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Neue Entwicklungen in der Migräneprophylaxe und -therapie
Leading Opinions
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30.08.2018
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<p class="article-intro">An einer Migräne zu leiden, stellt für die Betroffenen eine grosse persönliche und soziale Belastung dar. Neue Hoffnung wecken die bisher vorliegenden Daten zur Migräneprophylaxe mit monoklonalen Antikörpern, die am «calcitonin gene-related peptide» oder seinem Rezeptor angreifen. Daneben zeichnen sich auch in der Akuttherapie einige vielversprechende Optionen ab.</p>
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<p class="article-content"><p><img src="/custom/img/files/files_datafiles_data_Zeitungen_2018_Leading Opinions_Innere_1804_Weblinks_s11.jpg" alt="" width="1466" height="697" /></p> <p>Die gemeinsame Tagung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) und der Schweizerischen Kopfwehgesellschaft (SKG) blickt bereits auf eine mehrjährige Tradition zurück. Auf dem Programm standen in diesem Jahr unter anderem neue Entwicklungen in der Migräneprophylaxe und -therapie.</p> <h2>Spannende Neuentwicklungen</h2> <p>Der Vortrag von PD Dr. med. Tim Jürgens von der Universitätsmedizin Rostock befasste sich mit neuen therapeutischen Ansätzen. Er sagte zu Beginn: «Bei der Migräne haben wir es mit einer hochkomplexen, multisystemischen Erkrankung zu tun, für die es bisher leider nicht das eine pathophysiologische Modell gibt.» Dies erschwere auch die Suche nach therapeutischen Ansätzen.</p> <p>Triptane, wie sie bisher in der Akuttherapie eingesetzt werden, wirken insbesondere am 5-HT<sub xml:lang="de-DE">1B</sub>- und 5-HT<sub xml:lang="de-DE">1D</sub>-Rezeptor.<sup xml:lang="de-DE">1</sup> Da die Koronararterien aber ebenfalls 5-HT<sub xml:lang="de-DE">1B</sub>-Rezeptoren exprimieren, sind Triptane bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen kontraindiziert. Ein interessanter neuer Ansatzpunkt für eine Akuttherapie der Migräne stellen daher Ditane dar, da sie selektiv am 5-HT<sub xml:lang="de-DE">1F</sub>-Rezeptor angreifen. Dieser ist unter anderem im Ganglion trigeminale und im Nucleus caudalis des Trigeminusnervs zu finden. Lasmiditan, ein vielversprechender Vertreter der Ditane, hat sich in ersten Phase-III-Studien als wirksames Migränetherapeutikum erwiesen.<sup xml:lang="de-DE">2</sup> «82 Prozent der eingeschlossenen Patienten wiesen kardiovaskuläre Risikofaktoren auf. Bei ihnen zeigte sich keine erhöhte Rate an kardiovaskulären oder zerebrovaskulären Nebenwirkungen», betonte Jürgens. Weitere Phase-III-Studien laufen nun.</p> <p>Einen weiteren interessanten Ansatzpunkt stellt PACAP («pituitary adenylate cyclase-activating polypeptide») dar. «PACAP38, das 38-Aminosäuren-Peptid, weist im Nervensystem eine wichtige Rolle als Neurotransmitter und Neuropeptid auf. Es kommt in vielen Strukturen vor, die für die trigeminale Nozizeption von Bedeutung sind», so der Redner. PACAP38 löst bei Migränepatienten ohne Aura eine Migräneattacke aus.<sup xml:lang="de-DE">3</sup> Aufgrund der selektiven Affinität von PACAP38 zum PAC<sub xml:lang="de-DE">1</sub>-Rezeptor wird dieser als potenzielles Ziel für eine Migränetherapie angesehen.<sup xml:lang="de-DE">4</sup> «Ein PAC<sub xml:lang="de-DE">1</sub>-Rezeptorantikörper wird aktuell in einer Phase-IIa-Studie untersucht», erklärte Jürgens abschliessend.</p> <h2>CGRP: praktisch in jedem Organ vorhanden</h2> <p>Prof. Dr. med. Karl Messlinger, Universität Erlangen-Nürnberg, präsentierte anschliessend einen spannenden Einblick in die Physiologie des «calcitonin gene-related peptide» (CGRP) und seines Rezeptors. Dazu erklärte er: «CGRP und CGRP-Rezeptoren gibt es praktisch in jedem Organ, auch auf allen Ebenen des trigeminovaskulären Systems. Wir wissen, dass CGRP eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste vasodilatatorische Neuropeptid darstellt», erklärte er. Messlinger wies an dieser Stelle darauf hin, dass mittlerweile davon ausgegangen wird, dass die Dilatation der intrakraniellen Gefässe nichts oder nur wenig zum Migräneschmerz beiträgt. Dies wurde auch durch entsprechende Untersuchungen belegt.