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In über 70 Postern und freien Mitteilungen gaben Schweizer Pneumologinnen und Pneumologen an der SGP-Jahretagung einen Einblick in ihre breit gefächerte Forschung auf dem Gebiet der Pneumologie. Wir präsentieren Ihnen hier einen kleinen Auszug aus diesen Arbeiten.
Verbesserte Glukosetoleranz unter Elexacaftor/Tezacaftor/Vivacaftor bei Erwachsenen mit zystischer Fibrose
Einleitung: Die Therapie mit dem Tripel-CFTR-Modulator Elexacaftor/Tezacaftor/Ivacaftor (ELX/TEZ/IVA) verbessert die Lungenfunktion, den BMI, die Sinus-Clearance und die Lebensqualität von Patienten mit zystischer Fibrose (CF). Ob die Behandlung auch mit einer verbesserten Glukosetoleranz assoziiert ist, ist unbekannt.
Methode: In der Kohortenstudie wurden bei Erwachsenen mit CF und mindestens einer F508del-Mutation vor und mindestens 3 Monate nach Beginn der ELX/TEZ/IVA-Behandlung ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) mit Glukose- und Insulinmessungen und ein Lungenfunktionstest durchgeführt sowie der BMI und der Chloridspiegel im Schweiss bestimmt.
Resultate: 33 Patienten (27,8±6,3 Jahre; 73% männlich; 64% F508del homozygot) wurden eingeschlossen. Nach einem Median von 184 Tagen (IQR: 107–278) nach Behandlungsbeginn verbesserte sich bei 16 Patienten (48,5%) die Glukosetoleranzkategorie, bei 13 (39,4%) blieb sie unverändert und bei 4 (12,1%) verschlechterte sie sich. Im OGTT sanken die 60-, 90- und 120-Minuten-Blutzuckerwerte signifikant von 11,9±2,7mmol/l auf 10,6±2,8 mmol/l (p=0,012), von 10,4±3,0 mmol/l auf 8,4±3,6mmol/l (p=0,002) resp. von 7,3±3,1mmol/l auf 5,7±3,0mmol/l (p=0,012). Auch der HbA1c-Wert verbesserte sich deutlich von 5,50±0,24% auf 5,39±0,25% (p=0,039).
Schlussfolgerung: Bei erwachsenen CF-Patienten mit mindestens einer F508del-Mutation war die Behandlung mit dem Tripel-CFTR-Modulator mit einer möglichen Verbesserung der Glukosetoleranz assoziiert, ohne die Insulinsekretion zu erhöhen. Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn, der durch langfristige prospektive Studien begleitet wird, ist zwingend erforderlich, um zu zeigen, ob eine verminderte Glukosekontrolle vermeidbar oder sogar reversibel ist.
Steinack C, Matthias E, Beuschlein F et al.: Improved glucose tolerance after initiation of elexacaftor/tezacaftor/ivacaftor in adults with cystic fibrosis. Respiration 2023; 102 (Suppl.): 10 (O43)
Kombinierte post- und präkapilläre PH: Geschlecht und Pumonalarteriendruck entscheidend für Prognose
Einleitung: Die pulmonale Hypertonie (PH) ist ein komplexer klinischer Zustand, und die Linksherzinsuffizienz ist die häufigste Ursache. Über die Epidemiologie und Prognose der kombinierten post- und präkapillären PH (CpcPH) ist wenig bekannt.
Methode: Die retrospektive Analyse umfasste Patienten mit CpcPH aus 13 Schweizer Spitälern, die zwischen Januar 2001 und Juni 2019 in das Schweizer PH-Register aufgenommen worden waren. Die Ausgangscharakteristika der Patienten sowie Behandlung, Dauer der Nachbeobachtung und Ereignisse (Tod oder Verlust des Follow-ups) wurden erhoben und analysiert.
Resultate: 231 Patienten (59,3% Frauen, Alter 65±12 Jahre, mittlerer pulmonalarterieller Druck [mPAP] 48±11mmHg, pulmonalarterieller Verschlussdruck [PAWP] 21±5mmHg, pulmonaler Gefässwiderstand (PVR) 7,2±4,8WU) wurden eingeschlossen. Die Überlebensanalyse zeigte ein signifikant besseres Ergebnis für Frauen (HR: 0,58; 95% CI: 0,38–0,89; p=0,01) und mPAP ≤46mmHg (HR: 1,58; 95% CI: 1,03–2,43; p=0,04), aber keinen Zusammenhang mit Alter oder PVR. Patienten, die nach der vierstufigen Risikobewertung als Hochrisikopatienten eingestuft wurden, hatten das kürzeste Überleben (HR: 2,44; 95% CI: 1,23–4,84; p=0,01). Nur 46,8% der CpcPH-Patienten erhielten eine gezielte pharmakologische PH-Therapie, die jedoch nicht mit dem Überleben assoziiert war.
