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6. Dreiländertagung der Kopfschmerzgesellschaften in Bad Zurzach

Neue Entwicklungen in der Migräneprophylaxe und -therapie

<p class="article-intro">An einer Migräne zu leiden, stellt für die Betroffenen eine grosse persönliche und soziale Belastung dar. Neue Hoffnung wecken die bisher vorliegenden Daten zur Migräneprophylaxe mit monoklonalen Antikörpern, die am «calcitonin gene-related peptide» oder seinem Rezeptor angreifen. Daneben zeichnen sich auch in der Akuttherapie einige vielversprechende Optionen ab.</p> <hr /> <p class="article-content"><p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2018_Leading Opinions_Innere_1804_Weblinks_s11.jpg" alt="" width="1466" height="697" /></p> <p>Die gemeinsame Tagung der Deutschen Migr&auml;ne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), der &Ouml;sterreichischen Kopfschmerzgesellschaft (&Ouml;KSG) und der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG) blickt bereits auf eine mehrj&auml;hrige Tradition zur&uuml;ck. Auf dem Programm standen in diesem Jahr unter anderem neue Entwicklungen in der Migr&auml;neprophylaxe und -therapie.</p> <h2>Spannende Neuentwicklungen</h2> <p>Der Vortrag von PD Dr. med. Tim J&uuml;rgens von der Universit&auml;tsmedizin Rostock befasste sich mit neuen therapeutischen Ans&auml;tzen. Er sagte zu Beginn: &laquo;Bei der Migr&auml;ne haben wir es mit einer hochkomplexen, multisystemischen Erkrankung zu tun, f&uuml;r die es bisher leider nicht das eine pathophysiologische Modell gibt.&raquo; Dies erschwere auch die Suche nach therapeutischen Ans&auml;tzen.</p> <p>Triptane, wie sie bisher in der Akuttherapie eingesetzt werden, wirken insbesondere am 5-HT<sub xml:lang="de-DE">1B</sub>- und 5-HT<sub xml:lang="de-DE">1D</sub>-Rezeptor.<sup xml:lang="de-DE">1</sup> Da die Koronararterien aber ebenfalls 5-HT<sub xml:lang="de-DE">1B</sub>-Rezeptoren exprimieren, sind Triptane bei Patienten mit kardiovaskul&auml;ren Erkrankungen kontraindiziert. Ein interessanter neuer Ansatzpunkt f&uuml;r eine Akuttherapie der Migr&auml;ne stellen daher Ditane dar, da sie selektiv am 5-HT<sub xml:lang="de-DE">1F</sub>-Rezeptor angreifen. Dieser ist unter anderem im Ganglion trigeminale und im Nucleus caudalis des Trigeminusnervs zu finden. Lasmiditan, ein vielversprechender Vertreter der Ditane, hat sich in ersten Phase-III-Studien als wirksames Migr&auml;netherapeutikum erwiesen.<sup xml:lang="de-DE">2</sup> &laquo;82 Prozent der eingeschlossenen Patienten wiesen kardiovaskul&auml;re Risikofaktoren auf. Bei ihnen zeigte sich keine erh&ouml;hte Rate an kardiovaskul&auml;ren oder zerebrovaskul&auml;ren Nebenwirkungen&raquo;, betonte J&uuml;rgens. Weitere Phase-III-Studien laufen nun.</p> <p>Einen weiteren interessanten Ansatzpunkt stellt PACAP (&laquo;pituitary adenylate cyclase-activating polypeptide&raquo;) dar. &laquo;PACAP38, das 38-Aminos&auml;uren-Peptid, weist im Nervensystem eine wichtige Rolle als Neurotransmitter und Neuropeptid auf. Es kommt in vielen Strukturen vor, die f&uuml;r die trigeminale Nozizeption von Bedeutung sind&raquo;, so der Redner. PACAP38 l&ouml;st bei Migr&auml;nepatienten ohne Aura eine Migr&auml;neattacke aus.<sup xml:lang="de-DE">3</sup> Aufgrund der selektiven Affinit&auml;t von PACAP38 zum PAC<sub xml:lang="de-DE">1</sub>-Rezeptor wird dieser als potenzielles Ziel f&uuml;r eine Migr&auml;netherapie angesehen.<sup xml:lang="de-DE">4</sup> &laquo;Ein PAC<sub xml:lang="de-DE">1</sub>-Rezeptorantik&ouml;rper wird aktuell in einer Phase-IIa-Studie untersucht&raquo;, erkl&auml;rte J&uuml;rgens abschliessend.</p> <h2>CGRP: praktisch in jedem Organ vorhanden</h2> <p>Prof. Dr. med. Karl Messlinger, Universit&auml;t Erlangen-N&uuml;rnberg, pr&auml;sentierte anschliessend einen spannenden Einblick in die Physiologie des &laquo;calcitonin gene-related peptide&raquo; (CGRP) und seines Rezeptors. Dazu erkl&auml;rte er: &laquo;CGRP und CGRP-Rezeptoren gibt es praktisch in jedem Organ, auch auf allen Ebenen des trigeminovaskul&auml;ren Systems. Wir wissen, dass CGRP eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste vasodilatatorische Neuropeptid darstellt&raquo;, erkl&auml;rte er. Messlinger wies an dieser Stelle darauf hin, dass mittlerweile davon ausgegangen wird, dass die Dilatation der intrakraniellen Gef&auml;sse nichts oder nur wenig zum Migr&auml;neschmerz beitr&auml;gt. Dies wurde auch durch entsprechende Untersuchungen belegt.