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Prostatakarzinom

Neue Kombinationsstrategien erweisen sich als „practice changing“

<p class="article-intro">Beim hormonsensitiven Prostatakarzinom (PCa) haben sich Kombinationen gegenüber einer antihormonellen Monotherapie als signifikant überlegen erwiesen und sich als neuer SOC („standard of care“) etabliert. Im kastrationsresistenten Setting konnte in zwei Phase-III-Studien durch neue Therapieansätze das Auftreten von Metastasen signifikant hinausgezögert werden. Lediglich im Bereich der Immuntherapie stecken wir beim PCa noch in den Kinderschuhen und hoffen, dass sich auch hier Kombinationen als erfolgreich erweisen. Univ.-Prof. Dr. Michael Krainer, MUW, berichtet über die neuesten Kombinationsstudien.</p> <hr /> <p class="article-content"><p><strong>Welche effektiven Substanzen gab es bislang f&uuml;r die Therapie des Prostatakarzinoms?</strong></p> <p><strong>M. Krainer:</strong> Im Vergleich zu anderen Tumorentit&auml;ten ist die Therapie des PCa ziemlich komplex. Das PCa wurde bereits in den 1940er-Jahren systemisch behandelbar<sup>1</sup> und durch die Androgendeprivationstherapie (ADT) kann immerhin bei &gt;90 % der hormonsensitiven Patienten eine Remission erzielt werden. Grunds&auml;tzlich muss in fortgeschrittenen Stadien immer zwischen hormonsensitiv und kastrationsresistent unterschieden werden. Docetaxel war eine der ersten Substanzen, die bei kastrationsresistenten Patienten einen &Uuml;berlebensvorteil gezeigt haben.<sup>2</sup> Zudem ist es neben Cabacitaxel die einzige systemische Therapie, die versus einen aktiven Komparator, und zwar Mitoxantron, untersucht worden ist.<sup>2, 3</sup> Im Gegensatz dazu sind die neueren antihormonellen Therapien Abirateron (ABI) und Enzalutamid (ENZA) &ndash; diese setzen an einer anderen Zielstruktur am Hormonrezeptor an als die ADT &ndash; nur mit Placebo verglichen worden.<sup>4&ndash;7</sup></p> <p><strong>Welche neuen Kombinationstherapien wurden in den vergangenen Jahren in klinischen Studien gepr&uuml;ft? Gibt es Ergebnisse, die als &bdquo;practice changing&ldquo; zu bewerten sind?</strong></p> <p><strong>M. Krainer:</strong> Neu ist die Erkenntnis, dass Docetaxel auch beim hormonsensitiven PCa wirksam ist und die Wirksamkeit der ADT verbessert. Dazu wurde die Studie CHAARTED<sup>8</sup> durchgef&uuml;hrt, in der der Zusatz von Docetaxel zur ADT vs. ADT-Monotherapie untersucht wurde. Dabei konnte unter der Kombination eine signifikante Verl&auml;ngerung des Gesamt&uuml;berlebens (OS) von 13,6 Monaten (57,6 vs. 44,0 Monate) erzielt werden. Dieser Benefit im prim&auml;ren Endpunkt der Studie war bei Patienten mit High-Volume-Tumoren besonders ausgepr&auml;gt (49,2 vs. 32,2 Monate; Abb. 1).<sup>8</sup> Diese Ergebnisse sind definitiv als &bdquo;practice changing&ldquo; zu werten.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2018_Jatros_Onko_1806_Weblinks_jatros_onko_1806_s31_abb1.jpg" alt="" width="1455" height="932" /></p> <p><strong>Gibt es noch weitere Daten zu Kombinationsstrategien, die erw&auml;hnenswert sind?</strong></p> <p><strong>M. Krainer:</strong> In der Studie LATITUDE9 wurde die Kombination von ABI + Prednison + ADT mit der alleinigen ADT hinsichtlich des radiografisch progressionsfreien &Uuml;berlebens und des OS im kastrationssensitiven Setting verglichen. In diesem koprim&auml;ren Endpunkt war die &Uuml;berlegenheit der Kombinationsstrategie signifikant (beide p-Werte &lt;0,001) und auch in den sekund&auml;ren Endpunkten wurden im ABI-haltigen Arm signifikant bessere Outcomes erzielt.