Schlussfolgerung: Unter den Patienten mit CpcPH hatten Frauen und Patienten mit einem mPAP ≤46mmHg eine bessere Prognose. Darüber hinaus führte eine Risikostratifizierung anhand nicht invasiv ermittelter Risikofaktoren wie WHO-Funktionsklasse, 6-Minuten-Gehstrecke und NT-proBNP, wie sie für die pulmonalarterielle Hypertonie vorgeschlagen wurde, zu einer Stratifizierung des Überlebens bei CpcPH und könnte für die Behandlung von Patienten mit CpcPH hilfreich sein.
Titz A, Mayer L, Appenzeller P et al.: Long-term outcome of patients with combined post- and precapillary pulmonary hypertension: a Swiss PH registry analysis. Respiration 2023; 102 (Suppl.): 25 (P013)
Bestätigung einer pulmonalen Graft-versus-Host-Krankheit nach alloHCT mittels transbronchialer Kryobiopsie
Einleitung: Die allogene hämatopoetische Zelltransplantation (alloHCT) ist eine etablierte Behandlungsoption für verschiedene maligne Erkrankungen. Eine wichtige Einschränkung des Langzeitüberlebens nach alloHCT ist die chronische pulmonale Graft-versus-Host-Erkrankung (cGvHD), wie Bronchiolitis obliterans (BO) oder verschiedene Formen von restriktiven Lungenerkrankungen. Da die transbronchiale Zangenbiopsie eine niedrige Sensitivität aufweist, ist die chirurgische Lungenbiopsie (SLB) immer noch der Goldstandard für die histopathologische Bestätigung. Die klinische Diagnose des BO-Syndroms (BOS) basiert auf der Lungenfunktion und radiologischen Daten. Die Sensitivität der BOS-Kriterien für eine bioptisch nachgewiesene BO ist jedoch unbefriedigend. Diese Studie untersuchte nun den diagnostischen Wert der transbronchialen Kryobiopsie bei alloHCT-Patienten mit Verdacht auf pulmonale cGvHD, die die BOS-Kriterien nicht erfüllen.
Methode: Retrospektive Analyse von alloHCT-Patienten mit Verdacht auf pulmonale cGvHD, die die BOS-Kriterien nicht erfüllen und bei denen zwischen 2016 und 2022 eine Kryobiopsie durchgeführt wurde. Die histologischen Befunde wurden in eine multidisziplinäre Diskussion (MDD) integriert und es wurde ein diagnostischer Konsens gesucht.
Resultate: Bei 20 Patienten wurde eine Kryobiopsie durchgeführt. Bei 13/20 Patienten (65%) ergaben die Kryobiopsien pathologische Befunde, die zu einer spezifischen Diagnose führten (obliterative oder lymphozytäre Bronchiolitis bei 4/20; ausgeprägte parenchymatöse Anomalien, die zur Diagnose einer interstitiellen Lungenerkrankung [ILD] oder einer cGvHD-assoziierten ILD führten, bei 9/20 Patienten). Bei 7/20 Patienten (35%) zeigten die Kryobiopsien ein normales Lungenparenchym. Bei vier dieser sieben Patienten wurde nach der MDD im Konsens die Diagnose BOS gestellt. Zu den Komplikationen der Kryobiopsie gehörten Pneumothorax (25%) und lokal kontrollierte Blutungen (20%).
Schlussfolgerung: Bei alloHCT-Patienten mit Verdacht auf pulmonale cGvHD, die die BOS-Kriterien nicht erfüllen, führte die transbronchiale Kryobiopsie bei zwei Dritteln der Patienten zu einer histologisch fundierten Diagnose und zusammen mit einer MDD bei 90% der Patienten zu einer endgültigen Diagnose.
Tamm M, Jahn K, Halter J et al.: Diagnostic value of transbronchial cryobiopsy in patients with suspicion of pulmonary graft-versus-host disease after allogeneic hematopoietic cell transplantation. Respiration 2023; 102 (Suppl.): 6 (O37)
Schweizer Real-World-Studie BEEPS zeigt frühzeitige Verbesserung der Asthmakontrolle unter Benralizumab
Einleitung: Etwa 5–10% der Asthmapatienten leiden an einer schweren Form ihrer Krankheit. Benralizumab ist ein monoklonaler Anti-IL-5-Rezeptor-α-Antikörper, der als Zusatztherapie für Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma (SEA) angezeigt ist. In randomisierten kontrollierten Studien (RCT) wurde Benralizumab gut vertragen, reduzierte die Zahl der Asthmaexazerbationen und die oralen Kortikosteroiddosen signifikant und verbesserte die Lungenfunktion sowie die Krankheitskontrolle bei SEA-Patienten. Die Asthmakontrolle vor und nach Beginn der Therapie unter realen Bedingungen wurde bisher kaum untersucht.
