© Getty Images/iStockphoto

Systemische Therapien beim hepatozellulären Karzinom

<p class="article-intro">Entsprechend den aktuellen internationalen Leitlinien zur Behandlung des hepatozellulären Karzinoms (HCC) sind Patienten im fortgeschrittenen Stadium (makroskopische Gefäßinvasion und/oder extrahepatische Metastasen und/oder symptomatische Erkrankung) die besten Kandidaten für eine systemische Therapie. </p> <p class="article-content"><div id="s73KP.html" xml:lang="de-DE"> <div id="keypoints"> <h2>Keypoints</h2> <ul> <li>In der Erstlinientherapie des fortgeschrittenen HCC wird uns neben dem aktuellen Referenzstandard Sorafenib wahrscheinlich auch Lenvatinib bald zur Verf&uuml;gung stehen.</li> <li>In der Zweitlinie wird die Zulassung f&uuml;r Regorafenib noch in diesem Jahr erwartet.</li> <li>Ramucirumab hat vielversprechende Ergebnisse in der Subgruppe der Patienten mit erh&ouml;htem AFP erzielt.</li> <li>Ob sich die Immuntherapie auch beim HCC etablieren wird, werden die kommenden 1&ndash;2 Jahre zeigen.</li> </ul> </div> </div> <p>Aber auch Patienten im intermedi&auml;ren Stadium (asymptomatisch, Tumor auf Leber beschr&auml;nkt), die normalerweise mit transarterieller Chemoembolisation (TACE) behandelt werden, k&ouml;nnen unter bestimmten Umst&auml;nden Kandidaten f&uuml;r eine systemische Therapie werden (z.B. bei fehlendem Ansprechen auf TACE, Tumorprogression mit extrahepatischen Metastasen/Gef&auml;&szlig;einbruch, symptomatischer Progression, Leberfunktionseinschr&auml;nkung mit Aszites/Child-Pugh B).<sup>1, 2 </sup></p> <h2>Erstlinie</h2> <p>F&uuml;r die l&auml;ngste Zeit gab es f&uuml;r das HCC keine wirksame systemische Therapie. Erst der Multityrosinkinase-Inhibitor Sorafenib konnte als erste Substanz in einer Phase-III-Studie beim HCC &uuml;berzeugen. In der sogenannten SHARP-Studie, einer multizentrischen, randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Studie, mit insgesamt 602 eingeschlossenen Patienten konnte Sorafenib bei akzeptablem Nebenwirkungsprofil das mediane Gesamt&uuml;berleben um 2,8 Monate gegen&uuml;ber Placebo verl&auml;ngern (10,7 vs. 7,9 Monate).<sup>3</sup> Zudem ist in der Asien-Pazifik-Region eine weitere Phase-III-Studie durchgef&uuml;hrt worden, in der Sorafenib ebenfalls zu einer signifikanten Verl&auml;ngerung des medianen Gesamt&uuml;berlebens gegen&uuml;ber Placebo gef&uuml;hrt hat (6,5 vs. 4,2 Monate).<sup>4</sup> Damit konnte Sorafenib in zwei unabh&auml;ngigen Phase-III-Studien, die in unterschiedlichen geografischen Regionen durchgef&uuml;hrt wurden, &uuml;berzeugen und wurde schlie&szlig;lich f&uuml;r die Behandlung des HCC zugelassen.<br />Anzumerken ist jedoch, dass nur Patienten mit gut erhaltener Leberfunktion (Child-Pugh A) in diese Studien eingeschlossen wurden, um einen potenziellen konfundierenden Effekt einer fortgeschrittenen Leberfunktionseinschr&auml;nkung auf das &Uuml;berleben zu vermeiden. Damit war jedoch nichts &uuml;ber die Wirksamkeit und Toxizit&auml;t von Sorafenib bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose bekannt. Wir konnten in einer retrospektiven &ouml;sterreichweiten Kohorte von 148 Patienten zeigen, dass das &Uuml;berleben unter Sorafenib-Therapie stark von der Leberfunktion abh&auml;ngt (&Uuml;berleben f&uuml;r Child-Pugh A vs. B vs. C: 11,3 vs. 5,5 vs. 1,6 Monate). Innerhalb der Child-Pugh-B-Population konnten wir mithilfe der Aspartat-Aminotransferase (AST) eine Subgruppe unterscheiden, die deutlich l&auml;nger &uuml;berlebt hatte (AST &lt; vs. &ge;100U/l, 6,5 vs. 2,1 Monate).<sup>5</sup> Auch in der sogenannten GIDEON-Studie, einer Phase-IV-Observationsstudie, konnten &auml;hnliche &Uuml;berlebensdaten f&uuml;r die Child-Pugh-Stadien gezeigt werden. Innerhalb der Child-Pugh-B-Population hatten Patienten mit einem Child-Pugh-Score B7 das beste Outcome.