Das Beste vom EASL-Kongress 2026
Bericht:
Dr. Corina Ringsell
Redaktorin
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Am Hep Cup fassten renommierte Experten die besten Abstracts des EASL-Kongresses 2026 in Barcelona zusammen. Themen waren unter anderem Leberzirrhose, Lebertumoren, autoimmune und cholestatische Leberkrankheiten.
Leberzirrhose und portale Hypertonie
Prof. Dr. med. Annalisa Berzigotti, Bern, leitete ihren Vortrag mit Daten der CIRROXABAN-Studie ein, die gezeigt hatte, dass das direkte orale Antikoagulans (DOAK) Rivaroxaban bei Patienten mit Leberzirrhose Komplikationen einer portalen Hypertonie vorbeugen könnte.1 Die Substanz stehe jedoch in der Kritik, da sie in der Allgemeinbevölkerung ohne Leberkrankheiten mit einem höheren Blutungsrisiko verbunden sei, sagte die Referentin.
TOP-454-YI: Api Hep-Studie
Daher untersuchte eine Arbeitsgruppe in Indien das DOAK Apixaban, das ein günstigeres Sicherheitsprofil aufweist. Eingeschlossen waren 134 Zirrhosepatienten mit einem Child-Pugh-Score von B7 bis C10 ohne Venenthrombose in der splenoportalen Achse. Sie erhielten über zwölf Monate entweder Apixaban plus Standardbehandlung oder nur eine Standardbehandlung. Primärer Endpunkt war eine weitere oder neu aufgetretene Dekompensation. Mehr als 90% der Probanden hatten bereits zuvor eine Dekompensation erlebt. Nach einem Jahr waren in der Apixabangruppe weniger Dekompensationen aufgetreten als im Kontrollarm (Hazard- Ratio [HR]: 0,54; 95%-Konfidenzintervall [CI]: 0,31–0,91; p=0,021), ohne dass es zu vermehrten Blutungen gekommen war (Abb. 1).2 Obwohl es nur eine kleine Open-Label-Studie gewesen sei, habe sie frühere Ergebnisse unterstützt, dass Apixaban möglicherweise das Dekompensationsrisiko bei Leberzirrhose senken kann, ohne das Blutungsrisiko zu steigern, sagte Berzigotti.
Abb. 1: Api Hep-Studie: Auswirkungen von Apixaban auf die Leberdekompensation bei Leberzirrhose (modifiziert nach Agarwal A et al. 2026)2
GS-011-YI: unterdilatierte TIPS
Der transjuguläre intrahepatische portosystemische Shunt (TIPS) ist seit vielen Jahren die Standardbehandlung bei Leberzirrhose mit refraktärem Aszites. Doch die Betroffenen sind in der Regel gebrechlich und anfällig für Komplikationen wie hepatische Enzephalopathie (HE) oder Herzinsuffizienz, was mit einer höheren Mortalitätsrate nach dem Eingriff verbunden ist. Ein bereits 2021 veröffentlichter Artikel schlug Shunts mit kleinerem Durchmesser vor, um die Sicherheit der Prozedur zu steigern.3 Entsprechende Studien dazu seien jedoch rar, sagte die Referentin. Am EASL wurde eine grosse internationale, retrospektive Kohortenstudie präsentiert, die untersucht hatte, ob ein TIPS ≤7 mm im Vergleich zum Standard (≥8 mm) bei gleicher Wirksamkeit mit weniger Komplikationen und besseren Überlebensraten verbunden ist. Es wurden fast 800 Patienten eingeschlossen und mindestens sechs Monate nachbeobachtet. Insgesamt war das Outcome in der Gruppe mit kleineren TIPS besser, obwohl sie einen etwas höheren portalen Druckgradienten (PPG) aufwies und die hämodynamischen Ziele nicht immer erreichte. Die Mortalitätsrate zu Monat 48 war um 12% niedriger als in der Standardgruppe mit einer NNT («number needed to treat») von 8. Die Rate einer offensichtlichen (overten) HE (OHE) war zu Monat 48 um 11% niedriger als in der Standardgruppe mit einer NNT von 9. Die Autoren schlossen daraus, dass der TIPS-Durchmesser ein modifizierbarer Behandlungsparameter ist, der schon in der Praxis eingesetzt werden kann.4 Berzigotti wies darauf hin, dass auch gerade eine neue Generation von Stents mit Durchmessern ab 6 mm auf den Markt komme, die aber noch in prospektiven Studien auf ihre Gleichwertigkeit überprüft werden müssten.
