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News vom EAU 2017 aus London
Leading Opinions
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31.05.2017
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<p class="article-intro">Bei der diesjährigen Jahresversammlung der European Association of Urology (EAU) wurde in London, während Grossbritannien den Brexit verkündete, mit etwa 13 000 Teilnehmern auf europäischer und internationaler Ebene über Erfolge und Herausforderungen in der Urologie diskutiert. Im Folgenden Ergebnisse einiger interessanter Studien, die bei diesem Kongress – dem grössten europäischen zur Urologie – präsentiert worden sind.</p>
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<p class="article-content"><p>Die Entscheidung betreffend Antitumortherapie bei niedrigem Progressionsrisiko wurde bisher weitestgehend vom PSA-Wert und einer TRUS-Biopsie gesteuert. Um unnötige Biopsien zu vermeiden, wird der Wert der multiparametrischen MRT (mpMRT) diskutiert.</p> <h2>MRT ist beim Prostatakarzinom sichere Alternative zur Biopsie</h2> <p>Giovanni Barchetti, Rom/Italien, und Kollegen fokussierten auf den negativen prädiktiven Wert der Bildgebung mit mpMRT.<sup>1</sup> Von den 1053 Patienten, die zwischen Januar 2010 und November 2014 im MRT als Prostatakarzinom-negativ begutachtet worden waren, erhielten 304 eine TRUS-Biopsie und 749 keine Biopsie. Nach einer Nachbeobachtungszeit von wenigstens 2 Jahren erwiesen sich 10 der biopsierten Patienten und 18 der nicht biopsierten Patienten als falsch negativ interpretiert. Der negative prädiktive Wert der mpMRT betrug somit 96,7 % bzw. 97,3 % . Die TRUS-Biopsie könne bei Patienten mit negativem MRT sicher weggelassen werden, argumentieren die Autoren, da die Wahrscheinlichkeit einer übersehenen signifikanten Erkrankung bei nur 3 % liege und weitere Untersuchungen ein vernachlässigbar kleines Risiko für eine Metastasierung gezeigt hätten.<br /> Zu ähnlichen Ergebnissen kam die holländische Gruppe um Arnout Alberts, Rotterdam/ Niederlande.<sup>2</sup> Sie untersuchten 177 Patienten mittels TRUS-Biopsie mit 6 Stanzzylindern und 158 Patienten zuerst mittels MRT gefolgt von einer TRUS-Biopsie sie mit 12 Stanzzylindern. Wurden in der Bildgebung verdächtige Bereiche entdeckt, erfolgten MRT-gerichtete Biopsien. Es wurden mit 6 und mit 12 Stanzzylindern sowie mit der MRT-gerichteten Biopsie gleich viele Hochrisikotumoren entdeckt. Allerdings musste bei 70 % der mit der MRT untersuchten Männer gar keine Biopsie vorgenommen werden, da keine auffälligen Bereiche vorlagen. Zudem wurde die Anzahl überdiagnostizierter Männer mit nicht aggressiven Tumoren um die Hälfte reduziert. Demnach wäre die MRT eine für den Patienten angenehmere und doch sichere Alternative zur standardmässig durchgeführten Biopsie.</p> <h2>Kognitive Nebenwirkungen der Androgendeprivationstherapie</h2> <p>Mehr Augenmerk sollte auf bisher wenig beachtete Nebenwirkungen der Androgendeprivationstherapie (ADT), wie z.B. auf die kognitiven Funktionen, gelegt werden, so die Meinung von James Green und Kollegen, London/UK. Sie verglichen die kognitiven Fähigkeiten von 20 Prostatakarzinompatienten mit denen von 50 gesunden Männern im gleichen Alter anhand eines virtuellen Computerspiels, bei dem die Probanden die Rolle von Büroassistenten mit bestimmten Aufgaben erfüllen mussten.<sup>3</sup> Im Ergebnis zeigten die Prostatakarzinompatienten unter ADT ein signifikant schlechteres Vermögen für die aktionsbasierte, ereignisbasierte und zeitbasierte Erinnerung sowie für selektives Denken. Auch in allen anderen kognitiven Funktionen fiel das Ergebnis der ADTGruppe schlechter aus, allerdings nicht mit statistischer Signifikanz. Die kognitiven Störungen unter ADT sollten weiter untersucht werden, um mit Gegenmassnahmen die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, so die Autoren.</p> <h2>Perioperative Therapie bei Patienten mit Harnblasenkarzinom</h2> <p>Obwohl die (neo)adjuvante Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Harnblasenkarzinom in verschiedenen Untersuchungen einen Überlebensvorteil zeigen konnte, ist die Evidenz nicht unumstritten. Zudem gibt es strategische Wissenslücken, z.B. ob eine neoadjuvante Therapie bei allen Patienten oder besser eine adjuvante Therapie entsprechend dem pathologischen Befund nach radikaler Zystektomie selektiv erfolgen sollte. Thomas Seisen und Kollegen, Boston/ USA, identifizierten in der National Cancer Database 10 056 Patienten, die sich in den Jahren 2003–2011 einer radikalen Zystektomie im Stadium cT2-T4N0M0 unterzogen hatten.