Personalisierte Medizin soll Wundinfektionen vermeiden
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Eine Schweizer Studie hat bestimmte Patient:innen-Merkmale identifiziert, die die Art von Wundinfektionen beeinflussen. Die Erkenntnisse könnten Prävention und Behandlung massgeblich verbessern.
Bern. Eine aktuelle Studie unter der Leitung des Inselspitals, Universitätsspital Bern und der Universität Bern zeigt, dass das Alter und der Body-Mass-Index (BMI) der Patient:innen sowie die Dauer der Operation einen wesentlichen Einfluss auf die Zusammensetzung der Bakterien bei chirurgischen Wundinfektionen haben. Besonders interessant daran: Der Effekt ist unabhängig von der Art des Eingriffes. Chirurgische Wundinfektionen (sogenannte Surgical Site Infections, kurz SSIs) gehören zu den häufigsten Komplikationen nach Operationen – die Erkenntnisse könnten die Prävention und Behandlung solcher Infektionen nun massgeblich verbessern.
Für die Studie unter der Leitung des Inselspitals, in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Zentrum für Infektionsprävention Swissnoso analysierten die Forschenden Daten von über 530 000 Patient:innen aus dem nationalen Infektionsüberwachungsprogramm von Swissnoso, die zwischen Januar 2009 und Dezember 2020 operiert worden sind. Die Ergebnisse zeigen, dass Wundinfektionen nicht nur durch Keime aus dem Operationsfeld oder der Umgebung verursacht werden, sondern dass auch individuelle Faktoren der Patientin oder des Patienten eine entscheidende Rolle spielen. Diese Erkenntnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, patient:innenbezogene Faktoren bei der Entstehung von Infektionen nach Operationen zu berücksichtigen.
Dies eröffnet die Möglichkeit, präzisere Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von SSIs zu entwickeln. Eine Anpassung der Vorbeugemassnahmen an das persönliche Risikoprofil einer Patientin oder eines Patienten könnte die Häufigkeit von Infektionen nach Operationen reduzieren. Guido Beldi, Studienleiter und Chefarzt der Viszeralen Chirurgie am Inselspital, erläuterte: «Unsere Studienergebnisse haben mehrere Auswirkungen: Sie betonen, dass eine Vorbeugemassnahme wie eine Antibiotika-Prophylaxe individuell an das Risikoprofil der Patient:innen und Patienten angepasst werden sollte, um ihre Wirksamkeit zu maximieren. Die Resultate sind auch nach der Operation von Bedeutung: Auf Basis der Vorhersagemodelle könnte bei der Behandlung von Wundinfektionen eine frühzeitige gezielte Antibiotika-Gabe in Betracht gezogen werden, wenn die Ergebnisse von Kulturen nicht oder noch nicht verfügbar sind.»
Im Rahmen der Studie wurde zudem ein Prototyp des Online-Tools «InSSIght» entwickelt, das Ärzt:innen helfen soll, die mikrobielle Zusammensetzung von Wundinfektionen bei einzelnen Patient:innen vorherzusagen. Mit Hilfe von maschinellem Lernen ermöglicht das Tool eine bessere Risikoeinschätzung vor Operationen und verbessert somit die Behandlung. Als nächstes planen die Forschenden, das InSSIght-Tool mit anderen Daten zu testen und zu bestätigen. Zudem wollen sie weitere patientenspezifische Faktoren finden, die Wundinfektionen beeinflussen, um die Prävention zu verbessern und die Patientensicherheit zu erhöhen. (red)
SERVICE: Publikation
Quelle: Medienmitteilung des Inselspitals
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