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SGSPP-Nachrichten Nr. 20/1-2023

4. Jahrestagung der SGSPP

Die 1. Gesellschaftsnachrichten 2023 sollen der 4. SGSPP-Jahrestagung vorbehalten sein, die in diesem Jahr in der Privatklinik Wyss in Münchenbuchsee stattfand, und die Abstracts der Tagung werden wiedergegeben.

Die Privatklinik Wyss unterstützt die SGSPP seit ihrem Bestehen und betreibt in Koordination mit verschiedenen anderen Disziplinen und Berufsgruppen wie Sportmediziner*innen, Sportpsycholog*innen und Clubs eine psychiatrisch-psychotherapeutische Sprechstunde für Leistungssportler*innen. Bei akuten Krisen kann auch eine stationäre Behandlung mit hoher Diskretionsstufe und einem an Athlet*innen-spezifische Bedürfnisse angepassten Behandlungsplan angeboten werden.

Nach einleitenden Worten von Christian Imboden und Malte Christian Claussen, beide Vorstandsmitglieder der SGSPP, deckt das diesjährige Symposium eine breite Palette an sportpsychiatrisch-psychotherapeutischen Aspekten ab: Markus Gerber fasst erste Resultate eines Multicenter-RCT zusammen, welches die Effekte eines Bewegungs- und Lifestyle-Coachings bei stationär behandelten Patient*innen mit Depression untersucht. Christian Imboden präsentiert Resultate einer Online-Umfrage zur psychischen Gesundheit von Schweizer Leistungssportler*innen während der ersten Welle der Covid-19-Pandemie. Ernst König berichtet über die Erfahrungen im ersten Jahr der im Januar 2022 neu geschaffenen und durch Swiss Sport Integrity (SSI) betriebenen Meldestelle für Ethikverstösse im Schweizer Sport. Das Symposium wird durch ein multiprofessionelles Podiumsgespräch zur psychischen Gesundheit im Schweizer Leistungssport abgeschlossen. Bemerkungen: Die Inhalte wurden ebenfalls und in englischer Sprache in «Sports Psychiatry - Journal of Sports and Exercise Psychiatry» als Kongressreport aufgenommen und berichtet.

Abstracts

Physical Activity Counselling in Patients with Major Depressive Disorders (PACINPAT): neuste Ergebnisse

Patient*innen mit schweren depressiven Erkrankungen (Major Depressive Disorders, MDD) gehören weltweit zu den am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen. MDD wird mit einer deutlich geringeren Lebenserwartung in Verbindung gebracht, was zum Teil auf die höhere Prävalenz kardiovaskulärer und verhaltensbedingter Risikofaktoren zurückzuführen ist. Daher werden dringend Erkenntnisse über wirksame Zusatzbehandlungen benötigt, die sowohl die psychische als auch physische Gesundheit der Patient*innen verbessern können. Wir haben daher eine multizentrische, zweiarmige randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt, die eine Interventionsgruppe (erweitertes personalisiertes Programm für körperliche Aktivität [kA] und Bewegungsberatung) und eine Placebokontrollgruppe umfasste. Als primäre Endpunkte dienten Beschleunigungsmesser-basierte kA, und es wurden mehrere sekundäre Endpunkte bewertet. Die Rekrutierung dauerte von Juni 2019 bis Oktober 2021. Inzwischen ist die Datenauswertung abgeschlossen, und die endgültigen Datenanalysen sind im Gange. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Teilnehmer*innen, die vor und nach dem ersten Covid-19-Lockdown untersucht wurden, in Bezug auf kA und psychosoziale Gesundheit nicht unterscheiden. Qualitative Daten zeigen, dass die Teilnehmer die kA-Beratungsintervention auf vier verschiedene Arten erlebten, die deutlich mit dem Grad ihres Selbstmanagements zusammenhingen. Neuropsychologische Tests zeigten ausserdem, dass sich Patient*innen und Kontrollpersonen in Bezug auf die Exekutivfunktionen nicht unterschieden. Allerdings berichteten die schwerer depressiven Patient*innen über deutliche Defizite bei den bewegungsbezogenen Selbstregulationsfähigkeiten. Im Vergleich zu den Kontrollpersonen wiesen die Patient*innen bei den meisten kardiovaskulären Risikomarkern höhere Werte auf, insbesondere wenn sie ein niedriges Fitnessniveau aufwiesen. Eine Prozessbewertung deutete auf eine grosse Heterogenität bei der Programmbefolgung hin, während eine Analyse der kurzfristigen Auswirkungen zeigte, dass sechs Wochen nach der Entlassung das Niveau der körperlichen Aktivität in beiden Behandlungsgruppen abnahm, in der Interventionsgruppe jedoch weniger. Analysen der Langzeiteffekte und sekundären Ergebnisse werden weitere Erkenntnisse über die Wirksamkeit der Studie liefern.