<sup>4</sup> 83 % dieser Patienten hatten eine selektive adjuvante Therapie und 17 % eine allgemeine neoadjuvante Therapie erhalten. Im Ergebnis wurde mit der selektiven adjuvanten Therapie ein um fast 10 Monate verlängertes medianes Gesamtüberleben verglichen mit der allgemeinen neoadjuvanten Therapie erreicht (42,02 vs. 33,71 Monate; p=0,001) (Abb. 1). Die 5-Jahres-Überlebensrate betrug 42,98 % versus 37,45 % . Die Hypothese der Therapieoptimierung durch die selektive adjuvante Strategie sollte in randomisierten kontrollierten Studien geprüft werden, so die Autoren.<br /> Eine retrospektive Analyse von 8732 Patienten mit Harnblasenkarzinom in Stadium cT2N0M0-cT4aN0M0 und sehr gutem Allgemeinzustand, die zwischen 2004 und 2012 einer radikalen Zystektomie zugeführt worden waren, konnte den Vorteil einer neoadjuvanten Behandlung im realen Praxisalltag per se nicht bestätigen.<sup>5</sup> 19 % der von Nawar Hanna und Kollegen, Boston/USA, in der National Cancer Database identifizierten Patienten hatten eine neoadjuvante Therapie erhalten. Verglichen mit der randomisierten Studie SWOG-8710, die den positiven Effekt einer neoadjuvanten Therapie beim Harnblasenkarzinom zeigte, waren in der National Cancer Database registrierte Patienten älter, häufiger Frauen und häufiger in einem höheren klinischen Stadium. Es wurde – nach Adjustierung auf das Bias langzeitüberlebender Patienten – kein klarer Überlebensvorteil bei Gabe von neoadjuvanter Therapie gesehen (HR: 0,97). Die erste Aussage der Studie sei, dass wichtige Unterschiede zwischen Patienten in klinischen Studien und der allgemeinen urologischen Praxis bestünden, sagte Hanna. Nach Adjustierung der Ergebnisse konnte kein Überlebensvorteil durch eine neoadjuvante Therapie für alle Patienten klar gezeigt werden. Daher solle die Identifizierung von Patienten, die von einer neoadjuvanten Therapie profitieren, weiter vorangetrieben werden.<br /> Die Fragestellung zur (neo)adjuvanten Therapie beim fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom wird komplexer. Nicht nur die Immuntherapie wird in diesem Setting zu untersuchen sein. Die Einteilung des Harnblasenkarzinoms in vier molekulare Subtypen wirft bereits neue Fragen auf. Eine chinesische Untersuchung zeigte beispielsweise einen signifikanten Überlebensvorteil durch eine Cisplatinhaltige neoadjuvante Chemotherapie für Patienten mit luminalen Tumoren (HR: 0,38; p=0,001), nicht aber für Patienten mit Tumoren vom basalen Typus (HR: 0,94; p=0,874).<sup>6</sup></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Leading Opinions_Onko_1703_Weblinks_lo_onko_1703_s25_abb1.jpg" alt="" width="1455" height="843" /></p> <h2>Neue Wege in der Behandlung des Nierenzellkarzinoms</h2> <p>Die einzige kurative Therapie beim Nierenzellkarzinom ist die partielle oder radikale Nephrektomie. Patienten mit Nierenzellkarzinom, für die Nephrektomie oder ablative Verfahren nicht geeignet sind, benötigen neue Therapiestrategien. Peter Aslan, Sydney/Australien, stellte Ergebnisse der ersten Studie zur SIRT («selective internal radiation therapy») bei Nierenzellkarzinompatienten vor.<sup>7</sup> Bei der SIRT werden radioaktive Kügelchen, sogenannte Mikrosphären, über eine Nierenarterie direkt in das gut durchblutete Tumorgewebe appliziert. Das in den Mikrosphären enthaltene Yttrium-90 strahlt mit hoher lokaler Wirkung über mehrere Tage hinweg in das Tumorgewebe. In der RESIRT- Studie wurde die SIRT bei insgesamt 21 Patienten in verschiedenen Dosierungen gegeben. Nach der SIRT wurden die Patienten über 12 Monate in regelmässigen Abständen kontrolliert. Primäre Endpunkte der Studie waren die Sicherheit und die Toxizität 30 Tage nach Applikation. Die sekundären Studienendpunkte enthielten die Sicherheit und die Toxizität zu anderen Zeitpunkten, die renale Funktion und das Tumoransprechen.<br /> Zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses waren die Patienten durchschnittlich 75 Jahre alt, nahezu ein Viertel war im CKDStadium 1, ein Fünftel im Stadium 2 und mehr als die Hälfte der Patienten im Stadium 3. Die mediane Nachbeobachtungszeit bei Auswertung der präsentierten Daten betrug 12,0 Monate. 14 Patienten hatten die 12 Monate Nachbeobachtungszeit komplettiert, 5 verstarben vor Studienende, ein Patient zog nach 9 Monaten Nachbeobachtungszeit seine Einwilligung zurück und ein weiterer war bei Auswertung noch in der Studie.