<p class="article-intro">Die American Society of Hematology (ASH) legt bei ihren Jahrestagungen Wert auf eine Ausgewogenheit zwischen Fortbildungen, präklinischer und klinischer Forschung sowie zwischen malignen und nicht malignen Erkrankungen. In der Sitzung zur Erstlinientherapie bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) wurden unter den Highlights zwei klinisch wichtige Studien zu bestehenden Wirkstrategien und bezüglich der primären Immunthrombozytopenie (ITP) erste Daten zu einem neuen Wirkmechanismus präsentiert.</p>
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<p class="article-content"><h2>Erstlinientherapie bei CLL-Patienten</h2> <p>In der dreiarmigen Studie ELEVATE TN wurde Acalabrutinib plus Obinutuzumab (Acalab-G) versus Acalabrutinib (Acalab) versus Obinutuzumab plus Chlorambucil (G-Cbl) bei insgesamt 535 therapienaiven CLL-Patienten geprüft.<sup>1</sup> Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich von Acalab-G mit G-Cbl. Nach Progress war der Wechsel in den Acalab-G-Arm erlaubt. Die Patienten waren im Median 70–71 Jahre alt und wurden über eine Dauer von 27,7 Monaten mit Acalab-G sowie mit Acalabrutinib-Monotherapie und über 5,6 Monate mit G-Clb behandelt. Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 28,3 Monaten wurde das Risiko für einen Progress im Vergleich von Acalab-G versus G-Clb um 90 % gesenkt (HR: 0,10; 95 % CI: 0,06–0,17; p<0,0001) (Abb. 1). Nach 24 Monaten lebten 93 % der Patienten im Acalab-G-Arm, 87 % im Acalabrutinib- Monotherapie-Arm und 47 % im G-Clb-Arm progressionsfrei. Ein Ansprechen zeigten 93,9 % versus 85,5 % versus 78,5 % der Patienten. 13 % der Patienten im Acalab-G-Arm erreichten ein komplettes Ansprechen (CR), während unter Acalab und G-Clb hauptsächlich partielle Remissionen beobachtet wurden (CR: 1 % bzw. 5 % ). Nebenwirkungen Grad ≥3 traten bei 70,2 % (Acalab-G) vs. 49,7 % (Acalab) vs. 69,8 % (G-Clb) der Patienten auf, klinisch relevante Nebenwirkungen bei 38,8 % vs. 31,8 % vs. 21,9 % der Patienten.</p>
<p class="article-intro">Die American Society of Hematology (ASH) legt bei ihren Jahrestagungen Wert auf eine Ausgewogenheit zwischen Fortbildungen, präklinischer und klinischer Forschung sowie zwischen malignen und nicht malignen Erkrankungen. In der Sitzung zur Erstlinientherapie bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) wurden unter den Highlights zwei klinisch wichtige Studien zu bestehenden Wirkstrategien und bezüglich der primären Immunthrombozytopenie (ITP) erste Daten zu einem neuen Wirkmechanismus präsentiert.</p>
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<p class="article-content"><h2>Erstlinientherapie bei CLL-Patienten</h2> <p>In der dreiarmigen Studie ELEVATE TN wurde Acalabrutinib plus Obinutuzumab (Acalab-G) versus Acalabrutinib (Acalab) versus Obinutuzumab plus Chlorambucil (G-Cbl) bei insgesamt 535 therapienaiven CLL-Patienten geprüft.<sup>1</sup> Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich von Acalab-G mit G-Cbl. Nach Progress war der Wechsel in den Acalab-G-Arm erlaubt. Die Patienten waren im Median 70–71 Jahre alt und wurden über eine Dauer von 27,7 Monaten mit Acalab-G sowie mit Acalabrutinib-Monotherapie und über 5,6 Monate mit G-Clb behandelt. Mit einer medianen Nachbeobachtungszeit von 28,3 Monaten wurde das Risiko für einen Progress im Vergleich von Acalab-G versus G-Clb um 90 % gesenkt (HR: 0,10; 95 % CI: 0,06–0,17; p<0,0001) (Abb. 1). Nach 24 Monaten lebten 93 % der Patienten im Acalab-G-Arm, 87 % im Acalabrutinib- Monotherapie-Arm und 47 % im G-Clb-Arm progressionsfrei. Ein Ansprechen zeigten 93,9 % versus 85,5 % versus 78,5 % der Patienten. 13 % der Patienten im Acalab-G-Arm erreichten ein komplettes Ansprechen (CR), während unter Acalab und G-Clb hauptsächlich partielle Remissionen beobachtet wurden (CR: 1 % bzw. 5 % ). Nebenwirkungen Grad ≥3 traten bei 70,2 % (Acalab-G) vs. 49,7 % (Acalab) vs. 69,8 % (G-Clb) der Patienten auf, klinisch relevante Nebenwirkungen bei 38,8 % vs. 31,8 % vs. 21,9 % der Patienten.</p> <p>In der Phase-III-Studie CLL14 erhielten je 216 ältere Patienten mit bis dahin unbehandelter CLL und koexistierender Morbidität Venetoclax/Obinutuzumab für 6 Zyklen gefolgt von 6 Zyklen Venetoclax oder 6 Zyklen Chlorambucil/Obinutuzumab gefolgt von 6 Zyklen Chlorambucil.