Methode: BEEPS (NCT03907137) ist eine multizentrische, einarmige, nichtinterventionelle, prospektive Beobachtungsstudie in der Schweiz, die 77 Patienten mit SEA im Alter von ≥18 Jahren rekrutiert hat, die über einen Zeitraum von 56 Wochen mit Benralizumab gemäss der Schweizer Zulassung behandelt worden sind. Primärer Endpunkt war die von den Patienten berichtete Asthmakontrolle, gemessen mit dem Asthma Control Questionnaire (ACQ-5), nach 8 Wochen (zusätzliche Erhebungen nach 1, 2 und 4 Wochen).
Resultate: Es wurden 73 Patienten (61,6,% Frauen, mittleres Alter 53,8 Jahre) eingeschlossen, von denen 66 den ACQ-5 in Woche 8 ausgefüllt haben. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen eine mittlere Veränderung des ACQ-5-Scores gegenüber dem Ausgangswert von 0,34 (95% CI: 0,58–0,09) in Woche 1, von 0,58 (95% CI: 0,86–0,29) in Woche 2, von 0,68 (95% CI: 0,99–0,38) in Woche 4 und von 0,95 (95% CI: 1,25–0,66) in Woche 8 nach Behandlungsbeginn (p<0,01 für alle Zeitpunkte). In Woche 8 erreichten 34 Patienten (51,5%) einen ACQ-5-Wert von ≤1,5 (teilweise und gut kontrolliertes Asthma) und 18 Patienten (27,3%) einen ACQ-5-Wert von ≤0,75 (gut kontrolliertes Asthma). Darüber hinaus erreichten 39 Patienten (59,1%) eine Verbesserung des Scores um ≥0,5 (minimaler klinisch relevanter Unterschied).
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser pragmatischen Schweizer Real-World-Studie zeigen bei Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma bereits zwei Wochen nach der ersten Benralizumab-Dosis eine signifikante und klinisch bedeutsame Verbesserung der Asthmakontrolle.
Schuoler C, van Iperen P, Stolz D et al.: Early improvement in asthma control with benralizumab in patients with severe, eosinophilic asthma ― preliminary results of the Swiss real-world BEEPS study. Respiration 2023; 102 (Suppl.): 38-9 (P036)
Besseres Ansprechen auf Tripeltherapie bei COPD-Patienten mit hoher Anzahl glatter Atemwegsmuskelzellen
Einleitung: Inhalative Kortikosteroide (ICS) sind bei Asthma hochwirksam, bieten jedoch bei COPD-Patienten einen zwar signifikanten, aber nur bescheidenen klinischen Nutzen. In einer früheren Pilotstudie haben die Autoren gezeigt, dass 39% der COPD-Patienten einen hohen Anteil glatter Atemwegsmuskelzellen (ASMC) aufweisen (>20%), ein Merkmal, das auch bei Asthma gut beschrieben ist. In der Studie wurde die Hypothese getestet, dass ein hoher ASMC-Anteil bei COPD mit dem Ansprechen auf Steroide zusammenhängt.
Methode: 201 COPD-Patienten (65 Frauen, GOLD-Stadium B–D, ≤1 Exazerbation im letzten Jahr) wurden anhand der histologischen Analyse endobronchialer Biopsien in zwei Gruppen mit hoher ASMC-Masse (HASMC; >20%) und niedriger ASMC-Masse (LASMC; ≤20%) eingeteilt. Während der 6-wöchigen Run-in-Phase erhielten alle Patienten eine offene inhalative Tripeltherapie mit Aclidinium (ACL), Formoterol (FOR) und Budesonid (BUD). Anschliessend wurden die Patienten jeder Gruppe 1:1 randomisiert und erhielten entweder ACL/FOR/BUD oder ACL/FOR/Placebo. Der primäre Endpunkt der Studie war der Unterschied im FEV1-Wert nach Bronchodilatation nach 12 Monaten Behandlung zwischen LASMC- und HASMC-Patienten mit und ohne ICS.
