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Weiterbildung und Networking im Bereich der Neuroonkologie
Jatros
30
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02.03.2017
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<p class="article-intro">Die Themen des im Abstand von zwei Jahren stattfindenden Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Neuroonkologie (EANO) waren in diesem Jahr breit gefächert: Aktuelle Daten zu Biomarkern, pädiatrische Hirntumoren und die neue WHO-Klassifikation von Gliomen wurden diskutiert, abgerundet durch den Educational Day zu Beginn des Kongresses sowie die Sessions mit den EANO-Highlights bzw. neuesten Studien. Knapp 800 Teilnehmer versammelten sich bei der 12. Jahrestagung der EANO in Mannheim.</p>
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<p class="article-content"><h2>Molekulare Neuropathologie von Meningeomen</h2> <p>Eine Mutation im Erbgut der Meningeome beeinflusst den weiteren Verlauf der Erkrankung entscheidend: Das Gen TERT („telomerase reverse transcriptase“) enthält den Bauplan für ein Protein, das die Lebensdauer von Krebszellen stark verlängert, wenn es überaktiviert ist. Bereits innerhalb eines Jahres kann es bei Patienten mit einer solchen Mutation nach der Operation zu erneutem Tumorwachstum kommen. Bei unverändertem TERTGen besteht die Chance, knapp 15 Jahre tumorfrei zu bleiben, so die Einschätzung der Wissenschaftler.<sup>1</sup> Das Team um Felix Sahm entwickelte eine neue Analysemethode, um die Suche nach veränderten Genen sowie die Einstufung einer Gewebeprobe zu beschleunigen: Durch die Einbeziehung des „next generation sequencing“ (NGS) sei es möglich, in einem Arbeitsschritt 130 potenziell veränderte Gene aus Gewebeproben von Hirntumoren gleichzeitig zu analysieren. Für eine Bearbeitung einer Probe werden im Schnitt fünf Tage benötigt, sodass diese spezielle Methode des NGS in der Routinediagnostik einsetzbar wäre.<sup>2</sup></p> <h2>Langzeit-Follow-up bei Tumoren – gibt es Alternativen zu bildgebenden Verfahren?</h2> <p>Herausforderung Tumorwachstumsrate (TRG) – für das Langzeit-Follow-up kommen normalerweise MRT sowie in besonderen Fällen CT zum Einsatz, andere Methoden als MRT wären jedoch wünschenswert, so Dr. Martha Nowosielski, Innsbruck. Sie präsentierte Ergebnisse der Arbeitsgruppe um M. Sommerauer, die in einer Studie zum Thema Meningeomresiduen mit 64 Meningeompatienten zeigen konnten, dass eine positive Korrelation zwischen SUVmax und SSTR2-Expression bestand.<sup>3</sup> Die Autoren merkten an, dass diese Daten helfen könnten, den optimalen Zeitpunkt für eine erneute Operation sowie für das bildgebende Follow-up-Management zu finden – vor allem für neu diagnostizierte Patienten mit kritischen Lokalisationen des Tumors.<br /> Eine kürzlich publizierte Studie von Ryttlefors et al4 zeigte, dass die <sup>11</sup>C-METAufnahme in protonenbestrahlten Meningeomen über die Jahre abnahm. Interessanterweise nahm die <sup>11</sup>C-MET-Aufnahme bei den Patienten (n=2) mit einer Tumorprogression schneller zu als die Zunahme im MRT. Auch dies eine Chance für die Beurteilung von Tumorwachstumsraten?</p> <h2>Wie kann eine Meningeomentwicklung besser prognostiziert werden?</h2> <p>Das häufig invasive Wachstum von Meningeomen zeigt unabhängig vom Malignitätsgrad eine hohe klinische Relevanz hinsichtlich Rezidivhäufigkeit und Gesamtprognose. Über die Mechanismen dieser Invasivität ist noch wenig bekannt. Die kleinen GTPasen RhoA, RAC-1 und CDC42 spielen für die Motilität und Invasivität von Tumorzellen eine wichtige Rolle. Das Protein mTOR („mammalian target of rapamycin“) ist Bestandteil zweier Enzymkomplexe (mTORC-1 und -2), die bei Tumorzellen eine zentrale Rolle einnehmen: Durch die Kinaseaktivität dieser Enzymkomplexe wird beispielsweise die Proteinbiosynthese reguliert.