GS-005: TIPS bei hepatischem Hydrothorax
Eine weitere retrospektive Multicenterstudie untersuchte den Einsatz von TIPS bei refraktärem hepatischem Hydrothorax (RH) – entweder als definitive Therapie oder zur Überbrückung bis zu einer Lebertransplantation. Für die Zuordnung zu einem RH waren mindestens zwei grossvolumige Thorakozentesen innerhalb von drei Wochen gefordert. Als komplettes Ansprechen wurde definiert, dass keine Thorakozentese mehr nötig war und radiologisch kein Pleuraerguss nachgewiesen werden konnte. Als partielles Ansprechen wurde eine Reduktion der notwendigen Thorakozentesen und des Pleuraergusses um mehr als 50% gewertet. Werte unter 50% galten als Nichtansprechen. Die Befunde wurden drei, sechs und zwölf Monate nach dem Eingriff erhoben. Rund 60% der Patienten sprachen komplett (CR) auf den TIPS an, 27% (PR) teilweise und 13% (NR) nicht, was sich in den Mortalitätsraten niederschlug: Sie betrugen bei CR 1,54 Todesfälle/100 Patientenmonate, bei NR 11,4/100 Patientenmonate. Die Autoren zogen das Fazit, dass TIPS eine wertvolle Therapie für Patienten mit refraktärem hepatischem Hydrothorax ist.5
LBO-002: APACHE-Studie
Das akut-auf-chronische Leberversagen (ACLF) ist gekennzeichnet durch Organversagen und hohe Mortalität. Derzeit ist eine Lebertransplantation die einzige lebensrettende Therapie. Die multizentrische Phase-III-Studie APACHE untersuchte die Wirksamkeit der Plasmaaustauschtherapie mit 5%igem Human-Serumalbumin (PE-A 5%) im Vergleich zur Standardtherapie bei ACLF-Patienten. Insgesamt nahmen 274 Patienten teil. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS) zu Tag 90 der Nachbeobachtung, zensiert bezüglich Lebertransplantation.6
Leider habe die Studie wegen mangelnder Finanzierung vorzeitig beendet werden müssen, als etwa 72% der geplanten Patienten rekrutiert worden waren, erklärte die Referentin. Dennoch hätten die vorliegenden Daten einen signifikanten Vorteil der Methode gezeigt. Allerdings sei sie auch häufiger mit teils schweren Nebenwirkungen verbunden gewesen. Trotzdem sei es ein relevantes und positives Ergebnis, sagte Berzigotti.
Lebertumoren
PD Dr. Dr. med. David Semela, St. Gallen, präsentierte klinisch relevante Daten zu Diagnostik und Therapie von Lebertumoren.
OS-055: Serum-Procalcitonin als neuer Biomarker für FLC
Das fibrolamelläre hepatozelluläre Karzinom (FLC) ist eine seltene Variante des hepatozellulären Karzinoms (HCC). Es tritt vor allem bei jüngeren Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren ohne eine zugrunde liegende Leberkrankheit wie Leberzirrhose auf. Bislang gibt es jedoch keinen zuverlässigen Biomarker für die Diagnostik und das Monitoring. Ein Bericht über stark erhöhte Procalcitoninwerte bei einem FLC-Patienten führte zu der am EASL vorgestellten Studie von Nault et al. Procalcitonin (PCT) ist in der Praxis als Biomarker für bakterielle Infektionen etabliert.7
Die Wissenschaftler untersuchten die potenzielle Rolle von PCT beim FLC in einer grösseren Kohorte aus Europa und den USA. Im ersten Schritt bestimmten sie die PCT-Serumspiegel in Proben von acht FLC-Patienten und mehr als 100 Patienten mit HCC, Cholangiokarzinom (CCA) und Leberzirrhose. Im nächsten Schritt analysierten sie in einer zweiten Kohorte mittels RNA-Sequenzierung die Expression von CALCA, das PCT codiert. Und schliesslich untersuchten sie mittels Immunhistochemie (IHC) und spatialer Transkriptomik Biopsien und Tumorresektate von primären und sekundären Lebertumoren einschliesslich FLC auf die Expression von PCT.7