<sup>6</sup> W&auml;hrend Patienten im Child-Pugh-Stadium C aufgrund der schlechten Prognose nur supportive Therapie erhalten sollten, d&uuml;rfte es innerhalb der Child-Pugh-B-Patienten eine Subgruppe geben, die von einer Therapie mit Sorafenib profitieren k&ouml;nnte. Gegenw&auml;rtig wird diese Fragestellung prospektiv in einer Phase-III-Studie (BOOST, NCT01405573) untersucht, die bei Child-Pugh-B-Patienten Sorafenib gegen Placebo testet.<br />Seit der Zulassung von Sorafenib wurden weitere Substanzen in der Erstlinie untersucht, jedoch konnte keine davon im &bdquo;Head-to-head&ldquo;-Vergleich gegen Sorafenib &uuml;berzeugen.<sup>7&ndash;10</sup><br />Der Multityrosinkinase-Inhibitor Lenvatinib zeigte allerdings in einer Phase-II-Studie vielversprechende Ergebnisse (Gesamtansprechrate 37 % , medianes &Uuml;berleben 18,7 Monate)<sup>11</sup> und wurde letztendlich auch in einer Phase-III-Studie getestet. Im Januar 2017 wurde verk&uuml;ndet, dass die Studie ihren prim&auml;ren Endpunkt &bdquo;non-inferiority&ldquo; im Gesamt&uuml;berleben gegen&uuml;ber Sorafenib erreicht hatte (Daten noch nicht publiziert; NCT01761266). Damit wird Lenvatinib h&ouml;chstwahrscheinlich bald als zweite Substanz in der Erstlinie beim HCC neben Sorafenib zur Verf&uuml;gung stehen.</p> <h2>Zweitlinie</h2> <p>Auch in der Zweitlinie (nach Beendigung der Therapie mit Sorafenib) wurden einige Substanzen in Phase-III-Studien gegen Placebo getestet, wobei auch hier die meisten Substanzen scheiterten.<sup>12&ndash;15</sup><br />Schlie&szlig;lich konnte sich jedoch der Multityrosinkinase-Inhibitor Regorafenib, dessen Targets teilweise mit jenen von Sorafenib &uuml;berlappen, gegen Placebo durchsetzen. In einer Phase-III-Studie (RESORCE) konnte Regorafenib sowohl das mediane &Uuml;berleben (10,6 vs. 7,8 Monate) als auch die Zeit bis zur Progression signifikant verl&auml;ngern. Damit ist Regorafenib die erste Substanz, die in der Zweitlinie beim HCC einen &Uuml;berlebensvorteil gezeigt hat, und wird vermutlich sehr bald f&uuml;r das HCC zugelassen werden. Einschr&auml;nkend muss jedoch festgehalten werden, dass neben einem Child-Pugh-Stadium A auch eine Sorafenib-Vertr&auml;glichkeit Voraussetzung f&uuml;r eine Studienteilnahme war. Somit kann keine zuverl&auml;ssige Aussage &uuml;ber die Wirksamkeit von Regorafenib bei Patienten mit fortgeschrittener Leberfunktionseinschr&auml;nkung oder Sorafenib-Unvertr&auml;glichkeit getroffen werden.<sup>16</sup><br />Auch der c-Met-Inhibitor Tivantinib konnte in einer Phase-II-Studie bei Patienten mit hoher tumoraler c-Met-Expression ein deutlich l&auml;ngeres &Uuml;berleben als Placebo erzielen (7,2 vs. 3,8 Monate), nicht aber bei jenen mit niedrigem c-Met-Status. Dementsprechend wurden in die nachfolgende Phase-III-Studie (METIV-HCC) nur Patienten mit hoher c-Met-Expression eingeschlossen.<sup>17</sup> Wie jedoch j&uuml;ngst bekannt geworden ist, ist die abschlie&szlig;ende Bewertung der METIV-HCC-Studie negativ (Daten noch nicht publiziert; NCT01755767). Damit gibt es leider weiterhin keinen Biomarker-gesteuerten Therapieansatz f&uuml;r das HCC. Ramucirumab, ein monoklonaler Antik&ouml;rper gegen VEGFR2, wird ebenfalls in einer Phase-III-Studie (NCT02435433) im Zweitliniensetting bei einer HCC-Subgruppe getestet, und zwar bei Patienten mit erh&ouml;htem Alpha-Fetoprotein (AFP). Diese Studie wurde initiiert, nachdem in einer Phase-III-Studie Ramucirumab nur bei Patienten mit AFP &gt;400ng/ml &ndash; nicht aber in der Gesamtkohorte &ndash; einen signifikanten &Uuml;berlebensvorteil gegen&uuml;ber Placebo gezeigt hatte.