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IMED 2014

Ebola und MERS: Expertenberichte aus erster Hand

<p class="article-intro">Krankheiten auf dem Vormarsch waren das Thema der IMED-Konferenz in Wien. Erwartungsgemäß bildeten Ebola und das „Middle East respiratory syndrome“ (MERS) zwei der Schwerpunkte dieses international renommierten Kongresses.</p> <hr /> <p class="article-content"><p>Alle zwei Jahre treffen einander in Wien Experten aus aller Welt zum Erfahrungsaustausch &uuml;ber m&ouml;glicherweise bedrohliche Erreger. Dieses International Meeting on Emerging Diseases (IMED) fand bislang weitgehend unter Ausschluss bzw. unter eher bescheidenem Interesse der &Ouml;ffentlichkeit statt. Das war in diesem Jahr anders. Der Grund: die bisher gr&ouml;&szlig;te Ebola-Epidemie, die in Westafrika zum Zeitpunkt der IMED-Konferenz bereits mehr Todesopfer gefordert hatte als alle fr&uuml;heren Ausbr&uuml;che zusammen. Einer der mit Spannung erwarteten G&auml;ste war Dr. Oyewale Tomori, Pr&auml;sident der Nigerian Academy of Science. Gefragt war seine Expertise nicht nur als scharfz&uuml;ngiger Kritiker afrikanischer (Gesundheits-)Politik, sondern auch aus einem ganz anderen Grund. Seinem Land war es als bislang einzigem gelungen, den Ausbruch zu stoppen. Nach zwanzig Erkrankungen und acht Todesf&auml;llen konnte in Nigeria vorsichtige Entwarnung gegeben werden. F&uuml;r Dr. Tomori war die Hauptursache f&uuml;r den relativ glimpflichen Ausgang des Ausbruchs jedoch eine geh&ouml;rige Portion Gl&uuml;ck.</p> <h2>Koordinierter Einsatz der Beh&ouml;rden zeigte Wirkung</h2> <p>Am 20. Juli 2014 kam ein akut erkrankter Patient aus Liberia auf dem internationalen Flughafen von Lagos, Nigeria, an. Dr. Tomori: &bdquo;Allerdings hatten wir zu diesem Zeitpunkt einen &Auml;rztestreik. Daher wurde der Patient nicht in ein &ouml;ffentliches Krankenhaus gebracht, sondern in eine Privatklinik &ndash; ein relativ kleines Haus. Dadurch war es in der Folge leichter, seine Kontakte einzugrenzen. W&auml;re er in eines der gro&szlig;en Krankenh&auml;user von Lagos gekommen, h&auml;tte das unsere Arbeit deutlich schwieriger gemacht und die Chancen auf Erfolg reduziert.&ldquo;</p> <p>Die Diagnose einer Ebola-Erkrankung wurde nach Aufnahme im Krankenhaus best&auml;tigt. Dieser Indexpatient hatte 72 Personen am Flughafen und im Krankenhaus potenziell exponiert. Das Ministerium f&uuml;r Gesundheit rief in R&uuml;cksprache mit dem nigerianischen Zentrum f&uuml;r Krankheitsbek&auml;mpfung (Nigeria Center for Disease Control, NCDC) einen Ebola-Notfall aus.</p> <p>&bdquo;Lagos, mit 21 Millionen Einwohnern, gilt als regionale Drehscheibe f&uuml;r Wirtschaft, Industrie und Reiseaktivit&auml;ten und bietet ein Umfeld, in dem sich &uuml;bertragbare Krankheiten sehr leicht ausbreiten k&ouml;nnen. Bereits am 23. Juli installierte das nigerianische Gesundheitsministerium gemeinsam mit der Regierung des Staates Lagos und internationalen Partnern ein Ebola-Kriseninterventionszentrum als Vorl&auml;ufer des aktuell bestehenden Katastrophenschutzzentrums, Emergency Operations Center &ndash; EOC&ldquo;, erz&auml;hlt Dr. Tomori.