<sup xml:lang="de-DE">5</sup> «Nicht geklärt ist allerdings, weshalb die Injektion von CGRP eine Migräneattacke auslösen kann», betonte er.</p> <p>Da CGRP und sein Rezeptor fast überall im Körper vertreten sind, könnte eine therapeutische Hemmung des Systems möglicherweise zu verschiedenen unerwünschten Effekten führen. Wie Messlinger weiter ausführte, wurde im Tiermodell beispielsweise festgestellt, dass die Nasenschleimhaut durch CGRP-haltige Fasern innerviert ist. «CGRP scheint dabei die Riechtransduktion zu hemmen. Möglicherweise könnte also eine langfristige CGRP-Hemmung zu Riechveränderungen führen», meinte er. Ähnliches ist auch für den Geschmackssinn entdeckt worden.<sup xml:lang="de-DE">6</sup> «Über die kardiovaskulären Nebenwirkungen einer Hemmung des CGRP-Systems wurde viel diskutiert, denn tatsächlich ist das Herz voller CGRP-freisetzender Fasern», so Messlinger weiter. Bereits 2008 wurde jedoch am Mausmodell gezeigt, dass eine Blockade des CGRP-Rezeptors bei Tieren mit gesundem Herz keine negativen Folgen hatte.<sup xml:lang="de-DE">7</sup> «Bei Schweinen wurde nach einem experimentell ausgelös-ten Herzinfarkt die Produktion von CGRP in den Ganglienzellen, die das Herz versorgen, hochreguliert. Es scheint sich hier offensichtlich um einen Kompensationsmechanismus zu handeln. Damit könnten wir womöglich den Zustand nach einem Herzinfarkt verschlechtern, falls wir das CGRP-System über lange Zeit hemmten», führte der Redner weiter aus.</p> <p>«Trotz dieser möglichen Nachteile bin ich nicht gegen den therapeutischen Einsatz von CGRP-Rezeptorblockern. Denn wir müssen uns bewusst sein, dass wir mit dem CGRP-System ein hochredundantes System hemmen. Es existieren in den verschiedenen Organen sicherlich Rescue-Systeme, die gegebenenfalls aktiviert werden und die ausfallenden Mechanismen kompensieren können. Der Grund dafür, dass wir trotzdem eine Chance auf einen spezifischen Effekt bei Migräne haben, liegt vermutlich darin, dass das CGRP gerade im trigeminovaskulären System eine besonders wichtige Rolle spielt», so Messlinger abschliessend.</p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: 6. Dreiländertagung – Kopfschmerzsymposium, 15.–17. März 2018, Bad Zurzach
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<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
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<p><strong>1</strong> Rubio-Beltrán E et al.: Is selective 5-HT1F receptor agonism an entity apart from that of the triptans in antimigraine therapy? Pharmacol Ther 2018 [Epub ahead of print] <strong xml:lang="de-DE">2</strong> CoLucid Pharmaceuticals Inc (2016). Verfügbar unter: https://globenewswire.com/news-release/2016/09/ 06/869611/0/en/CoLucid-Pharmaceuticals-Announces-Achievement-of-Both-Primary-and-Key-Secondary-Endpoints-in-the-SAMURAI-Phase-3-Pivotal-Trial-of-Lasmiditan-in-Migraine.html <strong xml:lang="de-DE">3</strong> Schytz HW et al.: PACAP38 induces migraine-like attacks in patients with migraine without aura. Brain 2009; 132: 16-25 <strong xml:lang="de-DE">4</strong> Vollesen ALH et al.: Target­ed pituitary adenylate cyclase-activating peptide therapies for migraine. Neurotherapeutics 2018 [Epub ahead of print] <strong xml:lang="de-DE">5</strong> Schoonman GG et al.: Migraine headache is not associated with cerebral or meningeal vasodilatation - a 3T magnetic resonance angiography study. Brain 2008; 131: 2192-200 <strong xml:lang="de-DE">6</strong> Huang AY, Wu SY: Calcitonin gene-related peptide reduces taste-evoked ATP secretion from mouse taste buds. J Neurosci 2015; 35: 12714-24 <strong xml:lang="de-DE">7</strong> Zeller J et al.: CGRP function-blocking antibodies inhibit neurogenic vasodilatation without affecting heart rate or arterial blood pressure in the rat. Br J Pharmacol 2008; 155: 1093-103</p>
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