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Nach wie vor eine unheilbare Erkrankung

Morbus Huntington – ein Überblick

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<p class="article-intro">Morbus Huntington ist eine autosomal dominante neurodegenerative Erkrankung. Das wichtigste Ziel ist es, den Patienten möglichst lange am täglichen Leben teilnehmen zu lassen.</p> <p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Keypoints</h2> <ul> <li>Es ist wichtig, fr&uuml;hzeitig mit der nicht medikament&ouml;sen Therapie zu beginnen.</li> <li>Die Behandlung kann nur in einem multiprofessionellen Team erfolgen.</li> <li>Ziel ist es, den Patienten m&ouml;glichst lange in einem selbstst&auml;ndigen Leben zu halten.</li> </ul> </div> <p>Die Pr&auml;valenz betr&auml;gt 10 &ndash; 13/ 100 000 in Europa. Mit einem Krankheitsbeginn ist im Alter zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr zu rechnen. Die typische Klinik der Erkrankung besteht aus hyperkinetischer Bewegungsst&ouml;rung, psychischen St&ouml;rungen und kognitiven Abbauprozessen.<br /> Ursache ist eine CAG-Repeater-Expansion im Huntingtongen am Chromosom 4. Durch diese Sch&auml;digung kommt es zu einer Produktion eines mutierten Huntingtonproteins. Dieses Protein hat eine abnorm lange Polyglutamin-Repeater-Anzahl. Ab einer Zahl von 40 CAG-Repeatern kommt es zum Auftreten der Erkrankung. Man spricht von einer kompletten Penetration (Tab. 1).<br /> Interessant ist, dass bei Patienten mit gleicher CAG-Repeater-Zahl das Auftreten der Erkrankung nicht zum gleichen Zeitpunkt beginnt. Es konnte beobachtet werden, dass der Unterschied des Erkrankungsbeginns bis zu 25 Jahre betragen kann. Dies deutet auf genetische Einflussfaktoren hin, die aktuell noch nicht beschrieben werden konnten. Eine unauff&auml;llige Familienanamnese bei Patienten mit M. Huntington schlie&szlig;t eine erbliche Form nicht aus. Bei diesen kann es durch eine Spontanmutation (Erh&ouml;hung von 27 &ndash; 39 CAG-Repeatern auf &ge; 40) zu einem Ausbruch der Erkrankung kommen.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Neuro_1904_Weblinks_tab1.jpg" alt="" width="550" height="155" /></p> <h2>Diagnose</h2> <p>Bei der Untersuchung von Patienten mit choreatiformen Bewegungsst&ouml;rungen ist die Anamnese (inklusive Familienanamnese und Medikamentenanamnese) ein wichtiger Faktor. Die Durchuntersuchung sollte neben einer neurologischen auch eine internistische beinhalten. Zus&auml;tzlich sollten ein neuropsychologischer Status sowie eine Bildgebung des zentralen Nervensystems erfolgen. Um einen eindeutigen Befund erheben zu k&ouml;nnen, ist eine molekulargenetische Untersuchung unumg&auml;nglich. Bei dieser wird die CAG-Wiederholung des Huntingtongens auf dem Chromosom 4 beurteilt.<br /> Wichtig ist bei choreatiformer Bewegungsst&ouml;rung andere zugrunde liegende Ursachen auszuschlie&szlig;en:</p> <ul> <li>Autoimmun und paraneoplastisch bedingte choreatische Syndrome</li> <li>Infekti&ouml;se Ursachen</li> <li>Strukturelle L&auml;sionen im Bereich der Basalganglien</li> <li>Metabolische, endokrine und toxische Ursachen</li> <li>Medikament&ouml;s oder drogeninduzierte Ursachen</li> <li>Andere Ursachen</li> </ul> <h2>Genetische Untersuchung</h2> <p>Die Bestimmung der CAG-Repeater- L&auml;nge kann zur differenzialdiagnostischen Untersuchung unter Angabe der Krankheitssymptome, nach Aufkl&auml;rungsgespr&auml;ch und schriftlicher Einwilligung durch den Arzt durchgef&uuml;hrt werden. Die genetische Untersuchung ist durch das Gentechnikgesetz geregelt. Patienten m&uuml;ssen auf ihre Rechte, z. B. das Recht auf Widerruf der Einwilligung, hingewiesen werden. In &Ouml;sterreich d&uuml;rfen genetische Untersuchungen zur Feststellung von genetischen Erkrankungen nur im Rahmen einer genetischen Beratung vom Facharzt aus dem jeweiligen Indikationsgebiet beziehungsweise von einem Facharzt f&uuml;r Humangenetik veranlasst werden. Bei der Aufkl&auml;rung sind die Aufkl&auml;rungsrichtlinien der International Huntington Association zu befolgen. Sie schlie&szlig;en neben einer genetischen Beratung auch eine psychologische Beratung mit ein.<br />Die pr&auml;diktive Diagnostik setzt Einwilligungsf&auml;higkeit und Vollj&auml;hrigkeit voraus. Zwischen der ersten Beratung und der Durchf&uuml;hrung der genetischen Untersuchung sollte ein angemessener zeitlicher Abstand von mindestens vier Wochen liegen. Patienten sollen bis zur Befundmitteilung der pr&auml;diktiven Testung widerrufen k&ouml;nnen. Dieses Verfahren schlie&szlig;t im Allgemeinen ein, dass auch der Beratende bis zur Befundmitteilung nicht &uuml;ber das Ergebnis informiert sein sollte und den Laborbefund im verschlossenen Umschlag erh&auml;lt, um eine unvoreingenommene Besprechung zu erm&ouml;glichen.