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Geführte Dosisselbsttitration verbindet
Jatros
30
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06.07.2017
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<p class="article-intro">Wir haben mit DGKP Barbara Semlitsch und DGKP Edith Fleischhacker über ihre persönlichen Erfahrungen gesprochen, die sie im Rahmen der Pilotstudie gemacht haben. Die Details zur Studie können Sie dem nebenstehenden Bericht entnehmen.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p><strong>Sehr geehrte Frau Semlitsch, sehr geehrte Frau Fleischhacker, wie kam es zur Idee zu diesem Projekt?</strong><br /> <strong>E. Fleischhacker:</strong> Wir beobachten im niedergelassenen Bereich sehr häufig ein Defizit bezüglich Schulung und Begleitung von Insulinpatienten. Die Betroffenen sind häufig verunsichert. Vonseiten der Kollegen in der Pflege im extramuralen Bereich besteht aber ein großes Engagement, diese Situation zu verbessern.</p> <p><strong>Wer war in das Projekt involviert?</strong><br /> <strong>E. Fleischhacker:</strong> Drei Hausärzte, das Österreichische Rote Kreuz, Landesverband Steiermark, Mobile Pflege und Betreuung, sowie Patienten und deren Angehörige.</p> <p><strong>Welche Rückmeldungen gab es von den angesprochenen Ärzten und Patienten?</strong><br /> <strong>B. Semlitsch:</strong> Die Reaktion der Ärzte war äußerst positiv, da sie teilweise in der Behandlung dieser Patienten keine Erfolgserlebnisse hatten. Es fehlt ihnen schlichtweg die Zeit. Die Betroffenen haben die optimierte und vor allem sehr persönliche Betreuung geschätzt. Wir haben die Patientenzufriedenheit mittels Diabetes Treatment Satisfaction Questionnaire (DTSQ) gemessen. Sowohl bezüglich der Blutzuckereinstellung als auch bezüglich des Verständnisses der Erkrankung hat sich eine deutliche Zunahme der Zufriedenheit gezeigt. Die Angehörigen haben das Projekt als sehr hilfreich für das Verständnis und die Unterstützung der Betroffenen erlebt – Titration verbindet.</p> <p><strong>Gab es Ängste, Bedenken oder Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Projektes bzw. bezüglich der (Selbst-)Titration? Wenn ja, welche?</strong><br /> <strong>E. Fleischhacker:</strong> Eigentlich nicht. Die Patienten hatten jederzeit die Möglichkeit, bei Unklarheiten telefonisch Rücksprache mit der betreuenden DGKP zu halten. Diese Möglichkeit wurde nur sehr selten in Anspruch genommen – insgesamt viermal in sechs Monaten.</p> <p><strong>Das Durchschnittsalter der Patienten war mit 74 Jahren relativ hoch. Hatte dies Einfluss auf den Verlauf des Projektes?</strong><br /> <strong>E. Fleischhacker:</strong> Unsere Haupterfahrung war: Es ist einfacher, als man denkt! Wir waren sehr positiv überrascht, dass auch in einem älteren Patientenkollektiv solche Verbesserungen möglich sind. Der Wunsch der Patienten, die Krankheit besser zu verstehen, war enorm hoch.</p> <p><strong>Der Erfolg war erstaunlich: eine Reduktion des HbA<sub>1c</sub> um 1,3 % in relativ kurzer Zeit. Was war ausschlaggebend?</strong><br /> <strong>B. Semlitsch:</strong> Wir wissen aus Studien, dass die regelmäßige Dosisanpassung in kleinen Schritten effektiver wirkt als größere Dosisschritte in längeren Abständen. Ich denke aber, es war eine Kombination aus vielem. Es wurde durch das Festlegen eines Zielbereiches und die strukturierte BZ-Messung gemeinsam mit dem Erlernen der Handhabung der Titrationskarte ein Grundstein für das Empowerment gelegt. Die regelmäßigen Visiten mit Mikroschulungseinheiten zum Thema Diabetes mellitus haben das Selbstvertrauen der Patienten gestärkt und geholfen, echtes Selbstmanagement zu entwickeln. In unserer Arbeit hat sich weniger die Insulingesamtdosis als die Aufteilung der Dosen über den Tag verändert.</p> <p><strong>Worin besteht aus Ihrer Sicht im extramuralen Setting der Wert solcher Titrationshilfen?</strong><br /> <strong>E. Fleischhacker:</strong> Neben der tatsächlichen Dosisanpassung stellen solche Hilfsmittel sehr gute Grundlagen für die Schulung dar. Man kann damit sehr gut die Zusammenhänge zwischen der Dynamik der Insulinwirkung und den Messzeitpunkten der Blutzuckermessung erklären. Damit verstehen die Patienten auch, warum sie messen, und können selbstständig auf die Messwerte reagieren. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit ist wesentlich für ein langfristiges Gelingen der Insulintherapie. Wichtig sind das Festlegen sinnvoller Blutzuckerzielbereiche, die Überprüfung des Lernerfolgs und das Vorhandensein von Ansprechpersonen bei Unsicherheiten.</p> <p><strong>Wie geht es mit dem Projekt weiter?</strong><br /> <strong>B. Semlitsch:</strong> Das Projekt wird nun auf zwei zusätzliche Zentren in Wien und Niederösterreich in Kooperation mit dem Roten Kreuz und der Caritas ausgeweitet, sodass wir am Ende rund 50 Patienten in der Auswertung haben werden.</p> <p><strong>Danke für das Gespräch!</strong></p></p>
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