In der europäischen Kohorte konnten sie bei FLC im Gegensatz zu HCC, CCA und Zirrhose sehr hohe PCT-Spiegel nachweisen (55μg/l vs. <1μg/l, p=0,0005). Das Ergebnis wurde in einer US-Kohorte von FLC-Patienten unabhängig validiert und bestätigt. Über beide Kohorten hinweg wiesen 83% der FLC-Patienten erhöhte Serum-PCT-Werte auf (vs. je 3% bei HCC und CCA).7
Auch zum Therapiemonitoring ist PCT geeignet. Die Serumspiegel korrelierten mit den radiologischen Befunden zum Therapieansprechen bzw. zur Progression gemäss den Kriterien von RECIST v1.1. Die IHC zeigte, dass PCT in den FLC-Tumorzellen überexprimiert wird, nicht aber in den Zellen der anderen Lebertumoren. Daher lautete das Fazit der Studienautoren, dass PCT in Serum und Gewebe ein sensitiver (83%) und spezifischer (97%) Biomarker für das FLC ist.7
Semela betonte, dass die Ergebnisse sich direkt auf die Arbeit in der Praxis auswirken könnten, da der PCT-Test in den meisten Kliniken bereits Standard in der Diagnostik von bakteriellen Infektionen und damit verfügbar sei.
GS-007: HCC-Monitoring bei Hochrisikopatienten mittels verkürzter MRT
Die aktuellen europäischen und amerikanischen Leitlinien empfehlen für Patienten mit erhöhtem HCC-Risiko alle sechs Monate ein Screening mit Ultraschall plus Alpha-Fetoprotein (AFP). Jedoch sind Sensitivität und Spezifität geringer als bei einer Magnetresonanztomografie (MRT).8,9 Bei der klassischen Leber-MRT werde meist ein intravenöses Kontrastmittel appliziert, was dann verschiedene Phasen durchlaufe: die arterielle, die portalvenöse und die spätvenöse sowie nach ca. 20 Minuten die hepatobiliäre. So könnten auch fokale Läsionen dargestellt werden, doch die Methode sei sehr zeitaufwendig und teuer, erklärte Semela.10
Er erläuterte das Verfahren einer verkürzten («abbreviated») MRT (aMRT). Die Idee sei, ein verkürztes Protokoll einzusetzen, entweder die dynamische oder die hepatobiliäre Phase, um ein HCC bei Hochrisikopatienten zu identifizieren. Eine Studie aus Südkorea habe nun die Gadoxetsäure-angereicherte aMRT, die nur die hepatobiliäre Phase berücksichtigte, mit dem Ultraschallscreening verglichen. Eingeschlossen waren 800 Erwachsene mit einer Hochrisikozirrhose und einer Wahrscheinlichkeit von >5%, innerhalb von zwölf Monaten ein HCC zu entwickeln. Der primäre Endpunkt war, ein HCC in einem kurativen Stadium (BCLC 0 oder A) zu entdecken. Zu den sekundären Endpunkten gehörten unter anderem die Rate falsch positiver Befunde und das Tumorstadium bei Erstdiagnose.11
Insgesamt wurde bei 44 Patienten (5,5%) ein HCC diagnostiziert (32 in der MRT-Gruppe, 12 in der Ultraschallgruppe). Rund 60% der Tumoren waren im Stadium BCLC 0 (<20 mm), etwa 32% wurden im Stadium A entdeckt. Dabei war auch hier die MRT dem Ultraschall überlegen, da sie mehr Tumoren in einem frühen Stadium identifizierte. Ausserdem lieferte sie weniger falsch positive Befunde als der Ultraschall. Daher lautete das Fazit der Autoren, dass auch eine aMRT dem Ultraschall für das HCC-Screening von Hochrisiko-Zirrhosepatienten überlegen ist.11
Semela erklärte, warum das für die Schweiz interessant ist. Hier gebe es eine grosse Zahl an MRT-Geräten. Zudem liefen derzeit mehrere internationale und eine nationale Studie der Universität Lausanne zu diesem Thema. Sollten diese die Resultate der koreanischen Studie bestätigen, könnte dies die Screeningpolitik in der Schweiz verändern, so Semela.