<br /><br /> Laut Prof. Dr. Christian Mawrin, Magdeburg, gibt es viele Risikofaktoren für eine Meningeomentwicklung: Alter, Geschlecht, Diabetes, Irradiation, hereditäre Tumorsyndrome wie multiple endokrine Neoplasie Typ 1, das Cowden-Syndrom, Neurofibromatose, das Gorlin-Goltz- sowie das Li-Fraumeni-Syndrom. Der natürliche Verlauf des Wachstums eines Meningeoms sei in Tumormodellen schwer nachzubilden, so der Magdeburger Wissenschaftler in Mannheim. Es sollten künftig sog. Schlüsselmolekularveränderungen in solche Modelle integriert und die biologische Relevanz in menschlichem Tumorgewebe definiert werden. Zusätzlich sollten vernünftige therapeutische Optionen (Irradiation, Nebenwirkungen) bestimmt werden.<br /> Mawrin stellte in Mannheim ein Projekt vor, dessen Ziel es ist, durch genetische Manipulation von RhoA, RAC-1 und cdc42 die Rolle dieser GTPasen bei der Steuerung der Motilität und Hirninvasion von Meningeomzellen zu untersuchen und festzustellen, welchen Einfluss der NF2- Status hierauf ausübt.<sup>5</sup></p> <h2>Hybridgeräte (FET-PET) erleichtern Gliomdiagnose erheblich</h2> <p>Die MRT mit Kontrastmittel ist nach wie vor der „Goldstandard“ bei der Diagnostik von Gliompatienten. Jedoch fehlt bei einem kleinen Prozentsatz der Hirntumoren die Schrankenstörung, die das Eindringen des Kontrastmittels in den Tumor erst ermöglicht. In solchen Fällen wird die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) eingesetzt, erläuterte Prof. Dr. Norbert Galldiks, Köln, in seinem Vortrag beim Educational Day. Um mehrere Untersuchungen zu vermeiden, werden Hybridgeräte genutzt, die in einem Gerät die MRTund die PET-Untersuchung ermöglichen. Der prognostische Wert einer kinetischen FET-PET bei unbehandelten Gliompatienten wurde anhand einer Studie mit 121 Patienten mit neu diagnostiziertem HGG retrospektiv analysiert: Ein verlängerter TTP(„time to peak“)-Wert war signifikant assoziiert mit einem verbesserten Überleben. Hybridgeräte können gut eingesetzt werden zum Therapiemonitoring bzw. „response assessment“ bei medikamentöser Hirntumortherapie oder in der Rezidivdiagnostik. Auch ist der direkte Vergleich von Aminosäure-PET und MRT zur Bestimmung der Tumorausdehnung hilfreich.<sup>6</sup></p> <h2>EORTC-26101-Studie</h2> <p>An der europaweiten Phase-III-Studie nahmen insgesamt 437 Patienten mit einem ersten Glioblastomrezidiv teil. 149 Patienten wurden ausschließlich mit Lomustin (CCNU) behandelt, 288 Patienten erhielten eine Kombination aus Lomustin und Bevacizumab. Das mediane Gesamtüberleben (mOS) als primärer Endpunkt unterschied sich in beiden Behandlungsarmen nicht (9,1 vs. 8,6 Monate; HR: 0,95; 95 % CI: 0,74–1,21; p=0,65). Allerdings verlängerte sich wie in der Primärbehandlung des Glioblastoms das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) durch die Zugabe von Bevacizumab (4,2 vs. 1,5 Monate; Abb. 1).<br /> 35 % der Patienten in der Monotherapiegruppe erhielten Bevacizumab zum Zeitpunkt der weiteren Krankheitsprogression („cross-over“). Im Kombinationsarm wurde bei 19 % der Patienten Bevacizumab trotz Progression weitergeführt.<br /> Obwohl dies eine weitere negative Studie zum Einsatz von Bevacizumab in der Behandlung des Glioblastoms hinsichtlich des Gesamtüberlebens ist, stellt dieses Medikament bei dem sehr begrenzten neuroonkologischen Therapiearsenal im klinischen Alltag weiterhin einen wichtigen Baustein in der palliativen Therapie dar, so die Meinung der Spezialisten.<sup>7</sup></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Onko_1701_Weblinks_s88_abb1.jpg" alt="" width="1455" height="792" /></p> <h2>CATNON-Studie</h2> <p>Die auch unter dem Namen EORTC 26053 laufende Studie untersucht die Frage, ob die konkomitante und adjuvante Temozolomid-Chemotherapie das Outcome von Patienten ohne den Allelverlust 1p/19q bei anaplastischem Gliom verbessert. Eingeschlossen werden können Patienten nach histologischer Sichtung und einer oder mehreren operativen Therapien, z.B. für ein niedergradiges Gliom.