Prof. Dr. Markus Gerber, Leiter Abteilung Sport und Psychosoziale Gesundheit, Universität Basel, Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit (DSBG)

SGSPP-Nachrichten

Die Schweizerische Gesellschaft für Sportpsychiatrie und -psychotherapie (SGSPP) bezweckt die Förderung der Sportpsychiatrie und -psychotherapie über die Lebensspanne – im Leistungssport und in der Allgemeinbevölkerung – in der Schweiz. In Leading Opinions Neurologie & Psychiatrie wird regelmässig über die jüngsten Entwicklungen der Sportpsychiatrie und -psychotherapie und ihre Tätigkeitsfelder im Leistungs-, Breiten- und Gesundheitssport berichtet, nunmehr seit 2019 in jeder Ausgabe.

Psychische Gesundheit im Schweizerischen Leistungssport während Covid-19

Lockdown-Massnahmen während der Covid-19-Pandemie führten zu drastisch eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten und der Absage von Wettkämpfen. Dies könnte zu einer psychischen Belastung bei Sportler*innen geführt haben. Wir haben während des ersten Lockdowns in der Schweiz im Frühjahr 2020 eine Online-Befragung zu wahrgenommener Belastung, wirtschaftlicher Situation, depressiven und Angstsymptomen sowie Symptomen der Insomnie, Alkoholkonsum und Trainingsmustern vor und während des Lockdowns bei Schweizer Leistungssportler*innen und Bodybuilder*innen oder Fitnesssportler*innen (BoFA) durchgeführt. Insgesamt nahmen 203 Leistungssportler*innen und 85 BoFAs an der Befragung teil.

52% der Leistungssportler*innen und 32% der BoFAs gaben an, ausreichende Einkünfte aus dem Sport zu haben. Die Trainingszeiten wurden signifikant verkürzt, während finanzielle Ängste während des Lockdowns zunahmen und mit einer höheren «Trait»-Angst einhergingen. Bei Leistungssportler*innen waren depressive Symptome, Angstzustände und Symptome der Insomnie während des Lockdowns zwar vorhanden, aber nicht aussergewöhnlich häufig.

Depressive Symptome waren mit einer geringeren Trainingsintensität und einer schlechteren Bewältigung der Covid-19-Massnahmen verbunden. BoFAs wiesen während des Lockdowns mehr depressive und Angstsymptome als Leistungssportler*innen auf. BoFAs mit höherem Risiko für Körperdysmorphie bewerteten ihre maximale Leistung signifikant niedriger und zeigten stärkere depressive und Angstsymptome als diejenigen ohne Risiko. Sowohl vor als auch während des Lockdowns konsumierten deutlich mehr BoFAs Cannabis im Vergleich zu Leistungssportler*innen, und mehr Leistungssportler*innen konsumierten Alkohol. Während des Lockdowns konsumierte eine kleinere Anzahl an Leistungssportlern Alkohol als vorher, aber diejenigen, die weiterhin Alkohol tranken, taten dies signifikant häufiger. Existenzängste und besserer Schlaf waren Prädiktoren für häufigeren Alkoholkonsum.

