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Nierenzellkarzinom

Möglichkeiten mit den neuen Therapiestrategien beim RCC

<p class="article-intro">Die molekulare Forschung hat auch für das Nierenzellkarzinom (RCC) neue Therapiestrategien eröffnet. Die klinischen Studien befinden sich in der Regel in Phase-I- und Phase-II-Stadien, aber die Ergebnisse weisen auf vielversprechende Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit hin. In einer Sitzung im Rahmen des ESMO-Kongresses wurden neue Signalwege, die Immunbiologie und Kombinationstherapien erörtert.</p> <p class="article-content"><div id="keypoints"> <h2>Key Points</h2> <ul> <li>Das Wissen, das in den letzten 10 Jahren zur Biologie des RCC gesammelt wurde, muss nun klinisch in molekulare pr&auml;diktive Faktoren umgesetzt werden.</li> <li>Die bisherigen Erfahrungen in Bezug auf die Therapie des RCC sollten mit den neuen Substanzen, insbesondere den Checkpoint-Inhibitoren, erg&auml;nzt werden. Die klinischen Studien m&uuml;ssen Fragen der Klinik ebenso widerspiegeln wie Fragen nach molekularen pr&auml;diktiven Faktoren.</li> <li>Die intratumorale Heterogenit&auml;t ist eventuell mit einer erh&ouml;hten Aktivit&auml;t der Immuntherapie assoziiert. Sie generiert Neoantigene, die vielleicht f&uuml;r die Immuntherapie verwendet werden k&ouml;nnen.</li> </ul> </div> <p>Unter Anti-VEGF-Therapie kommt es beim klarzelligen Nierenzellkarzinom bei den meisten Patienten zu einer Tumorschrumpfung. Betrachtet man die zielgerichtete Therapie mit BRAF-Inhibitoren beim malignen Melanom, so sind die Erfolge allerdings eher geringer, bemerkte Prof. James Larkin, The Royal Marsden Hospital, London/UK. Vergleicht man die beiden Tumorentit&auml;ten weiter, so f&auml;llt auf, dass die biologischen Mechanismen der erworbenen Resistenz beim Melanom relativ gut bekannt sind, beim RCC aber nicht. Daf&uuml;r werden mit der klinischen Erfahrung beim RCC recht erfolgreich Patienten identifiziert, die von einer Therapie weniger profitieren, so Larkin.</p> <h2>Therapieerfolge h&auml;ngen von der Tumorbiologie ab</h2> <p>Die Unterschiede f&uuml;r den Erfolg zielgerichteter Therapien bei verschiedenen Tumorentit&auml;ten sind in der Tumorbiologie begr&uuml;ndet. Bei Entit&auml;ten mit aktivierenden Kinasemutationen, wie Melanom, Bronchialkarzinom oder GIST, kann in die mutierten Signalwege gezielt eingegriffen werden. Dies ist bei Tumorsuppressorgenen, die z.B. die Biologie des RCC dominieren, schwieriger. Therapien, die au&szlig;erhalb des Tumors aktiv sind, k&ouml;nnten aber unabh&auml;ngig von Signalwegen eine gute Tumorkontrolle bieten, sagte Larkin. F&uuml;r diese Art der Therapien, z.B. Immuntherapien und die Anti-VEGF-Therapie, wurden bisher allerdings keine pr&auml;diktiven Faktoren bei irgendeiner Tumorentit&auml;t identifiziert. Bei Tumoren mit Aktivierung des entsprechenden Signalwegs w&uuml;rde man erwarten, dass der Tumor sensitiv gegen&uuml;ber der Inhibition ist, sagte Larkin. F&uuml;r mTOR-Inhibitoren beim RCC sei dies deutlich nicht der Fall. Zwar seien mTOR-Inhibitoren aktiv beim RCC, aber weniger als die Anti-VEGF-Therapie. Dies l&auml;ge nicht an der Unregelm&auml;&szlig;igkeit der mTOR-Signalweg-Ver&auml;nderungen, sondern vielmehr daran, dass diese Mutationen keine Treibermutationen, im Sinne einer Mutation im Stamm anstatt in den &Auml;sten der Tumorevolution, sind.