchen Mutation nach der Operation zu erneutem Tumorwachstum kommen. Bei unver&auml;ndertem TERTGen besteht die Chance, knapp 15 Jahre tumorfrei zu bleiben, so die Einsch&auml;tzung der Wissenschaftler.<sup>1</sup> Das Team um Felix Sahm entwickelte eine neue Analysemethode, um die Suche nach ver&auml;nderten Genen sowie die Einstufung einer Gewebeprobe zu beschleunigen: Durch die Einbeziehung des &bdquo;next generation sequencing&ldquo; (NGS) sei es m&ouml;glich, in einem Arbeitsschritt 130 potenziell ver&auml;nderte Gene aus Gewebeproben von Hirntumoren gleichzeitig zu analysieren. F&uuml;r eine Bearbeitung einer Probe werden im Schnitt f&uuml;nf Tage ben&ouml;tigt, sodass diese spezielle Methode des NGS in der Routinediagnostik einsetzbar w&auml;re.<sup>2</sup></p> <h2>Langzeit-Follow-up bei Tumoren &ndash; gibt es Alternativen zu bildgebenden Verfahren?</h2> <p>Herausforderung Tumorwachstumsrate (TRG) &ndash; f&uuml;r das Langzeit-Follow-up kommen normalerweise MRT sowie in besonderen F&auml;llen CT zum Einsatz, andere Methoden als MRT w&auml;ren jedoch w&uuml;nschenswert, so Dr. Martha Nowosielski, Innsbruck. Sie pr&auml;sentierte Ergebnisse der Arbeitsgruppe um M. Sommerauer, die in einer Studie zum Thema Meningeomresiduen mit 64 Meningeompatienten zeigen konnten, dass eine positive Korrelation zwischen SUVmax und SSTR2-Expression bestand.<sup>3</sup> Die Autoren merkten an, dass diese Daten helfen k&ouml;nnten, den optimalen Zeitpunkt f&uuml;r eine erneute Operation sowie f&uuml;r das bildgebende Follow-up-Management zu finden &ndash; vor allem f&uuml;r neu diagnostizierte Patienten mit kritischen Lokalisationen des Tumors.<br /> Eine k&uuml;rzlich publizierte Studie von Ryttlefors et al4 zeigte, dass die <sup>11</sup>C-METAufnahme in protonenbestrahlten Meningeomen &uuml;ber die Jahre abnahm. Interessanterweise nahm die <sup>11</sup>C-MET-Aufnahme bei den Patienten (n=2) mit einer Tumorprogression schneller zu als die Zunahme im MRT. Auch dies eine Chance f&uuml;r die Beurteilung von Tumorwachstumsraten?</p> <h2>Wie kann eine Meningeomentwicklung besser prognostiziert werden?</h2> <p>Das h&auml;ufig invasive Wachstum von Meningeomen zeigt unabh&auml;ngig vom Malignit&auml;tsgrad eine hohe klinische Relevanz hinsichtlich Rezidivh&auml;ufigkeit und Gesamtprognose. &Uuml;ber die Mechanismen dieser Invasivit&auml;t ist noch wenig bekannt. Die kleinen GTPasen RhoA, RAC-1 und CDC42 spielen f&uuml;r die Motilit&auml;t und Invasivit&auml;t von Tumorzellen eine wichtige Rolle. Das Protein mTOR (&bdquo;mammalian target of rapamycin&ldquo;) ist Bestandteil zweier Enzymkomplexe (mTORC-1 und -2), die bei Tumorzellen eine zentrale Rolle einnehmen: Durch die Kinaseaktivit&auml;t dieser Enzymkomplexe wird beispielsweise die Proteinbiosynthese reguliert.<br /><br /> Laut Prof. Dr. Christian Mawrin, Magdeburg, gibt es viele Risikofaktoren f&uuml;r eine Meningeomentwicklung: Alter, Geschlecht, Diabetes, Irradiation, heredit&auml;re Tumorsyndrome wie multiple endokrine Neoplasie Typ 1, das Cowden-Syndrom, Neurofibromatose, das Gorlin-Goltz- sowie das Li-Fraumeni-Syndrom. Der nat&uuml;rliche Verlauf des Wachstums eines Meningeoms sei in Tumormodellen schwer nachzubilden, so der Magdeburger Wissenschaftler in Mannheim. Es sollten k&uuml;nftig sog. Schl&uuml;sselmolekularver&auml;nderungen in solche Modelle integriert und die biologische Relevanz in menschlichem Tumorgewebe definiert werden. Zus&auml;tzlich sollten vern&uuml;nftige therapeutische Optionen (Irradiation, Nebenwirkungen) bestimmt werden.