©
Getty Images/iStockphoto
Diabetestherapie bei Herzinsuffizienz
Jatros
30
Min. Lesezeit
05.09.2019
Weiterempfehlen
<p class="article-intro">Diabetes und kardiovaskuläre Krankheiten sind eng verknüpft und beeinflussen einander.<sup>1</sup> Daher befasste sich bei der Jahrestagung 2019 der ÖKG in Salzburg ein Symposium der AG Herzinsuffizienz unter dem Titel „Herzinsuffizienz & Co“ unter anderem mit der Diabetestherapie bei Patienten mit Herzinsuffizienz.</p>
<hr />
<p class="article-content"><p>Prof. Martin Clodi, Linz, erläuterte die Zusammenhänge. Es habe sich gezeigt, dass der HbA1c nicht nur ein Prädiktor für Typ-2-Diabetes, sondern auch für kardiovaskuläre Krankheiten ist, sagte er. So erhöht bereits ein Wert von 5,5 bis 6 % , der im Hinblick auf Diabetes als normal gilt (oder Prädiabetes bedeutet), das kardiovaskuläre Risiko.<sup>2</sup> Es handelt sich dabei um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem die Insulinresistenz und der Anstieg der freien Fettsäuren eine Rolle spielen.<sup>3</sup> Es kommt zu einer kardialen autonomen diabetischen Neuropathie, einer Mikroangiopathie und endothelialen Dysfunktion sowie zu strukturellen Veränderungen wie Myokardfibrosen.<sup>1</sup> Ein geeigneter Marker zum Ausschluss kardiovaskulärer Krankheiten bei Diabetespatienten ist das NT-proBNP. Liegt es unter Liegt es unter <125 pg/ml, kann ein kardiovaskuläres Ereignis in naher Zukunft zu 98 % ausgeschlossen werden.<sup>4</sup></p> <h2>Kardiovaskuläre Effekte von Diabetesmedikamenten</h2> <p><strong>SGLT2-Inhibitoren</strong><br /> SGLT2-Hemmer wirken direkt in der Niere, wo sie selektiv den SGLT2-Transporter blockieren und so die Glukoseausscheidung mit dem Urin fördern. Dieser Mechanismus ist insulinunabhängig.<sup>5</sup> Die EMPAREG- Studie zeigte für den SGLT2- Inhibitor Empagliflozin im Vergleich zu Placebo eine signifikante Risikoreduktion für den kombinierten primären Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, nicht tödlicher Herzinfarkt, nicht tödlicher Schlaganfall) sowie die Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz.<sup>6</sup> Dass es sich dabei um einen Klasseneffekt handelt, ergaben die Studien DECLARE (Dapagliflozin) und CANVAS (Canagliflozin).<sup>7</sup> Die Substanzen fördern Diurese und Natriurese, verbessern Nierenfunktion und Myokardstoffwechsel, senken die Vor- und Nachlast des Herzens, beeinflussen den Na<sup>+</sup>/H<sup>+</sup>-Austausch sowie den Kalziumkanal und haben positive Auswirkungen auf den Ketonmetabolismus.<sup>8</sup> An der Niere wirkt die Kombination der SGLT2-Hemmung mit einer Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) synergistisch und reduziert den glomerulären Druck sowie die Albuminurie.<sup>9</sup></p> <p><strong>GLP-1-Agonisten</strong><br /> Auch hier liegt Evidenz dafür vor, dass sie kardiovaskuläre Biomarker verbessern, die kardiovaskuläre und die Gesamtmortalität sowie das Schlaganfallrisiko senken. So reduzierte Liraglutid im Vergleich zu Placebo das Risiko für kardiovaskulären Tod um 22 % (p=0,007) und die Gesamtsterberate um 15 % (p=0,02).<sup>10</sup> Semaglutid senkte im Vergleich zu Placebo das Risiko für kardiovaskulären Tod und nicht tödlichen Herzinfarkt um jeweils 26 % und für nicht tödlichen Schlaganfall um 59 % .<sup>11</sup> Zuletzt zeigte sich jedoch in einer kleinen Studie, dass GLP-1-Agonisten bei manifester Herzinsuffizienz tendenziell sogar negative Auswirkungen haben könnten.