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GLP-1-Rezeptor-Agonisten

Die Zukunft hat begonnen

<p class="article-intro">GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind wirksame blutzuckersenkende Substanzen, die per se keine Hypoglykämien verursachen und mit einer Abnahme des Körpergewichts einhergehen. Studien zeigen, dass diese Substanzen das kardiovaskuläre Risiko von Diabetespatienten signifikant senken.</p> <p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Keypoints</h2> <ul> <li>GLP-1-Rezeptor-Agonisten stimulieren die Insulinsekretion in Abh&auml;ngigkeit vom Blutzuckerspiegel und unterdr&uuml;cken die Glukagonsekretion nach den Mahlzeiten.</li> <li>GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind eine Option vor, mit und nach einer Insulintherapie.</li> <li>Insbesondere Diabetespatienten mit kardiovaskul&auml;ren Erkrankungen profitieren von einer Therapie mit einem GLP-1-Rezeptor- Agonisten.</li> <li>Die Fixkombination von einem Basalinsulin mit einem GLP- 1-Rezeptor-Agonisten ist f&uuml;r bestimmte Patienten eine attraktive Therapieoption.</li> </ul> </div> <p>Es steht au&szlig;er Zweifel, dass durch gute glyk&auml;mische Kontrolle das Risiko f&uuml;r mikro- und makrovaskul&auml;re Komplikationen reduziert werden kann&ldquo;, so Prof. Dr. Angelyn Bethel, Diabetes Trial Unit, University Oxford (GB). Zur Senkung des Blutzuckers steht eine Vielzahl von Medikamenten zur Verf&uuml;gung, wobei bei manchen Substanzklassen Bedenken hinsichtlich der Erh&ouml;hung des kardiovaskul&auml;ren Risikos oder bez&uuml;glich Assoziationen mit Pankreatitis und Malignit&auml;ten bestehen. Daher fordern internationale Zulassungsbeh&ouml;rden neben dem Nachweis des blutzuckersenkenden Effektes auch einen Beleg f&uuml;r die kardiovaskul&auml;re Sicherheit der jeweiligen Substanz.</p> <h2>Kardiovaskul&auml;re Effekte von GLP-1-Rezeptor-Agonisten</h2> <p>&bdquo;Glucagon-like peptide&ldquo;-1(GLP-1)-Rezeptor- Agonisten stimulieren die Insulinsekretion in der Bauchspeicheldr&uuml;se in Abh&auml;ngigkeit vom Blutzuckerspiegel und unterdr&uuml;cken die Glukagonsekretion nach den Mahlzeiten. Sie f&uuml;hren zu einer Verlangsamung der Magenentleerung sowie einer Unterdr&uuml;ckung des Appetits und damit zu einer Gewichtsabnahme.<sup>1, 2</sup> Die Inkretine GLP-1 und GIP (glukoseabh&auml;ngiges insulinotropes Peptid) werden bei Nahrungsaufnahme im Darm sezerniert und innerhalb kurzer Zeit vom Enzym DPP-4 inaktiviert. So betr&auml;gt die Halbwertszeit von GLP-1 nur rund 2 bis 4 Minuten. Die Dauer des Effektes von GLP-1 kann entweder durch die Hemmung von DPP-4 oder mittels GLP- 1-Rezeptor-Agonisten verl&auml;ngert werden.<sup>3, 4</sup><br /> &Uuml;ber ihre Wirkung auf das Pankreas hinaus haben GLP-1-Rezeptor-Agonisten indirekte kardiovaskul&auml;re Effekte.<sup>5</sup> So erh&ouml;hen sie in der Niere die Natriurese bei gleichzeitiger Reduktion des Blutvolumens, was zu einer geringf&uuml;gigen Senkung des Blutdrucks f&uuml;hrt. Im zentralen Nervensystem kommt es zu einer Reduktion des Appetits sowie zu einer Steigerung der sympathischen Aktivit&auml;t und damit zu einer Erh&ouml;hung der Herzfrequenz. Dar&uuml;ber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass GLP-1-Rezeptor- Agonisten Entz&uuml;ndungsmarker reduzieren. &bdquo;Im gesunden Herzen f&uuml;hrt das zu einem Shift vom Fetts&auml;ure- zum effizienteren Glukosestoffwechsel, zu einem gesteigerten koronaren Fluss. Im isch&auml;mischen Herzen wird dar&uuml;ber hinaus die linksventrikul&auml;re Auswurffraktion erh&ouml;ht und das Infarktvolumen reduziert&ldquo;, erkl&auml;rt Bethel.</p> <h2>Reduktion des kardiovaskul&auml;ren Risikos</h2> <p>In einer Reihe von Studien wurden die Effekte von GLP-1-Rezeptor-Agonisten und DPP-4-Inhibitoren auf kardiovaskul&auml;re Parameter untersucht. So konnte in drei Studien gezeigt werden, dass das Risiko f&uuml;r ein MACE (&bdquo;major cardiovascular event&ldquo;) unter Therapie mit DPP-4-Inhibitoren nicht h&ouml;her als unter einer Blutzuckertherapie ohne DPP-4-Hemmer ist.