<br /> Mawrin stellte in Mannheim ein Projekt vor, dessen Ziel es ist, durch genetische Manipulation von RhoA, RAC-1 und cdc42 die Rolle dieser GTPasen bei der Steuerung der Motilit&auml;t und Hirninvasion von Meningeomzellen zu untersuchen und festzustellen, welchen Einfluss der NF2- Status hierauf aus&uuml;bt.<sup>5</sup></p> <h2>Hybridger&auml;te (FET-PET) erleichtern Gliomdiagnose erheblich</h2> <p>Die MRT mit Kontrastmittel ist nach wie vor der &bdquo;Goldstandard&ldquo; bei der Diagnostik von Gliompatienten. Jedoch fehlt bei einem kleinen Prozentsatz der Hirntumoren die Schrankenst&ouml;rung, die das Eindringen des Kontrastmittels in den Tumor erst erm&ouml;glicht. In solchen F&auml;llen wird die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) eingesetzt, erl&auml;uterte Prof. Dr. Norbert Galldiks, K&ouml;ln, in seinem Vortrag beim Educational Day. Um mehrere Untersuchungen zu vermeiden, werden Hybridger&auml;te genutzt, die in einem Ger&auml;t die MRTund die PET-Untersuchung erm&ouml;glichen. Der prognostische Wert einer kinetischen FET-PET bei unbehandelten Gliompatienten wurde anhand einer Studie mit 121 Patienten mit neu diagnostiziertem HGG retrospektiv analysiert: Ein verl&auml;ngerter TTP(&bdquo;time to peak&ldquo;)-Wert war signifikant assoziiert mit einem verbesserten &Uuml;berleben. Hybridger&auml;te k&ouml;nnen gut eingesetzt werden zum Therapiemonitoring bzw. &bdquo;response assessment&ldquo; bei medikament&ouml;ser Hirntumortherapie oder in der Rezidivdiagnostik. Auch ist der direkte Vergleich von Aminos&auml;ure-PET und MRT zur Bestimmung der Tumorausdehnung hilfreich.<sup>6</sup></p> <h2>EORTC-26101-Studie</h2> <p>An der europaweiten Phase-III-Studie nahmen insgesamt 437 Patienten mit einem ersten Glioblastomrezidiv teil. 149 Patienten wurden ausschlie&szlig;lich mit Lomustin (CCNU) behandelt, 288 Patienten erhielten eine Kombination aus Lomustin und Bevacizumab. Das mediane Gesamt&uuml;berleben (mOS) als prim&auml;rer Endpunkt unterschied sich in beiden Behandlungsarmen nicht (9,1 vs. 8,6 Monate; HR: 0,95; 95 % CI: 0,74&ndash;1,21; p=0,65). Allerdings verl&auml;ngerte sich wie in der Prim&auml;rbehandlung des Glioblastoms das mediane progressionsfreie &Uuml;berleben (mPFS) durch die Zugabe von Bevacizumab (4,2 vs. 1,5 Monate; Abb. 1).<br /> 35 % der Patienten in der Monotherapiegruppe erhielten Bevacizumab zum Zeitpunkt der weiteren Krankheitsprogression (&bdquo;cross-over&ldquo;). Im Kombinationsarm wurde bei 19 % der Patienten Bevacizumab trotz Progression weitergef&uuml;hrt.<br /> Obwohl dies eine weitere negative Studie zum Einsatz von Bevacizumab in der Behandlung des Glioblastoms hinsichtlich des Gesamt&uuml;berlebens ist, stellt dieses Medikament bei dem sehr begrenzten neuroonkologischen Therapiearsenal im klinischen Alltag weiterhin einen wichtigen Baustein in der palliativen Therapie dar, so die Meinung der Spezialisten.<sup>7</sup></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Onko_1701_Weblinks_s88_abb1.jpg" alt="" width="1455" height="792" /></p> <h2>CATNON-Studie</h2> <p>Die auch unter dem Namen EORTC 26053 laufende Studie untersucht die Frage, ob die konkomitante und adjuvante Temozolomid-Chemotherapie das Outcome von Patienten ohne den Allelverlust 1p/19q bei anaplastischem Gliom verbessert. Eingeschlossen werden k&ouml;nnen Patienten nach histologischer Sichtung und einer oder mehreren operativen Therapien, z.B. f&uuml;r ein niedergradiges Gliom.<br /> Die zwischen Dezember 2008 und August 2015 durchgef&uuml;hrte Interimsanalyse zeigt erste Daten der Patienten ohne adjuvante Chemotherapie (nur Strahlentherapie) verglichen mit den Patienten, die eine adjuvante Temozolomid-Chemotherapie erhielten:<sup>8</sup> Das mediane progressionsfreie Gesamt&uuml;berleben der mit adjuvanter Temozolomid- Chemotherapie behandelten Krebspatienten war mit 42,8 versus 19 Monate mehr als verdoppelt, auch die 5-Jahres-&Uuml;berlebensrate ist mit 56 % versus 44 % vielversprechend. Welche Patienten nun besonders von der adjuvanten Therapie profitieren, wird die Auswertung der noch laufenden Studie zeigen.