GS-006: stereotaktische Körperbestrahlung versus Radiofrequenzablation
Die Radiofrequenzablation (RFA) ist als kurativer Ansatz bei nicht resezierbaren kleinen (≤3 cm) HCC etabliert. Technische Einschränkungen bestehen je nach Tumorlokalisation und -sichtbarkeit. Die stereotaktische Körperbestrahlung (SBRT) könnte diese Schwierigkeiten meistern, aber es fehlen prospektive, randomisierte Studien, die beide Verfahren bei HCC ≤3 cm vergleichen. Diese Lücke sollte eine Phase-III-Studie zur Nichtunterlegenheit der SBRT versus RFA bei kleinen, nicht resezierbaren HCC schliessen.12
Randomisiert wurden 178 Patienten, wobei ein Cross-over erlaubt war, wenn das jeweilige Verfahren nicht optimal für die Behandlung war. Schliesslich erhielten 102 Patienten eine SBRT, 68 eine RFA. Primärer Endpunkt war das von lokaler Progression freie Überleben (LPFS) nach zwei Jahren. Zu den sekundären Endpunkten gehörten das progressionsfreie Überleben (PFS) und das Gesamtüberleben (OS).
Bei einem medianen Follow-up von 31 Monaten lag das 2-Jahres-LPFS in der SBRT-Gruppe bei 92%, in der RFA-Gruppe bei rund 90%. Auch die 2-Jahres-PFS- und -OS-Raten waren in beiden Gruppen gleich, was die Nichtunterlegenheit der SBRT im Vergleich zur RFA zeigte. Die Rate an lokalen Rezidiven betrug in der SBRT-Gruppe 2%, in der RFA-Gruppe 4,4%. Therapiebedingte gastrointestinale oder biliäre Komplikationen bzw. Todesfälle wurden nicht beobachtet. Daraus schliessen die Autoren, dass die SBRT eine gute Alternative zur RFA bei diesen Tumoren ist.12
Semela sagte, dass mehrere Patienten für eine Radiotherapie in die Klinik in St. Gallen überwiesen worden seien. Diese hätten gut angesprochen. Es sei eine gute Therapie, die definitiv in den jeweiligen Tumorboards erwogen werden sollte.
OS-051-YI: Olanzapin verbessert Lebensqualität und Appetit bei HCC
Viele Patienten mit HCC und Zirrhose litten an Appetitlosigkeit, Kachexie und Sarkopenie, und es sei schwierig, dies mit der Ernährung auszugleichen, erläuterte Semela. Eine randomisierte, kontrollierte Multicenterstudie aus Indien untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Olanzapin zusätzlich zur Ernährungsberatung bei diesen Patienten.13 Das Medikament, eigentlich zur Behandlung bei Schizophrenie eingesetzt, verursache als Nebenwirkung eine Gewichtszunahme von bis zu 15%, sagte der Referent.
Randomisiert wurden 166 Patienten mit Kachexie (unfreiwilliger Verlust von ≥5% des Körpergewichts in sechs Monaten), die entweder 5 mg Olanzapin pro Tag über zwölf Wochen plus Ernährungsberatung oder nur eine Ernährungsberatung erhielten. Primärer Endpunkt war die Anzahl an Patienten, die im Verlauf der zwölf Wochen eine Gewichtszunahme von mindestens 5% gegenüber dem Ausgangswert aufwiesen. Zu den sekundären Endpunkten gehörten unter anderem die Zunahme an Muskelmasse, an Griffstärke der Hände, die Messung der Kalorienzufuhr und die Lebensqualität.13
Die Therapie war gut verträglich. Nach zwölf Wochen wies ein signifikant höherer Anteil an Patienten in der Olanzapingruppe eine Gewichtszunahme von >5% auf (39,7 vs. 15,3%, p<0,001). Auch die Lebensqualität hatte sich in dieser Gruppe bei mehr Patienten verbessert als in der Vergleichsgruppe (46,2 vs. 28,2%, p=0,02) (Abb. 2). Die tägliche Kalorienzufuhr war in der Olanzapingruppe ebenfalls höher (+135 vs. –29kcal, p=0,002). Keine signifikanten Unterschiede wurden hingegen bei der Zunahme der Muskelmasse, der Griffstärke oder der Belastbarkeit festgestellt.13
Abb. 2: Olanzapin steigert Appetit, Gewicht und Lebensqualität bei Patienten mit Leberzellkarzinom (modifiziert nach Biswas S et al. 2026)13
Immunvermittelte und cholestatische Leberkrankheiten
Prof. Dr. med. Andreas Kremer, Zürich, ging vor allem auf die primär biliäre Cholangitis (PBC) und die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ein. Vor Kurzem haben die europäische und die amerikanische Fachgesellschaft (EASL und AASLD) ein Delphi-Konsensusstatement zu Surrogatendpunkten bei PBC veröffentlicht.14 Diese betreffen laut Kremer nicht nur klinische Studien, sondern auch die Symptomlast der Patienten.
