© Oleg Kovtun - stock.adobe.com

Hautparasiten als häufig übersehene Ursache

Blepharitis: Jeder 2. Augenpatient leidet unter Demodex-Befall

Brennende, juckende, gerötete Augen, Fremdkörpergefühl, verklebte Lidränder und Sehschwankungen: Hinter solchen Beschwerden stecken sehr oft Demodex-Milben, die aktuellen Studien zufolge meist übersehen werden. Wie man einen verstärkten Milbenbefall am Auge erkennt und welche Therapien helfen.

Demodex-Milben gehören zur natürlichen Hautflora des Menschen und leben überwiegend auf behaarten Arealen. Problematisch für die Augen wird ihr Auftreten, wenn sie massiv Wimpernwurzeln, Talg- und Liddrüsen besiedeln und Entzündungen am Lidrand und der Augenoberfläche verursachen. Wie neueste Untersuchungen zeigen, ist das häufiger der Fall als bisher angenommen.1 „Einen krankhaften Befall mit Demodex-Milben weisen 55% der Patienten auf, die eine Augenarztpraxis aufsuchen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Christina Jacobi vom Augen & Haut Zentrum Nürnberg. Mit dem Alter steige das Risiko weiter an, so die Expertin der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft e.V. (DOG): „Dennoch bleibt der vermehrte Milbenbefall leider häufig unerkannt.“

Typische Beschwerden werden oft falsch eingeordnet

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die milbenbedingte Lidrandentzündung oft mit trockenen Augen allein, der entzündlichen Hauterkrankung Rosazea, einer allergischen Reizung oder einer unspezifischen Lidrandentzündung verwechselt wird.2 „Viele Patienten werden deshalb über längere Zeit ohne nachhaltigen Erfolg behandelt“, so Jacobi. Sie rät: „Wenn sich Augenbeschwerden wie Juckreiz, Brennen, Fremdkörpergefühl und schwankende Sehfähigkeit trotz Tropfen, Salben oder allgemeiner Lidpflege nicht bessern, sollte auf augenärztlicher Seite gezielt nach einem verstärkten Milbenbefall als Ursache gesucht werden.“

Zylindrische Schuppen als entscheidender Hinweis

Das erfordert laut Jacobi keinen großen Aufwand. Für die frühzeitige Diagnose genügt häufig ein genauer Blick durch die Spaltlampe auf den Wimpernansatz.2„Das typische klinische Zeichen sind sogenannte Kollaretten, also Schuppen, die die Wimpern wie ein kleiner Kragen umschließen.“ Die Ablagerungen gelten als hochspezifischer Hinweis auf eine Demodex-Blepharitis. „Besonders gut sind die Hautparasiten an der Spaltlampe am oberen Lidrand zu erkennen, wenn die Patienten nach unten blicken“, so die DOG-Expertin. Um ganz sicherzugehen, können einzelne Wimpern zur Milbenzählung entnommen und unter dem Mikroskop untersucht werden.

Tägliche Lidrandpflege mit Teebaumöl-Präparaten

Die beste verfügbare Behandlung ist derzeit die tägliche Lidrandpflege mit Teebaumöl-haltigen Präparaten, um die Milbenlast zu reduzieren und Entzündungen einzudämmen.3–5 Präparate mit dem Wirkstoff Terpinen-4-ol sind als Schaum, Gel und Einmaltücher erhältlich. „Entscheidend ist, die Behandlung täglich konsequent über mindestens vier bis sechs Wochen durchzuführen, um den Lebenszyklus der Milben lückenlos abzudecken“, betont die Augenärztin.

Weitere Verfahren – und ein neues Medikament in den USA

Zusätzlich können weitere Verfahren gegen die Parasiten eingesetzt werden, etwa eine gründliche, augenärztliche Reinigung der Lidkante oder eine Behandlung mit Lichtimpulsen. Auch das Auftragen der entzündungshemmenden Wirkstoffe Ivermectin oder Metronidazol zeigt Wirksamkeit gegen Demodex-Milben, zählt jedoch zu den Off-Label-Therapien. „Diese Optionen können sinnvoll sein, ersetzen aber nicht die regelmäßige Lidrandhygiene als Basis der Behandlung“, so Jacobi. Unterdessen ist vor Kurzem in den USA mit Lotilaner 0,25% die erste antiparasitäre Augentropfentherapie zugelassen worden, die Milben gezielt lähmt.6 Das Präparat ist allerdings extrem teuer. (red)

Pressemitteilung der DOG vom 17.9.2026

1 Nanavaty MA et al.: Proportion of patients with Demodex blepharitis in ophthalmology clinics in Europe: the Eos study. Eye 2026; 40(2): 165-7 2 Golschan E, Kohnen T: Demodex-Blepharitis – Der Blick nach unten an der Spaltlampe. Ophthalmologie 2026; 123: 314-8 3 Donnenfeld E et al.: DEPTH consensus regarding the preferred treatment for Demodex blepharitis. Clin Ophthalmol 2025; 19: 1893-1904 4 Jacobi C et al.: Different approach to manage Demodex blepharitis: initial and maintenance treatment. Curr Eye Res 2022; 47(3): 352-60 5 Yeu E et al.: Clinical manifestations and patient-reported outcomes in Demodex blepharitis. Clin Optom 2026; 18: 560101 2026 6 Yeu E et al.: Safety and efficacy of lotilaner ophthalmic solution (0.25%) in treating Demodex blepharitis: pooled analysis of two pivotal trials. Ophthalmol Ther 2025; 14(3): 555-71

Back to top