<sup>6&ndash;8</sup> Allerdings kam es in der SAVOR-TIMI-Studie unter Sitagliptin zu einer signifikanten Erh&ouml;hung der Hospitalisierungsrate aufgrund von Herzinsuffizienz.<sup>6</sup><br /> Auch f&uuml;r GLP-1-Rezeptor-Agonisten liegen die Daten aus drei Studien betreffend die kardiovaskul&auml;re Sicherheit vor. ELIXA hat gezeigt, dass die Rate an kardiovaskul&auml;ren Ereignissen unter Lixisenatid mit jener unter Placebo vergleichbar ist.<sup>9</sup> Es ergaben sich keine Hinweise auf eine Erh&ouml;hung des Herzinsuffizienzrisikos. In der LEADER-Studie gelang der Nachweis, dass Liraglutid das MACE-Risiko &uuml;ber den Behandlungszeitraum von 54 Wochen gegen&uuml;ber Placebo um 13 % senkt (p=0,01).<sup>10</sup> Es ergaben sich auch keine Hinweise auf eine Erh&ouml;hung der Herzinsuffizienzrate. Dar&uuml;ber hinaus war auch das Risiko f&uuml;r mikrovaskul&auml;re Komplikationen unter Liraglutid signifikant um 16 % reduziert (p=0,02). In SUSTAIN-6 konnte der Nachweis erbracht werden, dass auch unter Semaglutid das kardiovaskul&auml;re Risiko im Vergleich zu Placebo signifikant um 26 % reduziert werden kann (p=0,02) und dass keine Hinweise auf eine Erh&ouml;hung des Herzinsuffizienzrisikos bestehen.<sup>11</sup> So wie in LEADER wurde auch in SUSTAIN-6 eine Reduktion des Risikos f&uuml;r mikrovaskul&auml;re Komplikationen beobachtet.</p> <h2>GLP-1-Rezeptor-Agonist plus Basalinsulin</h2> <p>K&ouml;nnen mit einer Metformin-Monotherapie die individualisierten HbA<sub>1c</sub>-Ziele nicht erreicht werden, so sind laut Empfehlungen internationaler Diabetesgesellschaften verschiedene Kombinationen mit Metformin, darunter mit GLP-1-Rezeptor- Agonisten oder Basalinsulin, indiziert.<sup>12</sup> Basalinsulin ist in der Lage, den N&uuml;chternblutzucker (NBZ) zu senken, und beeinflusst die postprandiale Glukoseerh&ouml;hung nicht. Die Blutzuckersenkung wird allerdings mit einer Erh&ouml;hung der Hypoglyk&auml;mierate erkauft, wobei das Hypoglyk&auml;mierisiko bei neueren Basalinsulinen und Insulinanaloga geringer als bei &auml;lteren ist.<sup>13</sup> Dar&uuml;ber hinaus kommt es unter Insulintherapie zur Gewichtszunahme<sup>14</sup> und auch ein kardiovaskul&auml;rer Benefit l&auml;sst sich durch fr&uuml;hen Insulin-Einsatz nicht lukrieren.<sup>15</sup><br /> Bez&uuml;glich der glyk&auml;mischen Effekte von GLP-1-Rezeptor-Agonisten macht Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Harald Sourij, Klinische Abteilung f&uuml;r Endokrinologie und Diabetologie der Medizinischen Universit&auml;t Graz, darauf aufmerksam, dass zwischen langund kurz wirksamen Formulierungen unterschieden werden muss. So ist die lang wirksame Formulierung der kurz wirksamen hinsichtlich glyk&auml;mischer Kontrolle und Senkung des NBZ &uuml;berlegen. Der kurz wirksame GLP-1-Rezeptor-Agonist bewirkt im Vergleich zum lang wirksamen allerdings eine Abflachung des Blutzuckerprofils, insbesondere nach dem Fr&uuml;hst&uuml;ck und dem Abendessen.<sup>16</sup> &bdquo;Ein Nebeneffekt dieser Substanzklasse ist eine Reduktion des K&ouml;rpergewichts um rund zwei bis drei Kilogramm&ldquo;, sagt Sourij. Die kardiovaskul&auml;ren Vorteile der GLP-1-Rezeptor-Agonisten wurden oben beschrieben. &bdquo;Werden GLP-1- Rezeptor-Agonisten und Basalinsulin kombiniert, so ergeben sich als Vorteile eine verst&auml;rkte HbA<sub>1c</sub>- und N&uuml;chternblutzuckersenkung, die Reduktion der postprandialen Glukosespiegel sowie eine Gewichtsreduktion, weniger Hypoglyk&auml;mien und &Uuml;belkeit im Vergleich zur Austitration der jeweiligen Therapie&ldquo;, so Sourij.