Die aktuelle PBC-Leitlinie ist noch nicht veröffentlicht. Der Referent gab aber schon Einblicke in einige Empfehlungen, vor allem zur Zweitlinientherapie. Seit Obeticholsäure (OCA) in Europa vom Markt genommen wurde, stellte sich die Frage nach einer geeigneten Zweitlinientherapie für Patienten, die in der Erstlinie unzureichend auf Ursodeoxycholsäure (UDCA) angesprochen hatten. Hier empfehlen die neuen Leitlinien, PPAR-Agonisten wie Elafibranor, Seladelpar oder («off-label») Bezafibrat. Elafibranor und Seladelpar sind unter Vorbehalt zugelassen. Bei kompensierter Zirrhose und Pfortaderhochdruck sollten sie aber mit Vorsicht eingesetzt werden. PPAR-Agonisten werden bei dekompensierter Zirrhose nicht empfohlen. Bei geeigneten Patienten sollte eine Evaluation zur Lebertransplantation erfolgen. Idealerweise sollten PBC-Patienten früh genug behandelt werden, damit sie keine Leberzirrhose entwickeln, betonte Kremer.
OS-010: Real-World-Daten zu Elafibranor und Seladelpar bei PBC
Kremer stellte eine Studie aus dem spanischen PBC-Register Col Hai mit mehr als 600 Patienten vor. Dabei konzentrierte er sich auf jene 145 Patienten, die noch keine Zweitlinientherapie erhalten hatten. Sie wurden entweder mit Elafibranor oder Seladelpar behandelt.15 Elafibranor erzielte in 89% der Fälle die POISE-Ansprechkriterien (alkalische Phosphatase [AP] <1,67× ULN [= oberer Normwert], 15% AP-Reduktion und normwertiges Gesamtbilirubin nach einem Jahr); zur AP-Normalisierung kam es in 22%. Unter Seladelpar erreichten 70% die POISE-Kriterien und 30% eine AP-Normalisierung.
Auch Patienten, die zuvor mit OCA behandelt worden waren, sprachen auf die PPAR-Agonisten an. Problematisch war es bei Patienten, die zuvor eine OCA-haltige Dreifachtherapie bekommen hatten. Ihre Ansprechraten waren niedriger (Abb. 3). Kremer sagte, dass diese Patienten schwierig zu behandeln seien und auch bei den neuen PPAR-Agonisten ein drittes Medikament benötigten, an dem es derzeit jedoch fehle. An Nebenwirkungen wurden gastrointestinale Symptome, Myalgien und akutes Nierenversagen beobachtet. Die Therapie wurde in 7% (Seladelpar) bzw. 10% (Elafibranor) abgebrochen.15
Abb. 3: Real-World-Daten zur Wirksamkeit von Elafibranor und Seladelpar aus dem Col Hai-Register (modifiziert nach Diaz-Gonzalez A et al. 2026)15
TOP-280: Linerixibat lindert effektiv Juckreiz bei PBC
Zu den besonders belastenden Symptomen der PBC gehört ein starker cholestatischer Juckreiz. In der Phase-III-Studie GLISTEN wurde Linerixibat, ein Inhibitor des ilealen Gallensäuretransportes (IBAT), auf Wirksamkeit und Sicherheit bei PBC-Patienten mit moderatem bis schwerem Juckreiz untersucht. Im Vergleich zu Placebo milderte Linerixibat den Juckreiz signifikant. Dabei war die Therapie gut verträglich: Hauptnebenwirkungen waren Diarrhö (44%) und Bauchschmerzen (12%).16
OS-007: vielversprechende Daten zu Norucholsäure bei PSC