</p> <h2>EORTC-26062-Studie</h2> <p>Die randomisierte, noch laufende Phase- III-Studie vergleicht den Effekt einer komprimierten Radiotherapie im Standardarm und einer komprimierten Radiotherapie plus begleitender und nachfolgender Temozolomid-Chemotherapie im experimentellen Arm bei neu diagnostiziertem Glioblastoma multiforme bei &auml;lteren Patienten.<sup>9</sup> Die Studie versucht, eine &Uuml;berlegenheit der initialen Radiochemotherapie zu belegen. In den allermeisten F&auml;llen kann die Strahlentherapie ambulant durchgef&uuml;hrt werden, auch f&uuml;r die Kombinationsbehandlung ist ein station&auml;rer Aufenthalt nicht notwendig, da Temozolomid in Tablettenform verabreicht werden kann. Neben dem Vergleich der Wirksamkeit der beiden Behandlungsarme steht der Vergleich der Lebensqualit&auml;t und der Nebenwirkungen im Vordergrund dieser Studie. Erste Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Patienten mit der Kombinationsbehandlung im medianen Gesamt&uuml;berleben (mOS) profitieren (9,3 Monate vs. 7,6 Monate; HR: 0,67; 95 % CI: 0,56&ndash;0,80; p&lt;0,0001); das progressionsfreie &Uuml;berleben stieg von 3,9 auf 5,3 Monate (HR: 0,50; 95 % CI: 0,41&ndash;0,60; p&lt;0,0001).</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: 12. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Neuroonkologie (EANO), 12.–16. Oktober 2016, Mannheim/ Heidelberg </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Sahm F et al: TERT promoter mutations and risk of recurrence in meningioma. J Natl Cancer Inst 2016; 108(5): djv377 <strong>2</strong> Sahm F et al: Next-generation sequencing in routine brain tumor diagnostics enables an integrated diagnosis and identifies actionable targets. Acta Neuropathol 2016; 131(6): 903-10 <strong>3</strong> Sommerauer M et al: <sup>68</sup>Gallium-DOTATATE PET in meningioma: a reliable predictor of tumor growth rate? Neuro Oncol 2016; 18(7): 1021-7 <strong>4</strong> Ryttlefors M et al: Long-term evaluation of the effect of hypofractionated high-energy proton treatment of benign meningiomas by means of (11)C-L-methionine positron emission tomography. Eur J Nucl Med Mol Imaging 2016; 43(8): 1432-3 <strong>5</strong> Mawrin C: Preclinical concepts meningioma. EANO 2016; oral presentation <strong>6</strong> Galldiks N: Clinical applications of amino acid PET in neuro-oncology. EANO 2016; oral presentation <strong>7</strong> van den Bent M: EORTC 26101 phase III trial exploring the combination of bevacizumab and lomustine versus lomustine in patients with first progression of a glioblastoma. EANO 2016; oral presentation <strong>8</strong> van den Bent: Results of the interim analysis of the EORTC randomized phase III CATNON trial on concurrent and adjuvant temozolomide in anaplastic glioma without 1p/19q co-deletion, an intergroup trial. EANO 2016; oral presentation <strong>9</strong> Perry JR et al: A phase III randomized controlled trial of short-course radiotherapy with or without concomitant and adjuvant temozolomide in elderly patients with glioblastoma (CCTG CE.6, EORTC 26062- 22061, TROG 08.02, NCT00482677). J Clin Oncol 2016; 34: abstract LBA2 <strong>10</strong> Goldbrunner R et al: EANO guidelines for the diagnosis and treatment of meningiomas. Lancet Oncol 2016; 17(9): e383-91</p> </div> </p>
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