<sup>14</sup></p> <h2>Zukunftsperspektiven</h2> <p>Viele Hoffnungen ruhen auch beim HCC auf der Immuntherapie, die bereits bei anderen soliden Tumoren wie dem Melanom und dem nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom erfolgreich eingesetzt wird. Auch beim HCC gibt es einige Gr&uuml;nde, die auf einen Erfolg hoffen lassen. Zum einen handelt es sich beim HCC um einen immunogenen Tumor. Zum anderen ist es typischerweise mit chronischer Inflammation assoziiert, welche Immunsuppression, u.a. durch Hochregulation von Immuncheckpoint-Molek&uuml;len (z.B. PD-L1), f&ouml;rdert. Die Hochregulation von Immuncheckpoint-Molek&uuml;len spielt auch eine wichtige Rolle in der Immunevasion des HCC.<sup>18</sup> Ergebnisse aus Phase-II-Studien deuten darauf hin, dass Immuntherapie bei einem gewissen Teil der Patienten zu einem dauerhaften Therapieansprechen f&uuml;hren kann. <br />Das onkolytische Vaccinia-Virus JX-594 wurde in einer randomisierten Phase-II-Dosisfindungsstudie bei Patienten mit fortgeschrittenem HCC getestet. Das Virus ruft neben einer virusreplikationsabh&auml;ngigen Onkolyse auch eine tumorspezifische Immunantwort hervor. 14 Patienten erhielten die niedrige Dosis (ND; 108 PFU) und 16 die hohe Dosis (HD; 109 PFU) per radiologisch gesteuerter Tumor&shy;injektion. W&auml;hrend das radiologische Therapieansprechen in beiden Gruppen gleich war (Ansprechrate 15 % ; Krankheitskontrollrate 50 % ), zeigte die HD-Gruppe ein deutlich l&auml;ngeres medianes &Uuml;berleben (14,1 vs. 6,7 Monate, p=0,020).<sup>19</sup> Derzeit wird JX-594 in Kombination mit Sorafenib gegen Sorafenib-Monotherapie in einer Phase-III-Studie getestet (NCT02562755).<br />Der Checkpoint-Blocker Tremelimumab, ein monoklonaler Antik&ouml;rper gegen CTLA-4, wurde in zwei kleinen, nicht kontrollierten Studien als Monotherapie20 bzw. in Kombination mit subtotaler lokal ablativer Therapie21 bei Patienten mit fortgeschrittenem HCC getestet. Die Rate des radiologischen Ansprechens lag bei 18 bzw. 26 % ; das mediane Gesamt&uuml;berleben betrug 8,2 bzw. 12,3 Monate.<sup>20, 21</sup><br />Nivolumab, ein weiterer Checkpoint-Inhibitor (monoklonaler Antik&ouml;rper gegen PD-1), wird zurzeit in der Phase-I/II-Studie CheckMate 040 bei Patienten mit fortgeschrittenem HCC getestet. Pr&auml;limin&auml;re Daten zeigten bei 42 der 262 eingeschlossenen Patienten (16 % ) ein objektives radiologisches Ansprechen, wobei 5 Patienten (2 % ) sogar eine komplette Remission erreichten; die mediane Dauer des Ansprechens lag bei 17 Monaten. &Uuml;berlebensdaten waren zur Phase I vorliegend und ergaben ein medianes Gesamt&uuml;berleben von etwa 15 Monaten.<sup>22</sup><br />Die Anti-PD-1-Strategie wird derzeit in zwei Phase-III-Studien in Form von Nivolumab (NCT02576509) in der Erstlinie und in Form von Pembrolizumab (NCT02702401) als Zweitlinientherapie getestet (Tab. 1).</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Jatros_Onko_1704_Weblinks_s73.jpg" alt="" width="1419" height="1178" /></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Bruix J et al: Evidence-based diagnosis, staging, and treatment of patients with hepatocellular carcinoma. Gastroenterology 2016; 150(4): 835-53 <strong>2</strong> European Association for the Study of the Liver, European Organisation for Research and Treatment of Cancer: EASL-EORTC clinical practice guidelines: management of hepatocellular carcinoma. J Hepatol 2012; 56(4): 908-43 <strong>3</strong> Llovet JM et al: Sorafenib in advanced hepatocellular carcinoma. N Engl J Med 2008; 359(4): 378-90 <strong>4</strong> Cheng AL et al: Efficacy and safety of sorafenib in patients in the Asia-Pacific region with advanced hepatocellular carcinoma: a phase III randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Oncol 