Resultate:Bei Patienten mit LASMC führte ACL/FOR/BUD im Vergleich zu ACL/FOR/Placebo zu keiner signifikanten Verbesserung der FEV1. Bei Patienten mit HASMC verbesserte ACL/FOR/BUD den FEV1-Wert hingegen signifikant (0,187ml/d [–0,075 bis 0,449]) im Vergleich zu ACL/FOR/Placebo (–0,314ml/d [–0,569 bis –0,059], p=0,020). Über einen Zeitraum von 12 Monaten betrug die Differenz der FEV1-Veränderung zwischen den ACL/FOR/BUD- und ACL/FOR/Placebo-Gruppen 0,138ml/d (50,4ml/Jahr) für Patienten mit LASMC (p=0,138) und 0,501ml/d (182,9ml/Jahr) für Patienten mit HASMC (p=0,020).
Schlussfolgerung: COPD-Patienten mit hoher ASMC-Masse sprechen besser auf ICS an als COPD-Patienten mit niedriger ASMC-Masse, was darauf schliessen lässt, dass diese Art der histologischen Analyse das Ansprechen auf Steroide bei COPD-Patienten, die eine Dreifachtherapie erhalten, vorhersagen kann.
Stolz D, Papakonstantinou E, Pascarella M et al.: HISTORIC study: a randomized, placebo-controlled, double-blind, investigator-initiated trial for the use of airway smooth muscle area to predict response to triple therapy in COPD. Respiration 2023; 102 (Suppl.): 16 (O75)
Frühere Exazerbationen und aktuelle schwere Symptome sind Prädikatoren für die künftige Exazerbationsrate bei COPD-Patienten in der Hausarztpraxis
Einleitung: COPD-Exazerbationen sind mit einer höheren Sterblichkeit und einer schlechteren Lebensqualität verbunden. Ziel dieser Arbeit war es, Risikofaktoren für Exazerbationen in einer hausärztlich betreuten Schweizer COPD-Kohorte zu finden sowie ein statistisches Modell zur Vorhersage der Exazerbationsrate zu entwickeln und zu validieren.
Methode: Es wurden COPD-Patienten der GOLD-Stadien I–IV aus 23 Schweizer Kantonen gescreent und in die Kohorte aufgenommen. Mittels Fragebogen wurden während 24 Monaten Daten gesammelt und aufgezeichnet. Die Patienten wurden von ihren Hausärzten mindestens zweimal pro Jahr untersucht. Die Daten wurden in einen Trainings- (75%) und einen Validierungsdatensatz (25%) aufgeteilt. Anhand des Trainingsdatensatzes wurde ein negatives binomiales Regressionsmodell entwickelt, um die Exazerbationsrate innerhalb eines Jahres vorherzusagen. Auf der Grundlage des Akaike-Informationskriteriums wurde ein Modell zur Vorhersage von Exazerbationen entwickelt, und die Gesamtleistung wurde im Validierungsdatensatz extern validiert. Um die klinische Anwendung des Modells zu erleichtern, wurde ein Nomogramm erstellt.
Resultate: 229 COPD-Patienten (65% männlich, Durchschnittsalter 67 Jahre) wurden analysiert. 77% der Patienten hatten während des Follow-ups keine Exazerbation. Insgesamt traten 73 rezidivierende Exazerbationen auf. Während des mittleren Follow-ups von 1,5 Jahren betrug die durchschnittliche Anzahl der Exazerbationen pro Patient 0,32. Die beste Untergruppe des Trainingsdatensatzes ergab, dass eine niedrigere FEV1, hohe Werte auf der MRC-Skala, eine Exazerbationsanamnese und die Tatsache, dass die Probanden zu Beginn der Studie keine Kombinationstherapie aus LABA+ICS oder LAMA+LABA erhielten, mit einer höheren Exazerbationsrate assoziiert waren. Bei der Validierung betrug die Fläche unter der Kurve (AUC) 0,75 für eine oder mehrere Exazerbationen sowie ebenfalls 0,75 für zwei oder mehr Exazerbationen. Die Kalibrierung war genau.
Schlussfolgerung: Frühere Exazerbationen und aktuelle schwere Symptome scheinen Prädiktoren für die künftige Exazerbationsrate bei Patienten mit COPD zu sein, die in der Grundversorgung behandelt werden. Nomogramme, die auf der Grundlage dieser Modelle erstellt werden, können Ärzte und Patienten bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung im Rahmen der Behandlung unterstützen.
Abu Hussein N, Giezendanner S, Bridevaux PO et al.: Prediction of recurrent exacerbations in the General Practitioners based Swiss Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) cohort. Respiration 2023; 102 (Suppl.): 37 (P034)
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