<br />Die Ergebnisse genetischer Untersuchungen d&uuml;rfen nur der untersuchten Person pers&ouml;nlich und nur durch den untersuchenden Arzt mitgeteilt werden. Eine sp&auml;tere Weitergabe der Befunde darf nur mit einer schriftlichen Erlaubnis erfolgen.</p> <h2>Klinik</h2> <p>Bereits 12&ndash;15 Jahre vor dem diagnostischen Beginn k&ouml;nnen im Gehirn Ver&auml;nderungen nachgewiesen werden. Diese f&uuml;hren zu subtilen Symptomen im Bereich Motorik, Kognition und Verhalten. Die klinische Manifestation konnte in der Beobachtungsstudie TRECK HD gezeigt werden. Hier wurden Patienten &uuml;ber 36 Monate in ihrem klinischen Verlauf beobachtet.<br /> Choreatiforme Bewegungsst&ouml;rungen sind charakterisiert durch unwillk&uuml;rliche, rasche, unregelm&auml;&szlig;ige und nicht vorhersehbare Bewegungen aller K&ouml;rperregionen. Sie k&ouml;nnen sowohl in Ruhe als auch bei willk&uuml;rlichen Bewegungen auftreten. Interessant ist, dass diese vom Patienten oft nicht als st&ouml;rend empfunden werden. Bewegungsst&ouml;rungen k&ouml;nnen sowohl hyperkinetisch als auch hypokinetisch (Sp&auml;tphase der Erkrankung) sein. In beiden Phasen treten Gleichgewichts- und Gangst&ouml;rungen auf. Die hypokinetische Phase (z. B. Bradykinese, Dystonie) zeigt eine Korrelation mit der Dauer der Erkrankung.<br /> Sowohl kognitive als auch neuropsychiatrische St&ouml;rungen k&ouml;nnen bereits einige Jahre vor dem Auftreten der ersten motorischen Symptome auftreten. Kognitive Symptome sind durch eine Beeintr&auml;chtigung des emotionalen Erkennens, der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit und der exekutiven Funktionen charakterisiert. Neuropsychiatrische Symptome k&ouml;nnen sehr unterschiedlich sein. Sie reichen von Apathie, &Auml;ngstlichkeit, Depression, impulsivem Verhalten bis zu Psychosen.</p> <h2>Therapie</h2> <p>Die Betreuung muss durch ein multiprofessionelles Team erfolgen. Das Team besteht aus &Auml;rzten, Physiotherapeuten, Logop&auml;den, Ergotherapeuten, Neuropsychologen und Pflegepersonen. Dies beinhaltet eine Kombination von pharmakologischen und nicht pharmakologischen Behandlungen. Das Ziel ist die Unterst&uuml;tzung bei der Anpassung an den Krankheitsverlauf und damit verbunden die Verbesserung der Lebensqualit&auml;t.<br /> Bez&uuml;glich der medikament&ouml;sen Therapie ist aktuell von einer Behandlung der Symptome zu sprechen. Zur Behandlung der motorischen Symptome stehen Tetrabenazin und in weiterer Folge Deutetrabenazin zur Verf&uuml;gung. Auch f&uuml;r Risperidon und Quetiapin werden positive Effekte f&uuml;r die Motorik beschrieben. Zur Behandlung von psychiatrischen Symptomen liegt eine geringe Evidenz bez&uuml;glich der zu verwendenden Medikamente vor. Die durchgef&uuml;hrten Studien sind zumeist von einer niedrigen Patientenzahl gekennzeichnet.<br /> Neben der medikament&ouml;sen Therapie sind rehabilitative Ma&szlig;nahmen von gro&szlig;er Wichtigkeit. So zeigt sich zum Beispiel, dass regelm&auml;&szlig;iges Ausdauer- und Krafttraining einen positiven Effekt auf die Neuroprotektion und die klinische Symptomatik hat. Dieser Effekt wird durch einen Anstieg von BDNF (&bdquo;brain-derived neurotrophic factor&ldquo;) im Gehirn verursacht. Dieser BDNF-Anstieg wird durch die Freisetzung von Irisin durch Muskeltraining eingeleitet.<br /> Neben diesem Punkt ist es wichtig, fr&uuml;hzeitig mit einem Training zu beginnen. Es ist daher sinnvoll, bei Diagnosestellung eine klinische Durchuntersuchung, die auch eine Befundung durch Physiotherapie, Ergotherapie, Logop&auml;die und Neuropsychologie beinhaltet, durchzuf&uuml;hren. Auf Basis dieser Befunde kann ein Trainingskonzept f&uuml;r die Patienten erstellt werden (Tab. 2). Eine j&auml;hrliche Evaluierung und Anpassung des Trainingsprogramms sind empfehlenswert. Durch dieses Vorgehen k&ouml;nnen Defizite reduziert werden und der Patient kann m&ouml;glichst lange in einem selbstst&auml;ndigen Leben gehalten werden. Denn die Beeintr&auml;chtigung der k&ouml;rperlichen Funktion ist oft mit dem Verlust des Arbeitsplatzes vergesellschaftet. Dies hat massiven Einfluss auf die Lebensqualit&auml;t.<br /> Ziel der Behandlung ist daher, die Belastung durch die Symptome zu reduzieren, die Funktion zu maximieren und sicherzustellen, dass der Patient sich der Zukunftsentwicklung bewusst ist.</p> <p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2019_Jatros_Neuro_1904_Weblinks_tab2.jpg" alt="" width="895" height="700" /></p></p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p>beim Verfasser</p> </div> </p>
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