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MikroRNAs als prognostische Biomarker beim malignen Pleuramesotheliom

<p class="article-intro">Eine Prognosestellung bei Patienten mit malignem Pleuramesotheliom ist nach wie vor schwierig. Die Suche nach neuen, vor allem molekularen Biomarkern hat in den letzten Jahren einige mögliche Kandidaten identifiziert, zu denen auch mikroRNAs gehören. Im Rahmen der 17<sup>th</sup> World Conference on Lung Cancer (WCLC) im Dezember 2016 in Wien haben wir eine verbesserte Version einer kürzlich publizierten mikroRNA-Signatur (miR-Score) vorgestellt, mit deren Hilfe eine Prognosestellung sowohl anhand von chemonaïvem als auch chemobehandeltem Gewebe möglich scheint.</p> <p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Keypoints</h2> <ul> <li>Neue prognostische Biomarker f&uuml;r das MPM werden dringend ben&ouml;tigt.</li> <li>MikroRNAs zeigen grosses Potenzial als Biomarker und k&ouml;nnten bei MPM sowohl zu Diagnose- als auch Prognosezwecken dienlich sein.</li> <li>Der neu definierte &laquo;refined miRScore &raquo; zeigt ein vielversprechendes prognostisches Potenzial sowohl in chemona&iuml;ven als auch in chemobehandelten MPM-Tumorproben.</li> </ul> </div> <h2>Prognose bei MPM</h2> <p>Die Prognose f&uuml;r an malignem Pleuramesotheliom (MPM) erkrankte Patienten ist mit nur 12&ndash;18 Monaten medianem &Uuml;berleben<sup>12</sup> Welche Patienten dies sind, ist jedoch bisher nicht vorhersagbar. &Auml;hnlich verh&auml;lt es sich auch mit der Vorhersage, ob eine Tumorresektion mittels (erweiterter) Pleurektomie/Dekortikation ([e]P/D) oder extrapleuraler Pneumonektomie (EPP), die meist im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzeptes in Kombination mit Chemotherapie (neoadjuvant oder adjuvant) und eventuell zus&auml;tzlicher Bestrahlung erfolgt, erfolgreich sein wird. Auch bei diesem Behandlungsansatz variieren die Erfolgsrate und das &Uuml;berleben stark. Diese Unterschiede in der &Uuml;berlebensdauer zeigen deutlich, dass dringend Selektionskriterien ben&ouml;tigt werden, die es erlauben, diejenigen Patienten zu identifizieren, die am ehesten von der jeweiligen Behandlung profitieren. Gerade im Fall einer radikalen Operation k&ouml;nnten Selektionskriterien, die eine Aussage &uuml;ber die allgemeine Prognose erlauben, jenen Patienten mit schlechter Prognose den radikalen Eingriff ersparen.</p> <h2>Prognostische Marker im MPM</h2> <p>Obwohl wir wissen, dass Patienten mit epitheloidem MPM, j&uuml;ngerem Alter, gutem ECOG-Performancestatus sowie Frauen generell eine bessere Prognose haben, sind auch in diesen Untergruppen starke Unterschiede im &Uuml;berleben zu beobachten. <br /> Aus diesem Grund haben sich in den letzten Jahren verschiedene Studien mit der Identifizierung m&ouml;glicher neuer molekularer prognostischer Marker besch&auml;ftigt. So wurden z.B. die Proteine ERCC1, RRM1 und TS untersucht, allerdings mit widerspr&uuml;chlichen Ergebnissen.<sup>3&ndash;5</sup> Weitere Studien zeigten zudem, dass eine hohe Proteinexpression von Calretinin6 und PTEN<sup>7, 8</sup> sowie eine geringe Proteinexpression von pS6<sup>7, 9</sup> im Tumorgewebe m&ouml;glicherweise als prognostische Marker dienen k&ouml;nnten. Eine Validierung dieser Marker in unabh&auml;ngigen Kohorten wurde bisher jedoch nur im Fall von pS6 durchgef&uuml;hrt. Auch auf Ebene der Genexpression wurden verschiedene Expressionssignaturen mit prognostischem Potenzial identifiziert,<sup>10, 11</sup> jedoch variieren die Kompositionen der identifizierten Sets je nach untersuchter Kohorte recht stark, weshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch kein validiertes Genset f&uuml;r die Prognosestellung bei MPM zur Verf&uuml;gung steht.</p> <h2>MikroRNAs als prognostische Marker &ndash; miR-Score</h2> <p>Neben Proteinen und kodierenden Nukleins&auml;uren k&ouml;nnen auch nicht-kodierende Nukleins&auml;uren wie mikroRNAs als m&ouml;gliche Biomarker dienen. MikroRNAs sind gerade aufgrund ihrer hohen Stabilit&auml;t in Frischgewebe, Paraffinbl&ouml;cken sowie im Blut besonders gut als Biomarker geeignet. Beim MPM haben sich die meisten der bisher durchgef&uuml;hrten Studien auf die funktionelle Rolle der mikroRNAs im MPM sowie eine m&ouml;gliche Rolle als diagnostische Biomarker beschr&auml;nkt. Im Jahr 2010 wurden jedoch zwei Studien publiziert, die eine prognostische Rolle der Mengen an im Tumor exprimierter miR-29c-5p,<sup>12</sup> miR-17-5p und miR-30e-5p<sup>13</sup> vorgeschlagen haben.