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Influenzasaison: jedes Jahr eine Überraschung
Jatros
30
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05.04.2018
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<p class="article-intro">Kein Schutz durch die trivalente Grippeimpfung, über 70 % der Infektionen verursacht durch das B-Yamagata-Virus – Österreich erlebt eine heftige Grippesaison. JATROS sprach mit der Virologin und Influenzaspezialistin Ing. Dr. Monika Redlberger-Fritz vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien über die aktuelle Situation und mögliche Erkenntnisse, die daraus zu ziehen sind.</p>
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<p class="article-content"><p><strong>In dieser Saison ist ja eine Dominanz der Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie aufgetreten, gegen die trivalente Impfstoffe nicht wirken. Was ist da schiefgegangen?<br /> M. Redlberger-Fritz:</strong> Ich denke, da ist gar nichts schiefgegangen. Es gibt ja vier humanpathogene Influenzaviren, zwei A-Viren, nämlich A(H1N1)pdm09 und A(H3N2), und zwei B-Viren, die Victoriaund die Yamagata-Linie. Von den beiden B-Linien zirkuliert einmal die eine und einmal die andere. Bis vor Kurzem hatten wir ja nur trivalente Impfstoffe, d.h. solche, in denen nur eine B-Linie enthalten war. Das hat in manchen Jahren übereingestimmt und in anderen nicht.<br /><br /> <strong>Sind aber dann trivalente Impfstoffe überhaupt noch sinnvoll?<br /> M. Redlberger-Fritz:</strong> Aus virologischer Sicht ist es sicher sinnvoll, tetravalente Impfstoffe zu empfehlen. Man darf aber nicht vergessen, dass diese Impfstoffe in Österreich in dieser Saison erstmals auf dem Markt sind. Ich denke, der Trend wird sicher in diese Richtung gehen.<br /><br /><strong> Eine Prognose, welches Virus dominant zirkulieren wird, ist nicht möglich?<br /> M. Redlberger-Fritz:</strong> Nein, leider nicht. Das war ja auch der Grund, warum tetravalente Impfstoffe entwickelt wurden. Die Dreifachimpfstoffe sind nichts anderes als die vorherige Generation von Impfstoffen. Insofern meine ich, man kann nicht davon sprechen, dass etwas schiefgegangen ist.<br /><br /><strong> Aber basiert nicht die Herstellung des jährlichen Grippeimpfstoffs eben doch auf einer Voraussage?<br /> M. Redlberger-Fritz:</strong> Hier muss man unterscheiden. Man kann vorhersagen, welche Viren höchstwahrscheinlich in einer Saison zirkulieren werden, aber man kann nicht voraussagen, welches Virus das dominante sein wird. Was die Antigendrift angeht, so sind B-Viren und A(H1N1)-Viren diesbezüglich relativ stabil, verändern sich also nicht so schnell. Nur das A(H3N2)-Virus hat die Tendenz, sich sehr rasch zu verändern.<br /> Das kann dazu führen, dass sich die A(H3N2)-Viren während des Winters auf der südlichen Hemisphäre (also während unserer Sommermonate und somit in der Zeit der Herstellung des Impfstoffs für die nördliche Hemisphäre) verändern und dann mit den bei uns zirkulierenden Viren nicht mehr optimal übereinstimmen.<br /><br /><strong> Ist die Situation in dieser Saison nun in irgendeiner Weise anders als sonst?<br /> M. Redlberger-Fritz:</strong> Dass der trivalente Impfstoff die falsche B-Linie enthält, ist nicht neu, das hat es früher auch schon gegeben – es ist nur in den Medien vielleicht weniger darüber berichtet worden. Was aber in dieser Saison dazukommt, ist die Tatsache, dass wir eine B-dominierte Saison haben, was nicht sehr oft vorkommt. Üblicherweise beginnen die B-Viren erst während der Mitte der Saison zu zirkulieren, hinken also den A-Viren nach, sodass wir in der Regel 20 bis 25 % , maximal 30 bis 40 % B-Infektionen haben. Eine so ausgeprägte Dominanz der B-Viren, mit über 70 % , wie das heuer der Fall ist, hatten wir zuletzt während der Saison 2001/2002.<br /><br /><strong> Gibt es dafür irgendwelche fassbaren konkreten Gründe, oder muss man das einfach als statistischen Ausreißer sehen?<br /> M. Redlberger-Fritz:</strong> Das Problem ist, dass die Influenza niemals vorhersagbar ist. Wir hatten z.B. vorige Saison ebenfalls eine Ausnahmesituation, da zirkulierten nämlich ausschließlich A(H3N2)- Viren und verursachten eine ziemlich heftige Grippewelle. Dies führte wohl zu einer guten Immunität gegen A(H3N2) in der Bevölkerung. Das ist zumindest eine partielle Erklärung dafür, dass sich andere Viren, vor allem eben diese B-Linie, heuer besser durchsetzen konnten.<br /><br /><strong> Wir haben zwar in Österreich sehr niedrige Durchimpfungsraten, aber: Würde eine Durchimpfung mit trivalentem Impfstoff die B-Yamagata-Linie, die nicht durch diesen Impfstoff abgedeckt ist, indirekt fördern?<br /> M. Redlberger-Fritz:</strong> Nein. Das sieht man jetzt z.B. in den USA, wo die Impfstoffsituation grundsätzlich ähnlich ist. Dort treten aber in dieser Saison zu 75 % A(H3N2)-Viren auf. Wie gesagt funktioniert es nicht, das dominante Virus für die nächste Saison vorherzusagen.<br /> Es ist schon im Kleinen unmöglich, die lokalen Unterschiede der dominierenden Viren vorherzusagen. Sieht man sich beispielsweise die Situation in Europa während dieser Saison an, so zeigt sich zwar in vielen Ländern wie auch in Österreich eine B-Dominanz, doch die Türkei und Frankreich haben lange Zeit eine A(H1N1) pdm09-Dominanz gemeldet.<br /><br /><strong> Welche Lehre ziehen Sie aus der aktuellen Situation?<br /> M. Redlberger-Fritz:</strong> Im Grunde zeigt diese Saison nur, dass uns die Influenza alljährlich wieder überraschen kann. Ich warte noch auf die Saison, in der es keine Überraschung gibt, bisher gab es immer eine. Man sieht jedes Jahr eine eindeutige, charakteristische Dynamik, und es ist einfach spannend, zu beobachten, wie diese Dynamiken einander von Jahr zu Jahr ablösen.<br /><br /> <strong>Vielen Dank für das Gespräch!</strong></p></p>
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