17. Österreichische Schmerzwochen

Informationskampagne mit Tradition

<p class="article-intro">Die Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) gingen 2018 in die bereits 18. Runde. Auch heuer präsentierte die ÖSG in diesem Zusammenhang wichtige schmerzmedizinische Themen, Neuerungen und Anliegen. Wir haben einige spannende Aspekte aus dem Gebiet der Schmerztherapie für Sie aufgegriffen.</p> <hr /> <p class="article-content"><h2>Innovative Therapie zur Vorbeugung von Migr&auml;ne</h2> <p>H&auml;ufig, qu&auml;lend und immer wiederkehrend: Unter den krankheitsbedingten Belastungen weltweit liegt Migr&auml;ne bei &uuml;ber 300 Erkrankungen auf Platz 6, bei den unter 50-J&auml;hrigen sogar auf Platz 3. Ein neuer Therapieansatz verspricht jetzt, Migr&auml;neattacken wirksam vorzubeugen. Es handelt sich dabei um Antik&ouml;rper, die sich gegen CGRP (&bdquo;calcitonin gene-related peptide&ldquo;) richten. Diesen Entz&uuml;ndungsbotenstoff sch&uuml;tten die Synapsen des Trigeminusnervs bei einer Migr&auml;neattacke vermehrt aus. Er wirkt direkt auf die Hirnhaut und deren Gef&auml;&szlig;e, die sich erweitern und entz&uuml;nden, und l&ouml;st somit die Kopfschmerzen aus. Gleich mehrere neue Pr&auml;parate mit diesem neuen therapeutischen Ansatz sollen schon bald auf den Markt kommen, und zwar Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab. Sie befinden sich derzeit in verschiedenen Phasen der Entwicklung und Registrierung, und es liegen immer mehr Studiendaten vor, die eine Wirksamkeit best&auml;tigen.</p> <p>So wurde etwa Erenumab in einer aktuellen Studie mit 955 Patienten mit episodischer Migr&auml;ne im Vergleich zu Placebo getestet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer litten vor Studienbeginn im Durchschnitt an 8,3 Tagen im Monat an Migr&auml;neattacken. Durch eine monatliche Injektion von 70mg Erenumab kam es zu einem R&uuml;ckgang von 3,2 Tagen, bei doppelter Dosis zu einem R&uuml;ckgang von 3,7 Tagen. Bei niedriger Dosierung konnten 43,3 % und bei h&ouml;herer Dosierung 50 % der Patienten die monatlichen Migr&auml;netage halbieren.</p> <p>Bislang standen f&uuml;r die pr&auml;ventive Therapie von Migr&auml;ne ein Antiepileptikum (Topiramat), ein Herzmedikament (Propranolol) oder ein Antidepressivum (Amitriptylin) zur Verf&uuml;gung. Diese Medikamente werden allerdings aufgrund ihrer Nebenwirkungen von vielen Migr&auml;nepatienten abgelehnt oder nicht regelm&auml;&szlig;ig eingenommen. Ob die neuen CGRP-Antik&ouml;rper- Medikamente eine wirksamere Migr&auml;neprophylaxe bieten als die etablierten Wirkstoffe, muss noch mit Vergleichsstudien erforscht werden. Zur Langzeitverwendung der CGRP-Antik&ouml;rper- Medikamente liegen noch keine Daten vor. Auch hier m&uuml;ssen weitere Studien ermitteln, wie lange diese Therapie durchgef&uuml;hrt werden soll und ob sich mit der Zeit die Wirkung verbessert oder verschlechtert.</p> <h2>Paracetamol: Review best&auml;tigt die Sicherheit</h2> <p>Ob bei R&uuml;ckenbeschwerden, Kopfschmerzen oder Fieber: Paracetamol wird als rezeptfrei in der Apotheke erh&auml;ltliches Schmerzmittel h&auml;ufig eingesetzt. In den letzten Jahren wurde sein Gebrauch allerdings immer wieder wegen m&ouml;glicher Nebenwirkungen infrage gestellt.