<br /> Die n&auml;chste Studie zur m&ouml;glichen prognostischen Rolle von mikroRNAs in Patienten, deren Behandlung einen operativen Eingriff (EPP oder P/D) beinhaltete, haben wir im Jahr 2014 in Sydney durchgef&uuml;hrt.<sup>14</sup> Untersuchungen an zum Zeitpunkt der EPP entnommenen Proben identifizierten eine aus 6 mikroRNAs bestehende prognostische Signatur, mit der die Vorhersage einer guten Prognose, d.h. eines &Uuml;berlebens f&uuml;r mindestens 20 Monate nach der OP, mit einer Pr&auml;zision von 92 % m&ouml;glich war. Eine erste Validierung in einer zweiten Serie von Patienten, die mittels palliativer P/D behandelt wurden, best&auml;tigte mit einer Pr&auml;zision von 72 % das prognostische Potenzial des sogenannten miR-Scores (Abb. 1).<sup>14</sup> Obwohl im Rahmen der in Sydney durchgef&uuml;hrten Studie keine signifikanten Unterschiede in der Expression der im miRScore enthaltenen mikroRNAs zwischen Tumoren mit und ohne Induktionschemotherapie identifiziert werden konnten, liess die geringe Anzahl an Patienten mit Induktionschemotherapie keine eindeutigen Aussagen zu einer m&ouml;glichen Beeinflussung der mikroRNA-Expression durch die Chemotherapie zu.<br /> Die momentan von uns in Z&uuml;rich durchgef&uuml;hrte Studie an einer unabh&auml;ngigen Patientenkohorte, bei der alle Patienten Induktionschemotherapie gefolgt von EPP erhalten haben, dient nun nicht nur der Validierung des prognostischen miR-Scores in den EPP-Proben, sondern vor allem auch der Untersuchung von dessen Anwendung in diagnostischen chemona&iuml;ven Proben und der genaueren Evaluierung m&ouml;glicher Effekte der Induktionschemotherapie auf die Expression der einzelnen mikroRNAs. Beim WCLC 2016 in Wien haben wir nun erste Daten f&uuml;r Pr&auml;- und Post-Chemotherapieproben von 34 Patienten gezeigt.<sup>15</sup> Bei diesen 34 Patienten erreichte der in Sydney identifizierte 6-mikroRNA-miR-Score jedoch lediglich eine Pr&auml;zision von 64 % in chemona&iuml;ven Proben und 56 % in den nach der Chemotherapie entnommenen EPPProben. Detailliertere Untersuchungen der mikroRNA-Expression vor und nach Chemotherapie zeigten uns jedoch, dass sich die Expressionslevel eines Grossteils der mikroRNAs durch die Chemotherapie &auml;nderten. Nur f&uuml;r wenige mikroRNAs, wie z.B. miR-30e-5p, blieb die Expression zumindest bei einem Grossteil der Patienten durch die Chemotherapie unbeeinflusst. Basierend auf diesen Beobachtungen haben wir, mit dem Ziel, einen neuen verbesserten und durch Chemotherapie unbeeinflussten Score zu entwickeln, ein erneutes statistisches Modeling an der Expression aller 6 mikroRNAs in den chemona&iuml;ven diagnostischen Proben durchgef&uuml;hrt. Dies f&uuml;hrte zur Identifizierung eines neuen, nun lediglich aus zwei mikroRNAs bestehenden &laquo;refined miRScore &raquo;. Dieser &laquo;refined miR-Score&raquo; aus miR-221-3p und miR-30e-5p erlaubte die Prognose eines guten Ansprechens (mehr als 20 Monate &Uuml;berleben nach OP) mit einer Pr&auml;zision von 77 % in chemona&iuml;ven diagnostischen Gewebeproben und 80 % in den Chemotherapie-behandelten EPPProben. Eine erste Validierung dieses neuen &laquo;refined miR-Score&raquo; in den chemona&iuml;ven Proben der Sydney-Studie zeigte eine Pr&auml;zision von 72 % in dieser Patientenserie (Abb. 2).<br /><br /> Nat&uuml;rlich bedarf der &laquo;refined miRScore &raquo; weiterer Validierung, die wir momentan an weiteren Pr&auml;- und Post-Chemotherapie- Proben durchf&uuml;hren. Zudem evaluieren wir die M&ouml;glichkeit, den &laquo;refined miR-Score&raquo; mit anderen prognostischen Markern, wie den allgemein bekannten klinischen Faktoren (Alter, histologischer Subtyp), aber auch mit experimentellen Markern, wie dem k&uuml;rzlich von unserer Arbeitsgruppe vorgeschlagenen &laquo;Multimodality Prognostic Score&raquo;,<sup>16</sup> bestehend aus histologischem Subtyp, Tumorvolumen, &laquo;C-reactive protein&raquo;- Gehalt im Blut und Ansprechen auf Chemotherapie (nach &laquo;modified RECIST&raquo;), zu kombinieren, um die Pr&auml;zision der Prognosevorhersage weiter zu erh&ouml;hen. Zudem evaluieren wir die M&ouml;glichkeit, ein Ansprechen auf die Chemotherapie basierend auf der Expression von mikroRNAs vorherzusagen, sowie die M&ouml;glichkeit der Messung der prognostischen mikroRNAs als nicht invasive Biomarker im Blutplasma.