Altersanalyse bei DESTINY-Breast01-03; finales OS zu Sacituzumab Govitecan
Autor:
Univ.-Prof. Dr. Michael O. Seifert
Klinische Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie
Universitätsklinik für Frauenheilkunde
Medizinische Universität Wien
E-Mail: michael.seifert@meduniwien.ac.at , michael.seifert59@gmail.com
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Zum metastasierten Mammakarzinom wurden beim diesjährigen Kongress der American Society of Oncology wieder viele spannende Daten präsentiert. Die Highlights finden Sie im folgenden Artikel kurz und bündig zusammengefasst.
PALMIRA: welche Therapie nach Progress unter Palbociclib?
A. Llombart-Cussac, Arnau de Vilanova Hospital, Valencia, berichtete die Ergebnisse der PALMIRA-Studie, in welcher die Folgetherapie nach Progression unter Palbociclib bei Hormonrezeptor(HR)-positivem Brustkrebs untersucht wurde.1 198 Patientinnen, deren Erkrankung mindestens 24 Wochen unter Palbociclib stabil oder verbessert („clinical benefit“, CB) und danach progredient war oder die unter Palbociclib in der adjuvanten Phase nach mehr als 12 Monaten, aber nicht später als 12 Monate nach Absetzen der Medikation eine Progredienz zeigten, wurden 2:1 randomisiert. Sie erhielten in der Zweitlinie eine Kombination von Palbociclib mit einer endokrinen Therapie (136 Patientinnen, Fulvestrant oder Letrozol, je nach vorangegangener Therapie, P+ET-Gruppe) oder nur eine endokrine Therapie (62 Patientinnen, Fulvestrant oder Letrozol, ET-Gruppe.)
Das mittlere Alter betrug 59 Jahre (33–85), 61,1% zeigten einen ECOG(„Eastern Cooperative Oncology Group“)-Score von 0; 61,1% hatten viszerale Metastasen, und 89,9% erhielten einen Aromatasehemmer als Ersttherapie.
Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 8,7 Monaten und 155 PFS(progressionsfreies Überleben)-Ereignissen zeigte sich ein PFS von 4,2 Monaten (95% CI: 3,5–5,8) in der P+ET-Gruppe verglichen mit 3,6 Monaten (95% CI: 2,7–4,2) in der ET-Gruppe (HR: 0,8; 95% CI: 0,6–1,1, p=0,206), ohne Unterschiede in den Subgruppen. Das Gesamtüberleben (OS) unterschied sich in beiden Gruppen nicht. Die 6-monatige PFS-Rate betrug 40,9% und 28,6% für P+ET und ET.
Bei den 138 Patientinnen mit messbaren Läsionen zeigte sich kein Unterschied in der Gesamtansprechrate (ORR; 6,4% vs. 2,3%) sowie im klinischen Ansprechen (CBR; 33,0% vs. 29,5%) für P+ET und ET. Grad-3–4-Toxizitäten traten in der P+ET- Gruppe häufiger auf als in der ET-Gruppe (45,2% vs. 8,3%), aber keine therapiebedingten Todesfälle in beiden Kollektiven.
Finale OS-Analyse von TROPiCS-02: Sacituzumab Govitecan bei HR+ HER2– mBC
Sara M. Tolaney, Dana-Farber Cancer Institute, Boston, präsentierte die OS-Ergebnisse der TROPiCS-02-Studie für HR-positive, HER2-neu-negative Patientinnen mit Metastasierung. In der Studie wurde Sacituzumab Govitecan (SG) mit der Therapiewahl des behandelnden Arztes/der behandelnden Ärztin („treatment of physician’s choice“, TPC) verglichen.2 In den USA ist SG im Gegensatz zur EU bei HR-positiven, metastasierten Fällen zugelassen.
543 Patientinnen, die bereits ein Taxan, einen CDK4/6 Inhibitor und 2 bis 4 Linien (median 3) einer Chemotherapie erhalten hatten, erhielten 1:1 randomisiert entweder SG oder TPC bis zu Progression oder intolerabler Toxizität. 95% der Teilnehmerinnen hatten viszerale Metastasen. Primärer Endpunkt war das PFS, sekundäre Endpunkte das OS und Sicherheit.
Die OS-Raten zeigten kontinuierlich einen Vorteil für die SG-Gruppe. Sie betrugen für SG versus TPC 60,9% (54,8–66,4) und 47,1% (41,0–53,0) nach jeweils 12 Monaten (95% CI), 39,2% (33,4–45,0) und 31,7% (26,2–37,4) nach 18 Monaten und 25,6% (20,4–31,1) und 21,1% (16,3–26,3) nach 24 Monaten. Bei 92% der Patientinnen war der HER2-Status bekannt (HER2 IHC0: n=217; HER2-low: n=283). SG zeigte einen OS-Vorteil gegenüber TPC in den Gruppen HER2 IHC0 (median 13,6 vs. 10,8 Monate, HR: 0,86; 95% CI: 0,63–1,13) und HER2-low (median 15,4 vs. 11,5 Monate, HR: 0,74; 95% CI: 0,57–0,97).