</p> <h2>Studien sollten Verst&auml;ndnis der Erkrankungsevolution f&ouml;rdern</h2> <p>Larkin pl&auml;dierte f&uuml;r mehr Studien, die diese Thematik insbesondere in Bezug auf die Metastasenlokalisationen mit nicht invasiven Technologien untersuchen. Dadurch k&ouml;nne z.B. mehr Verst&auml;ndnis f&uuml;r den Gebrauch von mTOR-Inhibitoren beim RCC gewonnen werden. Es sollte in relativ kleinen, &bdquo;gewebebasierten&ldquo; klinischen Studien das Verst&auml;ndnis der Erkrankungsevolution besser erforscht werden. Auch das Ansprechen und die Resistenzbildung bei Anti-VEGF- und Anti-mTOR-Inhibitoren sollten verstanden sein. Zudem sei es wichtig, andere neue Therapien, wie z.B. Anti-PD-1/PD-L1, weiter zu erforschen. Wichtige klinische Aspekte d&uuml;rfen nat&uuml;rlich nicht vernachl&auml;ssigt werden, darum sollten die Studien z.B. auch die Fragen beantworten, wie die schlechte Prognose bei sarkomatoiden Histologien, bei f&uuml;r die zytoreduktive Nephrektomie ungeeigneten mRCC-Patienten, beim nicht klarzelligen RCC und bei Patienten mit geringem Therapieerfolg unter Anti-VEGF-Therapien verbessert werden k&ouml;nnte.</p> <p>Wir m&uuml;ssen die Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie weiterf&uuml;hren, um interessante Substanzen zum RCC zu bringen, konstatierte Larkin. Ein interessanter Ansatz ist z.B. eine randomisierte Phase-II-Studie, die Sunitinib versus MPDL3280A versus Bevacizumab + MPDL3280A mit M&ouml;glichkeit zum Cross-over vergleicht (NCT01984242). In dieser Studie wurde mit der Kombination eine gut vertr&auml;gliche Option gew&auml;hlt, zudem schlie&szlig;t die Studie Patienten ohne zytoreduktive Nephrektomie ein und erlaubt die sarkomatoide Histologie explizit. Eine Phase-III-Studie, die Larkin als zweites Beispiel hervorhob, vergleicht Sunitinib versus Ipilimumab + Nivolumab (NCT02231749). Eine fr&uuml;he Wirksamkeit der Kombination zeigte sich bei ungef&auml;hr 40 % der Patienten.</p> <h2>Der Herausforderung Tumorheterogenit&auml;t mit der Immuntherapie begegnen</h2> <p>Der intratumoralen Heterogenit&auml;t k&ouml;nne mit der Entwicklung eines gen&uuml;gend gro&szlig;en Arsenals an molekularen zielgerichteten Therapien begegnet werden, allerdings stelle dies eine technische und klinische Herausforderung dar, sagte Prof. David McDermott, Harvard Medical School, Boston. Auch w&uuml;rden mit der klonalen Diversit&auml;t und der klonalen Evolution dennoch immer Resistenzen gegen&uuml;ber zielgerichteten Therapien m&ouml;glich sein. Die immunbasierte Therapie dagegen k&ouml;nne der Tumorheterogenit&auml;t entgegengesetzt werden.</p> <p>Mit Nivolumab wurden innerhalb einer Phase-I-Studie auch 34 RCC-Patienten behandelt. Bei 29 % wurde ein Ansprechen beobachtet, das mediane PFS betrug 7,3 Monate.<sup>1</sup> Am erstaunlichsten war, dass ein Teil der Patienten ein therapiefreies &Uuml;berleben &uuml;ber mehrere Wochen zeigte, bemerkte McDermott. In einer Phase-II-Studie wurden mit verschiedenen Dosierungen ebenfalls lange Ansprechdauern erzielt.