Dr. med. Christian Imboden, Ärztlicher Direktor, Privatklinik Wyss AG, Münchenbuchsee

Sports Psychiatry Journal

Der erste Jahrgang (2022) sowie die Ausgabe 1/2023 «Sports Psychiatry - Journal of Sports and Exercise Psychiatry» sind jüngst erschienen. Beiträge und Artikel zu allen Themen der Sportpsychiatrie und -psychotherapie sowie spezifischen Themen (auf die Call for Papers wird weiter verwiesen) sind jederzeit willkommen.

Aktuelle Informationen zu «Sports Psychiatry» finden sich auf der Webseite des Journals https://econtent.hogrefe.com/journal/spp .

1 Jahr Swiss Sport Integrity, ISS:Erfahrungen aus der Meldestelle

Swiss Sport Integrity (SSI) ist eine unabhängige Stiftung und nationale Agentur für Integritätsfragen im Schweizer Sport. Seit dem 1. Januar 2022 betreibt SSI neben der etablierten Anti-Doping-Arbeit auch eine Meldestelle für Ethikverstösse im Schweizer Sport.

Die Meldestelle hat die Aufgabe, Meldungen über mögliche Ethikverstösse im Schweizer Sport entgegenzunehmen und zu untersuchen. Stellt SSI einen Verstoss fest, erstellt sie einen Bericht zuhanden der Disziplinarkammer des Schweizer Sports, die über allfällige Sanktionen entscheidet. Werden bei den Untersuchungen strukturelle Missstände innerhalb einer Sportorganisation festgestellt, wird der Dachverband Swiss Olympic informiert. Swiss Olympic vereinbart dann mit der Sportorganisation Massnahmen zur Behebung der Missstände.

Grundlage für die Arbeit der Meldestelle SSI ist das Ethik-Statut von Swiss Olympic. Die Tatbestände, welche demnach als potenzielle Ethikverstösse angesehen werden, sind Misshandlungen (Diskriminierung, Verletzung der psychischen, physischen und sexuellen Integrität), Missbrauch einer Funktion in einer Sportorganisation sowie unsportliches Verhalten.

Im ersten Betriebsjahr hat die Meldestelle wesentlich mehr Meldungen über potenzielle Ethikverstösse erhalten als erwartet. Über das gesamte Jahr 2022 gesehen ist im Durchschnitt praktisch jeden Werktag eine Meldung eingegangen, also insgesamt über 250 an der Zahl. Die Meldungen kommen aus einer Vielzahl von Sportarten und Verbänden und betreffen das gesamte Spektrum an potenziellen Ethikverstössen. Die häufigsten gemeldeten Ethikverstösse betreffen Verletzungen der psychischen, physischen und sexuellen Integrität sowie Diskriminierung.

Die grössten Herausforderungen sind die grosse Zahl der eingegangenen Meldungen und der teilweise grosse Aufwand für die Untersuchungen, der zu Ressourcenknappheit führt. Auch die Wahrung der Anonymität während der Verfahren erwies sich als Herausforderung.

Ernst König, Direktor Swiss Sport Integrity

Gut informiert

Aktuelle Informationen zur Schweizerischen Gesellschaft für Sportpsychiatrie und -psychotherapie wie auch zu aktuellen Veranstaltungen finden sich auf der SGSPP-Webseite: www.sgspp.ch .

Kongressankündigung

Sportpsychiatrie und -psychotherapie Kongress 2023 in Köln

Am 22. und 23. September findet im Sport und Olympia Museum in Köln der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Sportpsychiatrie und -psychotherapie in Kooperation mit den Schweizerischen und Österreichischen Gesellschaften für Sportpsychiatrie und -psychotherapie statt. Neben der Sportpsychiatrie und -psychotherapie werden auch Themen der Nachbardisziplinen Sportmedizin, Sportpsychologie, Sportsoziologie und Sportgeschichte diskutiert. Die Kongressgebühr beträgt 220 Euro, die Teilnehmerzahl ist auf 100 begrenzt und die Fortbildungspunkte werden bei der Ärztekammer beantragt. Deshalb besteht vor der Freischaltung der Anmeldung auf der Homepage schon die Möglichkeit, sich über die E-Mail-Adresse anzumelden. Bitte teilen Sie Ihr Interesse vorab mit: info@dgspp.de .

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