<sup>9</sup><br /> Aktuell wissen wir nicht, welche Strategie &ndash; Docetaxel + ADT bzw. ABI + ADT &ndash; wirklich besser ist. Wir verf&uuml;gen nur &uuml;ber eine Subgruppenanalyse zum direkten Vergleich der beiden Kombinationen der Studie STAMPEDE<sup>10</sup>, in der keine Evidenz f&uuml;r einen Unterschied hinsichtlich der Outcomes nachgewiesen werden konnte.<sup>10</sup></p> <p><strong>Nach welchen Kriterien sollte demnach die Therapieentscheidung getroffen werden?</strong></p> <p><strong>M. Krainer:</strong> Die Entscheidung sollte unbedingt individuell getroffen werden &ndash; beide Optionen haben Vor- und Nachteile und es bestehen nat&uuml;rlich Unterschiede bez&uuml;glich Kosten, Zeitaufwand und Nebenwirkungsprofilen der Therapien. Diese muss man gegeneinander abw&auml;gen. W&auml;hrend die Chemotherapie zeitlich begrenzt ist, ist ABI als orale Dauertherapie vorgesehen. Alle Faktoren m&uuml;ssen mit dem Patienten eingehend besprochen werden, die Patientenpr&auml;ferenz spielt eine relevante Rolle bei der Therapieentscheidung.</p> <p><strong>Die Kombinationsstrategien, &uuml;ber die wir bisher gesprochen haben, betreffen das hormonsensitive Setting. Gibt es auch rezente Studien, in denen die neueren antihormonellen Therapien bei Patienten mit hormonrefrakt&auml;ren PCa untersucht worden sind?</strong></p> <p><strong>M. Krainer:</strong> Ja, und zwar wurden zwei Phase-III-Studien bei Hochrisikopatienten im kastrationsresistenten Setting durchgef&uuml;hrt, deren Ergebnisse als &bdquo;practice changing&ldquo; gelten. Die Medizinische Universit&auml;t Wien hat an beiden Studien teilgenommen. In der Studie PROSPER<sup>11</sup> konnte durch die Gabe von ENZA vs. Placebo das metastasenfreie &Uuml;berleben signifikant verl&auml;ngert und das Erfordernis der Verabreichung einer anschlie&szlig;enden antineoplastischen Therapie signifikant hinausgez&ouml;gert werden.<sup>11</sup> In SPARTAN<sup>12</sup> wurde der kompetitive Inhibitor des Androgenrezeptors Apalutamid im nicht metastasierten, kastrationsresistenten Setting vs. Placebo untersucht. Auch in dieser Studie war die Zeitspanne bis zum Auftreten von Metastasen, die als prim&auml;rer Endpunkt definiert war, im Pr&uuml;farm signifikant l&auml;nger (40,5 vs. 16,2 Monate; HR: 0,28; p&lt;0,001). Au&szlig;erdem konnte durch Apalutamid das Auftreten einer symptomatischen Progression signifikant hinausgez&ouml;gert werden.<sup>12</sup> Eine Zulassung dieser neuen Substanz durch die EMA (European Medicines Agency) ist f&uuml;r 2019 zu erwarten.</p> <p><strong>Wie sieht es bez&uuml;glich der Einf&uuml;hrung von zielgerichteten Substanzen beim PCa aus?</strong></p> <p><strong>M. Krainer:</strong> K&uuml;rzlich wurde eine internationale multizentrische Phase-IIStudie mit einem PARP-Inhibitor (NCT03148795) initiiert, bei der ich als Principal Investigator fungiere. Circa 20&ndash;25 % der PCa-Patienten weisen eine Mutation im BRCA-Pathway auf. Wir screenen alle Patienten auf das Vorliegen solcher Mutationen und bei Nachweis von Defekten im DNA-Reparaturmechanismus wird den betroffenen Patienten die Teilnahme an dieser Studie angeboten. Patienten im metastasierten kastrationsresistenten Setting k&ouml;nnen eingeschlossen werden. Zu den weiteren Einschlusskriterien z&auml;hlen der vorangegangene Erhalt einer Taxan-basierten Chemotherapie und eine Vortherapie mit ABI + Prednison und/oder ENZA.