Altersspezifische Analysen von DESTINY-Breast01, -02 und -03
Die Daten zu altersspezifischem Ansprechen und Nebenwirkungen (<65 vs. ≥65 Lebensjahre) von Trastuzumab Deruxtecan (T-DXd) der Studien DESTINY-Breast01, -02 und -03 trug Ian E. Krop vom Yale Cancer Center, New Haven, vor.3 DESTINY-Breast01 und DESTINY-Breast02 umfassten Patientinnen, die unter Trastuzumab Emtansin (T-DM1) progredient waren und danach mit T-DXd oder TPC behandelt wurden. In DESTINY-Breast03 erhielten Patientinnen mit Progression nach Trastuzumab und Taxan entweder T-DM1 oder T-DXd.
Bei Studienbeginn waren 44Patientinnen in DESTINY-Breast01 (23,9%), 85 in DESTINY-Breast02 (20,9%) und 49 in DESTINY-Breast03 (18,8%) älter als 65 Jahre, als sie T-DXd erhielten. In der gepoolten Analyse betrug die Gesamtdauer der Therapie in der Altersgruppe bis 65 Jahre 13,1 Monate (0,7–44,0) und über 76 Jahre 12,4 Monate (0,7–45,1). Das mediane OS und PFS und die Ansprechraten waren in beiden Altersgruppen vergleichbar (Tab. 1).
Die Nebenwirkungen Grad 3 und höher waren häufiger mit zunehmendem Alter (43,6 vs. 54,2%), ebenso die Anzahl der Dosisreduzierungen. In einer weiteren Analyse zeigten die wenigen Patientinnen über 75 Jahre (n=33) keine wesentlich anderen Nebenwirkungen als die Gruppe der über 65-Jährigen. Die Rate von interstitiellen Lungenerkrankungen war in der Gruppe unter 65 Lebensjahren seltener als über 65 Jahre (11,8 vs. 17,5%) und zudem in beiden Gruppen meist gering ausgeprägt.
X-7/7-Studie zu Capecitabin: fixe Dosierung vs.Standarddosierung
Von Qamar J. Khan vom University of Kansas Cancer Center, Kansas City, wurde die X-7/7-Studie vorgestellt. In ihr wurde das Standardschema von Capecitabin 1250mg/m2 zweimal täglich für 14 Tage gefolgt von einer Woche Pause verglichen mit einem anderen Schema: einer fixen Dosierung (FD) von Capecitabin mit 1500mg zweimal täglich für 7 Tage, danach 7 Tage Pause („7 days on, 7 days off“).4 Grund hierfür war die bekannt schlechte Tolerabilität und damit hohe Rate der Therapieabbrüche unter der Standarddosierung (SD).
153 Patientinnen mit Metastasierung mit beliebiger endokriner oder zytostatischer Vortherapie wurden 1:1 entweder mit der SD oder mit FD von Capecitabin behandelt. HER2-neu-positive Patientinnen konnten zusätzlich Trastuzumab erhalten. Der primäre Endpunkt war das 3-monatige PFS, sekundäre Endpunkte das PFS und das OS.
Die 3-monatige PFS-Rate betrug gleichermaßen 76% im FD-Arm und 76% im SD-Arm (HR: 1,01; 95% CI: 0,52–1,94; p=0,99). Das PFS nach 36 Monaten war 13,9 Monate für die FD und 14,6 Monate im Standardarm (HR für Progression oder Tod: 1,31; 95% CI: 0,56–1,15; p=0,24). Das OS nach 36 Monaten betrug 21,2 Monate für den FD-Arm und 19,6 Monate im Standardarm (HR für Tod: 0,80; 95% CI: 0,55–1,81; p=0,27).
Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen wurden bei 21 Patientinnen (28,8%) im Standardarm und bei 6 Patientinnen (7,5%) mit FD (p<0,0006) beschrieben, zusätzlich waren Grad-2–4-Toxizitäten häufiger bei SD (49,3%) als in der FD (25,0%; p=0,0018).
SONIA-Studie: CDK4/6-Inhibitor in der Erst- oder Zweitlinie bei HR+, HER2-neu-negativem ABC?
In der Phase-III-Studie SONIA wurde bei HR-positivem, HER2-neu-negativem fortgeschrittenem Brustkrebs (ABC) ein CDK4/6-Inhibitor in der Erst- vs. in der Zweitlinie verglichen.5 Präsentiert wurden die Daten von Gabe S. Sonke vom The Netherlands Cancer Institute, Amsterdam.