<sup>12</sup></p> <p><strong>Metformin</strong><br /> Umfangreiche Daten belegen, dass Metformin positive kardiovaskuläre Effekte hat. Dies zeigte unter anderem eine Studie mit mehr als 2000 Typ-2-Diabetikern und einer Nachbeobachtung von 60 Monaten: Metformin reduzierte bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (NT-proBNP ≥300 pg/ ml) das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Tod (HR 0,70; p=0,014).<sup>13</sup> Das Gleiche konnte für Patienten mit Niereninsuffizienz nachgewiesen werden: Hier sank unter Metformin das Risiko für kardiovaskulären Tod und Tod jeglicher Ursache um jeweils 51 % sowie das für terminale Niereninsuffizienz/Tod um 23 % .<sup>14</sup></p> <h2>Einsatz von Betablockern</h2> <p>Der Einsatz von Betablockern bei Diabetikern mit koronarer Herzkrankheit (KHK) wird noch immer diskutiert. Doch bereits 1996 konnte gezeigt werden, dass die Medikamente bei Patienten mit KHK und Diabetes das Risiko für die Gesamtmortalität (Follow-up: 3 Jahre) um 44 % (p=0,0001) reduzieren können.<sup>15</sup></p> <h2>Empfehlungen in den Leitlinien</h2> <p>Diese Erkenntnisse sind auch in die verschiedenen Leitlinien zur Therapie des Typ-2-Diabetes eingegangen. Metformin ist die Basistherapie. Bei Patienten mit kardiovaskulären Krankheiten, bei denen diese im Vordergrund stehen, sollten frühzeitig SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Analoga eingesetzt werden. Bei Patienten mit Herzoder chronischer Niereninsuffizienz sind SGLT2-Hemmer zu bevorzugen.<sup>16, 17</sup></p></p>
<p class="article-quelle">Quelle: Jahrestagung der ÖKG, 29. Mai bis 1. Juni 2019, Salzburg
</p>
<p class="article-footer">
<a class="literatur" data-toggle="collapse" href="#collapseLiteratur" aria-expanded="false" aria-controls="collapseLiteratur" >Literatur</a>
<div class="collapse" id="collapseLiteratur">
<p><strong>1</strong> Marwick TH: Heart 2006; 92: 296-300 <strong>2</strong> Selvin E et al.: N Engl J Med 2010; 362: 800-11 <strong>3</strong> Lorenzo-Almorós A et al.: Cardiovasc Diabetol 2017; 16: 28 <strong>4</strong> Huelsmann M et al.: Eur Heart J 2008; 29: 2259-64 <strong>5</strong> Hummel CS et al.: Am J Physiol Cell Physiol 2011; 300: C14-21 <strong>6</strong> Zinman B et al.: N Engl J Med 2015; 373: 2117-28 <strong>7</strong> Zelniker TA et al.: Lancet 2018; 393: 31-9 <strong>8</strong> Tanaka A, Node K: J Cardiol 2017; 69: 501-7 <strong>9</strong> Cherney DZ et al.: Circulation 2014; 129: 587- 97 <strong>10</strong> Marso SP et al.: N Engl J Med 2016; 375: 311-22 <strong>11</strong> Marso SP et al.: N Engl J Med 2016; 375: 1834-44 <strong>12</strong> Sharma A et al.: ESC Heart Fail 2018; 5: 1035-43 <strong>13</strong> Wurm R et al.: Heart 2016; 102: 1544-51 <strong>14</strong> Charytan DM et al.: Diabetes Obes Metab 2019; 21: 1199-208 <strong>15</strong> Jonas M et al.: Am J Cardiol 1996; 77: 1273-7 <strong>16</strong> Arnett D et al.: Circulation 2019; doi: 10.1161/CIR.0000000000000678 (Epub ahead of print) <strong>17</strong> Clodi M et al.: Wien Klin Wochenschr 2019; 131: S 27-38 und S169-73</p>
</div>
</p>
Das könnte Sie auch interessieren:
ESC gibt umfassende Empfehlung für den Sport
Seit wenigen Tagen ist die erste Leitlinie der ESC zu den Themen Sportkardiologie und Training für Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen verfügbar. Sie empfiehlt Training für ...
ESC-Guideline zur Behandlung von Herzvitien bei Erwachsenen
Kinder, die mit kongenitalen Herzvitien geboren werden, erreichen mittlerweile zu mehr 90% das Erwachsenenalter. Mit dem Update ihrer Leitlinie zum Management kongenitaler Vitien bei ...
Inclisiran bei Patienten mit Statinintoleranz wirksam und sicher
Eine Analyse statinintoleranter Patienten aus dem Phase III Studienprogramm ORION zeigt, dass Inclisiran die LDL-Cholesterinspiegel kardiovaskulärer Hochrisikopatienten, die kein Statin ...