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Krebs und Fertilität

Fortschritte in der Erhaltung der Fertilität

<p class="article-intro">Für junge Frauen mit Krebserkrankungen gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Fertilität unter der Therapie zu erhalten. Diese fassten Karen Lisa Smith, Clarisa Gracia, Anna Sokalska und Halle Moore im Rahmen der ASCO-Jahrestagung 2018 zusammen. </p> <hr /> <p class="article-content"><p>Die Therapie-induzierte Infertilit&auml;t ist bei &Uuml;berlebenden von Krebserkrankungen ein belastendes Problem, das h&auml;ufig mit Depression und verminderter Lebensqualit&auml;t einhergeht. Leitlinien empfehlen, die Patienten &uuml;ber die Risiken der Therapie-induzierten Infertilit&auml;t und die verschiedenen Optionen zu Erhaltung der Fertilit&auml;t sorgf&auml;ltig aufzukl&auml;ren.</p> <p>Derzeit werden assistierte Reproduktionstechniken (ART) als Goldstandard zur Erhaltung der Fertilit&auml;t bei Frauen mit Krebserkrankungen angesehen. Die Kryokonservierung eines Embryos kann Frauen nach der Pubert&auml;t angeboten werden, die einen festen Partner haben oder die Spendersamen akzeptieren. Die Erfolgsrate ist &auml;hnlich wie bei gesunden Paaren mit Infertilit&auml;t. In Deutschland d&uuml;rfen Embryonen aber nur in Ausnahmef&auml;llen eingefroren werden. Als Standard gilt derzeit die Kryokonservierung reifer Eizellen. Sie kann Frauen ohne Partner angeboten werden. Auch hier sind die Erfolgsraten &auml;hnlich wie in der Allgemeinbev&ouml;lkerung. Beide Verfahren erlauben eine genetische Testung vor der Implantation, um z.B. eine BRCA-Mutation zu erkennen. Bei beiden Verfahren ist eine ovarielle Stimulation erforderlich. Dies ben&ouml;tigt etwa 2 bis 3 Wochen und kann m&ouml;glicherweise die Krebstherapie verz&ouml;gern.</p> <p>Derzeit wird deshalb die In-vitro-Maturation (IVM) von unreifen Oozyten &uuml;berpr&uuml;ft, insbesondere f&uuml;r Frauen, die rasch eine gonadotoxische Behandlung ben&ouml;tigen oder die unter hormonsensitiven Tumoren leiden. Die Oozyten werden zwischen dem 8. und 10. Zyklustag entnommen und reifen in vitro. Allerdings sind bislang die Erfolgsraten relativ gering. Au&szlig;erdem ist wenig zum Risiko von Fehlbildungen und Entwicklungsst&ouml;rungen bei den Kindern bekannt.</p> <p>Eine weitere experimentelle Methode ist die Kryokonservierung von ovariellem Gewebe bei Patienten, deren Krebserkrankung sofort behandelt werden muss. Dies ist die einzige Option f&uuml;r M&auml;dchen vor der Pubert&auml;t. Die Erfolgsrate ist bislang unklar. Das Verfahren birgt allerdings das Risiko, dass bei Retransplantation des Gewebes erneut Krebszellen in den K&ouml;rper eingebracht werden.</p> <p>Obwohl der Wirkungsmechanismus unklar ist, gibt es evidenzbasierte Befunde f&uuml;r den Nutzen einer Ovarialsuppression mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-Agonisten zum Schutz der Ovarien w&auml;hrend der Chemotherapie, insbesondere bei Frauen mit Mammakarzinom. Dieses Vorgehen wird von den Leitlinien einiger Fachgesellschaften unterst&uuml;tzt, nicht jedoch vollst&auml;ndig von der ASCO. Fr&uuml;he Studien mit Gabe von GnRH-Agonisten w&auml;hrend der Chemotherapie zeigten in einem hohen Prozentsatz einen Erhalt der Ovarfunktion bei jungen Frauen mit Lymphom, Mammakarzinom und weiteren malignen Erkrankungen, auch bei Hochdosis-Chemotherapie mit Knochenmarktransplantation. Vorteile des Verfahrens sind niedrige Kosten und leichte Anwendbarkeit. Die Folgen einer Menopause k&ouml;nnen verhindert werden.</p> <p>Fazit: Die Behandler sollten beide Verfahren, also assistierte Reproduktionstechniken und die Suppression der ovariellen Funktion, mit ihren Patientinnen besprechen. Allerdings m&uuml;sste der Kenntnisstand der Onkologen zur Therapie-induzierten Infertilit&auml;t und zu den M&ouml;glichkeiten zum Erhalt der Fertilit&auml;t verbessert werden. Onkologen und Fertilit&auml;tsspezialisten sollten zusammen Strategien entwickeln, um interessierten Frauen den Zugang zu den Verfahren zu erleichtern.</p> <p><strong>Referenzen:</strong> <br />Smith KL: Integrating fertility preservation into care of the newly diagnosed young female patient with cancer. ASCO Annual Meeting 2018 Gracia C: New developments in reproductive endocrinology techniques for fertility preservation in young women with cancer. ASCO Annual Meeting 2018 Moore HCF: GnRH analogs for fertility preservation: what are the data? ASCO Annual Meeting 2018 Smith KL et al.: Advances in fertility preservation for young women with cancer. American Society of Clinical Oncology Educational Book 2018; 38: 27-37</p> <p>Bericht: Dr. Ine Schmale</p></p>
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