<sup xml:lang="de-DE">5</sup> &laquo;Nicht gekl&auml;rt ist allerdings, weshalb die Injektion von CGRP eine Migr&auml;neattacke ausl&ouml;sen kann&raquo;, betonte er.</p> <p>Da CGRP und sein Rezeptor fast &uuml;berall im K&ouml;rper vertreten sind, k&ouml;nnte eine therapeutische Hemmung des Systems m&ouml;glicherweise zu verschiedenen unerw&uuml;nschten Effekten f&uuml;hren. Wie Messlinger weiter ausf&uuml;hrte, wurde im Tiermodell beispielsweise festgestellt, dass die Nasenschleimhaut durch CGRP-haltige Fasern innerviert ist. &laquo;CGRP scheint dabei die Riechtransduktion zu hemmen. M&ouml;glicherweise k&ouml;nnte also eine langfristige CGRP-Hemmung zu Riechver&auml;nderungen f&uuml;hren&raquo;, meinte er. &Auml;hnliches ist auch f&uuml;r den Geschmackssinn entdeckt worden.<sup xml:lang="de-DE">6</sup> &laquo;&Uuml;ber die kardiovaskul&auml;ren Nebenwirkungen einer Hemmung des CGRP-Systems wurde viel diskutiert, denn tats&auml;chlich ist das Herz voller CGRP-freisetzender Fasern&raquo;, so Messlinger weiter. Bereits 2008 wurde jedoch am Mausmodell gezeigt, dass eine Blockade des CGRP-Rezeptors bei Tieren mit gesundem Herz keine negativen Folgen hatte.<sup xml:lang="de-DE">7</sup> &laquo;Bei Schweinen wurde nach einem experimentell ausgel&ouml;s-ten Herzinfarkt die Produktion von CGRP in den Ganglienzellen, die das Herz versorgen, hochreguliert. Es scheint sich hier offensichtlich um einen Kompensationsmechanismus zu handeln. Damit k&ouml;nnten wir wom&ouml;glich den Zustand nach einem Herzinfarkt verschlechtern, falls wir das CGRP-System &uuml;ber lange Zeit hemmten&raquo;, f&uuml;hrte der Redner weiter aus.</p> <p>&laquo;Trotz dieser m&ouml;glichen Nachteile bin ich nicht gegen den therapeutischen Einsatz von CGRP-Rezeptorblockern. Denn wir m&uuml;ssen uns bewusst sein, dass wir mit dem CGRP-System ein hochredundantes System hemmen. Es existieren in den verschiedenen Organen sicherlich Rescue-Systeme, die gegebenenfalls aktiviert werden und die ausfallenden Mechanismen kompensieren k&ouml;nnen. Der Grund daf&uuml;r, dass wir trotzdem eine Chance auf einen spezifischen Effekt bei Migr&auml;ne haben, liegt vermutlich darin, dass das CGRP gerade im trigeminovaskul&auml;ren System eine besonders wichtige Rolle spielt&raquo;, so Messlinger abschliessend.</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: 6. Dreiländertagung – Kopfschmerzsymposium, 15.–17. März 2018, Bad Zurzach </p> <p class="article-footer"> <a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a> <div class="collapse" id="collapseLiteratur"> <p><strong>1</strong> Rubio-Beltr&aacute;n E et al.: Is selective 5-HT1F receptor agonism an entity apart from that of the triptans in antimigraine therapy? Pharmacol Ther 2018 [Epub ahead of print] <strong xml:lang="de-DE">2</strong> CoLucid Pharmaceuticals Inc (2016). Verf&uuml;gbar unter: https://globenewswire.com/news-release/2016/09/ 06/869611/0/en/CoLucid-Pharmaceuticals-Announces-Achievement-of-Both-Primary-and-Key-Secondary-Endpoints-in-the-SAMURAI-Phase-3-Pivotal-Trial-of-Lasmiditan-in-Migraine.html <strong xml:lang="de-DE">3</strong> Schytz HW et al.: PACAP38 induces migraine-like attacks in patients with migraine without aura. Brain 2009; 132: 16-25 <strong xml:lang="de-DE">4</strong> Vollesen ALH et al.: Target&shy;ed pituitary adenylate cyclase-activating peptide therapies for migraine. Neurotherapeutics 2018 [Epub ahead of print] <strong xml:lang="de-DE">5</strong> Schoonman GG et al.: Migraine headache is not associated with cerebral or meningeal vasodilatation - a 3T magnetic resonance angiography study. Brain 2008; 131: 2192-200 <strong xml:lang="de-DE">6</strong> Huang AY, Wu SY: Calcitonin gene-related peptide reduces taste-evoked ATP secretion from mouse taste buds. J Neurosci 2015; 35: 12714-24 <strong xml:lang="de-DE">7</strong> Zeller J et al.: CGRP function-blocking antibodies inhibit neurogenic vasodilatation without affecting heart rate or arterial blood pressure in the rat. Br J Pharmacol 2008; 155: 1093-103</p> </div> </p>
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