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Das Becken – Generationen und Sensationen
Jatros
30
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06.12.2018
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<p class="article-intro">Mitte Oktober tagten Vertreter von Ärzteschaft, Pflege und Physiotherapie bei sonnig-herbstlichem Wetter in Linz. Unter dem Titel „Das Becken – Generationen und Sensationen“ wurden in diesem Jahr vor allem die Kontinenz bei Kindern und Jugendlichen, die Sexualität im Lebenszyklus sowie aktuelle Themen aus der Praxis mit deren wissenschaftlichem Hintergrund behandelt.</p>
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<p class="article-content"><h2>Kindliche Kontinenz im Fokus</h2> <p>Der erste Vormittag stand im Zeichen der Kinder. Es wurde über den Einfluss der Erziehung auf den Zeitpunkt der Trockenheit diskutiert, denn „Kontinenz ist ein Meilenstein der Entwicklung“. Weitere Themen waren die Formen der funktionellen Harninkontinenz sowie urogenitale Fehlbildungen wie die offene Blase, insuffiziente Blasenekstrophie, Spina bifida und persistierender Sinus urogenitalis – allesamt Krankheitsbilder, die Inkontinenz zur Folge haben. Den Abschluss des ersten Themenblocks machten die kindliche Obstipation, die eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter darstellt, und die Aufgaben und Ziele der Urotherapie im interdisziplinären Team.</p> <h2>Sexualität im Lebenszyklus</h2> <p>Wie schon im letzten Jahr wurde dem Thema Sexualität viel Raum gegeben. Themen waren zum einen Physiotherapie bei der männlichen Sexualfunktionsstörung und zum anderen die Beeinträchtigung der Sexualität bei gynäkologischen Karzinomen, die im klinischen Kontext als genitale Schmerzsyndrome und Störungen von sexueller Erregung und Orgasmus definiert werden. Auch das kontrovers diskutierte „Viagra bei der Frau“ fand Einzug ins wissenschaftliche Programm. Gleichermaßen kontrovers ist die Diskussion um die Transgenderthematik. Laut ICD 10 wird die Genderdysphorie als Unbehagen oder Missempfindung durch Diskrepanz zwischen Genderidentität und Geburtsgeschlecht definiert. Tamussino: „Die Behandlung von Transmännern, also die Veränderung von Frau zu Mann, ist eine Spezialisierung an unserer Klinik. In Zusammenhang mit Entleerungsstörungen ist dies durchaus ein Thema, denn Operationen können – selten, aber doch – auch Kontinenzprobleme zur Folge haben.“</p> <h2>Grundlagenforschung im Bereich des Beckens</h2> <p>Am zweiten Kongresstag wurden grundsätzliche wissenschaftliche Aspekte der normalen Entwicklung und Erkenntnisse zur propriozeptiv-sensorischen Funktion des uro-prokto-genitalen Körperbereiches beleuchtet. Thema waren die lokalen und zentralen Steuerungsmechanismen der Miktion und Defäkation. Ferner wurden Ursachen, Diagnose und Therapie der Drangsymptomatik erörtert. Weiters wurde die Körperwahrnehmung in der Behandlung von schmerzhaften Beckenboden- Dysfunktionen behandelt – wichtig, denn „für die Betroffenen ist es von Bedeutung zu erlernen, die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper zu lenken. Je besser dies gelingt, umso wirkungsvoller ist die Physiotherapie im Bereich des Beckenbodens“, so Gödl-Purrer.</p> <h2>Faszination Mikrobiom</h2> <p>Im Festvortrag referierte Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Umek, Leiter der Urogynäkologischen Ambulanz an der Univ.-Klinik für Frauenheilkunde in Wien, zu aktuellen Ergebnissen der Forschung zu einem Thema, das gegenwärtig in aller Munde ist: zum menschlichen Mikrobiom. Durch das Wissen um die gesunde Mischung an Bakterien im Darm wurden bereits bemerkenswerte Erfolge erzielt. Bei Darmentzündung mit Clostridien zeigen Einläufe mit präpariertem Stuhl bemerkenswerte Wirkung. Auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist die Stuhltransplantation eine vielversprechende neue Therapieoption. Seit Längerem ist auch bekannt, dass durch die Behandlung von Scheideninfektionen bei Schwangeren Frühgeburten vermieden werden können. Dennoch bleiben zahlreiche Fragen offen. So weiß man zum Beispiel, dass auch der Harn gesunder Menschen nicht steril ist, sondern Bakterien enthält. Dennoch ist unklar, welche Arten von Bakterien notwendig sind und in welcher Anzahl. So bleibt dieses Kapitel ein „weites Betätigungsfeld für Wissenschaft und Forschung“.</p> <h2>Neue MKÖ-Präsidenten</h2> <p>Im Zuge des Kongresses gab es einen geplanten Wechsel an der Spitze der Gesellschaft. Dr. Michaela Lechner, Chirurgin mit Spezialisierung auf die Proktologie, ist die neue Präsidentin der MKÖ. „Es ist mir ein großes Anliegen, das Bewusstsein für die Problematik Inkontinenz in allen medizinischen Fachrichtungen zu schärfen. Gerade in der inneren Medizin/ Geriatrie und Neurologie sollte dem Thema Kontinenz mehr Beachtung geschenkt werden. Auch die Bereiche Aufklärung in der Bevölkerung und Enttabuisierung sind mir sehr wichtig“, beschreibt die Oberärztin am Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien die Ziele ihrer Präsidentschaft. Ihr zur Seite steht ab nun Dr. Michael Rutkowski, Oberarzt an der Urologischen Abteilung am Landesklinikum Korneuburg mit Beckenbodenzentrum. „Die Stärke der MKÖ ist die interdisziplinäre Zusammensetzung aus unterschiedlichen Berufsgruppen und medizinischen Fächern. Dieses Konzept ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je und ich hoffe darauf, durch meine Tätigkeit diese Zusammenarbeit noch weiter ausbauen zu können“, so Rutkowski. <br /><br />Save the date: Die 29. Jahrestagung der MKÖ findet am 18. und 19. Oktober 2019 wieder im LFI Linz auf der Gugl statt. (red)</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: MKÖ-Jahrestagung, 12.–13. Oktober 2018, Linz; Presseinformation
der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich
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