<br /><br /> Abschliessend l&auml;sst sich sagen, dass mikroRNAs nicht nur eine wichtige Rolle in der Regulierung zellul&auml;rer Prozesse und somit in der Entstehung von MPM spielen, sondern auch vielversprechende, beim MPM jedoch noch immer nicht ausreichend untersuchte potenzielle Biomarker darstellen, die uns sowohl bei der Diagnose als auch der Prognosestellung und eventuell auch bei der Vorhersage eines Ansprechens auf die Therapie behilflich sein k&ouml;nnten.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Leading Opinions_Onko_1701_Weblinks_s62_abb1.jpg" alt="" width="2187" height="870" /></p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2017_Leading Opinions_Onko_1701_Weblinks_s62_abb2.jpg" alt="" width="2187" height="865" /></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> van Meerbeeck JP et al: Malignant pleural mesothelioma: the standard of care and challenges for future management. Crit Rev Oncol Hematol 2011; 78(2): 92-111 <strong>2</strong> Vogelzang NJ et al: Phase III study of pemetrexed in combination with cisplatin versus cisplatin alone in patients with malignant pleural mesothelioma. J Clin Oncol 2003; 21(14): 2636-44 <strong>3</strong> Frischknecht L et al: Importance of excision repair cross-complementation group 1 and ribonucleotide reductase M1 as prognostic biomarkers in malignant pleural mesothelioma treated with platinumbased induction chemotherapy followed by surgery. J Thorac Cardiovasc Surg 2015; 149(6): 1539-46 <strong>4</strong> Righi L et al: Thymidylate synthase but not excision repair crosscomplementation group 1 tumor expression predicts outcome in patients with malignant pleural mesothelioma treated with pemetrexed-based chemotherapy. J Clin Oncol 2010; 28(9): 1534-9 <strong>5</strong> Zimling ZG et al: Low ERCC1 expression in malignant pleural mesotheliomas treated with cisplatin and vinorelbine predicts prolonged progressionfree survival. J Thorac Oncol 2012; 7(1): 249-56 <strong>6</strong> Kao SC et al: Low calretinin expression and high neutrophil-tolymphocyte ratio are poor prognostic factors in patients with malignant mesothelioma undergoing extrapleural pneumonectomy. J Thorac Oncol 2011; 6(11): 1923-9 <strong>7</strong> Bitanihirwe BK et al: pi3k/mtor signaling in mesothelioma patients treated with induction chemotherapy followed by extrapleural pneumonectomy. J Thorac Oncol 2014; 9(2): 239-47 <strong>8</strong> Opitz I et al: PTEN expression is a strong predictor of survival in mesothelioma patients. Eur J Cardiothorac Surg 2008; 33(3): 502-6 <strong>9</strong> Cedr&eacute;s S et al: Exploratory analysis of activation of PTEN-PI3K pathway and downstream proteins in malignant pleural mesothelioma (mpm). Lung Cancer 2012; 77(1): 192-8 <strong>10</strong> Gordon GJ et al: Four-gene expression ratio test for survival in patients undergoing surgery for mesothelioma. J Natl Cancer Inst 2009; 101(9): 678-86 <strong>11</strong> Pass H I et al: Gene expression profiles predict survival and progression of pleural mesothelioma. Clin Cancer Res 2004; 10(3): 849-59 <strong>12</strong> Pass HI et al: HSA-miR-29c* is linked to the prognosis of malignant pleural mesothelioma. Cancer Res 2010; 70(5): 1916-24 <strong>13</strong> Busacca S et al: MicroRNA signature of malignant mesothelioma with potential diagnostic and prognostic implications. Am J Respir Cell Mol Biol 2010; 42(3): 312-9 <strong>14</strong> Kirschner MB et al: miR-score: a novel 6-microRNA signature that predicts survival outcomes in patients with malignant pleural mesothelioma. Mol Oncol 2015; 9(3): 715-26 <strong>15</strong> Kirschner M et al: Refinement of the prognostic miR-score for use in diagnostic specimens from chemona&iuml;ve malignant pleural mesothelioma patients. J Thorac Oncol 2017; 12(1): s332 <strong>16</strong> Opitz I et al: A new prognostic score supporting treatment allocation for multimodality therapy for malignant pleural mesothelioma: a review of 12 years' experience. J Thorac Oncol 2015; 10(11): 1634-41</p> </div> </p>
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