2009; 10(1): 25-34 <strong>5</strong> Pinter M et al: Prognostic factors in patients with advanced hepatocellular carcinoma treated with sorafenib. Aliment Pharmacol Ther 2011; 34(8): 949-59 <strong>6</strong> Marrero JA et al: Observational registry of sorafenib use in clinical practice across Child-Pugh subgroups: The GIDEON study. J Hepatol 2016; 65(6): 1140-7 <strong>7</strong>&nbsp;Cainap C et al: Linifanib versus sorafenib in patients with advanced hepatocellular carcinoma: results of a randomized phase III trial. J Clin Oncol 2015; 33(2): 172-9 <strong>8</strong>&nbsp;Cheng AL et al: Sunitinib versus sorafenib in advanced hepatocellular cancer: results of a randomized phase III trial. J Clin Oncol 2013; 31(32): 4067-75 <strong>9</strong> Johnson PJ et al: Brivanib versus sorafenib as first-line therapy in patients with unresectable, advanced hepatocellular carcinoma: results from the randomized phase III BRISK-FL study. J&nbsp;Clin Oncol 2013; 31(28): 3517-24 <strong>10</strong> Zhu AX et al: SEARCH: a phase III, randomized, double-blind, placebo-controlled trial of sorafenib plus erlotinib in patients with advanced hepatocellular carcinoma. J Clin Oncol 2015; 33(6): 559-66 <strong>11</strong> Ikeda K, Kudo M, Kawazoe S et al: Phase 2 study of lenvatinib in patients with advanced hepatocellular carcinoma. J Gastroenterol 2016; DOI: 10.1007/s00535-016-1263-4 [Epub ahead of print] <strong>12</strong> Llovet JM et al: Brivanib in patients with advanced hepatocellular carcinoma who were intolerant to sorafenib or for whom sorafenib failed: results from the randomized phase III BRISK-PS study. J Clin Oncol 2013; 31(28): 3509-16 <strong>13</strong> Zhu AX et al: Effect of everolimus on survival in advanced hepatocellular carcinoma after failure of sorafenib: the EVOLVE-1 randomized clinical trial. JAMA 2014; 312(1): 57-67 <strong>14</strong> Zhu AX et al: Ramucirumab versus placebo as second-line treatment in patients with advanced hepatocellular carcinoma following first-line therapy with sorafenib (REACH): a randomised, double-blind, multicentre, phase 3 trial. Lancet Oncol 2015; 16(7): 859-70 <strong>15</strong> Abou-Alfa GK et al: Phase III randomized study of second line ADI-peg 20 (A) plus best supportive care versus placebo (P) plus best supportive care in patients (pts) with advanced hepatocellular carcinoma (HCC). J Clin Oncol 2016; 34: 4017 <strong>16</strong>&nbsp;Bruix J et al: Regorafenib for patients with hepatocellular carcinoma who progressed on sorafenib treatment (RESORCE): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet 2017; 389(10064): 56-66 <strong>17</strong>&nbsp;Santoro A et al: Tivantinib for second-line treatment of advanced hepatocellular carcinoma: a randomised, placebo-controlled phase 2 study. Lancet Oncol 2013; 14(1): 55-63 <strong>18</strong> Hato T et al: Immune checkpoint blockade in hepatocellular carcinoma: current progress and future directions. Hepatology 2014; 60(5): 1776-82 <strong>19</strong> Heo J et al: Randomized dose-finding clinical trial of oncolytic immunotherapeutic vaccinia JX-594 in liver cancer. Nat Med 2013; 19(3): 329-36 <strong>20</strong> Sangro B et al: A clinical trial of CTLA-4 blockade with tremelimumab in patients with hepatocellular carcinoma and chronic hepatitis C. J Hepatol 2013; 59(1): 81-8 <strong>21</strong> Duffy AG et al: Tremelimumab in combination with ablation in patients with advanced hepatocellular carcinoma. J Hepatol 2017; 66(3): 545-551 <strong>22</strong> Melero I, Sangro B, Yau T et al: Nivolumab (pivo) in patients (pts) with advanced hepatocellular carcinoma (HCC): the CheckMate 040 study. Hepatology 2016; 64(Suppl 1): Abstract #LB-10</p> </div> </p>
Back to top