</p> <p>Paracetamol sei f&uuml;r Schwangere bedenklich, ebenso f&uuml;r Personen mit kardiovaskul&auml;ren Problemen und Lebererkrankungen. Ebenfalls in Zweifel gezogen wurden die schmerzstillende Potenz von Paracetamol und seine Verwendung in Kombination mit Codein. Nach einer kritischen Durchleuchtung der vorhandenen wissenschaftlichen Berichte &uuml;ber die Vorteile und Risiken von oral eingenommenem Paracetamol kann Univ.-Prof. DDr. Hans-Georg Kress, Leiter der Klinischen Abteilung f&uuml;r Spezielle An&auml;sthesie und Schmerztherapie der Medizinischen Universit&auml;t Wien, jedoch Entwarnung geben: &bdquo;Wenn es darum geht, schwache bis m&auml;&szlig;ige Schmerzen bei Erwachsenen zu lindern, z&auml;hlt Paracetamol nach wie vor zu den Mitteln erster Wahl.&ldquo; Im aktuellen Review haben Prof. Kress und Dr. Gerald Untersteiner die vorliegende Evidenz zu Nutzen und Risiken von Paracetamol alleine und in Kombination mit Codein mit der Wirksamkeit und dem Sicherheitsprofil von nichtsteroidalen entz&uuml;ndungshemmenden Schmerzmedikamenten (NSAR) verglichen.</p> <p>Das Ergebnis: Die vorliegenden Untersuchungen sprechen f&uuml;r den Gebrauch von Paracetamol. Das gilt auch f&uuml;r immer wieder als Risikogruppen angef&uuml;hrte Personen wie Schwangere, Alkoholabh&auml;ngige, &auml;ltere Menschen und Patienten mit gastrointestinalen und kardiovaskul&auml;ren Beeintr&auml;chtigungen. NSAR k&ouml;nnen bei diesen Patientengruppen problematisch sein, da es bei ihrem Gebrauch zu unerw&uuml;nschten gastrointestinalen und kardiovaskul&auml;ren Nebenwirkungen kommen kann.</p> <p>Unter bestimmten Vorzeichen erh&auml;lt Paracetamol auch gr&uuml;nes Licht, wenn die Leber beeintr&auml;chtigt ist: &bdquo;Die Kontroversen und weitverbreiteten Missverst&auml;ndnisse &uuml;ber den komplexen hepatischen Metabolismus und die m&ouml;gliche Hepatotoxizit&auml;t von Paracetamol wurden durch j&uuml;ngste Reviews korrigiert. Wenn man die notwendigen Vorsichtsma&szlig;nahmen und Dosierungen ber&uuml;cksichtigt, bleibt das Mittel die Nummer eins bei Nichtopioidanalgetika f&uuml;r Patienten mit Lebererkrankungen wie Leberzirrhose&ldquo;, erkl&auml;rt Prof. Kress.</p> <h2>Metamizol: sicher in der postoperativen Schmerztherapie</h2> <p>Eine niederl&auml;ndische Studie hat die bekannten Vorteile und m&ouml;gliche Risiken von Metamizol in der postoperativen Schmerztherapie analysiert. &bdquo;Die Studie kam zum Schluss, dass Metamizol weniger Magen- und Zw&ouml;lffingerdarmgeschw&uuml;re als nicht selektive NSAR verursacht. Eine zus&auml;tzliche Gabe von Magenschutzmedikamenten wie bei nichtsteroidalen Antirheumatika ist bei Metamizol nicht n&ouml;tig, da es klinisch kein erh&ouml;htes Blutungsrisiko gibt. Auch f&uuml;r die Nierenfunktion scheint das Mittel unbedenklich zu sein, allerdings fehlen dazu Daten f&uuml;r Patienten, die Herz- oder Nierenprobleme haben&ldquo;, sagt OA Dr. Wolfgang Jaksch, Wilhelminenspital Wien. Das Risiko einer Agranulozytose, einer potenziellen Nebenwirkung von Metamizol, sei im postoperativen Einsatz &auml;u&szlig;erst gering und vertretbar. Es handelt sich dabei um eine starke Verminderung der Granulozyten, einer Untergruppe der wei&szlig;en Blutk&ouml;rperchen.