Am EASL-Kongress 2025 wurden bereits 96-Wochen-Daten der Phase-III-Studie NUC-5 (NCT03872921) vorgestellt, die Norucholsäure (NCA) mit Placebo bei PSC-Patienten verglichen hatte. In der NCA-Gruppe erreichten signifikant mehr Personen den kombinierten primären Endpunkt aus Normalisierung der AP-Werte und keiner Verschlechterung der Fibrose (15,1% vs. 4,2%, p=0,0048).17 In diesem Jahr wurde eine Post-hoc-Analyse präsentiert, die die Wirksamkeit von NCA mit/ohne begleitende Therapie mit UDCA untersucht hatte. Es zeigte sich, dass die NCA-Monotherapie der Kombination überlegen war. So erreichten unter NCA/UDCA 12,7% den primären Endpunkt (vs. PBO/UDCA: 5,1%, p=0,08), während es unter NCA-Mono 23,4% (vs. PBO 0%, p<0,001) waren.18
LBO-006: Volixibat lindert Juckreiz bei PSC
Auch die PSC geht häufig mit starkem Pruritus einher, der die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränkt. In der VISTAS-Studie wurde der IBAT-Inhibitor Volixibat gegen Placebo bei PSC-Patienten mit moderatem bis schwerem Pruritus getestet. Primärer Endpunkt war die Veränderung des Juckreizes im Vergleich zum Ausgangswert, gemessen mit dem «Adult ItchRO Score», einer Skala von 0 (kein Juckreiz) bis 10 (stärkster Juckreiz). Zu den sekundären Endpunkten gehörte unter anderem die gesundheitsbedingte Lebensqualität, inkl. Fatigue und Schlafstörungen. Insgesamt nahmen 158 Patienten teil. Unter Volixibat nahm der Juckreiz median um 2,7 Punkte ab (vs. PBO: –1, p<0,0001). Eine Reduktion um drei Punkte erzielten 37% der Patienten in der Volixibatgruppe (vs. PBO: 11%, p=0,019). Auch die Schlafqualität und die Fatigue besserten sich. Es kam zu einer moderaten Reduktion der Serum-Gallensäuren, aber zu keiner Verbesserung der Cholestasemarker. Die Nebenwirkungen waren mit jenen anderer IBAT-Hemmer vergleichbar.19 Damit profitierten auch PSC-Patienten hinsichtlich der Symptomlast von IBAT-Inhibitoren, schloss Kremer.
Quelle:
Hep Cup EASL 2026, Webinar, 17. Juni 2026
Literatur:
1 Puente A et al.: J Hepatol 2025; 83(5): 1069-76 2 Agarwal A et al.: EASL 2026, Abstr. #TOP-454-YI 3 Bosch J: J Hepatol 2021; 74(1): 230-4 4 Saltini D et al.: EASL 2026, Abstr. #GS-011-YI 5 Alessandria C et al.: EASL 2026, Abstr. #GS-005 6 Fernández J et al.: EASL 2026, Abstr. #LBO-002 7 Nault JC et al.: EASL 2026, Abstr. #OS-055 + J Hepatol 2026; 84(6): 1121-30 8 Sangro B et al.: J Hepatol 2025; 82(2): 315-74 9 Singal AG et al.: Hepatology 2023; 78(6): 1922-65 10 Ringe K et al.: J Magn Reson Imaging 2024; 59(1): 58-69 11 Park HJ et al.: EASL 2026, Abstr. #GS-007 12 Jung J et al.: EASL 2026, Abstr. #GS-006 13Biswas S et al.: EASL 2026, Abstr. #OS-051-YI 14 Levy C et al.: J Hepatol 2026; 85(3): 583-602 15 Diaz-Gonzalez A et al.: EASL 2026, Abstr. #OS-010 16 Bowlus CL et al.: EASL 2026, Abstr. #TOP-280 17 Trauner M et al.: EASL 2025, Abstr. #LBO-001 18 Trauner M et al.: EASL 2026, Abstr. #OS-007 19 Levy C et al.: EASL 2026, Abstr. #LBO-006
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