<sup>2</sup> Die aktualisierten Ergebnisse mit einer Nachbeobachtungszeit von median 39,6 Monaten zeigten eine signifikante Risikoreduktion für einen Progress unter Venetoclax versus Chlorambucil um 69 % (HR: 0,31; 95 % CI: 0,22–0,44; p<0,0001). Für das Gesamtüberleben wurde mit jeweils 13 % Ereignissen weiterhin kein Unterschied zwischen den Studienarmen festgestellt (HR: 1,03; 95 % CI: 0,60–1,75; p=0,92). Eine höhere Rate an nicht detektierbarer minimaler Resterkrankung (MRD) wurde im Venetoclax- gegenüber dem Chlorambucil-Arm gesehen, welche auch nach Beendigung der Studienmedikation länger im experimentellen Arm anhielt. Die nicht detektierbare MRD war mit einem länger anhaltenden PFS assoziiert. Mehr als 90 % der Patienten mit nicht detektierbarer MRD zeigten anhaltende Remissionen auch 24 Monate nach Beendigung der Studienmedikation. Damit konnte der prognostische Wert der MRD in der CLL14-Studie auch für eine zielgerichtete Kombinationstherapie bestätigt werden.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2020_Jatros_Onko_2001_Weblinks_jat_onko_2001_s8_abb1_schmale.jpg" alt="" width="550" height="431" /></p> <h2>Studien zur primären Immunthrombozytopenie</h2> <p>Immunglobulin(Ig)G-Autoantikörper sind direkt in die Pathogenese der primären ITP involviert. Der neonatale Fc-Rezeptor (FcRn) schützt IgG vor dem Abbau, was FcRn zu einem guten therapeutischen Ziel von Autoimmunerkrankungen macht. Zwei Phase-II-Studien zu diesem neuen Wirkprinzip mit Efgartigimod bzw. Rozanolixizumab wurden beim ASH-Meeting präsentiert.<br /> Efgartigimod ist ein humanes IgG1-Fc- Fragment, welches FcRN blockiert und damit zur Eliminierung von IgG beiträgt. In einer dreiarmigen Phase-II-Studie wurde Efgartigimod in zwei Dosierungen placebokontrolliert bei 38 Erwachsenen mit primärer ITP eingesetzt.<sup>3</sup> Die Patienten waren in den drei Studienarmen zwischen median 38,5 und 46,0 Jahren alt. Etwa drei Viertel der Patienten befanden sich in einem chronischen Status (>12 Monate), mit einer medianen Erkrankungsdauer von 3,5 bis 5,4 Jahren. Beobachtet wurden eine konsistente IgG-Reduktion und ein leichter, aber klinisch relevanter Anstieg der Plättchenzahl über alle mit Efartigimod behandelten Patientengruppen. Autoantikörper wurden bei allen Patienten identifiziert und bei den meisten Patienten unter Efgartigimod reduziert. Das Ansprechen blieb konsistent über die Studienzeit erhalten. Bezüglich der Sicherheit wurden Kopfschmerzen berichtet, die schnell zurückgingen. In einem Phase-III-Studienprogramm werden mehr Patienten mit einer längeren Therapiedauer geprüft.<br /> Subkutanes Rozanolixizumab, ein Anti- FcRn-Antikörper, wurde in einer Phase-II-Studie zur Reduktion von IgG-Autoantikörpern bei Patienten mit chronischer primärer ITP untersucht.<sup>4</sup> Es wurden 66 Patienten mit einem medianen Alter von 54 Jahren in die Dosisfindungsstudie eingeschlossen. Im Median dauerte die Erkrankung der Patienten bereits seit 5,8 Jahren an und mehr als die Hälfte der Patienten hatte eine vorhergehende ITP-Therapie erhalten. Rozanolixizumab wurde insgesamt in allen Dosierungen gut vertragen. Es wurden keine Therapieabbrüche oder Todesfälle aufgrund von Nebenwirkungen berichtet. Am häufigsten traten als Nebenwirkungen Kopfschmerzen und gastrointestinale Störungen auf. Mit einer einzigen Anwendung wurde bei 55–67 % der Patienten ein Ansprechen erreicht. Die höchsten Ansprechraten wurden unter den höheren Dosierungen von 15 und 20mg/kg beobachtet. Das Ansprechen erfolgte früh, innerhalb von 8 Tagen. Mit den Ergebnissen der Dosisfindungsstudie wurde die Rationale für die Durchführung einer Phase-III-Studie mit Rozanolixizumab gelegt.</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: 61. ASH Annual Meeting & Exposition, 7.–10. Dezember
2019, Orlando
</p>
<p class="article-footer">
<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
<div class="collapse" id="collapseLiteratur">
<p><strong>1</strong> Sharman JP et al.: ASH 2019, Abstr. #31 <strong>2</strong> Fischer K et al.: ASH 2019, Abstr. #36 <strong>3</strong> Newland A et al.: ASH 2019, Abstr. #895 <strong>4</strong> Robak T et al.: ASH 2019, Abstr. #897</p>
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</p>