</p> <p>In Deutschland wurden in einer aktuellen Untersuchung 2112 An&auml;sthesisten zum Gebrauch von Metamizol im Zusammenhang mit Operationen befragt und Details zu Nebenwirkungen erhoben. 97 % der Befragten verwendeten nichtopioide Analgetika &ndash; davon 94 % Metamizol, 54 % NSAR, 42 % COX-2-Inhibitoren und 49 % Paracetamol. Intraven&ouml;ses Metamizol war das bevorzugte Nichtopioid w&auml;hrend und nach der Operation. Nur 1,3 % der befragten An&auml;sthesisten haben das Medikament noch nicht eingesetzt. 3 % der Befragten berichteten, sie h&auml;tten in den letzten zwei Jahren eine von Metamizol bedingte Agranulozytose beobachtet.</p> <p>&bdquo;Metamizol ist ein wertvolles Nichtopioid- Analgetikum im perioperativen Zusammenhang. Es ist f&uuml;r die gro&szlig;e Mehrheit der Patienten ein sicheres, wirksames und zudem kosteng&uuml;nstiges Medikament, das in der Schmerztherapie nicht fehlen darf&ldquo;, betont Dr. Jaksch.</p> <h2>Starker chronischer Schmerz schm&auml;lert Lebenserwartung</h2> <p>Chronische Schmerzen dr&uuml;cken nicht nur die Lebensqualit&auml;t oder ziehen Begleiterkrankungen nach sich, sie verk&uuml;rzen offenbar auch die Lebensdauer. Das legen neuere Forschungsergebnisse nahe, so auch eine aktuelle finnische Studie. Untersucht wurden die Mortalit&auml;t und Todesursachen von &uuml;ber 1500 Patienten, die unter schweren chronischen nicht malignen Schmerzen litten und zwischen 2004 und 2012 an einem multidisziplin&auml;ren Schmerzprogramm und anschlie&szlig;end an einer Folgestudie zu ihrer Lebensqualit&auml;t teilgenommen hatten.</p> <p>W&auml;hrend des Studienzeitraums starben knapp 16 % der Teilnehmer. Sie erreichten ein Alter, das im Schnitt 14 Jahre unter der Lebenserwartung von Frauen und M&auml;nnern in der Durchschnittsbev&ouml;lkerung lag. Wie die Daten au&szlig;erdem darlegten, hatten sie mit einem deutlich h&ouml;heren Schmerzlevel zu k&auml;mpfen als jene Studienteilnehmer, die noch am Leben waren.</p> <p>&bdquo;Immer mehr Daten belegen, dass chronische Schmerzen eine wesentliche Rolle f&uuml;r eine erh&ouml;hte Mortalit&auml;t spielen. Auch wenn die Wissenschaft die konkreten Ursachen daf&uuml;r noch identifizieren muss, ist es doch ein Grund mehr, alles zu tun, um Chronifizierung zu vermeiden bzw. chronisches Schmerzgeschehen bestm&ouml;glich beherrschbar zu machen&ldquo;, sagt O&Auml; Dr. Gabriele Gr&ouml;gl-Aringer, Pr&auml;sidentin der &Ouml;sterreichischen Schmerzgesellschaft. (red)</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: Pressemitteilung zu den 17. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft, 25. Jänner 2018 </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p>&bull; Goadsby PJ et al.: N Engl J Med 2017; 377: 2123-32 &bull; Silberstein SD et al.: N Engl J Med 2017; 377: 2113-22 &bull; Kress HG, Untersteiner G: Curr Med Res Opin 2017; 33(2): 289- 304 &bull; Konijnenbelt-Peters J et al.: Pain Pract 2017; 17(3): 402-8 &bull; Stamer U et al.: EFIC 2017; Abstract 205 &bull; Vartiainen P et al.: Mortality of chronic pain patients. EFIC 2017; Abstract eP77</p> </div> </p>
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