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Diabetesleitlinien im Wandel der Zeit
Jatros
Autor:
Dr. Michael Resl
Abteilung für Innere Medizin,<br> Barmherzige Brüder Linz
Autor:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi
Abteilung für Innere Medizin,<br> Barmherzige Brüder Linz<br> E-Mail: martin.clodi@medinterne.at
30
Min. Lesezeit
09.11.2017
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<p class="article-intro">Die Österreichische Diabetes-Gesellschaft hat im Jahr 2004 erstmals Leitlinien für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 herausgegeben und damit einen maßgeblichen Schritt in Richtung österreichweiter Standardisierung der Behandlung des Diabetes mellitus getan. Unverändert zu damals finden sich auch heute die moderne Medizin und insbesondere die Diabetesbehandlung mit einem exponentiell zunehmenden Ausmaß an Komplexität konfrontiert, welche eine große Herausforderung für die behandelnden Teams ist.</p>
<hr />
<p class="article-content"><h2>Von regionalen Unterschieden zu einem gemeinsamen Standard</h2> <p>Mit dem Ende der 1990er-Jahre sind durch das Internet die Verteilungsmöglichkeiten als auch die Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Dokumenten und Leitlinien revolutioniert worden. In diesen Jahren waren die therapeutischen Ansätze und die verfügbaren Substanzen verglichen mit heute limitiert, sodass die Auswahl der korrekten Therapiestrategien noch deutlich einfacher war. In der Ära vor den großen Endpunktstudien (ACCORD, ADVANCE und VADT) und den substanzspezifischen, auf das kardiovaskuläre Outcome gerichteten Studien wurde generell hinsichtlich der Glykämie ein „The lower, the better“-Konzept verfolgt und ein HbA<sub>1c</sub> <6,5 % empfohlen. Bis zum Erscheinen der ersten Leitlinien der ÖDG und der einfachen Verfügbarkeit über das Internet gab es doch deutlich größere regionale Unterschiede in der Behandlung des Diabetes mellitus. Durch die breite Distribution der Leitlinien war es möglich, über die Jahre hinweg eine höhere Standardisierung in der Behandlung des Diabetes mellitus zu erreichen.</p> <h2>Pathophysiologisches Verständnis führt zu neuen Therapien</h2> <p>Auf das rasant zunehmende pathophysiologische Verständnis der Erkrankung folgte eine exponentielle Zunahme der zur Verfügung stehenden blutzuckersenkenden Substanzen. War es vor 15 Jahren noch nicht sinnvoll, mehr als zwei unterschiedliche orale blutzuckersenkende Substanzen zu kombinieren, so scheinen heute doch auch Mehrfachkombinationen bei ausgewählten Patienten differenzialtherapeutisch sehr wertvoll zu sein. Über die Jahre haben sich die zu berücksichtigenden Faktoren für die Auswahl der individuellen, optimal adaptierten Diabetestherapie vervielfacht. Heute gilt es primär, ein HbA<sup>1c</sup>- Ziel mit dem Patienten, entsprechend seiner Erkrankungssituation, zu vereinbaren. Faktoren wie der Lebensstil, Surrogatparameter für Insulinresistenz, substanzspezifische kardiovaskuläre Effekte, Alter und Komorbiditäten der Patienten sowie die Hypoglykämiegefahr müssen berücksichtigt werden. Die zunehmende Zahl an Substanzen gleicher Wirkklassen macht es schwierig, den generellen Überblick zu bewahren, und stellt gerade am Beginn der medizinischen Laufbahn eine große Herausforderung dar.</p> <h2>Leitlinien geben Handlungsrahmen vor</h2> <p>Mithilfe der Leitlinien ist ein strukturierter Einstieg mit klaren Zielwertdefinitionen und Behandlungspfaden möglich, wobei in weiterer Folge die persönliche Erfahrung mit jeder einzelnen Substanz einen weiterhin sehr hohen Stellenwert behält. Es ist wohl aber eine Synergie aus einem durch die Leitlinien vorgegebenen Handlungsrahmen, der klinischen Expertise der Behandler und den Patientenfaktoren, welche für eine optimale Behandlung der Patienten erforderlich ist. Die initialen Probleme der entsprechenden Verteilung des Wissens sind durch die zunehmende Komplexität der Behandlungswege abgelöst worden.<br /> Trotz der dynamischen Entwicklungen scheinen die Rolle von Metformin und der weiterhin hohe Stellenwert dieser Substanz besonders bemerkenswert. Zu den großen Meilensteinen gehören die Individualisierung der HbA<sub>1c</sub>-Zielwerte, welche jedoch keinesfalls als Grund für eine weniger stringente Therapieführung gesehen werden darf, gerade aber bei multimorbiden Patienten adäquate Anpassungen der Therapie erlauben.<br /> Auch das zunehmende Verständnis substanzspezifischer, kardiovaskulärer Effekte, welche unabhängig von den glykämischen Effekten sind, spiegelt sich zusehends in den Leitlinien wider und wird in den zukünftigen Leitlinien deutlich an Wertigkeit gewinnen. Über die Jahre sind viele Kapitel der Leitlinien detailreicher ausgearbeitet worden, auch neuen technologischen Entwicklungen wie der Insulinpumpentherapie oder der kontinuierlichen Glukosemessung wird ein entsprechender Raum gegeben.<br /> Für die Erstellung zukünftiger Leitlinien wird die Fokussierung auf eine möglichst konzentrierte und effektive Wissensweitergabe die größte Herausforderung darstellen, da beinahe täglich neue relevante Erkenntnisse gewonnen werden.</p> <div id="fazit"> <h2>Praxistipp</h2> Am Anfang der medizinischen Laufbahn sollte man besonders auf die Leitlinien achten – sie geben Sicherheit und helfen dabei, die Übersicht zu bewahren.</div></p>
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