</p> <h2>Nigeria: keine Opfer beim medizinischen Personal</h2> <p>Der Indexpatient verstarb am 25. Juli. In der Folge traten 20 weitere Ebola-Infektionen in Nigeria auf. Alle Infektionen konnten bis zum Indexpatienten zur&uuml;ckverfolgt werden. Knapp 900 identifizierte Kontaktpersonen standen in diesem Zeitraum unter Beobachtung. Acht Patienten verstarben (sieben mit best&auml;tigter, einer mit wahrscheinlicher Ebola-Erkrankung). Am 20. Oktober 2014 erkl&auml;rte die WHO Nigeria offiziell f&uuml;r Ebola-frei. &bdquo;Diese rasche Bek&auml;mpfung des Ebola-Ausbruches ist in hohem Ma&szlig;e dem fr&uuml;hzeitig eingerichteten Kriseninterventionszentrum (EOC) zu verdanken, das mithilfe eines ,Incident Management&lsquo;-Systems (IMS) die Koordination der Ma&szlig;nahmen sowie konsolidierte Entscheidungen erm&ouml;glichte&ldquo;, sagt Dr. Tomori, der seit Jahren die afrikanischen Staaten zum Aufbau leistungsf&auml;higerer Systeme zur Krisenintervention mahnt. Wie professionell und gr&uuml;ndlich vorgegangen wurde, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass kein medizinisches Personal, das mit Patienten in Kontakt war, infiziert wurde.</p> <h2>Auf der Suche nach der besseren Therapie</h2> <p>Keine guten Nachrichten gibt es indes aus Westafrika. Laut WHO waren mit Stand 25. Oktober 10.141 Menschen in acht betroffenen L&auml;ndern an Ebola erkrankt und 4.922 gestorben. Das Ebola-Virus h&auml;lt sich hartn&auml;ckig und breitet sich weiterhin in Guinea, Liberia und Sierra Leone aus. Au&szlig;erdem gab oder gibt es bisher vereinzelte F&auml;lle in Mali, Nigeria, dem Senegal, in Spanien und den USA. Die Teams von &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; bem&uuml;hen sich verzweifelt um eine Eind&auml;mmung der Seuche und haben dabei h&auml;ufig auch mit dem Misstrauen der &ouml;rtlichen Bev&ouml;lkerung zu k&auml;mpfen. Gleichzeitig wird intensiv an einer Verbesserung der Behandlungsm&ouml;glichkeiten gearbeitet. Das bezieht sich keineswegs nur auf experimentelle Therapien gegen das Virus, sondern zun&auml;chst auf die bessere unterst&uuml;tzende Therapie der Erkrankten. Die Erfahrung habe n&auml;mlich gezeigt, dass Ebola-Patienten keineswegs &bdquo;innerlich verbluten&ldquo;, sondern H&auml;morrhagien lediglich ein untergeordnetes Problem darstellen. Schlimmer sind Fl&uuml;ssigkeitsverlust durch Durchf&auml;lle, ein &bdquo;Zytokin-Sturm&ldquo; sowie m&ouml;glicherweise eine Enzephalitis. Auch Komorbidit&auml;ten wie Hepatitis B d&uuml;rften die Prognose ung&uuml;nstig beeinflussen. &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; bem&uuml;ht sich gegenw&auml;rtig, die vor Ort gesammelten Daten auszuwerten, um zu besseren Behandlungsprotokollen zu kommen, wie Dr. Hilde De Clerck ausf&uuml;hrt. V&ouml;llig unklar ist auch, wie es zu den erheblichen Unterschieden in der Mortalit&auml;t kommt, die zwischen den einzelnen Zentren beobachtet werden, obwohl Patienten in allen Zentren von &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; weitgehend die gleiche Behandlung bekommen. Diskutiert werden unter anderem genetische Unterschiede zwischen den verschiedenen in der Region lebenden Ethnien.