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Tour d’Horizon
DAM
Autor:
OMR Dr. Wolfgang Werner
Präsident des ÖHV<br> E-Mail: ordination@drwwerner.at
30
Min. Lesezeit
20.09.2018
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<p class="article-intro">Es tut sich etwas in unserem Gesundheitssystem – so weit die gute Nachricht. Doch die aktuellen Entwicklungen geben wenig Anlass zur Freude.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>Seit Jahren wurde auf die Kollegenschaft kontinuierlich Druck ausgeübt, möglichst die billigsten Pharmazeutika zu verordnen. Nun stellt sich aus gegebenem Anlass heraus, was ich schon immer gesagt habe: dass Qualität Geld kostet, dass Forschung Geld kostet und dass in einem Land wie Österreich mit strengsten Regeln im Gesundheitsbereich daher auch hohe Medikamentenkosten anfallen. Die Politik, nur billigste Medikamente zuzulassen, hat zu einer Verarmung in der Angebotspalette geführt. Besteingeführte Substanzen mit hervorragenden Referenzen sind aus den Regalen verschwunden, sodass manche Krankheitsbilder gar nicht mehr behandelt werden können. Die Pharmafirmen sind in den kleinen Höchstpreissektor von Spezialtherapien abgewandert, während die Breitenmedikation ausgedünnt wurde. Gefördert wird durch diese Politik ein Konzentrationsprozess zu einigen wenigen Riesenfirmen am Pharmasektor mit Monopolcharakter und hinterfragenswerten Partnerschaften.<br /> Genauso verhält es sich mit der Förderung von großen Einheiten in der Primärversorgung, die natürlich nicht den Ärztemangel in den Ordinationsnachbesetzungen ausgleichen können, die als Zentraleinheiten krisenanfällig und das Gegenteil des Subsidiaritätsprinzips sind. Die Schwierigkeit, solche Einheiten überhaupt zu besetzen, spricht Bände über deren Attraktivität – mit selbstständiger und eigenverantwortlicher Tätigkeit, derentwegen die Kollegen in den niedergelassenen Bereich streben, hat das jedenfalls nichts zu tun!</p> <h2>Ausgabenblockade bei den Krankenkassen</h2> <p>Durch die Blockade von 300–500 Mio. Euro der Krankenkassen wurde sichtbar, dass Krankenkassen große Medizinzentren wie Kinder-, Endoskopie- und Schmerzambulanzen zur Konkurrenz der eigenen Vertragspartner geplant haben. Angesichts der Zahl von 33 Bauvorhaben erhebt sich die Frage, woher das Geld budgetiert wurde. Ganz abgesehen von der Sinnhaftigkeit mancher Planungen. Auch frage ich mich, wo das Prinzip der Konkurrenzvermeidung zwischen Kassen und Vertragspartnern geblieben ist, das konkurrierende Projekte einer gemeinsamen Akkordierung zuführen sollte.<br /> Zum Drüberstreuen kommen Meldungen über die mangelnde Ergebnisqualität in der Medizin. Es hat sich noch immer nicht herumgesprochen: In der Medizin sind Ergebnisse nicht garantierbar. Eine sich bisher autokratisch fühlende Kaste von „Normgebern“ meinte, den „Normunterworfenen“ ähnlich den Fünfjahresplänen die Arbeitsergebnisse vorschreiben zu können. Das hat noch nie funktioniert und nur zu einstürzenden Lügengebäuden geführt. Die Sicherstellung der Verfügbarkeit hochqualitativer Medizin in technischer und organisatorischer Hinsicht ist nur durch Stärkung der Eigenverantwortung des Einzelnen möglich.<br /> Die zuletzt ausgebrochene Diskussion über die Versicherungspflicht ist auf die rasche Schaffung von Tatsachen durch einige Versicherungen zurückzuführen. Dieses Thema wurde jahrelang verschlafen und mit fadenscheinigen Argumenten abgewürgt – immer wurde mit bedürftigen Randgruppen und deren Versicherungsverlust argumentiert. Seit Jahren habe ich vergeblich gepredigt, dass man sich doch mit den Privatversicherungen zusammensetzen solle, um gemeinsam mit Kammer und Versicherungen eine Alternative zu den bestehenden Pflichtversicherungen aufzubauen. Vielleicht wäre die jetzige politische Crashtherapie gar nicht notwendig geworden!<br /> Rahmenbedingungen für eine sinnvolle Medizin sind von Gesetzgeber, Ärztekammer und Versicherungen auszuhandeln – aber wir hinken bereits einen Schritt nach.</p> <h2>Attraktivitätssteigerung der Allgemeinmedizin</h2> <p>Gleich vorweg: Wir benötigen zu unserer Aufwertung nicht den Titel des Facharztes! Schon von der Wortbedeutung her ist der Arzt für Allgemeinmedizin kein Facharzt – das ist eine Kontradiktion! Höherbewertung kann nur durch eine Ausbildungsdauer entsprechend der Facharztausbildung hergestellt werden und durch die damit verbundene Angleichung der Honorare. Die Bezeichnung „praktischer Arzt“ war in Ordnung, weil sie dessen Tätigkeit – kurzfristige, unkomplizierte Verfügbarkeit, unmittelbare Entscheidung – sehr gut beschrieben hat.<br /> Wichtig für die Steigerung der Attraktivität der Allgemeinmedizin jedenfalls sind die umfassende Ausbildung, die unkomplizierte Ordinationsorganisation und eine leistungsgerechte, übersichtliche Honorierung – mehr braucht es nicht, alles andere kommt dann von selbst. Inkompetente Zurufe von fachfremden Effekthaschern jedenfalls behindern jegliche vernünftige Lösung.</p></p>
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