Migräne individuell behandeln: Was neue Medikamente leisten
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Neue Migränetherapien können die Lebensqualität entscheidend verbessern. Eine der größten Herausforderungen bei der Behandlung besteht darin, für Betroffene die individuell wirksamste Therapie zu finden. Beim Deutschen Schmerzkongress 2026 diskutierten Expert:innen über die Möglichkeiten und Grenzen moderner Migränetherapie.
Migräne beeinträchtigt das Leben von Betroffenen entscheidend. Etwa 14% der Frauen und 7% der Männer leiden regelmäßig an Migräne. Besonders häufig betroffen sind Frauen im Alter von 30 bis 49 Jahren. Neue Therapien können die Krankheitslast erheblich mindern.
Neue verfügbare Therapieoptionen
Der Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) ist an der Entstehung von Migräneschmerzen beteiligt. Zu den wichtigsten medikamentösen Fortschritten der letzten zehn Jahre gehören deshalb CGRP-gerichtete monoklonale Antikörper, die zur Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt werden, sowie Gepante, die sowohl zur Vorbeugung als auch für die Akutbehandlung infrage kommen. Sie hemmen den Signalweg von CGRP. In zwei separaten direkten Vergleichsstudien erreichten mit dem CGRP-Antikörper Erenumab 55,4% und mit dem Gepant Atogepant 64,1% der Teilnehmenden mindestens eine Halbierung ihrer monatlichen Migränetage gegenüber dem Ausgangswert. Mit einem Standardmedikament zur Migränevorbeugung, Topiramat, waren es in der jeweiligen Studie nur 31,2 bzw. 39,3%.1–3 Zudem waren die CGRP-basierten Medikamente deutlich besser verträglich. „Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse gilt jedoch auch für die modernen CGRP-basierten Medikamente: Nicht alle Patientinnen und Patienten sprechen gleichermaßen auf dieselben Wirkstoffe an – und auch moderne Therapien helfen nicht allen Betroffenen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Robert Fleischmann, Kongresspräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.
Ist Präzisionsmedizin bei Migräne möglich?
Eine funktionierende Migränetherapie ist hochindividuell. Sie richtet sich nach der individuellen Lebenssituation, dem Kopfschmerzerleben, der Häufigkeit der Attacken, den Begleiterkrankungen und den bisherigen Behandlungserfahrungen. „Anhand dieser Kontextfaktoren können wir Spezialisten besonders geeignete Therapien auswählen“, so Fleischmann. Welches Medikament welchem Betroffenen am besten hilft, lässt sich bislang aber nicht verlässlich vorhersagen. „Ein objektiver Routinetest zur Vorhersage des Therapieansprechens im Sinne einer Präzisionsmedizin fehlt jedoch noch immer. Viele Betroffene durchlaufen deshalb zahlreiche unterschiedliche Therapieversuche.“ Künftig, so die Hoffnung von Forschenden, könnten Biomarker im Blut oder in der Tränenflüssigkeit helfen. Man arbeite daran, solche Biomarker mit den jeweiligen klinischen Verläufen von Betroffenen sowie mit Messungen zur Reizverarbeitung zu kombinieren, um daraus Rückschlüsse auf die individuell aussichtsreichste Therapie und den individuell besten Therapieablauf zu gewinnen. Der klinische Nutzen solcher Ansätze muss noch in Studien bestätigt werden.
Therapieziele sind nicht nur eine Verringerung der Migränetage, sondern auch Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und die Verbesserung des Alltags. Eine Halbierung der Migränetage ist ein wichtiger Erfolg, bedeutet aber keine Heilung. Bei erheblichem Leidensdruck sollten Betroffene zu einer spezialisierten fachärztlichen Behandlung oder zur Vorstellung in einem Kopfschmerzzentrum überwiesen werden.
Ausblick auf mögliche kommende Therapien
Mögliche künftige Therapien könnten beim Botenstoff Pituitary Adenylate Cyclase-Activating Polypeptide (PACAP) ansetzen. So verringerte der PACAP-Antikörper Bocunebart in einer Phase-II-Studie die Zahl der Migränetage innerhalb von vier Wochen im Durchschnitt um zwei Tage stärker als Placebo.4 Eine Phase-III-Studie ist geplant. (red)
Quelle:
Kongress-Pressekonferenz am 22. Oktober 2026
Literatur:
1 Fleischmann R: Treating episodic migraine with precision: the evolving landscape of targeted therapies driven by insights in disease biology. Expert Opin Biol Ther 2025; 25(3): 229-43 2 Reuter U et al.: Erenumab versus topiramate for the prevention of migraine – a randomised, double-blind, active-controlled phase 4 trial. Cephalalgia 2022; 42(2): 108-18 3 Reuter U et al.: Tolerability, safety, and efficacy of atogepant versus topiramate in adults with migraine (TEMPLE): a randomised, head-to-head, phase 3b trial. Lancet Neurol 2026; 25(9): 806-17 4 Ashina M et al.: A monoclonal antibody to PACAP for migraine prevention. N Engl J Med 2024; 391(9): 800-09
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