<br /><br /> Kombinationen mit einem GLP-1-Rezeptor- Agonisten und Basalinsulin kommen nach Versagen der oralen antihyperglyk&auml;mischen Therapie zum Einsatz, wobei entweder mit einem Basalinsulin begonnen und der GLP-1-Rezeptor-Agonisten anschlie&szlig;end gegeben werden kann oder umgekehrt oder sofort mit einer Fixkombination begonnen werden kann. &bdquo;Klinische Studien haben gezeigt, dass beide Strategien &ndash; mit einem GLP-1-Rezeptor- Agonisten zu beginnen und mit Basalinsulin zu unterst&uuml;tzen und umgekehrt &ndash; sinnvoll sind&ldquo;, berichtet Sourij. Der Diabetologe empfiehlt bei adip&ouml;sen Patienten, bei denen eine Gewichtsreduktion dringlich ist, sowie bei vorbestehenden kardiovaskul&auml;ren Erkrankungen, mit einem GLP-1-Rezeptor-Agonisten zu beginnen. Das Vorliegen gastrointestinaler Erkrankungen und schwerer Niereninsuffizienz spricht eher f&uuml;r den Beginn mit einem Basalinsulin. Das Alter des Patienten, Hypoglyk&auml;mierisiko oder Lebererkrankungen erfordern ein individuelles Abw&auml;gen der jeweiligen Vor- und Nachteile.</p> <h2>Fixkombinationen</h2> <p>Bez&uuml;glich der Wirksamkeit der Fixkombination aus GLP-1-Rezeptor-Agonisten und Basalinsulin hat sich gezeigt, dass damit der Blutzucker effektiver gesenkt werden kann als durch Hochtitrieren der jeweiligen Einzelsubstanz.<sup>17</sup> Wie zu erwarten kam es unter der Fixkombination zu einer geringf&uuml;gigen Senkung des K&ouml;rpergewichts und das Hypoglyk&auml;mierisiko war gegen&uuml;ber der Therapie mit Basalinsulin reduziert.<br /> Sowohl fixe als auch offene Kombinationen haben Vorteile. So ist die Handhabung der Fixkombination einfach, das Hypoglyk&auml;mierisiko ist bei gleicher glyk&auml;mischer Kontrolle geringer als mit Insulin alleine und die geringere Zahl an Injektionen verbessert die Adh&auml;renz. Bei offenen Kombinationen wiederum kann die volle Dosis des GLP-1-Rezeptor-Agonisten ausgesch&ouml;pft werden, bevor mit der Insulintherapie begonnen wird, was insbesondere in Hinsicht auf den kardiovaskul&auml;ren Benefit von Bedeutung ist. Dar&uuml;ber hinaus kann die Therapie individualisiert werden und das Hypoglyk&auml;mierisiko unter GLP-1-Rezeptor- Agonisten ist &auml;u&szlig;erst gering.</p> <div id="fazit"> <h2>Praxistipp</h2> &bdquo;Insbesondere bei Patienten mit kardiovaskul&auml;ren Ereignissen sollte eine Therapie mit einem GLP-1-Rezeptor- Agonisten oder einem SGLT-2-Hemmer begonnen werden.&ldquo;</div></p> <p class="article-quelle">Quelle: 44. ÖDG-Jahrestagung, 17.–19. November 2016 </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Meier JJ, Nauck MA: Best Pract Res Clin Endocrinol Metab 2004; 18(4): 587-606 <strong>2</strong> Drucker DJ: Diabetes Care 2003; 26(10): 2929-40 <strong>3</strong> Deacon CF et al: Diabetes 1995; 44(9): 1126-31 <strong>4</strong> Meier JJ et al: Diabetes 2004; 53(3): 654-62 <strong>5</strong> Ussher JR, Drucker DJ et al: Circ Res 2014; 114(11): 1788- 803 <strong>6</strong> Scirica BM et al: N Engl J Med 2013; 369(14): 1317-26 <strong>7</strong> White WB et al: Diabetes Obes Metab 2013; 15(7): 668-73 <strong>8</strong> Green JB et al: N Engl J Med 2015; 373(3): 232-42 <strong>9</strong> Pfeffer et al: ADA 75th Scientific Session, 5.-9. Juni 2015, Boston <strong>10</strong> Marso SP et al: N Engl J Med 2016; 375(4): 311-22 <strong>11</strong> Marso S P et al: N Engl J Med 2016; 375(19): 1834-44 <strong>12</strong> Inzucchi SE et al: Diabetes Care 2015; 38(1): 140-9 <strong>13</strong> Riddle MC et a l: Diabetes Care 2 003; 2 6(11): 3080-6 <strong>14</strong> Holman RR et al: N Engl J Med 2009; 361(18): 1736-47 <strong>15</strong> ORIGIN Trial Investigators: N Engl J Med 2012; 367(4): 319-28 <strong>16</strong> Drucker JJ et al: Lancet 2008; 372(9645): 1240- 50 <strong>17</strong> Gough SC et al: Lancet Diabetes Endocrinol 2014; 2(11): 885-93</p> </div> </p>
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