<sup>2</sup> Bevor die PD-1-Blockade in den klinischen Alltag umgesetzt werden kann, m&uuml;sse gezeigt werden, dass die klinische Effektivit&auml;t sich auch in eine Verl&auml;ngerung des &Uuml;berlebens &uuml;bersetze und wie h&auml;ufig die Remission nach Absetzen der Therapie anhalte, forderte McDermott. Auch f&uuml;r die PD-1-Inhibitoren werden f&uuml;r den Einsatz in der Erstlinientherapie pr&auml;diktive Biomarker gebraucht. Hier sehen wir, dass h&ouml;hergradige Tumoren eventuell besser ansprechen.</p> <p>Es gibt diverse M&ouml;glichkeiten, eine Kombinationstherapie einzusetzen. Eine gute Rationale besteht f&uuml;r den gemeinsamen Einsatz von PD-L1 und einem VEGF-Antik&ouml;rper. Die Anti-VEGF-Therapie hat immunmodulatorische Eigenschaften, wodurch die Anzahl der T-Zellen innerhalb des Tumors erh&ouml;ht und die Anzahl suppressiver Zytokine, wie infiltrierende regulatorische T-Zellen (Tregs) und myeloide Suppressorzellen (MDSC), reduziert wird. In diesem Zusammenhang wird die dreiarmige, randomisierte Phase-II-Studie RAPID die Kombination eines PD-L1-Antik&ouml;rpers &plusmn; Bevacizumab versus Sunitinib bei Patienten mit mRCC im Erstliniensetting untersuchen. Mit der Kombination eines PD-1-Antik&ouml;rpers plus VEGF-TKI werden bereits fr&uuml;he, hohe und anhaltende Ansprechraten gezeigt.<sup>3</sup> Und ebenso resultiert die PD-1- plus CTLA-4-Blockade in guten Ergebnissen bez&uuml;glich des Ansprechens.<sup>4</sup> Denkbar sind auch Kombinationstherapien bei Resistenzentwicklung gegen PD-1- oder PD-L1-Antik&ouml;rper, wie z.B. die Eliminierung von Tregs, die Hemmung von MDSC, die Unterst&uuml;tzung der Effektor-T-Zellen oder die Unterst&uuml;tzung von dendritischen Zellen (DC). Des Weiteren sind Checkpoint-Inhibitoren z.B. mit PD-L2, LAG-3 und TIM-3 als Zielstrukturen in der Entwicklung. Bei nicht entz&uuml;ndlichen (PD-L1-negativen) Tumoren w&auml;re die Induktion der Antitumorimmunit&auml;t durch Steigerung der Antigenexpression oder die Fokussierung der Immunantwort denkbar. Schlie&szlig;lich sei auch die Patientenselektion ein Ansatzpunkt, um die Immuntherapie der Realit&auml;t n&auml;herzubringen, schloss McDermott. Ziel translationaler Forschung m&uuml;sse daher die Identifizierung von Patienten sein, bei denen Tumorfaktoren und Immun&shy;antwort &uuml;berlappen.</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO), Special Symposium „Beyond tumour heterogeneity: new pathways in kidney cancer“, 26.–30. September 2014, Madrid </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Drake CG et al: Survival, safety, and response duration results of nivolumab (Anti-PD-1; BMS-936658; ONO-4538) in a phase I trial in patients with previoulsy treated metastatic renal cell carcinoma (mRCC): long-term patient follow-up. ASCO 2013; Poster Discussion Session; Abstr. #4514 2 Motzer RJ et al: Nivolumab for metastatic renal cell carcinoma (mRCC): results of a randomized, dose-ranging phase II trial. ASCO 2014; Clinical Science Symposium; Abstr. #5009 3 Amin A et al: Nivolumab (anti-PD-1; BMS-936558; ONO-4538) in combination with Sunitinib or Pazopanib in patients with metastatic renal cell carcinoma (RCC). ASCO 2014; Clinical Science Session; Abstr. #5010 4 Hammers H et al: Phase I study of nivolumab in combination with Ipilimumab in metastatic renal cell carcinoma (mRCC). ASCO 2014; Oral Abstract Session; Abstr. #4504</p> </div> </p>
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