<br /> Die zwischen Dezember 2008 und August 2015 durchgeführte Interimsanalyse zeigt erste Daten der Patienten ohne adjuvante Chemotherapie (nur Strahlentherapie) verglichen mit den Patienten, die eine adjuvante Temozolomid-Chemotherapie erhielten:<sup>8</sup> Das mediane progressionsfreie Gesamtüberleben der mit adjuvanter Temozolomid- Chemotherapie behandelten Krebspatienten war mit 42,8 versus 19 Monate mehr als verdoppelt, auch die 5-Jahres-Überlebensrate ist mit 56 % versus 44 % vielversprechend. Welche Patienten nun besonders von der adjuvanten Therapie profitieren, wird die Auswertung der noch laufenden Studie zeigen.</p> <h2>EORTC-26062-Studie</h2> <p>Die randomisierte, noch laufende Phase- III-Studie vergleicht den Effekt einer komprimierten Radiotherapie im Standardarm und einer komprimierten Radiotherapie plus begleitender und nachfolgender Temozolomid-Chemotherapie im experimentellen Arm bei neu diagnostiziertem Glioblastoma multiforme bei älteren Patienten.<sup>9</sup> Die Studie versucht, eine Überlegenheit der initialen Radiochemotherapie zu belegen. In den allermeisten Fällen kann die Strahlentherapie ambulant durchgeführt werden, auch für die Kombinationsbehandlung ist ein stationärer Aufenthalt nicht notwendig, da Temozolomid in Tablettenform verabreicht werden kann. Neben dem Vergleich der Wirksamkeit der beiden Behandlungsarme steht der Vergleich der Lebensqualität und der Nebenwirkungen im Vordergrund dieser Studie. Erste Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Patienten mit der Kombinationsbehandlung im medianen Gesamtüberleben (mOS) profitieren (9,3 Monate vs. 7,6 Monate; HR: 0,67; 95 % CI: 0,56–0,80; p<0,0001); das progressionsfreie Überleben stieg von 3,9 auf 5,3 Monate (HR: 0,50; 95 % CI: 0,41–0,60; p<0,0001).</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: 12. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Neuroonkologie
(EANO), 12.–16. Oktober 2016, Mannheim/
Heidelberg
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<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
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<p><strong>1</strong> Sahm F et al: TERT promoter mutations and risk of recurrence in meningioma. J Natl Cancer Inst 2016; 108(5): djv377 <strong>2</strong> Sahm F et al: Next-generation sequencing in routine brain tumor diagnostics enables an integrated diagnosis and identifies actionable targets. Acta Neuropathol 2016; 131(6): 903-10 <strong>3</strong> Sommerauer M et al: <sup>68</sup>Gallium-DOTATATE PET in meningioma: a reliable predictor of tumor growth rate? Neuro Oncol 2016; 18(7): 1021-7 <strong>4</strong> Ryttlefors M et al: Long-term evaluation of the effect of hypofractionated high-energy proton treatment of benign meningiomas by means of (11)C-L-methionine positron emission tomography. Eur J Nucl Med Mol Imaging 2016; 43(8): 1432-3 <strong>5</strong> Mawrin C: Preclinical concepts meningioma. EANO 2016; oral presentation <strong>6</strong> Galldiks N: Clinical applications of amino acid PET in neuro-oncology. EANO 2016; oral presentation <strong>7</strong> van den Bent M: EORTC 26101 phase III trial exploring the combination of bevacizumab and lomustine versus lomustine in patients with first progression of a glioblastoma. EANO 2016; oral presentation <strong>8</strong> van den Bent: Results of the interim analysis of the EORTC randomized phase III CATNON trial on concurrent and adjuvant temozolomide in anaplastic glioma without 1p/19q co-deletion, an intergroup trial. EANO 2016; oral presentation <strong>9</strong> Perry JR et al: A phase III randomized controlled trial of short-course radiotherapy with or without concomitant and adjuvant temozolomide in elderly patients with glioblastoma (CCTG CE.6, EORTC 26062- 22061, TROG 08.02, NCT00482677). J Clin Oncol 2016; 34: abstract LBA2 <strong>10</strong> Goldbrunner R et al: EANO guidelines for the diagnosis and treatment of meningiomas. Lancet Oncol 2016; 17(9): e383-91</p>
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