</p> <h2>Wieder ein Virus aus der Fledermaus</h2> <p>Im Gegensatz zu Ebola ist MERS kein gef&auml;hrlicher alter Bekannter, sondern eine neue Unbekannte f&uuml;r die Gesundheitsbeh&ouml;rden. Der Erreger des &bdquo;Middle East respiratory syndrome&ldquo; ist ein Coronavirus, das im Jahr 2012 erstmals beim Menschen auff&auml;llig wurde. MERS-CoV ist ein Verwandter des SARS-Virus und f&uuml;r den Menschen ernsthaft gef&auml;hrlich. Von den bisher dokumentierten symptomatischen MERS-Infektionen verliefen rund 40 % t&ouml;dlich, wie Dr. Ziad Memish, Infektiologe und bis vor Kurzem stellvertretender Gesundheitsminister von Saudi-Arabien, im Rahmen der IMED-Tagung in Wien berichtete. Dabei zeigt MERS ein bemerkenswertes Muster: Es taucht in kleinen Outbreaks auf, in deren Verlauf es an Letalit&auml;t verliert. F&uuml;r den Indexpatienten verl&auml;uft die Krankheit in der Regel t&ouml;dlich. Bei in der Folge Infizierten nimmt die Schwere der Erkrankung sukzessive ab und schlie&szlig;lich erlischt der Ausbruch wieder. Wie sich die Indexpersonen anstecken, ist nicht vollst&auml;ndig gekl&auml;rt. MERS-CoV d&uuml;rfte ein Fledermausvirus sein, an dem auch Dromedare erkranken. Zu den bisherigen MERS-Ausbr&uuml;chen kam es daher auch in L&auml;ndern auf oder nahe der arabischen Halbinsel, n&auml;mlich in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Qatar, Oman, Jordanien, Kuwait, dem Jemen, im Libanon und Iran. War man Anfang des Jahres noch von der Gefahr einer m&ouml;glicherweise unkontrollierbaren Ausbreitung der Erkrankung ausgegangen, steht das Barometer gegenw&auml;rtig auf vorsichtiger Entwarnung. MERS-CoV scheint nicht das Potenzial zu haben, sich nachhaltig in der humanen Population festzusetzen oder auszubreiten. Dr. Memish und sein Team f&uuml;hrten in Saudi-Arabien &ndash; wo es bislang die meisten F&auml;lle von MERS gab &ndash; serologische Untersuchungen in der Bev&ouml;lkerung durch und fanden eine sehr geringe Seropr&auml;valenz von 0,1 % . Bei Angeh&ouml;rigen von Berufsgruppen, die regelm&auml;&szlig;ig mit Tieren zu tun haben, sind Antik&ouml;rper gegen MERS-CoV h&auml;ufiger. Mit rund 3 % ist die Rate an seropositiven Personen unter Schlachthofarbeitern am h&ouml;chsten. Ausbr&uuml;che in dieser Berufsgruppe sind nicht bekannt, die Infektionen verliefen also offenbar asymptomatisch oder mit leichter, einer Erk&auml;ltung &auml;hnlicher Symptomatik. Experten bef&uuml;rchten daher in absehbarer Zeit keinen weltweiten MERS-Ausbruch mehr, weil das Virus, im Gegensatz zu seinem offenbar leichter &uuml;bertragbaren Verwandten SARS, im Wesentlichen eine Zoonose geblieben ist. Dr. Memish warnt jedoch davor, MERS nicht ernst zu nehmen: &bdquo;Wir hatten im Grunde genommen mit Ebola eine &auml;hnliche Situation. Jahrzehntelang hatte man es mit einem Virus aus dem Tierreich zu tun, das gelegentlich auf den Menschen &uuml;berspringt und kleine Ausbr&uuml;che mit hoher Mortalit&auml;t verursacht. Jetzt, nach 40 Jahren, steht man pl&ouml;tzlich vor einer v&ouml;llig neuen Situation mit einer unkontrollierten Epidemie. So weit sollten wir MERS nicht kommen lassen.&ldquo;</p></p> <p class="article-quelle">Quelle: International Meeting on Emerging Diseases and Surveillance (IMED), 31. Oktober bis 3. November 2014, Wien </p>
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