</p> <p><strong>Welche innovativen, vielversprechenden Substanzen werden zurzeit noch gepr&uuml;ft?</strong></p> <p><strong>M. Krainer:</strong> Nach wie vor ist unklar, inwiefern Zellvakzinen beim PCa tats&auml;chlich effektiv sind. F&uuml;r Sipuleucel-T hat die EMA im Mai 2015 die Zulassung zur&uuml;ckgezogen.<sup>13</sup> Nun wurde unter unserer sehr aktiven Teilnahme eine Phase-III-Studie (NCT02111577) mit einer weiteren dendritischen Zellvakzine durchgef&uuml;hrt, die eine Weiterentwicklung von Sipuleucel-T darstellt. Dabei wurde die Substanz an 1182 PCa-Patienten im metastasierten kastrationsresistenten Stadium vs. SOC untersucht. Die Rekrutierung ist bereits abgeschlossen, die Ergebnisse werden zurzeit ausgewertet und am ASCO-Kongress 2019 pr&auml;sentiert. Erst dann wird sich entscheiden, ob sich dendritische Zellvakzinen beim PCa etablieren k&ouml;nnen.</p> <p><strong>Die Immuntherapie hat ja bei einigen Tumorentit&auml;ten schon einen &bdquo;Breakthrough&ldquo; erzielt. Inwieweit ist die Untersuchung von Checkpoint-Inhibitoren (CPI) beim PCa vorangeschritten?</strong></p> <p><strong>M. Krainer:</strong> Die erste gro&szlig;e internationale Phase-III-Studie wurde unter unserer Teilnahme mit Ipilimumab durchgef&uuml;hrt, sie war leider negativ. Bei asymptomatischen oder minimal symptomatischen chemotherapienaiven Patienten im metastasierten Stadium konnte keine signifikante, klinisch relevante Verl&auml;ngerung des OS nachgewiesen werden.<sup>14</sup> Angesichts der Tatsache, dass es sich beim PCa um eine sehr immunogene Tumorentit&auml;t handelt, waren diese Ergebnisse sehr entt&auml;uschend und haben uns in der Entwicklung von CPI beim PCa ziemlich zur&uuml;ckgeworfen. Wir erhoffen uns, dass sich Kombinationen bestehend aus CPI und den neueren Inhibitoren des Androgenrezeptor- Signalwegs als Erfolg versprechend erweisen.</p> <p><br /><em><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch!</strong></em></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Huggins C , Hodges CV: Cancer Res 1941; 1: 293-297 <strong>2</strong> Tanock IF et al.: N Engl J Med 2004; 351: 1502-1512 <strong>3</strong> De Bono JS et al.: Lancet 2010; 376: 1147-1154 <strong>4</strong> Ryan CJ et al.: Lancet Oncol 2015; 16: 152-160 <strong>5</strong> Beer TM et al.: N Engl J Med 2014; 371: 424-433 <strong>6</strong> Fizazi K et al.: Lancet Oncol 2012; 13: 983-992 <strong>7</strong> Scher HI et al.: N Engl J Med 2012; 367: 1187-1197 <strong>8</strong> Sweeney C J et al.: N Engl J Med 2015; 373: 737-746 <strong>9</strong> Fizazi K et al.: N Engl J Med 2017; 377: 352- 360 <strong>10</strong> Sydes MR et al.: Ann Oncol 2018; 29: 1235-1248 <strong>11</strong> Hussain M et al.: N Engl J Med 2018; 378: 2465-2474 <strong>12</strong> Smith MR et al.: N Engl J Med 2018; 378: 1408-1418 <strong>13</strong> https://www.ema.europa.eu/documents/public-state ment/public-statement-provenge-withdrawal-marketingauthorisation- european-union_en.pdf (Zugriff: 23. Oktober 2018) <strong>14</strong> Beer TM et al.: J Clin Oncol 2017; 35: 40-47</p> </div> </p>
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