1050 prä- und postmenopausale Patientinnen wurden 1:1 randomisiert in den Arm A (CDK4/6-Inhibitor in der Erstlinie in Kombination mit einem nichtsteroidalen Aromatasehemmer [NSAI], gefolgt von Fulvestrant bei Progression) und in einen Arm B (NSAI gefolgt von Fulvestrant in Kombination mit einem CDK4/6-Inhibitor bei Progression). Die Wahl des CDK4/6-Inhibitors (Abemaciclib, Palbociclib oder Ribociclib) war die Entscheidung des behandelnden Arztes/der behandelnden Ärztin. Der primäre Endpunkt war die Zeit von der Randomisierung bis zur zweiten Progression oder Tod (PFS2). Als sekundäre Endpunkte waren das OS, die Lebensqualität (QoL) und die Kosteneffizienz definiert.
Nach einem mittleren Nachbeobachtungszeitraum von 37,7 Monaten betrug das mediane PFS2 31,0 Monate für CDK4/6-Inhibitor in der Erstlinie (Arm A) vs. 27,8 Monate in der Zweitlinie (Arm B; HR: 0,89; 95% CI: 0,75–1,04; p=0,14). Dieser Effekt war in allen Subgruppen nachweisbar. Die mittlere Therapiedauer betrug 24,7 Monate in Arm A und 8,3 Monate in Arm B. Grad-3-Toxizitäten waren mit 2778 Fällen in Arm A häufiger als in Arm B (1620 Fälle). Somit zeigt sich kein statistisch signifikanter oder klinisch bedeutsamer Vorteil eines CDK4/6-Inhibitors in der Erstlinie im Vergleich zur späteren Gabe (Zweitlinie).
Dynamischer HER2-low-Status bei TNBC? Was wiederholte Biopsien ausmachen
Yael Bar vom Massachusetts General Hospital, Boston, zeigte Daten zum Verlauf der HER2-Expression bei wiederholten Biopsien im metastasierten Stadium bei initial als tripelnegativ gewerteten Patientinnen.6 Vorangegangene Studien hatten einen dynamischen Verlauf der HER2-Expression gezeigt. Zwischen 2017 und 2020 wurden in einer klinischen Institution bei Patientinnen, die initial als tripelnegativ (TNBC) bewertet waren, wiederholt die Metastasen biopsiert und der HER2-Status dieser Proben neuerlich bestimmt. Als initial HER2-neu-negativ galten Proben, die HER2-neu-negativ, 1+ oder 2+ und FISH(Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung)- negativ bestimmt wurden.
529 Patientinnen mit initial TNBC wurden inkludiert. Die Anzahl der HER2-low- Fälle stieg mit der Anzahl der durchgeführten Biopsien auf 60%, 74%, 83%, 87% und 100%, wenn 1 (192 Patientinnen), 2 (235 Patientinnen), 3 (52 Patientinnen), 4 (38 Patientinnen) oder 5–9 Biopsien (12 Patientinnen) durchgeführt und analysiert wurden. Patientinnen, die initial HER2- negativ und nicht 1+, 2+ und FISH-negativ waren, konvertierten mit jeder weiteren Biopsie in rund einem Drittel zu HER2-low (322/529 bei der ersten Biopsie, 44/131 bei der zweiten, 8/25 bei der dritten und 3/8 bei der vierten Biopsie).
Die Autor:innen schließen anhand wiederholter Biopsien von Metastasen, dass der HER2-Status einen dynamischen Verlauf zeigt und sich daraus therapeutische Optionen mit T-DXd ergeben.
Literatur:
1 Llombart-Cussac A et al.: Second-line endocrine therapy (ET) with or without palbociclib (P) maintenance in patients (pts) with hormone receptor-positive (HR[+])/human epidermal growth factor receptor 2-negative (HER2[-]) advanced breast cancer (ABC): PALMIRA trial. ASCO 2023; Abstr. #1001 2 Tolaney SM et al.: Final overall survival (OS) analysis from the phase 3 TROPiCS-02 study of sacituzumab govitecan (SG) in patients (pts) with hormone receptor–positive/HER2-negative (HR+/HER2–) metastatic breast cancer (mBC). ASCO 2023; Abstr. #1003 3 Krop IE et al.: An age-specific pooled analysis of trastuzumab deruxtecan (T-DXd) in patients (pts) with HER2-positive (HER2+) metastatic breast cancer (mBC) from DESTINY-Breast01, -02, and -03. ASCO 2023; Abstr. #1006 4 Khan QJ et al.: Randomized trial of fixed dose capecitabine compared to standard dose capecitabine in metastatic breast cancer: The X-7/7 trial. ASCO 2023; Abstr. #1007 5 Sonke GS et al.: Primary outcome analysis of the phase 3 SONIA trial (BOOG 2017-03) on selecting the optimal position of cyclin-dependent kinases 4 and 6 (CDK4/6) inhibitors for patients with hormone receptor-positive (HR+), HER2-negative (HER2-) advanced breast cancer (ABC). ASCO 2023; Abstr. #LBA1000 6 Bar Y et al.: Dynamic HER2-low status among patients with triple negative breast cancer (TNBC): The impact of repeat biopsies. ASCO 2023; Abstr. #1005
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