<br /> Während der ersten 30 Tage nach der SIRT berichteten 85,7 % der Patienten von Nebenwirkungen. Nebenwirkungen, die der SIRT zugeordnet wurden, waren alle von Grad 1–2 und klinisch nicht relevant. Während der 12-monatigen Nachbeobachtungszeit wurde bei allen 21 Patienten von Nebenwirkungen berichtet, bei fünf Patienten auch von wenigstens Grad 3 und bei ebenfalls fünf Patienten von Grad 5. Keine der schweren Nebenwirkungen und keines der Grad-≥3-Ereignisse wurde mit der SIRT assoziiert. Auch in Bezug auf die renale Funktion erwies sich die SIRT als sicher, sogar bei Patienten mit grenzwertiger Nierenfunktion. Das beste renale Tumoransprechen waren eine partielle Remission bei 2/20 Patienten (10 % ) sowie eine stabile Erkrankung bei 17/20 Patienten (85 % ) und ein Pseudoprogress, der sich später als stabile Erkrankung erwies.<br /> In dieser Pilotstudie habe sich die SIRT mit Y-90-Mikrosphären in allen Dosierungen als machbare Therapieoption für Nierenzellkarzinompatienten gezeigt, die für eine konventionelle Therapie nicht geeignet sind, so das Fazit der Autoren.</p> <h2>HPV-Impfung von Mädchen schützt auch Buben – aber nicht alle</h2> <p>Es gibt mehr als 100 verschiedene Typen des humanen Papillomavirus (HPV). Die genitale HPV-Infektion ist eine häufige sexuell übertragene Erkrankung, die weltweit für etwa eine halbe Million Krebsfälle und eine Viertelmillion Krebstodesfälle verantwortlich ist. Dies betreffe aber nicht nur das Zervixkarzinom. Auch 50 % der Peniskarzinome, 80–85 % der analen und 36 % der oropharyngealen Karzinome würden durch HPV induziert, erklärte Nuria Martinez-Alier, London, den erweiterten Nutzen einer HPV-Impfung auch bei Buben.<sup>8</sup> Die Vakzinierung der weiblichen Bevölkerung könne über die Herdenimmunität auch heterosexuelle Buben und Männer schützen, nicht aber homo- oder bisexuelle Männer. Daher sollte die HPV-Impfung auch auf Buben ausgeweitet werden. Wenn auch die meisten Karzinome durch die HPV-Typen 16 und 18 induziert würden, so könnten mit dem 9-valenten Impfstoff zusätzlich ca. 14 % der HPV-assoziierten Karzinome und 15 % der Zervixkarzinome bei Frauen sowie 4 % der Karzinome bei Männern verhindert werden (Abb. 2). Die ACIP (Advisory Committee on Immunization Practices) empfiehlt daher die Impfung mit dem 9-valenten Impfstoff bei beiden Geschlechtern: mit zwei Dosen bei unter 15-Jährigen, mit drei Dosen bei über 15-Jährigen.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Leading Opinions_Onko_1703_Weblinks_lo_onko_1703_s26_abb2.jpg" alt="" width="1466" height="800" /></p></p>
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<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
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<p><strong>1</strong> Barchetti G et al: Evaluation of negative predictive value of multiparametric MRI for prostate cancer: retrospective analysis after 5 years of clinical experience. EAU 2017, Poster und Abstract #495 <strong>2</strong> Alberts A et al: Value of magnetic resonance imaging in population-based prostate cancer screening: comparison of 3 biopsy strategies in the 5th screening round on the ERSPC Rotterdam. EAU, Poster und Abstract #501 <strong>3</strong> G reen J e t a l: W hy h as h e changed so much? Exploring cognitive impairments in prostate cancer survivors on ADT using virtual reality testing. EAU 2017, Poster #945 <strong>4</strong> Seisen T et al: Comparative effectiveness of selective adjuvant versus systematic neoadjuvant chemotherapy-based strategy for muscle-invasive urothelial carcinoma of the bladder. EAU 2017, Poster und Abstract #173 <strong>5</strong> Hanna N et al: Is neoadjuvant chemotherapy beneficial before radical cystectomy? Examining the external validity of the SWOG-8710 trial. EAU 2017, Poster und Abstract #175 <strong>6</strong> Zhang R et al: The pathological and clinical response of the luminal and basal subtypes of muscel-invasive bladder cancer to neoadjuvant cisplatin-based chemotherapy and radical cystectomy depend on the immunohistochemical classification system. EAU 2017, Poster und Abstract #178 <strong>7</strong> Aslan P et al: Renal function after selective internal radiation therapy (SIRT) with yttrium-90 (Y-90) resin microspheres in patients with primary renal cell carcinoma (RCC): the RESIRT study. EAU 2017, Poster und Abstract #360 <strong>8</strong> Martinez- Alier N: What about boys? HPV vaccines. Vortrag im Rahmen des EAU 2017</p>
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