Von Anti-Aging zur „Prejuvenation“
Bericht: Mag. Andrea Fallent
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Moderne ästhetische Dermatologie korrigiert nicht nur bestehende Schäden, sondern fokussiert vermehrt auf Prävention. Prof. Dr. Leonardo Marini, Triest, plädierte in diesem Sinne dafür, gezielte Verjüngung und langfristige Hautgesundheit konsequent zusammenzudenken.
Die Haut ist unser sichtbarster biologischer Pass“, erklärte Prof. Dr. Leonardo Marini vom Skin Doctors’ Center in Triest. Ihr Zustand wird sowohl durch intrinsische Faktoren wie Genetik, hormonelle Veränderungen und Zellalterung als auch durch äußere Einflüsse geprägt. Dazu zählen insbesondere UV-Strahlung, Umweltverschmutzung, Rauchen, Ernährung, Schlaf und Stress.
Medizin 3.0: von Verjüngung zu Prejuvenation
„Die Gesichtsalterung kann nicht gestoppt werden. Aber sie kann moduliert werden“, betonte Marini. Das Ziel sei daher nicht, Alterungsprozesse rückgängig zu machen, sondern ihren Verlauf möglichst günstig zu beeinflussen. Sein Ansatz lautet demgemäß: „Nicht erst eingreifen, wenn Schäden sichtbar werden, sondern möglichst früh vorbeugen.“
Frühzeitige Interventionen sollen Hautschäden verhindern, bevor aufwendige Korrekturen notwendig werden. Durch diesen Paradigmenwechsel von der klassischen „Rejuvenation“ zur „Prejuvenation“ soll die Haut möglichst lange gesund, widerstandsfähig und funktionsfähig bleiben. Marinis Konzept einer „Medizin 3.0“ verbindet Prävention, Erhaltung, Reparatur und Regeneration.
Menopause und Andropause: kritische Zeitfenster
Besondere Aufmerksamkeit widmete Marini den hormonellen Umbruchphasen. Ein besonders wichtiges Zeitfenster für präventive Maßnahmen sieht Marini in Menopause und Andropause. Mit dem Rückgang von Östrogen und Progesteron während der Menopause verändern sich bei Frauen zahlreiche körperliche Funktionen. Betroffen sind unter anderem Knochenstoffwechsel, Herz-Kreislauf-System, Immunregulation und kognitive Leistungsfähigkeit. Bei Männern verlaufe der altersbedingte Rückgang des bioverfügbaren Testosterons meist schleichender und individuell unterschiedlich. Mögliche Folgen sind Muskelverlust, eine Zunahme des viszeralen Fettgewebes, verminderte Knochendichte, Müdigkeit sowie Veränderungen von Stimmung, Kognition und Sexualfunktion.
Marini plädierte für eine frühzeitige, individuell abgestimmte Betreuung. Ernährung, körperliches Training, Schlafoptimierung und gegebenenfalls hormonelle Therapien sollen helfen, Gesundheit und Funktionsfähigkeit zu erhalten. Dabei gehe es auch darum, chronische altersassoziierte Entzündungsprozesse („Inflammaging“), oxidativen Stress und mitochondriale Funktionsstörungen zu adressieren.
Mehrere Fachbereiche – ein Ziel
Für Marini kann die Dermatologie eine zentrale Rolle in der Longevity-Medizin übernehmen. Allerdings sei das nur interdisziplinär möglich: Endokrinologie, Geriatrie, Neurologie, Ernährungsmedizin und weitere Fachgebiete müssten zusammenarbeiten. Als Schlüsselbegriff gilt das „Haut-Exposom“: die Gesamtheit äußerer Einflüsse auf die Alterungsprozesse der Haut, wie UV-Strahlung, Schadstoffe, klimatische Veränderungen sowie Lifestyle-Faktoren wie Rauchen, Ernährung, Schlaf und Stress. Entsprechend setzt Marini auf konsequenten UV-Schutz, gesunde Ernährung, Bewegung, Stressmanagement, ausreichenden Schlaf und den Verzicht auf Rauchen.
Biomarker und KI
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie sich biologische Hautalterung objektiv erfassen lässt. Marini stellte verschiedene Ansätze vor: epigenetische Altersbestimmung anhand der DNA-Methylierung, transkriptomische Signaturen sowie proteomische und metabolomische Marker. Ergänzend werden bildgebende Hautanalysen, klinische Parameter wie Elastizität und Hydratation sowie künstliche Intelligenz genützt. Ziel sei es, individuelle Alterungsprozesse besser zu verstehen, Risiken frühzeitig zu erkennen und dadurch Präventionsmaßnahmen gezielter auswählen zu können. Marini skizzierte damit eine Entwicklung hin zur personalisierten Dermatologie, in der Biomarker regelmäßig überprüft und Behandlungsstrategien entsprechend angepasst werden.
Ästhetische Dermatologie als Bindeglied
Dass ästhetische Verfahren in diesem Konzept weiterhin ihren Platz haben, demonstrierte Marini anhand klinischer Bildserien. Er präsentierte unter anderem ein kombiniertes Behandlungskonzept mit verschiedenen Lasersystemen sowie photodynamischer Therapie.
Die eigentliche Botschaft ging jedoch über technische Verfahren hinaus: Ästhetische Dermatologie soll künftig nicht nur sichtbare Schäden korrigieren, sondern Prävention, Regeneration und den langfristigen Erhalt der Hautgesundheit miteinander verbinden.
Quelle:
„Longevity medicine: its importance for aesthetic dermatology“, Vortrag von Prof. Dr. Leonardo Marini, Triest, im Rahmen der Session „Longevity: pillars of longevity medicine in aesthetic dermatology“ am 2.Oktober 2026 beim EADV Congress 2026 in Wien
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